Kollektor-Formel

  • Zitat von hgf1948


    Nach der Kollektor Formel dürfte der Kaufpreis 3.840 €/kWp nicht übersteigen.


    Gruß hgf


    Kollektor-Formel? Können Sie näheres dazu schreiben? Wer hat sie aufgestellt, wo findet man sie?


    Gruß
    SJ

    Viele Grüße,
    Susanne Jung


    Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)
    Frère-Roger-Str. 8-10, 52062 Aachen
    zentrale@sfv.de, http://www.sfv.de
    Tel.: 0241-511616, Fax: 0241-535786
    tel. Beratung von 8.30 - 12.30 Uhr

    Einmal editiert, zuletzt von Kollektor () aus folgendem Grund: Ausgelagert aus http://www.photovoltaikforum.com/sonstiges-f13/azimuth-110-dachneigung-45--t18560.html

  • Zitat von SFV

    Kollektor-Formel? Können Sie näheres dazu schreiben? Wer hat sie aufgestellt, wo findet man sie?


    Gruß
    SJ


    Hallo SJ, hallo SFV-Team,


    Die Regel lautet ganz einfach:
    Eine Anlage ist dann rentabel, wenn die Kosten der Anlage nicht den prognostizierten 10-Jahresertrag überschreiten.
    Aufgestellt wurde diese von einem ausgewiesenen Finanzexperten und Moderator dieses Forums mit dem Nick 'Kollektor'.


    Es gibt hier im Forum auch den ein oder anderen Thread, in dem der Meister der Finanzen (Chapeau!) dies etwas näher eingehend erläutert. Wenn ich mal darüber stolpere, stelle ich den Link hier gerne´ein.


    Nachdem dann Newbies immer wieder die Frage stellen, ob sich das rechnet, kann man denen so wie z.B. hier einen ersten Anhalt mit dieser orientierenden Regel geben, der dann mal irgendwer - ich glaube ich war das selber :oops: - irgendwann den Namen Kollektor-Regel gegeben hat: Ehre wem Ehre gebührt!


    Thomas

  • Zitat von hgf1948

    Nach der Kollektor Formel dürfte der Kaufpreis 3.840 €/kWp nicht übersteigen.


    Gruß hgf


    Liebes Forum,


    noch einmal zu dieser sogenannten Kollektor-Formel: Der Erfinder dieser Formel (Herr Kollektor) macht in seinen Beiträgen auf folgendes aufmerksam:


    Zitat: ""Für einen ersten Überblick reicht die einfache Formel Herstellpreis < 10-fache Einspeisevergütung aus.
    Hätte man keine weitere Kosten, keine Degradation, keinen Ausfall und keine Reparaturen, so würde dieses Verhältnis bei einer reinen Eigenkapitalfinanzierung 7 % Rendite ergeben bei einer Laufzeit von 20,5 Jahren. Da jedoch weitere Kosten anfallen, die Module über die lange Laufzeit schwächer werden und auch mal was ausfällt und ersetzt werden muss sowie auch mal ein verregnetes Jahr eingerechnet werde sollte, liegt die tatsächliche Rendite eher bei 5,25 % bis 5,75 %. Finanziert man die Anlage, so kommt man dann schon in einen Bereich wo es "zittrig" werden und über die Laufzeit sogar Verluste entstehen können. Andererseits hält die Anlage meist länger als 20 Jahre, aber seriös rechnen sollte man nicht über den einspeisegarantierten Zeitraum hinaus."


    Es sollte unbedingt beachtet werden, dass die Abschätzung über diese Formel mit sehr vielen Unsicherheiten behaftet ist und dadurch zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines speziellen Angebots ohne genaue Kennung der Randbedingungen keineswegs zuverlässig zu nutzen ist.


    Liebe Grüße aus Aachen
    Susanne Jung
    SFV

    Viele Grüße,
    Susanne Jung


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  • Um mal die Kirche im Dorf zu lassen: es ging bei dieser Formel/Regel bzw. deren Zitierung immer nur darum, eine Orientierung bzw. einen ersten Überblick zu geben.
    Eine detaillierte Beurteilung der Wirtschaftlichkeit anhand dieser Formel wurde bis dato nie hineininterpretiert.
    Von daher sollte an dieser Stelle der Fairness halber ein entsprechender Eindruck nicht - auch nicht vom SFV - erweckt werden.


    Dass Randbedingungen wie zu bildende Rücklagen, notwendige Versicherungen, Miet- resp. Pachtzahlungen, potentiell eingesetztes Eigenkapital bzw. eine 100%-ige Fremdfinanzierung wie auch die eigene steuerliche Situation und last not least auch die Generatordegradation die Wirtschaftlichkeitsrechnung beeinflussen ist klar.
    Dafür macht man dann eine sog. Wirtschaftlichkeitsberechnung. :roll:


    MfG

  • Zur "Kollektor-Regel"


    Zur schnellen Abwägung benutze ich im Alltag einen Satz von sogenannten Faustformeln. Eine davon wurde hier im Forum liebevoll "Kollektor-Regel" genannt.


