Neubau EFH mit WP

  • Hey zusammen,


    Ich bin gerade drauf und dran mein Häuschen zu bauen.
    Nebenbei haben wir überlegt wegen der WP eine PV Anlage auf das Süddach zu installieren. Die Fläche ist ca. 65m2 groß. Unser Stromverbrauch beträgt im Moment 4100 kWh pro Jahr. Mit der WP werden wohl nochmal 2500 kWh dazukommen. Da ich zum größten Teil den Strom selber verbrauchen möchte würde ich ein Speichersystem dazu kaufen. Da ich nicht ganz die Ahnung von dem Ganzen habe wollte ich hier fragen was für mich Sinn machen würde. Ich habe ein Budget von 15000 Euro +- 4000 Euro zzgl. Steuer abzüglich Speicherförderung.


    Könnt Ihr mir da weiterhelfen?


    Dankeschön

  • Moin BounZ und herzlich willkommen im Forum.


    Zuerst mal zwei schlechte Nachrichten. WP über PV betreiben ist nicht besonders sinnvoll und Speicher lohnt sich normalerweise nicht (besonders).


    Zur WP. Wenn man sich den Ertrag einer PV übers Jahr ansieht, dann erntet man im Sommer 6-7 mal mehr Energie als im Winter. Wenn dich die kWh aus der PV im Jahresschnitt 10 Cent kostet, dann kostet sie real im Sommer um die 5 Cent und im Winter eher 50 Cent; dieser Preis steht dann im Wettbewerb mit dem regulären Strompreis von 28 Cent oder den Heizkosten bei Öl und Gas von rund 6 Cent.


    Beim Batteriespeicher sieht es leider ähnlich aus, wenn man sich die Anlage bauen lässt. Wenn man die Speicherföderung mitnehmen will, dann muss man auch einspeisen und die Anlage muss von einer Fachfirma abgenommen werden, wobei sieben Jahre Garantie auf die Batterie gegeben werden muss. Da man eine Batterie auch innerhalb von wenigen Tagen per Misshandlung kaputt kriegen kann, kommt die in einen abgeschlossenen Schrank und mindestens einmal im Jahr kommt jemand zur Wartung (plus Kosten für An- und Abfahrt). Lohnt sich also auch nicht, denn die Garantie wird sehr teuer verkauft.


    Die einzige Möglichkeit bei Speicher ist das berühmte Do-It-Yourself, dafür muss man sich aber etwas intensiver mit der Thematik auseinander setzen. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, dann schau mal in die Suchfunktion mit dem Stichwort "Halbinsel". Du wirst feststellen, dass hier im Forum mehr als reichlich Know-How zu diesem Thema vorhanden ist (obwohl man sich oftmals im Detail nicht einig ist).


    Mein Tipp wäre, dass du dich soweit in das Thema einliest, dass du ungefähr weißt, was Sache ist (was Batterien angeht vielleicht auch mal hier reischauen: http://wiki.polz.info/doku.php; dieses Wiki wurde von Leuten hier aus dem Forum gemacht). Dann baust du dein Häuschen so, dass du dir alle Optionen offen hälst (etwa schon die Dachhaken setzen lassen und Leerrohre einziehen lassen; festlegen, wo eine Batterie sinnvoll untergebracht werden kann), denn während der eigentlichen Bauphase wirst du wahrscheinlich eine Zeit haben, dich auch noch um PV zu kümmern. Wenn du anschließend Zeit und Muße hast, geht es an das Projekt PV.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Ich möchte es mal ein wenig positiver ausdrücken als mein Vorredner.
    Ließ mal die einschlägigen Threads hier im Forum und in anderen Foren.
    Ich möchte nicht alles hier wiederholen, nur ein paar Schlagworte zur Suche/Recherche in den Raum werfen.
    Wie mein Vorredner schon sagt, darf man keine Wunder erwarten, aber bei guter Planung sind schon 30%, evtl auch noch etwas mehr Eigendeckung drin, und zwar ohne elektrischen Speicher.
    Mein Hausbau ist nun schon 3 Jahre her, aber damals hatten alle leider alle Planer, mit denen ich gesprochen habe, kaum Ahnung von der Materie, daher war viel Eigeninitiative gefragt. Alle haben gesagt, mehr als 10% schaffe ich nie...


    Meine Eckdaten:
    KfW40-Haus, 207 m2 beheizte Fläche (FBH), PV-Anlage 9,69 kWp, Luft-Wasser-WP mit 8,0 kW Heizleistung bei A2/W35 (= ca. 2,2 kW el.)
    Saison 2013/14: 2194 kWh Verbrauch WP, davon 26% von PV gedeckt, nur durch geschickte Programmierung der vorhandenen Steuerung
    Saison 2014/15: 2328 kWh, davon 31% von PV gedeckt, Eine zusätzliche Steuerung im Eigenbau nachgerüstet zur optimierten Estrich-Aufladung
    Dieses Jahr werde ich die Steuerung noch weiter optimieren, vielleicht sind noch ein paar % drin.


