• Moin,


    da im Nachbar-Thread auch über den Ölpreis in 2020 gerätselt wird und die Auswirkungen von Peak Oil, will hier hier auch etwas zum Peak im Kohlesektor zum besten geben.


    Hier ist ein Vortrag von David Rutledge zum Thema (38 min). Er ist Professor für E-Technik mit einer Spezialität für Signalverarbeitung. Er hat sich den Spass gemacht, die Kohleförderung verschiedener Regionen zu plotten und als Input-Signal für eine logistische Wachstumsfunktion zu fitten. (Bonmot: So schöne unverauschte Daten hätte er selten untersucht.) Wer sich für das zugehörige Paper oder die Rohdaten interessiert, die können hier heruntergeladen werden.


    Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann wird die geschätzte kumulierte Förderung URR (Ultimate Resource Recovery) geteilt durch zwei (= Halbzeit) bei der aktuellen Förderrate schon in wenigen Jahren erreicht.


    Gruß,
    Gunnar

  • Erstmal: Dankee gunnar. Ein sehr interessanter Beitrag.


    Da ja der Beitrag von 2007 ist (seine Paper wurden nochmal Ende 2013 geupdated) sind einige Zahlen sehr veraltet aber genau deswegen macht es Spass sich diese nochmal auf der Zunge zergehen zu lassen und mit den aktuellen Zahlen zu vergleichen.


    Ok, dass er Atomkraft als alternative sieht (ist halt ein neutraler Wissenschaftler) darüber kann man geteilter Meinung sein.


    Seine Aussage, dass er in Photovoltaik großes Potential bei den in 2007 installierten 8 GW sieht ist klasse. Aktuell sind wir bei 200 GW oder dem Faktor 25. In 8 Jahren. Bei Windkraft ist es immerhin der Faktor 5,5 (von 75 GW auf 400 GW). Volltreffer.


    Auch seine Aussage, dass China eher wegen der Luftverschmutzung den Verbrauch runter geht, stimmte zumindest bis letztes Jahr.


    Ganz wichtig finde ich die Aussage, dass die Auswirkungen der verbrannten Kohle 800 Jahre nachwirken und das deswegen eine reine Streckung nichts bringt und nur ein harter Cut im hier & jetzt was dringt. Weil das gilt auch für deutsche Braunkohle.

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
    10,56 kWp Yingli YL240P-29b, SMA STP 10000TL-10; Ausr.: -110° (Ost); DN 33°; seit 01/2013


    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Zitat von Dringi

    ... und nur ein harter Cut im hier & jetzt was bringt.


    und der kommt weder bei kohle noch bei oel... :juggle:


    aktuell kaufen leute mit geld, die in bangkok ihren wohnsitz haben, grundstuecke im norden von thailands.
    die alle haben angst vor dem steigenden meeresspiegel!
    dieser macht sich dort schon jetzt bemerkbar, und das grundwasser wird langsam salzig.
    bangkok und viele andere metropolen verkraften nicht mal einen meter hoeheren meersspiegel auf dauer,
    zumal diese grossen staedte auch noch langsam tiefer sinken (zuviel gewicht)

    sonnige gruesse aus THAILAND,
    towa


    1. Off-Grid SMA SMC6000TL + SMA Island 6.0 - Lifepo4 48V, 320Ah - 6.5 kWp (NOTC)
    2. Off-Grid PIP2424MSX - 2.0 kWp (NOTC) - Lifepo4 25V, 400Ah

  • @ Towa-Tahiland - aus demselben Grund hat man vor über 100 Jahren ganz Chikago um 3m angehoben. Geht also auch, macht aber Arbeit.
    Ansonsten ist Positiv, dass inzwischen auch China und USA anfangen auf EE zu setzen. Das setzt bei Wind und PV positive, bei Öl und Kohle negative Rückkkopplungen in gang. Wenn nur noch wenige Kohlekraftwerke gebaut werden, werden diese wegen sinkender Stückzahlen immer teurer, was dann eine Kettenreaktion in Gang bringt. Zuerst stirbt der enubau, was aktuell schon zu sehen ist in den Bilanzen von Siemens & CO, danach stirbt der Bestand weil scih zu wenige noch damit auskennen wenn grössere Arbeiten anstehen.
    Während umgekehrt für die Leute ein Haus mit Solardach kein Femdkörper mehr ist, sondern ein Haus ohne Solardach. Auch das geschieht schon unmerklich. Es wandelt sich.

    Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
    Thomas Alva Edison
    Trockenplatzdach 2,6kW zum Spielen :)

  • diese rueckkopplung sehe ich anders...
    dadurch, dass nicht mehr soviel kohle und oel verbraucht wird, geht der preis ja runter,
    und es lohnt sich weiterhin diese rohstoffe zu verfeuern.
    oder wer haette vor jahren gedacht, dass das oel weit unter 50usd geht...
    was meinst du, weit weit wir schon waeren bei 200usd rohoel, 2 euro/liter heizoel, 5 euro/liter benzin... :juggle:
    wenn sich der trend (oelkriese in den 70-igern) fortgesetzt haette...
    da wuerde heute niemand mehr nur im traum dran denken, diese rohstoffe zu verbrennen.


    ja china und usa sind mit im boot bei den erneuerbaren,
    aber auch nur, weil die wissen, das ende dieser rohstoffe naht.
    bis dahin wird alles rausgehauen...

    sonnige gruesse aus THAILAND,
    towa


    1. Off-Grid SMA SMC6000TL + SMA Island 6.0 - Lifepo4 48V, 320Ah - 6.5 kWp (NOTC)
    2. Off-Grid PIP2424MSX - 2.0 kWp (NOTC) - Lifepo4 25V, 400Ah

  • Zitat von Dringi

    Auch seine Aussage, dass China eher wegen der Luftverschmutzung den Verbrauch runter geht, stimmte zumindest bis letztes Jahr.


    Warum gilt das diese Jahr nicht mehr? "Einem Greenpeace-Bericht zufolge ist in China der Verbrauch an Steinkohle innerhalb der ersten vier Monate des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent gefallen." Quelle: Heise


    Zitat

    Ganz wichtig finde ich die Aussage, dass die Auswirkungen der verbrannten Kohle 800 Jahre nachwirken und das deswegen eine reine Streckung nichts bringt und nur ein harter Cut im hier & jetzt was dringt. Weil das gilt auch für deutsche Braunkohle.


    Das habe ich mir auch gemerkt. Es spielt keine große Rolle, ob die Tonne CO2 heute oder in 30 Jahren emittiert wird: es ist gleich schädlich für die Klimabilanz und deswegen hat der Kohlenstoff generell im Boden zu bleiben.


    Gruß,
    Gunnar

  • Zitat von gunnar_kaestle

    Warum gilt das diese Jahr nicht mehr? "Einem Greenpeace-Bericht zufolge ist in China der Verbrauch an Steinkohle innerhalb der ersten vier Monate des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent gefallen." Quelle: Heise


    Sorry, ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Selbstverständlich fährt (bzw. versucht es) China seinen Kohleverbrauch weiter runter. Nämlich weil die KP mit dem em Rücken an der Wand steht. Nur denke ich, dass sich die Gründe verschoben haben: Bisher war es primär die Luftverschmutzung und der Klimawandel war sekundär. Nun wird der Kimawandel mehr und mehr in den Vordergrund geschoben. Die Mega-Überschwemmungen einerseits und die Mega-Dürren andererseits mehren sich halt im Reich der Mitte.
    Ob es nun aber das eine oder das andere ist oder weil Kohlestrom Pickel macht: Das Ergebnis bleibt gleich und ist gut.

