Bundesregierung plant das Ende photovoltaischer Halbinseln

  • In dem Thread "Leitfaden zur Eigenversorgung der Bundesnetzagentur", der sich hier http://www.photovoltaikforum.c…esnetzagentu-t109604.html findet, wird der Leitfaden der Bundesnetzagentur vorgestellt; das ist also (noch) kein Gesetz, gibt aber wieder, wie man sich das vorstellt. Der Leitfaden selbst findet sich hier: https://www.clearingstelle-eeg…igenversorgung_151016.pdf


    Zitat von Bundesnetzagentur auf Seite 45

    Wie auch der Gesetzgeber in der Gesetzesbegründung betont, sollen nach dem Sinn und Zweck der Ausnahmeregelung nur Eigenversorger mit „völlig autarken Stromerzeugungsanlagen“ als Inselanlagen von der EEG-Umlage befreit sein. Das negative Tatbestandsmerkmal, dass die Person des Eigenversorgers weder unmittelbar noch mittelbar an ein Netz angeschlossen sein darf, setzt im Kern voraus, dass der Eigenversorger weder zusätzlichen Strom aus dem Netz beziehen oder überschüssigen Strom in das Netz einspeisen kann. Die technische Möglichkeit zum Strombezug aus bzw. zur Stromeinspeisung in das Netz muss bereits ausgeschlossen sein unabhängig von der tatsächlichen Nutzung.


    Der Einbau technischer Einrichtungen, die zwar im Grundzustand zu einer Trennung vom Netz führen, die Verbindung aber nach Anforderungen des Eigenversorgers wieder herstellen können, reicht daher nicht aus, um die Voraussetzungen einer Inselanlage zu erfüllen. Im idealtypischen Fall einer Almhütte mit Stromerzeugungsanlage zur Eigenversorgung hat es niemals eine Verbindung zum Netz gegeben. Sofern es jedoch in anderen Fällen eine Verbindung gab, muss diese
    technisch und rechtlich dauerhaft, ohne einseitige Wiederherstellungsmöglichkeit gekappt sein, um den Anschluss des Eigenversorgers im Sinne von §61 Abs.2 Nr.2 EEG zu beseitigen. Bestehende Netzanschluss- und Anschlussnutzungsverhältnisse müssen folglich gekündigt bzw. beendigt und der ehemalige Anschluss vom Netzbetreiber technisch dauerhaft gesperrt werden.


    Das bedeutet, dass Halbinseln, egal welcher Art, als illegal angesehen werden sollen. Das ist exakt das, was gerade in Spanien Gesetz geworden ist und ich frage mich ernsthaft, wer da von wem abgeschrieben hat.


    Um in dem Bild mit den Äpfeln zu bleiben (das hatten wir hier ja schon öfter). Bisher war es erlaubt, Apfelbäume im eigenen Garten zu haben, die Äpfel auch zu pflücken und zu essen. Ohne jede Beschränkung! Man durfte auch auf den Markt oder in einen Lebensmittelladen gehen und weitere Äpfel kaufen. Nur wenn man die eigenen Äpfel verkaufte, dann musste man Steuern zahlen. Soweit so gut, wurde hier im Forum ja schon oft genug durchgekaut. Jetzt heißt es: Wenn du von deinem Recht Gebrauch machst, auch nur einen Apfelbaum in deinem Garten zu haben, dann darfst du nie wieder irgendwo einen Apfel kaufen, bis du den Baum umgehackt hast!


    Da versucht unsere Regierung anscheinend, unsere Verfassung zu Gunsten von RWE und Co auszuhebeln :!:
    Ich bin jetzt nur noch gespannt, in welcher Form das ins Strafrecht eingearbeitet wird :shock:

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Diese art von Eigeninitiative soll im Keim erstickt werden.
    Der Staat ist der Auffassung das dies im Wohl der Allgemeinheit ist.?
    Nach dem Motto wo kämen wir dahin.Selbstversorger? Großflächig keine Umsatzsteuereinbußen wegen
    massenhaft nicht verkaufter Kwh, da eigenerzeugung ,und dann wohlmöglich auch noch laden von E-Autos mit
    kostengünstig selbst erzeugten Strom?
    Wegbrechen der Mineralölsteuer+Mehrwertsteuer könnte wenn das Schule macht gewaltige Steuereinbußen
    bringen.Das muß unter allen Umständen verhindert werden. :mrgreen::mrgreen:
    Schnell noch ne Halb Insel bauen dann gibts Bestandsschutz?

