Übersicht Steuerfragen

  • Ich habe hier viel gesucht und viel gefunden, bin mir aber immer noch unsicher bzw. brauche für mich eine Übersicht.
    Ich bitte um Korrektur, wenn ich etwas falsch darlege:


    0. steuerliche "Anmeldung" beim FA (möglichst vor Unterzeichnung Vertrag)
    - Verzicht auf Kleinunternehmerregelung
    - degressive Abschreibung
    - IST-Versteuerung


    1. mtl. USt.-Voranmeldung (zum 10. eines Monats per Elster an FA)
    + erstattbare Umsatzsteuer


    2. jeweilige Steuerjahre EÜR + Anlage G + USt


    - EÜR/Anlage G:
    Betriebseinnahmen
    - steuerpflichtige Einnahmen aus Kundenzahlungen (z.B. Einspeisevergütung netto)
    - Umsatzsteuer aus Kundenzahlungen (vom VNB gezahlte Umsatzsteuer)
    - vom Finanzamt erstattete Umsatzsteuer
    - Wert Sachentnahme


    Betriebsausgaben
    - Abschreibung
    - sonstige betriebliche Aufwendungen (Versicherungen, Büromaterial, Telefon, Porto, Fahrtkosten etc.)
    - Zinsen
    - an Dritte gezahlte Umsatzsteuer (Vorsteuer aus Eingangsrechnungen)
    - an das Finanzamt gezahlte Umsatzsteuer


    - USt
    - MwSt. auf steuerpflichtige Einnahmen aus Kundenzahlungen
    - MwSt. auf Wert Sachentnahme


    A: Verzicht auf Kleinunternehmerregelung:
    - um die Mehrwertsteuer (Installation) erstattet zu bekommen
    - Wechsel zum Kleinunternehmer nach 5 Jahren möglich (Wegfall Umsatzsteuerpflicht)
    B: degressive Abschreibung
    - um innerhalb kurzer Zeit möglichst hohen Anteil Investitionskosten "zurück zu erhalten"
    C: IST-Versteuerung
    - keine Vorleistung bei USt.
    D: Wert Sachentnahme
    - Grundlage bildet der selbstgewählte Tarif des Energieversorgers (Preis p. kW/h und Grundgebühr -netto-)


    Was ist nicht richtig bedacht?

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    5,51 kWp: 19 x 290 Winaico WSP-290M6 PERC, Fronius Symo 5.0-3-M
    Ausrichtung: DN: 45°, <10° S


  • Hallo,


    ist alles richtig so. Bei der AfA muss Du schauen, was Sinn macht, ob man Sonderabschreibungen macht. Bei Eigenverbrauch zieht die Sonderabschreibung nicht.


    Sonnige Grüße


    braunerbaer

  • "- Wechsel zum Kleinunternehmer nach 5 Jahren möglich (Wegfall Umsatzsteuerpflicht)"


    Das ist auch so richtig?


    "- Grundlage bildet der selbstgewählte Tarif des Energieversorgers (Preis p. kW/h und Grundgebühr -netto-)"


    Nimmt jemand einen anderen "Preis p. kWh" zur Grundlage: Ich habe vieles über diese "ominösen" 0,20 € gelesen oder als Grundlage die Einspeisevergütungshöhe.

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  • Hallo,
    ist auch richtig so. Wechsel zum Kleinunternehmer muss jeder für sich entscheiden.



    Sonnige Grüße


    braunerbaer

  • Alles klar, danke.


    Zitat von braunerbaer

    ...Wechsel zum Kleinunternehmer muss jeder für sich entscheiden.


    Weshalb? Was spricht denn dafür davon Abstand zu nehmen?

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  • zu Pkt.2, UST
    Hier muss es heissen "USt auf unentgeltliche Wertabgabe". Die USt kennt keine Sachentnahme; die Bemessungsgrundlage zur unentgeltlichen Wertabgabe (USt) ist mit dem Einkaufspreis auch eine andere als die Bewertung der Sachentnahme zum Teilwert (z.B. Opportunitätskosten = entgangene Einspeisevergütung).


    zu B "degressive Abschreibung")
    Das Bewertungswahlrecht zur degressiven Abschreibung besteht seit einigen Jahren (2011, 2012?? bin unsicher) nicht mehr.
    Die Anlage ist nach §7 Abs. 1 linear über einen Zeitraum von grundsätzlich 20 jahren abzuschreiben.


    hiervon unbenommen sind die Bewertungswahlrechte nach §7g (Investitionsabzugsbetrag (kritisch) und Sonder-Abschreibung von bis zu 20% im Jahr der Anschaffung und den vier darauffolgenden Kalenderjahren)


    zu "D - Sachentnahme"
    Die Sachentnahme ist in der ertragsteuerlichen Gewinnermittlung zu berücksichtigen.
    Die Bewertung erfolgt mit dem Teilwert.
    Der Teilwert ist zwar ein objektiver Wertbegriff, aber er ist nicht eindeutig definiert.
    Alle Teilwertvermutungen haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Sie sind widerlegbar. Es gibt keine "einzig richtige" Teilwertvermutung.
    Die am leichtesten zu verteidigende und IMHO nicht angreifbare Teilwertvermutung ist die durch den DV entgangene Einspeisevergütung.