    Zitat

    Für einen ersten Überblick reicht die einfache Formel Herstellpreis < 10-fache Einspeisevergütung aus.
    Hätte man keine weitere Kosten, keine Degradation, keinen Ausfall und keine Reparaturen, so würde dieses Verhältnis bei einer reinen Eigenkapitalfinanzierung 7 % Rendite ergeben bei einer Laufzeit von 20,5 Jahren. Da jedoch weitere Kosten anfallen, die Module über die lange Laufzeit schwächer werden und auch mal was ausfällt und ersetzt werden muss sowie auch mal ein verregnetes Jahr eingerechnet werde sollte, liegt die tatsächliche Rendite eher bei 5,25 % bis 5,75 %. Finanziert man die Anlage, so kommt man dann schon in einen Bereich wo es "zittrig" werden und über die Laufzeit sogar Verluste entstehen können. Andererseits hält die Anlage meist länger als 20 Jahre, aber seriös rechnen sollte man nicht über den einspeisegarantierten Zeitraum hinaus.


    Da die Faustformel oft im Forum angewandt wird, liefere ich hier in einfacher Form die Begründung.


    Die allgemeine Berechnungsformel zum Anwachsen von Kapital unter Berücksichtigung der Zinseszinsen lautet:


    ENDKAPITAL = ANFANGSKAPITAL x ( 1 + p/100 ) hoch n
    p = Zinssatz, n = Anzahl der Jahre


    Will man die Rendite aus bekanntem End- und Anfangskapital ausrechnen kann man die Formel umstellen:


    p = 100 x ( n-te WURZEL aus ENDKAPITAL/ANFANGSKAPITAL minus 1 )


    Legt man die Einspeisevergütung ( EV ) zum Zinssatz p an,


    so erhält man für das Endkapital ( EK ) folgende Werte:


    1. Jahr: EK(1) = EV * ( 1 + p / 100 ) hoch 19
    2. Jahr: EK(2) = EV * ( 1 + p / 100 ) hoch 18
    ...
    20. Jahr: EK(20) = EV * ( 1 + p / 100 ) hoch 0


    Das ENDKAPITAL ist die Summe aller Jahre. EK(1) + EK(2) + ... + EK (0)


    Bei konstanter Einspeisevergütung und dem Zinssatz p = 7,18 % vervierfacht sich das ANFANGSKAPITAL nach 20 Jahren.


    Das gleiche Ergebnis erhält man, wenn man
    das ANFANGSKAPITAL zu p = 7,18 % bei Wiederanlage der Zinsen auf der Bank anlegt.


    Im Internet gibt es javabasierte Rechner, die einfacher anzuwenden sind:


    http://www.zinsen-berechnen.de…echner/anlegen-sparen.php
    http://www.zinsen-berechnen.de/kreditrechner.php


    Schlussfolgerung für die Gesamtkapitalrendite für PV-Anlagen:


    Hätte man eine konstante Einspeisevergütung von 10 % des Herstellpreises über 20 Jahre und keine weiteren Kosten und legt diese in einem Sparplan zu 7,17 % an, so erhält man eine Gesamtkapitalrendite von 7,14 % .


    Die sogenannte "Kollektor-Formel" sagt nicht mehr oder weniger aus.


    Nimmt man weitere Prämissen an wie


    - 0,5 % Degradation pro Jahr
    - laufende Kosten von 1 % des Herstellpreises


    so veringert sich die Gesamtkapitalrendite auf ca 5,5 % pro Jahr.


    Soviel erhält man bei einer Geldanlage bei 5,5 % Zinsen auch auf der Bank.


    Die Faustformel ersetzt keine exakte Rechnung, eine exakte Rechnung ist sowieso nicht möglich da die Prämissen nicht fix sind. Eine exakte Rechnung erfasst auch die steuerliche Seite.


    Aber: Ist das Kriterium Herstellpreis = 10 x Einspeisevergütung erfüllt, so arbeitet die PV-Anlage im rentablen Bereich und lässt sich über einen Kredit bis ca 6,1 % bei einer Laufzeit von 20 Jahren sogar voll finanzieren und abzahlen. Mit 6,1 % deshalb, weil die vollen Zinsen nur am Anfang anfallen und mit der Tilgung kleiner werden. Und man hat eine PV-Anlage auf dem Dach die vermutlich noch einige Jahre zusätzlich kostenlosen Strom liefert.

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Zitat von SFV

    Es sollte unbedingt beachtet werden, dass die Abschätzung über diese Formel mit sehr vielen Unsicherheiten behaftet ist und dadurch zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines speziellen Angebots ohne genaue Kennung der Randbedingungen keineswegs zuverlässig zu nutzen ist.