    Zugegebenermaßen haben wir aber noch einen Holzofen, der die beiden Winter jeweils ca. 1500-2000 kWh Wärme (entspr. ca. 500-700 kWh el.) erzeugt hat. Gerade aber in dieser Kombination, wenn man aus Gemütlichkeitsgründen einen Holzofen will, und der üblicherweise nur abends/nachts heizt, funktioniert die Kombi WP/PV umso besser.


    Speicher: nicht nur über elektrische nachdenken sondern v.a. über Wärmespeicher in Form von Hausmasse:
    - Estrich schon gezielt nachmittags leicht "überheizen"
    - über Bauteilaktivierung nachdenken. Das würde ich in dem Kontext machen, wenn ich nochmal neu bauen würde. Die Kosten sind beim Neubau gering.
    - WW-Erzeugung gezielt tagsüber
    - welche WP? Bei einer Luft-Wasser-WP ist der Wirkungsgrad tagsüber wegen der höheren Lufttemp. besser. Das kann einiges an "Wärmespeicherverlusten" ausgleichen.


    Auf ein gutes energetisches Gesamtkonzept achten.


    Wenn Du schon während der Bauphase die PV-Anlage mit drauf setzt, sparst Du Gerüstkosten.


    Patrick

  • Danke für die Tipps.
    Wie viel kWp würdet ihr empfehlen? Oder einfach so viel wie drauf passt aufs Dach?


    Eine zusätzliche Wärmequelle ist nicht geplant.
    Baue ein KfW 55 Haus 155m2.

  • Zitat

    Wie viel kWp würdet ihr empfehlen? Oder einfach so viel wie drauf passt aufs Dach?


    Das kommt darauf an, was du vor hast. Ich mache mal grobe Vereinfachungen (Kosten für Erzeugung einer kWh per PV = 10 Cent; Speicherung einer kWh in Batterie auch 10 Cent; Einspeisevergütung 12 Cent und Stromkosten vom Netz 28 Cent; Ertrag von 800 kWh pro kWp und Jahr) und dekliniere das mal durch.


    1. Nur Netzbezug
    Dein Jahresverbrauch liegt bei 4.000 kWh, was rund 1.100 Euro pro Jahr macht.


    2. Nur Einspeisung
    Es soll eine neue Abgabe von 100 Euro pro Jahr auf Anlagen größer 7 kWp kommen, also nehmen wir 7 kWp. Damit erzeugst du im Jahr 5.600 kWh. Du hast Kosten von 10 Cent und bekommst 12 Cent bezahlt, also verdient die Anlage 112 Euro im Jahr. Nach Abzug der Einkommensteuer bleiben rund 80 Euro. Stromkosten von 1.100 auf 1.020 Euro gesenkt; wenn man das Risiko mit einberechnet lohnt das nicht!


    3. Einspeisung mit Eigenverbrauch ohne Batterie
    Die von patba genannten 30% werden allgemein für erreichbar gehalten, wenn die Anlage kleiner 10 kWp ist. Von den 5.600 kWh kannst du also 1.865 selbst verbrauchen. Wegen der EEG-Umlage kommen auf den eigenen Preis 2 Cent drauf, die kWh kostet also 12 Cent. (28-12)* 1.865 = 298 Euro gespart und 52 Euro Einnahmen aus Stromverkauf. Stromkosten von 1.100 auf 750 Euro gesenkt; lohnt deutlich mehr!


    4. Einspeisung mit Eigenverbrauch mit Batterie
    Hier werden in EFHs 60% für erreichbar gehalten (sehe ich anders, aber das ist ein anderes Thema). Von den 5.600 kWh kannst du also 3.730 selbst verbrauchen. Die Hälfte der Energie wird direkt verbraucht (28-12) * 1.865 = 298 Euro gespart; die andere Hälfte der 60% muss durch die Batterie gehen, also weitere (28 - 12 - 10) * 1.865 = 111,9 Euro gespart und 26 Euro Einnahmen aus Stromverkauf. Stromkosten von 1.100 auf 664 Euro gesenkt; Kosten fast halbiert und grüner! Dieser Preis ist aber nur haltbar, wenn man eine nicht geförderte Batterie selber einkauft und einbaut. Bei den Batterien mit Garantie liegt der Preis für die Durchleitung eher über 20 Cent und dann macht man mit jeder dieser kWh einen Verlust!


    5. Halbinsel (natürlich mit Batterie)
    Generelle Regeln für die Auslegung von solchen Anlagen gibt es nicht. Ich habe vor einigen Monaten mal ein Programm geschrieben, dass einem zumindest einen erheblichen Teil der Rechenarbeit abnimmt. Das Programm und die Dokumentation kann man sich von http://www.jdhenning.de/OptimInsel/ runter laden. Vor dem Ausprobieren des Programmes bitte unbedingt die Doku lesen. Ich habe das mal mit den Daten von Düsseldorf durchrechnen lassen und komme (ob man die zugrundegelegten Preise für richtig hält, muss jeder für sich entscheiden) auf einen effektiven Strompreis von 17,6 Cent pro kWh. Stromkosten von 1.100 auf 704 Euro gesenkt; Preis ist nicht besser als bei Einspeisung mit Eigenverbrauch, aber man bekommt umsonst eine Notstromversorgung dazu (Größe etwa 3,2 kWp und Batterie mit mindestens 6,3 kWh nutzbar).



