Gewerbeeinstufung Finanzamt - Fehlender Gewinn

  • Hallo an alle hier im Forum,


    ich betreibe eine PV Anlage auf meinem Hausdach, mit 9,9 kWP. Den erzeugten Strom verbrauche ich so weit wie möglich selbst, der Überschuß wird eingespeist.Folgendes Problem. Gewerbe ist angemeldet und die gezahlte Umsatzsteuer für die Rechnung der PV Anlage ist erstattet. Meine Steuererklärung für 2013 (Errichtung der Anlage) ist von meinem Steuerberater an das Finanzamt übermittelt worden. Anforderung von dort: Totalgewinnprognose vorlegen, über die Laufzeit der Anlage. Nach seiner Rechnung gibt es für das Gewerbe keinen Gewinn. Der Steuerberater sagt es ginge darum, dass das Finanzamt prüft ob es sich bei dem Gerwerbe um "Hobby /Liebhaberei" handelt und somit ggf. auch eine Rückforderung der bereits erstatteten Umsatzsteuer möglich sei. Nun meine Frage: Muß ich nicht grundsätzlich ein Gewerbe betreiben, wenn ich den Strom in Netz speise? Das EVU zahlt ja auch die Vergütung inkl. Umsatzsteuer an mich, die ich an s Finanzamt abführen muß. Meines Wissens hat auch seinerzeit das Finanzamt verlangt, dass ich ein Gewerbebetreibe und eine Gewerbesteuernummer beantrage. Welch Erfahrungen habt ihr diesbezüglich? Im Voraus Danke für eure Antworten, Tipps, Hilfe und Hinweise.


    Viele Grüße
    Frank

  • Imho ist die Gewinnabsicht und eine Einspeisung von mehr als 10% des erzeugten Stroms notwendig!


    Dafür brauche ich keinen Steuerberater!


    Du mußt den eigenverbrauchten Strom ja auch als Entnahme aus dem Unternehmen berücksichtigen. Sowohl bei de Umsatzsteuer als auch bei der Einnahmebetrachtung.


    Mir hat das FA bei meiner Lohnsteuerabrechnung für 2014 im Bescheid angegeben dass ich für 2015 und fogende sowohl Soli als auch Einkommensteuervoruszahlung leisten soll, Wohl gemerkt, die anlage läuft erst seit April diesen Jahres!"
    Dort angerufen und siehe da, die Dame meinte, ach sie haben ja eine PV, die wirft in den ersten Jahren sowiso nicht viel ab, sie nimmt die Vorauszahlung wieder zurück!


    Das ganze lag nur darn, dass ich jetzt eine neue Steuernummer bekommen habe, die von einer "gewerblichen" nicht flasch verstehen, also einer die mehr den gewerblichen Bereich betreut, geprüft wird, die sonst keine Lohn oder Einkommesteuer für Normalos macht!

    Meine Anlagen:
    1.) 31 x NeMo 60P-260W, poly. DN 32 Grad, 17xOst/14xWest,
    WR Symo 8,2; 3-phasig, 2 MPP- Tracker.
    2.) 6 x NeMo 2.0 60M-300W, mono, DN 26 Grad, Süd, WR Galvo 1,5; 1-phasig
    SENEC. Home V2.1 LI 7,5 Speicherkapazität

  • Zitat von Hesse64

    Nach seiner Rechnung gibt es für das Gewerbe keinen Gewinn.


    ok, dann kannst du ja das Gewerbe wieder abmelden, zahlst nachträglich die Umsatzsteuer und die Anlage ist dann dein Privatvergnügen.
    Im Gegenzug dazu kannst du dann 20% von den Arbeitsleistungen der PV Anlage direkt von der Steuerschuld abziehen.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • puh... da gehts ja schön kreuz und quer. Da würfelst Du noch Ursache und Wirkung; Deklaratorische und konstitutive Dinge durcheinander. Und die Steuerarten schön als Sauce gemsicht obendrüber.


    Fangen wir mal an zu sortieren:


    I. Umsatzsteuer
    a) Wer eine PV-Anlage betreibt und Strom in das allgemeine Stromnetz gegen Entgelt einspeist, ist grundsätzlich umsatzsteuerlicher Unternehmer.
    Der Unternehmer ist verpflichtet USt zu erheben (und abzuführen); ihm von anderen Unternehmern für Zwecke seines Unternehmens in Rechnung gestellt USt darf er von der Schuld mindernd abziehen (Vorsteuer).
    Das ist zwingend so. Das wird nichts anders - egal ob der VNB nun USt zahlt oder nicht; ob das FA eine Steuernummer vergibt oder nicht; ob Du dem FA Deine Einnahmenerzielung überhaupt anzeigst oder nicht.


    Um die Vorsteuer erstattet zu bekommen, muss ein Gegenstand (oder eine Dienstleistung) dem Unternehmen zugeordnet werden. Voraussetzung ist, dass der Gegenstand zu mindestens 10% für unternehmerische Zwecke genutzt wird.
    Das ist bei einer PV über die DV-Quote nun ausnahmsweise mal höchst einfach messbar / feststellbar.


    Ob dann zugeordnet wird (oder nicht) - und wenn ja, zu welchem Anteil, ist allein Sache des Unternehmerns.
    Du hast offensichtlich die Anlage zu 100% dem Unternehmen zugeordnet - und damit auch keinen Fehler gemacht.
    Alles gut.
    Umsatzsteuer erledigt.
    (Das Thema "Einkunftserzielungsabsicht", "Überschussprognos" kommt hier überhaupt nicht vor.)


    II. Einkommensteuer
    Gewerbliche Einkünfte liegen vor, wenn EinkunftserzielungsABSICHT besteht.
    Allerdings kann nach h.M. eine "Absicht" nur dann vorliegen, wenn dazu überhaupt eine Möglichkeit besteht.
    Wer nicht hoffnungslos zuviel bezahlt hat, wird bei einer solchen Rechnung kein Problem bekommen.


    Problematischer allerdings: Wird ein Gegenstand zu weniger als 10% für unternehmerische Zwecke genutzt, handelt es sich um notwendiges Privatvermögen.
    Entwarnung: Da es sich bei dem Direktverbrauch um eine Sachentnahme (und nicht etwa eine Nutzungs- o. Leistungsentnahme) handelt, liegt keine private Nutzung der Anlage vor. Die Anlage wird zu 100% für unternehmerische Zwecke (= Stromerzeugung) genutzt. Die Sachentnahme bezieht sich nicht auf die Anlage, sondern auf die Früchte der Anlage (= produzierter Strom).


    Also: Much ado about nothing.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung