Bauabzugssteuer ab 2016

  • Leider ging gestern mein Internet nicht, daher heute die fröhliche Nachricht - es gibt neuen Verwaltungsaufwand!


    Erhebliche Ausdehnung der Bauabzugssteuer – auch für Fotovoltaikanlagen


    14. Oktober 2015
    Nach der neuen auf Bund-Länder-Ebene abgestimmten Rechtsauffassung der Finanzbehörden ist die Installation einer Fotovoltaikanlage an oder auf einem Gebäude eine Bauleistung i.S.d. § 48 EStG.


    Auch die Aufstellung einer Freilandfotovoltaikanlage kann den Bauleistungstatbestand des § 48 EStG erfüllen.


    An der Sichtweise, dass Fotovoltaikanlagen als Betriebsvorrichtungen nicht den Begriff des Bauwerks erfüllen, halten die Finanzbehörden nicht mehr fest, vgl. LfStBay vom 16.9.2015 – S 2272.1.1-3-/8 St32.


    Eine Übergangsregelung sieht vor, dass es für Fälle bis zum 31.12.2015 (Zeitpunkt der Entstehung der Bauabzugssteuer) nicht beanstandet wird, wenn ein Abzug der Bauabzugsteuer unterbleibt.


    Immer locker bleiben...

    55x Heckert Solar NeMo 60P 260 Wp mit 1 SMA Tripower6000 TL und 1 SMA Tripower7000 TL

  • zunächst mal der Link
    http://www.finanzamt.bayern.de…er.php?f=LfSt&c=n&d=x&t=x


    Dann die Bitte, die Kirche im Dorfe lassen.


    Ein seriöser Solarteur wird eine Freistellungsbescheinigung haben.
    Tendentiell würde ich einen Unternehmer der keine FB hat, erst gar nicht beauftragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich einen Schlendrian ins Haus holt, ist einfach zu groß. (Fünfen mag man damit Unrecht tun; aber bei den anderen 95 passt es.)


    Wer meint, er müsse besondere Sorgfalt walten lassen, dem sei folgende Klausel für den Auftrag empfohlen:

    Jeder Rechnungsstellung ist eine Freistellungsbescheinigung gem. §48b EStG in Kopie beizufügen.
    Soweit bei Fälligkeit keine Freistellungsbescheinigung vorliegt, greifen die gesetzlichen Folgen.
    Für die Bearbeitung der Steueranmeldung wird eine Gebühr von 50,- Euro zzgl. USt erhoben und vom fälligen Betrag in Abzug gebracht.


    ==> und schon bedeutet dass, dass eigentlich gar keine Arbeit anfällt.
    (Wir pumpen hier täglich ca. 100 Nachunternehmerrechnungen durch; Jahresvolumen ca. 50 Mio. Hier kann sich niemand mehr erinnern, wann wir mal eine Bauabzugsteueranmeldung gemacht haben. In den ersten beiden Jahren nach Einführung waren da mal zwei Fälle - danach war mit obiger Klausel Ruhe. Hier und da gibt es vereinzelt wo man mal beim NU anruft "Eigentlich würden wir heute gerne zahlen. Aber es liegt kein FB vor. Wie hätten Sie es denn gerne? 15% ans FA.. oder bekomme ich bis 12:00 Uhr die FB?" Üblicherweise liegt die FB dann innerhalb 1-2 Stunden vor. Sind Fälle, in denen die Verlängerung vergessen wurde.


    Selbst wenn es zu Mehraufwand käme: Hier wird niemand benachteiligt - sondern eine Bevorzugung wird aufgehoben. Das ist eigentlich zu begrüßen (aus neutraler Sicht). Die Begründung war ja schon immer an den Haaren herbeigezogen. Maschinenbauer die in die Gebäudesubstanz eingegriffen haben (was bei großen Maschinen fast immer vorkommt) waren ja auch Bauleistungen.


    Spannender wird die Frage..... wenn nun die Jungs aus der Ertragsteuerabteilung beim BMF sich mal am Kaffeeautomaten oder am Pinkelbecken mit denen von den indirekten Steuern treffen........ ob anschließend auch Aufdachanlagen eine Leistung nach §13b UStG sind?

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Für 13 b UStG muss man doch in einer kriminellen Branche arbeiten, Handys verkaufen oder saubermachen :oops: Photovoltaik ist doch saubere Energie 8)


    Im Ernst - ich teile Deine Befürchtungen diesbezüglich. Und die Freistellungsbescheinigungen werden vom Finanzamt gerne mal verweigert, um ein Druckmittel in der Hand zu haben. Für den Kunden heisst das dann - wissen, was zu tun ist. Und der Solarteur, den es betrifft, klärt ihn natürlich nicht auf. Man könnte einwenden, dass man das als Unternehmer eben hinnehmen muss, aber die meisten Fragen, die z.B. hier zum Thema Abrechnung und Steuern gestellt werden, zeugen doch davon, dass sich die Häuslebauer mit Panel auf dem Dach gar nicht als Unternehmer sehen. Aus meiner Sicht wäre hier eher Vereinfachung angesagt, großzügige Bagatellregelungen. Oder man gibt zu, dass man die Energiewende doch nicht fördern will. :twisted:

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  • Das war keine "Befürchtung". Wenns so ist - ist es so. Umsetzen. Fertig. Ist ja keine Kunst. Beim Autofahren ist Dir doch auch egal, ob die nächste Kurve nach links oder rechts geht - du lenkst so wie es kommt - und alles ist gut.


    Was die Freistellungsbescheinigungen angeht: Die Finanzämter stellen die schneller aus, als Micaela Schäfer ihre beiden Hupen frei gemacht hat oder Usaint Bolt die 100m läuft; und die werfen damit um sich, wie Prinz Karneval mit den Kamellen.
    Zugegeben.... "Zuständigkeitswechsel" (speziell von einem Bundesland ins nächste)... sind ein Problem. Aber das ist ja dann auch offensichtlich erkennbar, dass ein Unternehmer "bis vor kurzem" im Bundesland A ansässig war; dort eine FB hatte - und nun "vor kurzem" in Bundesland B übergesiedelt ist. Da sind 8 Wochen Verzug durchaus mal möglich.
    Ansonsten: Die FA verweigern die Ausstellung nur im Fall von Steuerrückständen. Da erfüllt der fehlende Wisch ja sogar den gewünschten Zweck als "Warnfunktion" vor unseriösen Unternehmern.
    Es soll ja eben nicht sein, dass die einen Steuern hinterziehen; dadurch billiger anbieten können, als redliche Unternehmer - und die redlichen Unternehmer haben anschließend Marktnachteile. Es sollen ja gerade die windigen Hunde vertrieben werden.


    Die Vereinfachung die Du verlangst, ist eine weitere Ausnahme. Das sind gerade keine Vereinfachungen - sondern gerade die Ausnahmen machen das Steuerrecht so komplex. Gerade davon müssen wir weg. (Bestes Beispiel an der Stelle: Die Ausnahmen in §48 II EStG; völlig unpraktikabel; gigantischer Aufwand - für nix und wieder nix.)


    Vor dem Hintergrund der Höhe der EEG-Umlage kann man nun wirklich nicht davon sprechen, dass wir die Energiewende nicht fördern. Im Gegenteil.. wir sind verrückt in Deutschland.
    Nun aber auch noch den Anspruch abzuleiten, dass für die PV-Branche der Gleichheitsgrundsatz nicht gelten soll.... sorry.. warum nicht jeden gleich heilig sprechen?
    Wenn ein PV-Betreiber scheisst, stinkts genau so wie beim Dachdecker, Bäcker oder Automobilkonzern. Woher der Anspruch auf Sonderbehandlung?

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  • Du hast ja prinzipiell recht. Ich glaube, da spielt meine latente Generschaft zu all diesen Vorverurteilungen ganzer Branchen mit. 13b UStG, 48 EStG kriminalisieren meiner Meinung nach ganze Branchen, und das nur, weil einzelne schwarze Schafe nicht dingfest gemacht werden konnten (z.B. im Umsatzsteuerkarussell). Wie Du ja selbst so schön sagst - scheisst der Bäcker, stinkts genauso wie beim Bauunternehmer. Aber muss ich deshalb beim Bäcker einen Teil des Brötchenpreises für dessen Steuervorauszahlungen zurückhalten? Nichtmal, wenn ich als Geschäftskunde dort einkaufe!
    Leider habe ich mit dem missglückten Anwendungserlass zu § 13b bei Bauträgern zu tun, und diese Verfahren werden sich wohl vor den Zivil- und Finanzgerichten noch die nächsten Jahre hinziehen - hier hat der Finanzminister nach links gelenkt, wo der BFH ihm dann erklären musste, dass da keine Straße ist. Und jetzt hammer den Salat!

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  • we agree to differ.
    Wenns drum geht, bandenmäßigen Betrug in den Griff zu bekommen - sind mir diese Mittel gerade Recht.


    Und die neue (alte) Regelung... lediglich mit neuem Formular.... ist doch auch easy to use.
    Alles gut.
    (Die Ego-Nummer des BFH hätte tatsächlich keiner gebraucht. Den Jungs im USt-Senat sollte man tatsächlich free-fees für alle Golfanlagen Europas schenken - und weiterhin die Rechtssachen einfach von den Sekretärinnen eintüten und nach Brüssel schicken lassen.)

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