Übernahme PV Anlage mit privatem Kaufvertrag

  • Hallo zusammen,


    in meinem letzten (und ersten) Beitrag hier im Forum habe ich mich ja noch über eine Photovoltaikanlage informiert, inzwischen bin ich stolzer Besitzer eben selbiger :-) Leider tun sich jetzt eine aus meiner Sicht sehr komplexe Frage auf, und ich habe die Hoffnung, dass ihr mir die eine oder andere Frage beantworten könnt.


    Aber erst mal die Details:
    Meine Frau und ich haben vor einigen Wochen ein Haus gekauft auf dem eine PV Anlage montiert ist. Die Anlage hat 4,95 kwp und wurde 2011 in Betrieb genommen. Über die PV Anlage haben wir einen separaten, standard Kaufvertrag abgeschlossen. Das Haus sowie die PV gehen am 01.12 in unseren Besitz über, d.h. ich werde ab 01.12 in den erlesenen Club der Stromerzeuger gehören ;-)


    Meine Idee war jetzt eigentlich von Anfang an, dass ich von der Kleinunternehmerregelung gebrauch mache. Hintergrund ist, dass ich mit dem Verkäufer einen vermeintlich "privaten" Kaufvertrag geschlossen habe ohne ausgewiesene MwSt. Da ich somit durch die Regelbesteuerung keine Vorteile habe, da ich ja auch keine MwSt erstattet bekomme, war die KUR für mich die sinnvollere.


    Jetzt habe ich aber festgestellt / erfahren, dass der Vorbesitzer (also der Verkäufer) Vorsteuer abgeführt hat und somit offensichtlich die Regelbesteuerung in Anspruch genommen hat. D.h. für mich, dass der Verkäufer die MwSt beim seinem Kauf 2011 erstattet bekommen hat, diese beim Verkauf im Kaufvertrag aber nicht ausgewiesen wurde. Jetzt stellt sich für mich die Frage, wie es weitergeht? Aus meiner (amateur)Sicht gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:


    1. Ich führe die Unternehmung so weiter wie der Verkäufer zuvor mit Regelbesteuerung, obwohl ich das gar nicht möchte. Dieser Weg sollte steuerlich sauber sein. (oder?)


    2. Ich starte die Unternehmung als Kleinunternehmer. Aber dann stellt sich mir die Frage, wer die MwSt nachzahlen muss, die das Finanzamt sicher zurück haben möchte.



    Oder sehe ich das komplett falsch? Bin für jeden Rat dankbar!

  • Zitat von Joe2907


    Aber erst mal die Details:
    ... wurde 2011 in Betrieb genommen.
    ... ich werde ab 01.12 in den erlesenen Club der Stromerzeuger gehören ;-)


    ..., dass ich von der Kleinunternehmerregelung gebrauch mache. Hintergrund ist, dass ich mit dem Verkäufer einen vermeintlich "privaten" Kaufvertrag geschlossen habe ohne ausgewiesene MwSt. Da ich somit durch die Regelbesteuerung keine Vorteile habe, da ich ja auch keine MwSt erstattet bekomme, war die KUR für mich die sinnvollere.


    Nur weil keine USt. ausgewiesen wurde, heißt das nicht, daß es kein "gewerblicher" Kauf ist.
    Das ganze schimpft sich Geschäftsveräußerung im ganzen.
    Hier darf keine USt- berechnet werden. Somit paßt das.


    Zitat von Joe2907


    Jetzt habe ich aber festgestellt / erfahren, dass der Vorbesitzer (also der Verkäufer) Vorsteuer abgeführt hat und somit offensichtlich die Regelbesteuerung in Anspruch genommen hat. D.h. für mich, dass der Verkäufer die MwSt beim seinem Kauf 2011 erstattet bekommen hat, diese beim Verkauf im Kaufvertrag aber nicht ausgewiesen wurde. Jetzt stellt sich für mich die Frage, wie es weitergeht? Aus meiner (amateur)Sicht gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:


    Wie gesagt, Geschäftsveräußerung im ganzen => nicht steuerbar.


    Zitat von Joe2907

    1. Ich führe die Unternehmung so weiter wie der Verkäufer zuvor mit Regelbesteuerung, obwohl ich das gar nicht möchte. Dieser Weg sollte steuerlich sauber sein. (oder?)


    Das ist die einzig sinnvolle Möglichkeit. Sonst zahlst Du drauf.


    Zitat von Joe2907

    2. Ich starte die Unternehmung als Kleinunternehmer. Aber dann stellt sich mir die Frage, wer die MwSt nachzahlen muss, die das Finanzamt sicher zurück haben möchte.


    Du übernimmst ein Unternehmen.
    Wenn Du jetzt vor Ablauf von 5 Jahren auf KUR wechselst, muß Du, da Du jetzt das Unternehmen übernommen hast, die USt. anteilig zurückzahlen.
    D.h. ein Wechsel zur KUR wäre frühestens zum 01.01.17 möglich.


    Aber warum möchtest Du unbedingt KUR?
    Die Anlage ist von 2011. D.h. vergüteter Eigenverbrauch und somit fiktive Volleinspeisung mit Rücklieferung.
    Du sparst Dir hier rein gar nichts, wenn Du KUR wählst. USt. für den Eigenverbauchüber die fiktive Rücklieferung wird Dir vom Netzbetreiber so oder so berechnet.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Verkauf ohne Ust war korrekt, da "Geschäftsveräußerung im Ganzen" und somit nicht steuerbar.