    PIP 2424HS an 750Wp 3xShinsung Black Mono250 +1,5Kwp (6xShinsung Black Mono250)
    an FPS 100/50 an Bluebatt 24v 465Ah

    EA Sun ISolar SMV III 3K

    EA Sun SP 3K-24
    Siliken 3,3i 3,25Kwp 13xShinsung Black Mono 250
    VW T4 mit Evective 2000w + Varta 110Ah +0Wp

  • Wenn daraus wirklich ein Gesetz wie in Spanien werden sollte, weiß ich, was ich machen werde:
    Ein schönes Fundament am Zaun mit dem Bagger ausheben. "Dumm" nur, daß hier das Stromkabel reinkommt...
    Dann wird eben der restliche Strombedarf von etwa 10% auch ohne Wärmebedarf das BHKW erzeugen dürfen.
    Und von der gesparten Grundgebühr wird die PV noch erweitert, um das Stromloch im Sommerhalbjahr zu minimieren.
    Ich muß dann nur für etwas mehr Redundanz im Falle einer Störung sorgen.


    Allerdings hat die BNetzA leider nicht zu Ende gedacht.
    Der ominöse §61 Abs. lautet folgendermaßen:


    Daraus ergibt sich für mich keine Notwendigkeit, vorhandene Anschlüsse zu kappen. Sie dürfen eben nur nicht genutzt werden.


    Abs. 2 Nr. 3 wäre genau die Apfelbaumthematik. Der Weg zu anderen Äpfeln (Straßen) existiert, wird aber nicht genutzt.
    Abs. 2 Nr. 2, worauf sich die BNetzA bezieht, würde bedeuten, daß es keinen Weg(Straße) zu einer anderen Apfelquelle gibt.


    Ich denke, sobald jemand diese Stellen mal vor's Verfassungsgericht bringt, daß der §61 dem nicht standhalten wird.
    Man bedenke, was mit der Vorratsdatenspeicherung passiert war. Und mit dem neuen Vorstoß sicher passieren wird.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

    Einmal editiert, zuletzt von Andre78 ()


  • Naja, daß Inselanlagen i.d.R. privat gebaut und betrieben werden, fällt für den Kauf der Komponenten und für die Installation, sofern eine Firma das macht, auch USt. für den Staat an.


    Zitat von relativ

    Schnell noch ne Halb Insel bauen dann gibts Bestandsschutz?


    Das ist eine gute Frage.
    Analog zum Stichtag für EEG-Anlagen würde ich das bejahen. (Der Stichtag war allerdings der 01.08.14)
    Natürlich muß man nachweisen, daß die Anlage bereits vorher bestand.
    Schön zusammengefaßt ist es z.B. in diesem Energieblog: http://www.energieblog-nieders…-zur-eigenstromerzeugung/
    Prinzipiell muß das für Inselanlagen mit vorhandenem Netzanschluß analog gelten.
    Aber unserer Regierung fällt schon etwas ein, um das zu untergraben.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • wie ich es hasse Recht zu haben ..


    :idea:

    720 wp - 700 Ah Pzs - PR 3030 - Xantrex Prosine 1800i

  • Den Spruch hab ich auch schon in dem anderen Thread rausgehauen, kenn ich...


    Zum Thema, dagegen klagen ist angebracht würd ich sagen...und das nicht allein von einzelnen!

    Zitat von John Perry Barlow

    I'm a free-marketeer. I believe in free markets, but... sometimes you have things that look like free markets but aren't because of artificial reasons. I'm not very happy with the current state of what calls itself free market economy in the world because you've got all these grotesque monopolies that are able to game the system in a way that's to their advantage by virtue of their power, and that's not a free market.

