Vollkommener Neuling

  • Hallo,


    ich bin seit September stolzer Besitzer einer PV Anlage mit 10 kWp auf meinem neu gebauten Eigenheim.


    Leider ist mir nicht so ganz klar wie die Sache nun weitergeht. Die Fa. die mir die Anlage installiert hat hat mich nur darauf hingewiesen das ich diese bei der Bundesnetzagentur anmelden müsse, danach würde sich dann die Netzgesellschaft melden und alles geht seinen Gang.


    Ich habe die Anlage also bei der Agentur am 29.09. gemeldet und auch von der Netzgesellschaft ein Schreiben bekommen. Hier steht nun wörtlich bzgl. der Umsatzsteuer.


    Für die Umsatzsteuer bezüglich der Stomeinspeisung gilt Folgendes: Bitte mit ihrem Steuerberater/Finanzamt abklären. Und dann kann ich ankreuzen 0% ohne Umsatzsteuer und 19% Umsatzsteuer


    Da ich keinen Steuerberater habe, habe ich also beim Finanzamt angerufen. Dort konnte/wollte man mir auch nicht so richtig helfen. Mir wurde gesagt das ich halt die Wahl habe. Das wusste ich ja bereits.


    Von einem Bekannten wurde mir dazu geraten die unternehmerische Variante zu wählen, da ich dann ja gleich die Steuer von der Anlage wieder bekomme. Dies würde ich eigentlich auch gerne machen.


    Gibt´s denn irgendwie eine Art "Anleitung" was ich jetzt dann tun muss?

  • Hallo Youtec,
    willkommen im Forum. Hier ein kurze Übersicht über nächste Schritte:
    A.
    1) Einer der nächsten Schritte ist den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung auszufüllen (es sei denn Du bist schon Unternehmer und hast schon eine Umsatzsteuernummer auf den Namen des Anlagenbetreibers). Leg die Rechnung für die PV Anlage bei, um Eure Ernsthaftigkeit bei der Aufnahme der Gewerbetätigkeit zu dokumentieren. Je früher Du die Steuernummer hast, umso schneller bekommst Du die MWst zurück.


    Den Fragebogen gibt es z.B. hier: https://www.formulare-bfinv.de…m/display.do?%24context=0
    oder beim Finanzamt Deines Vertrauens.


    !!!!Wichtig!!!!
    a) Unter Punkt 4. Gewinnermittlung Einnahmeüberschußrechnung wählen (sonst musst Du Bilanzen erstellen)
    b) Unter Punkt 7.3 auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten (sonst bekommst Du die MWSt nicht zurück)
    c) unter Punkt 7.8 Ist-Versteuerung nach vereinnahmten Entgeldern wählen
    d) der Unternehmer in diesem Fragebogen, auf allen Rechnungen und bei der Kommunikation mit dem Verteilnetzbetreiber (VNB) muss immer gleich sein.


    2) Eine Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde ist nicht erforderlich (auch nicht erwünscht). Man bekommt trotzdem eine Metro und C&C Karte wenn man will ;-)


    3) Es kann sein, dass die IHK Dich als Mitglied aufnimmt, ist aber beitragsfrei.


    4) Sobald Du eine Steuernummer hast, musst Du Umsatzsteuervoranmeldungen machen. Die USt Voranmeldung ist bis Ende des ersten vollen Betriebsjahres monatlich, später wird dann bei Kleinanlagen meist auf jährlich umgestellt. In der ersten Voranmeldung gibst Du die MWSt aus der Solateurs-Rechnung an (Zeile 66, und dann immer die MWSt. auf alle anderen Rechnungen, die mit der PV Anlage zu tun haben). Sobald Du vom Netzbetreiber Geld bekommst trägst Du die steuerpflichtigen Umsätze in dem Monat ein in dem Sie geflossen sind (Zeile 81). Zu den steuerflichtigen Umsätzen zählt auch derEigenverbrauch, bewertet mit dem gesparten Bezugsstrompreis. Das kann man monatlich gleich machen, auf Basis einer Schätzung des Eigenverbrauchsanteils. Den tatsächlichen Wert kannst Du dann in der Umsatzsteuerjahreserklährung angeben.


    Alles kein Hexenwerk, ich brauch inzwischen für die UStVoranmeldung unter 5 Minuten (in Elster Formular 2 Zahlen eintragen, die über das Jahr meist gleich bleiben. Abschicken, fertig). Bei Elster musst Du Dich anmelden, seit 2013 braucht man auch ein Elster-Zertifikat für die online Übermittlung.


    5) Steuerliche Gestaltung:
    Die Investition wird über 20 Jahre linear abgeschrieben. In den ersten 5 Jahren kann man bis zu 20% der Investition beliebig auf die 5 Jahre verteilt als Sonderabschreibung geltend machen. Am besten mindestens 1% von den 20% bis ins Jahr 5 verschieben, dann bleiben anfänglich die gesamten Errichtungskosten die Basis für die lineare Abschreibung (und diese ist damit höher). Erst im Jahr 5 wird dann die Basis für die Abschreibung auf den Buchwert nach Jahr 5 gesenkt.
    Auch damit lassen sich Steuern nach hinten schieben. Das ist wegen der Steuerprogression besonders effektiv, wenn man einen sinkenden Steuersatz erwartet, z.B. bei nahendem Ruhestand. Dann hat man den Zinsvorteil der vorgezogenen Ersparnis und bezahlt am Ende sogar noch weniger Steuern als man vorne gespart hat. Am besten mal mit dem Steuerberater ansprechen.


