Netzbezug/Anlagenbezug: Wie funktioniert das elektrisch?

  • Hallo,


    das Arbeits- und Abrechnungsprinzip beim Zusammenspiel von Netz und Wechselrichter (bei Strombezug) ist mir grundsätzlich klar.


    Aber wie ist das eigentlich elektrisch im Zählerkasten umgesetzt? D.h. wie ist sichergestellt, dass der von meiner Hausinstallation bezogene Strom auch wirklich vorzugsweise vom Wechselrichter kommt und erst wenn ich mehr Strom benötige als der Wechselrichter liefern kann, aus dem Netz bezogen wird (mit Priorität 2 sozusagen)?


    Bietet der Wechselrichter eine etwas höher Spannung als das Netz (z.B. WR: 233V bei Netz: 230V) und stellt somit sicher, dass er den Vorrang hat, oder wie ist das zu verstehen?
    Und ist das ganze dann wirklich trennscharf definiert?


    Ein Solarlog z.B. zeigt mir bei zusätzlichem Verbrauchszähler zwar die Differenz zwischen Erzeugung und Eigenverbrauch ständig an (positiv oder negativ), aber ob der selbst verbrauchte Strom wirklich auch vom Wechselrichter kommt, kann er ja nicht kontrollieren.


    Man müsste höchstens ständig den Zweichrichtungszähler des Netzanbieters auslesen und überprüfen, ob der Strombezug aus dem Netz mit der Differenz von Erzeugung und Verbrauch übereinstimmt. Hat das schon mal jemand gemacht und hat Zahlen hierzu?


    Gruß,
    xorxus

  • Zitat

    Aber wie ist das eigentlich elektrisch im Zählerkasten umgesetzt? D.h. wie ist sichergestellt, dass der von meiner Hausinstallation bezogene Strom auch wirklich vorzugsweise vom Wechselrichter kommt und erst wenn ich mehr Strom benötige als der Wechselrichter liefern kann, aus dem Netz bezogen wird (mit Priorität 2 sozusagen)?


    Wie sollte es denn anders sein?


    Wenn deine Verbraucher und der Wechselrichter beide hinter dem selben Zähler hängen, fließt der bezogene sowie der eingespeiste Strom durch die selben Kabel und durch den Zweirichtungszähler.


    Stell dir deinen Stromanschluss als einen Schlauch vor, in dem das Wasser mal in die eine, mal in die andere Richtung fließt, aber nie in beide Richtungen zugleich. Wenn du nun mehr produzierst als du zur gleichen Zeit verbrauchst, fließt das Wasser ins Netz, andernfalls zu dir.


    Es könnte höchstens passieren, dass auf einer Phase eingespeist wird, während auf einer anderen Phase bezogen wird. Ein phasensaldierender Zähler "rechnet das aber intern gegeneinander auf" und zählt nur den verbleibenden Saldo - Einspeisung oder Bezug.


    Bastel

  • Die Analogie mit dem Wasser finde ich gut gewählt, daran kann man sich das einfach überlegen.


    Wenn deine Anlage nun ein "Zufluss" an Wasser ist, und all deine Verbraucher "Abflüsse" sind, dann kannst du dir leicht überlegen was passiert.


    Du verbrauchst mehr als die PV Anlage liefert:
    Alles Wasser, was in deinem Hausnetz ist wird verbraucht und es muss noch etwas durch den Hausanschluss (der Zufluss ODER Abfluss sein kann, aber niemals beides gleichzeitig)nachfließen.


    Du verbrauchst wenige als die Anlage liefert:
    Deine Abflüsse schlucken all das Wasser was Sie können. Aber die PV "produziert" mehr Wasser als notwendig. Das Wasser MUSS irgendwo hin, also fließt es durch den Hausanschluss raus. Ähnlich wie in einem Fluss kannst du im Hausanschluss nun nicht zeitgleich einen Strömung nach draussen UND eine nach drinnen haben, da die sich blockieren. Also verbrauchst du nur PV Strom. (Das ist alles symbolisch gesprochen. Welches Elektron nun bei dir grad Arbeit verrichtet lässt ist sowieso vollkommen egal, zumal wir bei Wechselstrom sowieso niemals nur eine "Flussrichtung" haben)

  • OK, das leuchtet natürlich ein. Die Wasser-Analogie ist mir auch nicht unbekannt. Aber mich beschäftigt dabei, dass man bei diesem System ja noch den Wasserdruck berücksichtigen muss.
    Wenn im äußeren Netz, sagen wir ein um 0,5 bar höherer Druck herrsch, als im Wechselrichter, stoppt der Fluss von außen den Fluss aus dem Wechselrichter und fließt an ihm vorbei in meine Hausverteilung.
    Wenn der Druck bei beiden gleich ist, ergibt sich ein unbestimmtes System.
    Soweit ich mich erinnere, ist das Äquivalent zu Druck bei der Wasser-Strom-Analogie die Spannung.
    Müsste darum der Wechselrichter nicht einen etwas höheren Druck (Spannung) anstehen haben, als das Außennetz?


    Xorxus

  • Zitat von xorxus

    ...
    Soweit ich mich erinnere, ist das Äquivalent zu Druck bei der Wasser-Strom-Analogie die Spannung.
    Müsste darum der Wechselrichter nicht einen etwas höheren Druck (Spannung) anstehen haben, als das Außennetz?
    ...


    Genau so ist das. Gut erkannt, Frage beantwortet.