    Liebe Grüße aus Aachen
    Susanne Jung
    SFV


    Hallo,


    welche Einschätzung nimmt den der SFV ein ?


    Beta

  • Zitat von SFV

    Es sollte unbedingt beachtet werden, dass die Abschätzung über diese Formel mit sehr vielen Unsicherheiten behaftet ist und dadurch zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines speziellen Angebots ohne genaue Kennung der Randbedingungen keineswegs zuverlässig zu nutzen ist.


    Das kann ich nur unterstreichen ! Die Formel ist nur eine Faustformel für den schnellen Überblick und ersetzt keine Wirtschaftlichkeitsrechnung. Umgekehrt lässt sich aber sagen, dass es sehr eng werden kann wenn die Formel nicht erfüllt ist. Meine eigenen Anlagen haben den Faktor 7 bis 8 !!! ( geplant war 8 bis 9, aber die Anlagen laufen besser als erwartet ), das war 2004 und 2005 noch üblich und möglich. Über 9 würde ich bei Neuanlagen nicht gehen, weshalb ich auch keine weiteren Anlagen mehr in Betrieb genommen habe. 20 Jahre sind eine lange Zeit in der viel passieren und kaputt gehen kann, die Zukunftsprojektion ist mir einfach zu unscharf. Man muss auch sehen, dass wir im langfristigen Vergleich einige Supersonnenjahre gehabt haben und dies nicht so bleiben muss.


    Auf dem eigenen Dach würde ich eine Ausnahme machen und bis Faktor 10 gehen da man nach 20 Jahren vermutlich immer noch Strom produziert.


    Ärgerlich finde ich, dass die drastisch gesunkenen Herstellkosten nicht genügend an die Endverbraucher weitergereicht werden. Schon deshalb muss man die Endverbraucher aufklären nicht jeden Preis zu akzeptieren. Die Hersteller machen die großen Gewinne ( siehe Aktienkurse ), die Betreiber tragen das Risiko und die Stromverbraucher die Kosten. In Schutz nehme ich ausdrücklich die seriösen Solarteure die zwischendrin stehen und weniger Gewinne haben als die Heizungsbauer. Sie sind mit die Leidtragenden der Preisgestaltung.


    Großanlagen sind auch heute noch rentabel, die Investoren können rechnen und wirtschaftliche Modulpreise erzwingen. First-Solar kann für knapp über 1,5 €/Wp produzieren und gibt für 2,3 €/Wp an die Großhändler, der kleine Betreiber hat nichts davon weil First-Solar keine Kleinanlagen liefert.


    ________________
    Sonnige Grüße
    Kollektor, der mit der Nr. 3428 bei http://www.pv-ertraege.de

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Zitat von za-ass

    Um mal die Kirche im Dorf zu lassen: es ging bei dieser Formel/Regel bzw. deren Zitierung immer nur darum, eine Orientierung bzw. einen ersten Überblick zu geben. Eine detaillierte Beurteilung der Wirtschaftlichkeit anhand dieser Formel wurde bis dato nie hineininterpretiert.


    Genau!
    Und bei Bewertungsanfragen mit mehreren Angeboten können wir mit dieser Formel schon mal grob die unrentablen Anlagen aussortieren.
    Denn wer diese schon nicht erfüllt, erfüllt die nähere Betrachtung erst recht nicht.
    Hinweise auf Finanzrechner werden anschließend auch genannt.
    Jedenfalls sollte man auch nicht auf Berechnungen der Solarteure vertrauen.
    Und letztendlich muss das sowieso jeder für sich selbst nachrechnen, da neben unterschiedlichen Voraussetzungen auch individuelle Ansprüche bestehen.

    Zitat

    Dass Randbedingungen wie zu bildende Rücklagen, notwendige Versicherungen, Miet- resp. Pachtzahlungen, potentiell eingesetztes Eigenkapital bzw. eine 100%-ige Fremdfinanzierung wie auch die eigene steuerliche Situation und last not least auch die Generatordegradation die Wirtschaftlichkeitsrechnung beeinflussen ist klar.
    Dafür macht man dann eine sog. Wirtschaftlichkeitsberechnung. :roll:

    So siehts aus :!:

  • Hallo Ole,
    um mal wieder zum eigentlichen Thema des Threads zurückzukommen....


    Zitat von Ole

    Oh je, da habe ich was Angerichtet :oops: Ich vestehe 180° genau Süden :!: Also weicht die Dachausrichtung 70° in östliche Richtung ab.
    Sorry Ole :roll:


    .... ich hatte es geahnt, - 70 ° Azimut !!!! und 45° Dachneigung....


    Im Raum Würzburg kannst du mit diesen Vorgaben damit so um die 820 KWh/KWp rechnen,.... kommt halt auf den genauen Standort an... kalkuliere mit PVGis, Verluste auf 10% setzen......


    Gruß Langen63