  • Ich finde es auch nicht OK. Jedoch denke ich, der Vergleich mit den Äpfeln hinkt, solange Strom nicht sehr günstig über längere Zeit gespeichert werden kann. Klemmt man sich im kalten Winter bei Windflaute wieder an, belastet man das Netz, wo eh schon viele heizen wollen. Der Netzbetreiber bräuchte den Insulaner aber eigentlich nicht mehr auf dem Schirm haben.


    viele Gruesse von der Nordseekueste
    farmjanny

    Grüße von der Küste - Farmjanny
    29,94 kW Firstsolar mit 3x SMA 9000TL in 2009 SSO
    30,00 kW Firstsolar mit 1x8000 u 2x9000 in 2011 WSW
    10 kW Sunpower in 2013
    30 kW Windkraft Lely Aircon in 2017 und 9 kW - 12 kWh Speicher von Fenecon

    10 kW Sunpower an Plenticore mit BYD Speicher in 2019

  • Zitat von Farmjanny

    Ich finde es auch nicht OK. Jedoch denke ich, der Vergleich mit den Äpfeln hinkt, solange Strom nicht sehr günstig über längere Zeit gespeichert werden kann. Klemmt man sich im kalten Winter bei Windflaute wieder an, belastet man das Netz, wo eh schon viele heizen wollen. Der Netzbetreiber bräuchte den Insulaner aber eigentlich nicht mehr auf dem Schirm haben.


    Und was ist mit bivalenten Anlagen, also PV+BHKW.
    Ich brauche das Netz nur noch zeitweise im Sommerhalbjahr. Während der Heizsaison bin ich prinzipiell durchgehend vom Netz getrennt.
    Somit hinkt der Vergleich mit den Äpfeln nicht wirklich.
    Schließlich soll dieser nur das prinzipielle Problem illustrieren.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Moin Farmjanny, ich kenne dich nicht und ich unterstelle dir ausdrücklich keine Lobby-Interessen; der folgende Text ist also definitiv kein Angriff auf dich!


    Das mit den Äpfeln war ein wenig anders gemeint. Es ging mehr um die Frage: "Darf ein Bürger gesetzlich gezwungen werden, bei Aldi einzukaufen?" Da sagt wahrscheinlich jeder halbwegs klar denkende Mensch, dass das wohl mit dem Grundgesetz unvereinbar ist. Was also ist der Unterschied zwischen Aldi und den großen 4? Die großen 4 haben ein Gebiets-Monopol! Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, wann ein Monopol entsprechend der Verfassung statthaft ist. Eine Ausnahme sind etwa Patente, die ein Monopol auf Zeit sind.


    Wenn also Firmen ein Monopol zugestanden wird, dann sind da immer Verpflichtungen mit verbunden. Bei Strom ist das der Lieferzwang. Wenn etwa ein Haus neu in einem als Wohngebiet ausgewiesenen Bereich gebaut wird, dann MUSS der Stromversorger das Haus auch anschließen, wenn der Eigentümer dies verlangt (das EVU hat also nicht die Möglichkeit zu sagen, dahinten ist mir das zu teuer, der soll sehen wie er klar kommt). Wenn ich abends um elf eine Festbeleuchtung in meinem Wohnzimmer einschalte, dann hat das EVU zu liefern! Wenn ich im Sommer viel und im Winter wenig verbrauche (oder umgekehrt) dann hat das EVU zu liefern! Das ist Teil der Verpflichtung , um das Monopol zu bekommen!


    Wenn ich überall in der Wohnung LED-Lampen installiere, mir einen A+++-Kühlschrank zulege und den alten PC in Rente schicke und einen kaufe, der nur noch 20 Watt statt 160 Watt verbraucht, dann muss das EVU damit leben. Wenn ich den PC nur im Winter nutze, dann muss das EVU damit leben. Wo wäre hier der Unterschied dazu, dass ich den PC im Sommer über PV versorge und ihn im Winter ans Netz hänge? Der Unterschied ist schlicht, dass mir vorgeschrieben werden soll, wann ich was in meiner Wohnung oder auf meinem Grundstück machen darf! Und da landen wir dann beim Grundgesetz.


    Meinen PC über PV und Batterie betreiben darf ich! Ihn im Winter an die Netzsteckdose hängen darf ich nicht? Auch wenn es im ersten Moment nicht so aussieht, es geht hier um die Verteidigung von Grundrechten :!:

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)