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
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    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • @ Towa - nun auch 40$/Barrel sind bei den heutigen EE-Preisen noch zu teuer, um damit anderes auf Öl umzustellen, es werden nur vorhandene Anlagen noch weiter betrieben - aber eben nur mit Öl, das zu 40$/Barrel auch zu fördern sit, und das ist begrenzt. Die Saudis haben viel davon in Russland sieht das dageen schlecht aus, in Brasilien auch, und in den USA steht da vieles schon auf der Kippe. Das ist genauso wie vor einem Modellwechsel noch das alte Modell mit hohen Rabattern rausgehauen wird, weil es sonst keiner mehr haben will.
    Auch bei aktuell billigem Öl und Gas und Kohle gilt weiterhin durch die sinkenden Gestehungskosten bei EE: es wird immer weniger 8und zwar sehr schnell weniger) in neue fosslie Kraftwerke investiert, und bestehende KArftwerke laufene ben solange weiter bis der erste grosse Schaden auftritt, dann ist meist das Ende für das Kraftwerk gekommen. Im Verkehrsbereich dauert es etwas länger, aber auch dort ist der Wandel im Gang. MAn weis das unterhalb eines gewissen batteriepreises ein Verbrenner für den Endverbraucher nciht mehr interesant ist, ebenso beim Ereichen einer gewissen Reichweite, die aber gar nciht so hoch sein dürfte. 1l Benzin entspricht nur ewa 3kWh Strom, kommt der vond er hauseigenen PV-anlage kostet der 36ct+MWSt. Ist das Elektroauto also gleichteuer als der verbrenner, wird keiner mehr einen verbrenner kaufen, da Benzinpreise unter 50ct auch bei geringem Ölpreis unrealistisch sind. Was dann die Skaleneffekte gegen den verbrenner in Gang setzt, und die Sache in relativ kurzer Zeit beendet. Auch Röhrenfernseher waren ab einem gewissen Punkt ganz plötzlich verschwunden.

    Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
    Thomas Alva Edison
    Trockenplatzdach 2,6kW zum Spielen :)

  • Zitat von hfrik

    Auch bei aktuell billigem Öl und Gas und Kohle gilt weiterhin durch die sinkenden Gestehungskosten bei EE: es wird immer weniger und zwar sehr schnell weniger) in neue fossile Kraftwerke investiert, und bestehende Kraftwerke laufen ben solange weiter bis der erste grosse Schaden auftritt, dann ist meist das Ende für das Kraftwerk gekommen. Im Verkehrsbereich dauert es etwas länger, aber auch dort ist der Wandel im Gang.


    Die Geschwindigkeit des Wandels wird durch die Langlebigkeit des Investitionsgutes bestimmt. Autos halten 10-15 Jahre, Kraftwerke um die 40 Jahre. Daher sollte der Strukturwandel im Stromsektor länger dauern als im Verkehrssektor, sofern die Initialzündung gemacht ist und man Alt gegen Neu austauscht. Im Automobilbereich hat man aber noch gar nicht groß angefangen (R+D-Phase, erste Gehversuche in der Produktion), wohingegen schon seit gut 10 Jahren die (spürbare) Markteinführung von EE-Technologien voranschreitet.


    Die billigen Brennstoffpreise (oder auch die wieder ansteigenden) sind es nicht allein. Es ist der sinkende Marktpreis für Elektroenergie, der den klassischen Kraftwerksbau in eine Nachfrageschwäche stürzen lässt. Gerade Kohlekraftwerke sind teure Anlagen, der Kessel ist ein riesiges Ding und die Abgasreinigung kompex. So eine Investition geht man nicht mehr an, wenn die Preise im Keller beinahe auf Grenzkostenniveau der Grundlastkraftwerke hängen, das Geld kommt wahrscheinlich nicht wieder rein. Da die EE-Anlage nicht über den Marktpreis finanziert werden, kann somit ein Verdrängungswettbewerb stattfinden: zunehmender EE-Anteil drückt den Preis, wodurch der Nachwuchs an fossilen Kraftwerke ausbleibt.


    Gruß,
    Gunnar

  • Ich denke, dass Du falsch liegst. Das geht sehr viel schneller.


    The Guardian von gestern: California passes bill forcing biggest pension funds to divest from coal


    Das heisst nichts anderes als dass die 3.-größte Volkswirtschaft der Welt sich öffentlich von Kohle verabschiedet.
    Mit 450 Mrd. Euro sind die beiden Fonds zwar deutlich kleiner als der staatliche Pensionsfonds des Königreichs Norwegen mit 780 Mrd. Euro aber Kalifornien hat nun mal eine deutlich größere Wirkung auf Rest-USA.


    Hinzu diese Meldung von Twitter:
    Peabody-biggest US coal company lost 84% market cap since January. Now worth $350m v $18bn in 2010 Where goes America,there goes the world.