    Bewertung der unentgeltlichen Wertabgabe erfolgt mit dem Einkaufspreis incl. aller Nebenkosten.
    Also mit dem Wert zu Vollkosten ermittelten Wert "pro kWh" dem man dem EVU für bezogenen Strom (netto) gezahlt hat.
    Einfach Formel: "Sämtliche Vergütungskomponenten für einen Abrechnungszeitraum" / "tatsächlich gelieferte Strommenge im Abrechnungszeitraum".


    Die "ominösen 0,20 Cent" entstammen einer nichtamtlichen Veröffentlichung zweier Landesministerien von zweifelhaftem Niveau. So wie man es niedergeschrieben hat, sind die 20 Cent als "Pauschale" fachlicher Unfug.
    Allerdings WAREN die 20 Cent einmal ein durchaus sinnvoller Wert im Sinne einer "Deckelung".
    Wenn - was durchaus in Betracht kommt - die Herstellungskosten als Teilwertvermutung herangezogen werden (möglich; aber sehr leicht zu widerlegen und kaum zu verteidigen), dann WAR es bis 2010 (oder 2011) noch ein Phänomen, dass bei dem damals üblichen Dezember-Fieber die Herstellungskosten im Jahr der Anschaffung auf utopische Werte von mehreren Euro schossen. Da brauchte man einen Deckel; da waren die 20 Cent ganz sinnvoll und nützlich.


    Wechsel zum Kleinunternehmer:
    Hast Du richtig erkannt: Zunächst einmal wird damit der Direktverbrauch von der Umsatzsteuer faktisch befreit.
    Im Normalfall (Mehrheit aller Betreiber) dürfte es im Normalfall (die Mehrheit aller Jahre) der richtige Schritt sein, weil in diesem "quadrierten Normalfall" gar keine Vorsteuer anfällt, die man durch den Wechsel zur KUR verliert.
    Ausnahmen bestätigen die Regel:
    - Es mag Betreiber geben, da fällt wenig USt auf die unentgeltl. Wertabgabe an; aber durchaus nennenswerte Vorsteuer
    - Es mag Jahre geben, da fällt halt noch mal Vorsteuer an; z.B. für einen neuen Wechselrichter
    In diesen Fällen verliert man dann entweder den Vorsteuerabzug - oder wechselt wieder zur Regelbesteuerung zurück (mit der Folge einer Bindungswirkung für 5 neue Jahre).
    Ab hier wirds absolut individuell - dass muss jeder selbst rechnen.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Ich bedanke mich für die sehr ausführliche Antwort.


    :danke::danke::danke:


    Leider habe ich bzgl. Punkt D jetzt folgende Frage, weil ich nicht die richtigen Termini verwendet hatte:



    Wo kommt also die Sachentnahme (wenn überhaupt) wann wie zum tragen?

    ----------------------------------------------------------------------------------
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  • Auch ich stolper gerade über die Sachentnahme...
    Ist damit der Eigenverbrauch, also der selbst verbrauchte Strom, gemeint?
    Wenn ja:
    Warum soll der zu dem Preis bewertet werden, den ich dem Stromversorger zahle?
    Mir wurde gesagt, dass ich dort den Preis ansetzen kann, den ich vom Versorger für die eingespeisten kwh bekomme.
    Was ja für mich besser ist, da dieser Preis ja geringer ist, als der den ich dem Stromversorger für den bezogenen Strom zahle.
    Da es sich um eine Einnahme handelt ist der geringere Preis also für mich besser.


    Bin ich da auf dem Holzweg?
    Kegeljunge

    2 Dachflächen (30 Grad Dachneigung)
    60 Kyocera KD 210 GH-2PU poly, SMA SMC 7000 TL, SMA SB 5000 TL-20, 40 Grad Abweischung von Süden Richtung Westen
    18 Kyocera KD 210 GH-2PU poly, SMA SB 3300 TL-HC, 50 Grad Abweichung von Süden Richtung Osten
    JK: 15, D 2

    seit 06/2019 Smart EQ fourfour

  • Der Direktverbrauch ist
    a) umsatzsteuerlich (bei Anlagen mit Inbetriebnahme nach dem 31.3.12) als unentgeltliche Wertabgabe
    b) ertragseuerlich als Sachentnahme
    zu behandeln.


    Die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage für unentgeltliche Wertabgaben ist der Einkaufspreis für Waren vergleichbarer Art und Güte im Zeitpunkt der Entnahmehandlung. Also der auf Vollkostenbasis ermittelte Preis für den Bezugsstrom vom EVU.


    Die Sachentnahme.... siehe oben.

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  • Also so:


    - unentgeltliche Wertentnahme bei der USt.-Erklärung (Abführen der MWSt. auf den Eigenverbrauch)


    - Sachentnahme bei der EÜR (Einnahmenermittlung)



    :?::?::?:

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