    6) Steuererklärungen
    Einmal im Jahr muss man eine Umsatzsteuererklärung machen in der im Prinzip nur die monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldungen zusammen gefasst werden.
    Außerdem muss man den Gewinn in der Einkommensteuererklärung angeben. Dazu muss man eine Einnahme-Überschuss-Rechnung machen und in Anlage G (Einnahmen aus Gewerbebetrieb) den Gewinn angeben. Hier gibt es Hilfe und ein einfaches Spreadsheet für die Berechnungen: http://www.pv-steuer.de/
    Für die Einnahme-Überschussrechnung muss man ebenfalls den Eigenverbrauch mit einrechnen. Kann man sehr kompliziert machen, aber hierfür kann man vereinfachend die entgangene Einspeisevergütung zur Bewertung des Eigenverbrauchs annehmen (inkonsistent mit der USt, aber so sind zur Zeit die Richtlinien).


    7) Versicherungen
    a) auf jeden Fall die PV Anlage bei der Haftflicht-, Hausrat-, Haus- und Brandversicherung melden (wegen 'Gefahrerhöhung'). Hat normalerweise keinen Einfluß auf die Kosten, aber die Versicherung soll später nach einem Schaden auch keine Ausreden haben.
    b) für die PV Anlage gibt es zwei mögliche Versicherungen:
    - eine Betreiberhaftpflicht (wenn die Module vom Dach wehen und dem Nachbarn das Auto kaputt machen).
    - eine Anlagenversicherung, bei vielen Versicherern eine abgewandelte Elektronikversicherung. Ich habe gute Erfahrungen mit diesem spezialisierten Vermittler: http://www.rosa-photovoltaik.de/
    N.B.: Ich bekomme da keine Provision ;-)


    B) Meldung bei der Bundesnetzagentur
    Auf https://app.bundesnetzagentur.de/pv-meldeportal/ mit Ihren persönlichen Daten registrieren. Auch hier wieder mit den gleichen Namen wie auf der Rechnung und der steuerlichen Meldung. Man bekommt innerhalb weniger Minuten einen Aktivierungslink auf die angegebene email Addresse. Diesen anklicken und die Leistung und Inbetriebnahmedatum für eine neue PV Anlage melden. Fertig!


    C) Der Elektriker/Solateur hat hoffentlich komplettiert die Unterlagen für den VNB ausgefüllt und eingereicht.


    D) Der VNB wird möglicherweise einen Einspeisevertrag zuschicken. Diesen musst Du nicht unterschreiben, das ist im EEG §7 ausdrücklich geregelt). Die Verträge der Netzbetreiber enthalten meist Klauseln, die den Betreiber schlechter stellen als die gesetzlichen Regelungen (z.B. eventuelle Nachrüstungen auf Deine Kosten), aber nichts was Dich besser stellt. Ich schreibe immer:
    "Herzlichen Dank für Ihren Vertragsvorschlag. Nach Durchsicht sehe ich einige Punkte, die mich schlechter stellen als die gesetzlichen Regelungen, aber keine die mich besser stellen. Ich verzichte daher auf den Vertrag. Mit der Abrechnung mittels Abschlagszahlungen bin ich einverstanden."


    Ich bin weder Rechtsanwalt noch Steuerberater. Alles nach bestem Wissen und Gewissen von Betreiber zu Betreiber, aber ohne Gewähr!!


    Hoffe das hilft erstmal


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Hallo,
    schön das Du dich hier im Forum angemeldet hast. Zu diesem Thema findest Du jede Menge unter Finanzamt und Steuern.
    Hier nur ein kleiner Blumenstrauß:
    http://www.photovoltaikforum.c…steuerfragen-t109199.html
    http://www.photovoltaikforum.c…laerung-2014-t109505.html
    http://www.photovoltaikforum.c…mer-regelung-t108505.html
    http://www.photovoltaikforum.c…f9/finanzamt-t107874.html
    http://www.photovoltaikforum.c…laerung-2014-t106286.html


    Aber keine Panik, bekommt man alles hin, wenn man es Selbermachen will geht einiges an Zeit und Nerven drauf. Ansonsten zum Steuerberater.


    Sonnige Grüße


    braunerbaer


  • Hallo Jochen,
    genau so sieht es aus.


    Sonnige Grüße


    braunerbaer

  • In eurer Anleitung steht das der Unternehmer in dem Fragebogen und den Rechnungen usw. immer gleich sein muss.


    Auf den Rechnungen und dem Anschreiben meines VNB steht halt immer Frau und Herrn...


    Ich muss ja auf dem Fragebogen auch meine Frau angeben, dann sollte das ja so passen, oder?

  • Zitat von Youtek

    In eurer Anleitung steht das der Unternehmer in dem Fragebogen und den Rechnungen usw. immer gleich sein muss.


    Auf den Rechnungen und dem Anschreiben meines VNB steht halt immer Frau und Herrn...


    Ich muss ja auf dem Fragebogen auch meine Frau angeben, dann sollte das ja so passen, oder?


    Hallo,
    wenn die Anlage auf euch Beiden läuft ist das richtig so.


    Sonnige Grüße


    braunerbaer

  • Genau, solange es immer gleich ist, ist es OK. Probleme gibt es, wenn die Anlage beim Netzbetreiber auf Herrn und Frau läuft und bei der Steuer nur auf Herrn. Dann gibt z.B. das Finanzamt dem Herrn nur die halbe MWSt zurück, weill die andere Hälfte ja der Frau gehört.


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Halt, nicht so schnell. Es ist einfacher, wenn es nur eine Person ist, die die PV betreibt. So wie es jetzt ist hast du mit deiner Frau eine GbR. Jetzt wäre es noch leicht das zu korrigieren. Da solltest du noch mal in dich gehen.