    Das sind zwar jetzt alles nur grobe Überschlagsrechnungen, aber man sollte die grobe Richtung sehen können.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Zitat von jdhenning

    3. Einspeisung mit Eigenverbrauch ohne Batterie
    30% werden allgemein für erreichbar gehalten, wenn die Anlage kleiner 10 kWp ist. Von den 5.600 kWh kannst du also 1.865 selbst verbrauchen. Wegen der EEG-Umlage kommen auf den eigenen Preis 2 Cent drauf, die kWh kostet also 12 Cent. (28-12)* 1.865 = 298 Euro gespart und 52 Euro Einnahmen aus Stromverkauf. Stromkosten von 1.100 auf 750 Euro gesenkt; lohnt deutlich mehr!


    seit wann bezahlt man EEG Umlage, wenn die Anlage kleiner 10Kwp ist ?


    Einnahmen aus dem Stromverkauf betragen 3920 Kwh x12 cent = 470€ , wieso bekommst du nur 52€ ???

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Zitat von machtnix

    seit wann bezahlt man EEG Umlage, wenn die Anlage kleiner 10Kwp ist ?


    Ich ging bisher davon aus, dass die Umlage auf jeden Eigenverbrauch anfällt, wenn eingespeist wird. Kannst du das mal erklären, wie es richtig wäre?


    Zitat von machtnix

    Einnahmen aus dem Stromverkauf betragen 3920 Kwh x12 cent = 470€ , wieso bekommst du nur 52€ ???


    Da ist tatsächlich ein Fehler drin. 5.600 kWh werden erzeugt und 1.865 verbraucht man selber; bleiben also 3.635 kWh, die man verkaufen kann. 12 Cent gibt es an Vergütung, Kosten betragen 10 Cent, also 3.635 * (0,12 - 0,10) = 72,7 Euro Gewinn vor Steuer. Davon geht 1/3 für Einkommensteuer weg, verbleibt ein Gewinn nach Steuer von 48,46 Euro. Die 52 Euro Gewinn waren also zu hoch angesetzt.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Zitat von jdhenning

    2. Nur Einspeisung
    Es soll eine neue Abgabe von 100 Euro pro Jahr auf Anlagen größer 7 kWp kommen, also nehmen wir 7 kWp. Damit erzeugst du im Jahr 5.600 kWh. Du hast Kosten von 10 Cent und bekommst 12 Cent bezahlt, also verdient die Anlage 112 Euro im Jahr.


    Die Rechnung kann ich nachvollziehen, verstehe aber die 10 Cent Kosten nicht :? Und 800 kWh/kWp ist ja eher ein unterdurchschnittlicher Wert.

    7,71 kWp mit 38 x Hyundai HiS-M203SF an SB5000-TL (2x14) & SB2100-TL (1x10), DN:49°, -30° SSO, Inbetriebnahme: 31.08.2010,
    Sunnyportal

    Seit 28.01.2020 24/14 am SMA STP8.0-3AV-40

    Sunnyportal

  • Zitat von hgause

    Die Rechnung kann ich nachvollziehen, verstehe aber die 10 Cent Kosten nicht


    Das ist ein Schätzwert, der sich folgendermaßen ergibt:
    1.300 € / kWp für die Erstellung der Anlage (kaum ein Unterschied, ob Insel- oder Einspeise-WR)
    Tilgung über 20 Jahre macht 65 Euro pro Jahr.
    Zinsen sind mit 5% angesetzt; macht 32,50 Euro im Jahr
    Sind zusammen 97,50 Euro im Jahr pro kWp.
    Das ergibt bei 1.000 kWh / kWp einen Erzeugungspreis von 9,75 Cent pro kWh; nächster runder Wert ist 10 Cent.


    Wenn man lediglich von 800 kWh pro kWp ausgeht, dann kommt man auf 12,18 Cent an Kosten (ohne Risikobetrachtung), was schon über der Einspeisevergütung gelegen hätte; dann machen aber die Beispielrechnungen keinen Spaß mehr.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Hallo BounZ


    schau dir mal meinen Approach dazu an: http://www.photovoltaikforum.c…t104875-s80.html#p1304254


    PV und WP passen schon zusammen. Und mit ein paar Eigenleistungen liegen 30% Eigenverbrauch über das gesamte Jahr drin. In der Übergangszeit etwa 80% bei einer 10kWp Anlage. Zuvor hatte ich 7kWp, die wurde aber wegen der WP erweitert.


    Gruss, Mege

    10.35 kWp / Süd / 18° Dachneigung / Fronius Symo 7.0-3-M / Kostal Piko 5.5
    PowerDog als Energie-Manager u.a. für EV-Optimierung der Erdsonden-Wärmepumpe.
    Liebäugle seit längerem mit einem Speicher, habe aber noch immer nichts wirklich gescheites gefunden.