    Zitat von Joe2907


    ...
    2. Ich starte die Unternehmung als Kleinunternehmer. Aber dann stellt sich mir die Frage, wer die MwSt nachzahlen muss, die das Finanzamt sicher zurück haben möchte.
    ...


    Wenn du zur KUR wechselst, dann hast du den Wechsel zu verantworten und somit zahlst du die Vorsteuer zurück.

  • zu 1) Der Weg geht schadenfrei über die Bühne.


    zu 2) Völlig eindeutig. Du bist für die Änderung der für den Vorsteuerabzug maßgeblichen Verhältnisse verantwortlich; Du zahlst.
    Wobei wir von max. 12/60 (bei Zuordnung zum Unternehmen 12/2011) und min. 1/60 reden (bei Zuordnung zum Unternehmen in 01/2011)


    Nur am Rande: Über die Absicht zur KUR zu wechseln, kannst Du Deinen Verkäufer in die Pflicht nehmen, Dir alle für den Vorsteuerabzug erforderlichen Daten zu überlassen. (§15a X S.2 UStG). Falls nicht geschehen, kann man so mal schauen, wieviel der Bruder wirklich für seine Anlage bezahlt hat.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Erstmal danke für die schnellen Antworten!


    Ok, dann scheint schon mal sehr klar zu sein, wer die USt im Zweifel nachzahlen müßte, nämlich ich :-/
    Da die Anlage 07/2011 ans Netz gegangen ist, geht es wohl um 6/60, was bei der kleinen Anlage zwar nicht viel ist, aber verschenken möchte man auch nichts.


    Bzgl. der Frage von Andre78 warum ich überhaupt zur KUR wechseln möchte:
    Ich bin davon ausgegangen, dass der Hauptvorteil der Regelbesteuerung in der Ersparnis der MwSt des Kaufpreises liegt. Darüber hinaus wollte ich den Aufwand so gering wie möglich halten, aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass der bürokratische Aufwand der KUR nur minimal geringer ist (Aufgrund der monatlich notwendigen USt-Vorauszahlung). Ist doch korrekt, oder?


    Also sprechen doch eher die Argumente für die Regelbesteuerung....


    Eine Frage hätte ich auch noch zur Berechnung der Abschreibungen. Nach meinem Verständnis wird die Anlage ja über 20 Jahre linear abgeschrieben, wahlweise auch in den ersten beiden Jahren degressiv.


    1. Frage: Da ich die Anlage ja "gebraucht" mit 4 alter Jahren gekauft habe, muss ich den Kaufpreis jetzt mit 16 Jahren linear abschreiben, oder?
    2. Frage: Da ich in 2015 die Anlage nur 1 Monat betreibe, schreibe nur 1/12 der jährlichen Abschreibung ab, korrekt? Also Kaufpreis / 16 / 12?

  • Die KUR bringt bei einer 2011er Anlage keinen Vorteil. Für eine 2011er findet die UStAE 2.5 Anwendung. D.h. fiktive Volleinspeisung mit Rücklieferung des DV durch den VNB. Sprich egal ob KUR oder nicht, USt auf den DV wird so oder so fällig.


    Zur Abschreibung: Ist richtig, so wie du schreibst. Du kannst dann noch die Sonder-AfA in Anspruch nehmen.

  • Hallo,
    UST auf den DV bei der Anwendung der KUR ?
    Es ist richtig, dass bei einer PV-Anlage bis 31.03.2012 die USTAE 2.5 zur Anwendung kommt.
    Wenn beim Wechsel zur KUR dennoch UST auf den DV anfällt, dann doch eigentlich auch auf die Einspeisung, für die aber keine UST vom VNB gezahlt wird ?
    Wenn nur auf den DV, warum auch immer, lasse ich die Anlage doch einfach auf Volleinspeisung anschließen.
    Kein DV keine UST ...? EST natürlich außen vor. Was hab ich jetzt falsch interpretiert ?
    Sonnige Grüße

    28 EGING 190W, WR SMA 5000TL20
    Ausrichtung -36°, DN 42°
    I.B.N. 6/2011

  • Du weißt, was der UStAE 2.5 sagt?
    Fiktive Volleinspeisung mit Rücklieferung.
    D.h. es wird so gerechnet, daß man die komplett erzeugte Energiemenge an den VNB liefert.
    So wird auch abgerechnet.
    Den direkt verbrauchten Strom bekommt man mit der berücksichtigten Eigenverbrauchs"vergütung" bei diesem Konstrukt vom VNB zurückgeliefert.


    D.h. hier finden zwei Vorgänge statt:
    Lieferung vom PV-Betreiber an VNB (100% der Erzeugung)
    Lieferung vom VNB an PV-Betreiber (Der entsprechende Anteil des Direktverbrauchs)


    Wenn der PV-Betreiber nun KUR wählt, bekommt dieser die Einspeisevergütung ohne USt. ausgezahlt.
    Da der VNB jedoch USt.pflichtig ist, muß dieser für die (Rück-)Lieferung USt. berechnen.


    Ob mit KUR oder mit Regelbesteuerung kommt hier immer dasselbe Ergebnis heraus.
    Mit Regelbesteuerung bekommt man zu der Einspeisevergütung noch die USt. ausgezahlt.
    Da diese jedoch ein durchlaufender Posten ist, also 1:1 ans FA geht, besteht weder ein Nachteil noch ein Vorteil.
    Aber, sobald man Ausgaben hat von denen man Vorsteuer ziehen kann, ist die Regelbesteurung klar im Vorteil.
    (neuer WR, Reparaturen, Reinigungsmatieral etc.)
    Denn mit KUR kann man keine Vorsteuer ziehen.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron