Neubau 2FH mit Luft-WP

  • Gutern Morgen Zusammen,


    mein Neubau ist letzte Woche losgegangen und vielleicht könnt Ihr mir bei dem Thema Photovoltaik weiterhelfen. Anbei einige Eckdaten:


    - 3 Vollgeschosse: Keller, (halb im Boden) + EG von mir und meiner Familie (insgesamt 3 evtl. 4 Personen) selbst bewohnt; 1.OG vermietet
    - Heizung wird ne modulierende Luft-Wärmepumpe, überall wird es Fußbodenheizung geben
    - Die Dachflächengröße steht noch nicht zu 100 %, die Planung wird erst nächste Woche mit dem Zimmerer abgeschlossen sein. Wir bauen jedefalls 10 auf 12 m und das Dach hat eine Neigung von 30°, Dachflächenausrichtung N/S, keine Verschattung, wir kriegen auf der Südseite vom Dach relativ weit unten eine kleine Gaube, die aber nicht viel verschatten wird
    - Batteriespeicher fällt aus
    - Sowohl unser bewohnter Teil wie auch der vermietete Teil wird über eine Lüftungsanlage (mit Wärmerückgewinnung) verfügen
    - Der Standort ist 50 km nordöstlich von München


    Bei der Auslegung der PV-Anlage habe ich jetzt ein grundsätzliches Verständnis-Problem. Die 4,5 kWP, die für unsere eigens bewohnte Haushaltsgröße empfohlen wird, kriegen wir sicher aufs Dach. Was ist aber mit dem Rest? Ist es wirtschaftlich sinnvoll, dass die komplette Dachfläche mit Modulen belegt wird?


    Eine weitere Fragestellung die aufgetaucht ist, ist der Verkauf des Stroms an den Vermieter. Was ich im Internet gelesen habe, ist der Aufwand relativ groß und das Finanzamt möchte dann ja auch einen nicht unerheblichen Anteil haben. Lohnt sich der Aufwand und was für Auswirkungen würde das auf die Auslegung der Anlage haben? Soll ich dann die Dachfläche komplett ausnutzen oder die 4,5 kWP lassen?


    Durch unseren Heizungsbauer bin ich nun auch auf ein scheinbar recht smartes PV-Management-System gestoßen- Anbei ein Auszug aus der Leistungsbeschreibung:


    Der „Photovoltaik-Power-Switch“ ist KÜTROs neueste Innovation am Markt.


    Als vollautomatische, intelligente Leistungsumschaltung kontrolliert er kontinuierlich selbstständig die aktuellen Strombezugsmöglichkeiten (Heizstrom, Hausstrom, PV-Strom) für die Wärmepumpe und berechnet daraus den günstigsten Strom-Mix.


    Über seine integrierte Leistungsumschaltung erhöht er durch cleveres Kombinieren des Strombezugs den Eigenverbrauchsanteil der PV-Anlage, verteilt überschüssigen Solar-Strom genau dahin, wo er notwendig ist und gebraucht wird und sorgt dafür, dass die Wärmepumpe stets mit dem günstigsten Strom-Mix betrieben wird.


    Dabei bleibt die vollständige Flexibilität bei der Nutzung des Eigenstroms erhalten, so dass dieser bedarfsabhängig genutzt werden kann. Während bei anderen Lösungen des Wettbewerbs an dieser Stelle die Möglichkeiten ausgereizt sind, bringt der PV-Power-Switch durch Erfüllung der strengen Vorgaben der Energieversorger alle Voraussetzungen zur Nutzung eines günstigeren Heizstromtarifs mit.


    Selbstverständlich ist auch eine Datalogger-Funktion integriert mit der Sie die wichtigsten Energiewerte stets im Blick haben.


    So wird das Zusammenspiel zwischen Wärmepumpe und Photovoltaikanlage perfekt unterstützt und die Effizienz von Wärmepumpe und PV-Anlage enorm erhöht.


    Die Integration des PV-Power-Switch garantiert Ihnen sämtliche
    Vorteile, die der Energieversorger bei der Nutzung von EEG-Strom
    für Wärmepumpen bietet:


    • einfache technische Umsetzung
    • maximale Nutzung des EEG-Stroms
    • Sondertarif für Wärmepumpe
    • kein zusätzlicher Abrechnungsaufwand


    Der PV-Power-Switch besteht aus:
    • bewährten Komponenten der Haustechnik
    • einer Siemens Logo als Gehirn und Schaltzentrale
    • von KÜTRO entwickelter cleverer Software
    • der Essenz aus KÜTROs Erfahrung und Innovationskraft
    [/i][/i][/i]


    Die Kosten für so eine Steuerung wären überschaubar und ich würde mir diese zulegen wenn der Effekt spürbar wäre. Was haltet Ihr davon?


    Wie Ihr seht, sind das ein Haufen an Fragen, die Ihr mir wahrscheinlich aufgrund der noch offenen Punkte nicht bis ins letzte Detail beantworten könnt. Aber evtl. könnt Ihr mir eine grobe Richtung zeigen an der ich mich orientieren kann. Ich bin nicht vom Fach und meine Zeit ist aufgrund des Baus momentan etwas begrenzt.


    Könnt Ihr mir vllt. an der ein oder anderen Stelle weiterhelfen?


    Ich bedanke mich schon im Voraus für jede Hilfestellung


    Beste Grüße


    Scherberl

  • Hallo und willkommen im Forum !


    Bei deinen Fragen solltest du den ganzen Block teilen.
    Ich würde das mal unterteilen in:
    - Strom für dich selbst
    - Strom für die Heizung
    - Strom für die Mieter


    Strom für dich selbst ist ja offensichtlich kein Problem. Da kannst du ganz normal als Überschußeinspeisung anschließen.


    Parallel dazu muss man sehen, wo die Heizung integriert ist. Ich gehe davon aus, dass das dein eigenes Haus ist und dir auch die Heizung gehört. In diesem Falle verkaufst du dem Mieter die Wärme. Den Brennstoff - Strom - kaufst du ja selbst ein - egal wo (PV oder Netzbetreiber). Damit ist das aber umlagefrei, da du ja keinen Strom verkaufst - sondern Wärme.
    Wenn du jetzt das ganze Dach voll machst und in deinen Mietvertrag einen Passus aufnimmst, dass der Mieter mit der Wohnung automatisch einen Teil der PV Anlage mitmietet - ist auch der Teil Umlagefrei. Die Größe des Mietanteils des Mieters an der PV Anlage bestimmt der Stromverbrauch des Mieters. Eine Mietrechnung über die PV würde ich dem Mieter immer zum 31.12. schreiben.
    Damit solltest du beim FA raus sein und die Anlage so bauen können wie du magst.....

    Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.
    Wer mehr zum DC Speicher wissen will erreicht mich per PN !

  • Kütro klingt nach Leuchtturmwissen von einem Tüftler. Davon würde ich mich nicht abhängig machen wollen. Was kostet das?


    Bei WP im Haus, 2 Parteien und > 4 Personen wurde ich 7 oder 10KWp bauen.


    Wenn das Haus perfekt gedämmt ist würde ich keinen extra WP Tarif nehmen, dann aber 10KWp anpeilen.


    Für den Verkauf von PV Strom an Mieter gibt es denke ich Lösungen, die praktikabel und wirtschaftlich für alle Beteiligten sind.


    Gesendet mit Tapatalk

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

    Einmal editiert, zuletzt von seppelpeter ()



  • < 800 € für die Steuerung

  • Mmh EUR 800,-. Wie viel Strom muss die Steuerung über die PV anstatt über das Netz ziehen, damit sich das lohnt?


    Die WP wird man ja auch über Zeiten und Temperatur steuern können.


    Gesendet mit Tapatalk

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

  • Luft-WP:
    Eine Luft-WP für die Hausbeheizung wird im Winter in keinem Fall wirtschaftlich sein. Sie wird im Winter maximal als E-Heizung funktionieren. Teurer geht es nicht! Eventuell wird zudem die WP-Elektroheizung auch von der Leistung im Winter nicht ausreichend sein. Brrr. Frieren. Ärger mit Frau und Mieter!!!
    Zum Haupt-Heizzeitraum Nov. bis März erwirtschaftet die PV Anlage zudem ihr Minimum!
    Leider wird bei PV Anlagen meist nur der Jahres-Ertrag angegeben und häufig als linearer Ertrag über alle Monate "geglaubt". So ist es jedoch nicht. Im Sommer zuviel; im Winter zu wenig.
    Grundsatz: Es gibt keine einzige PV Anlage in Deutschland die einen Haushalt tatsächlich versorgen kann. Alle Angaben sind reine Statistikwerte.
    Selbst wenn man ökologisch etwas erreichen will, vielleicht öko-verliebt ist, holt die Wirklichkeit jeden schnell ein, der physikalische Gesetzmässigkeiten ökologisch umändern will.
    Zur Technik:
    PV-Anlage auf das Süd-Dach komplett auflegen. Bitte etwas auf die Ästhetik achten!
    Wenn genügend Geld beim Hausbau übrig ist: WP-Luft Heizung für die Übergangszeit einbauen; sonst später realisieren.
    Heizung für die Haupt-Wintermonate vorsehen. Gas, wenn Anschluss vorhanden. Öl, wenn nicht anders realisierbar!

  • Von dem abenteuerlichen Opitmierungs-Gerät würde ich auch abraten. Als Besitzer von PV und (Erd-)Wärmepumpe weiß ich, wie einfach man das selbst optimieren kann ohne irgendwelche besonderen Steuerungen:


    1. PV so groß wie möglich bauen (ist selbst dann noch wirtschaftlich, wenn gar nix selbst verbraucht wird)


    2. Heizung so einstellen, dass sie nachts kein Warmwasser bereitet. Wenn der Speicher groß genug ist, kann jeder bei Bedarf auch noch morgens warm duschen. Ab um 9 (oder so) darf die Pumpe dann mit PV-Strom loslegen.


    3. Heizung mit Nachtabsenkung betreiben. Da du überall Fußbodenheizung hast, gibt es im Gebäude schon ordentliche Speichermassen, da kühlt nix aus, zumal du auch noch eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung hast. Bedeutet natürlich ab Oktober: Fenster bleiben zu! Nachdem die Sonne mit dem Warmwasser (siehe 2.) fertig ist, darf sie dann heizen, sofern nicht durch die Fenster schon genug Wärme herein gekommen ist.


    Dadurch, dass die PV großzügig dimensioniert wird, musst du dir auch nicht wirklich Gedanken um die Verteilung der Verbraucher-Startzeiten machen. Eine Heizung macht üblicherweise sowieso nur Wärme oder Warmwasser, aber nicht beides zugleich. Die sonstigen Großverbraucher wie Geschirrspüler, Waschmaschine, Backofen und E-Herd kannst du selbst zu sinnvollen Zeiten einschalten, dafür braucht es keine Siemens Logo.


    Ich kenne übrigens einige Leute, die mit einer Luftwärmepumpe auch im Winter ganz gut und günstig heizen, bin deshalb nicht ganz so skeptisch. Eine Zweitheizung kostet auch viel Geld, ebenso eine Erdwärmepumpe. Mit ihrer schlechteren Leistungszahl kann die Luft-WP dennoch durchaus wirtschaftlicher sein. Sprich am besten mal mit ein paar Freunden und Bekannten, die bereits so heizen, und lass dir ihre Erfahrungen schildern.


    Bastel

  • @Rasen... Wissen wir denn, wie das Haus gebaut ist? Passivhaus oder nahe dran ? Ist ja mit Lüftungsanlage mit Rückgewinnung... Dann heizt er ja eher wenig und die WP muss noch WW können...?


    Jan


    Mit freundlicher Unterstützung der Autokorrektur meines schnurlosen Telephons zur automatisch initiierten Verwirrung durch Wortverwurstung.


  • Besten Dank für den Beitrag! Über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten bin ich im Bilde. Einige meiner Bekannten verfügen über eine Luft WP und sind sehr zufrieden damit. Ich hatte nicht vor mich in heutigen Zeiten noch an diese antiquierten Energieträger zu binden.

  • Zitat von Janne

    @Rasen... Wissen wir denn, wie das Haus gebaut ist? Passivhaus oder nahe dran ? Ist ja mit Lüftungsanlage mit Rückgewinnung... Dann heizt er ja eher wenig und die WP muss noch WW können...?


    Jan


    Mit freundlicher Unterstützung der Autokorrektur meines schnurlosen Telephons zur automatisch initiierten Verwirrung durch Wortverwurstung.


    Es ist kein Passivhaus. Geklebte, nicht gefüllte Mauersteine. Kein KfW-Kredit beantragt.