neu hier ... und gleich Autarkie-Planung

  • Erst mal ein Hallo in die Runde. Ich bin als Schreiber neu hier, habe aber schon öfter mal mitgelesen. Ich möchte mich kurz vorstellen: ich habe Physik und Architektur studiert und lebe als Freiberufler vom Schreiben ingenieurtechnischer Computerprogramme, war aber auch in der Ausbildung von Energieberatern tätig und schreibe auch hin und wieder in Zeitschriften über Energiethemen. Energie ist mir Beruf und Hobby. Deshalb bitte ich schon vorab um Entschuldigung, wenn ich ab und zu als Besserwisser rüberkomme. Das ist nicht meine Absicht, aber manchmal vergesse ich, dass der Unterschied zwischen Theorie und Praxis darin besteht, dass es in der Theorie keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt, in der Praxis aber schon. Weil das in Internetforen leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist, möchte ich gerne das betonen: Falls ich doch mal jemanden mit meiner Art vor den Kopf stoße, dann stoßt bitte möglichst freundlich zurück, denn Angriffe ad hominem halte ich niemals für zielführend. Ich selbst verspreche, immer freundlich und höflich zu bleiben. Mir geht's immer um die Sache, nie um Personen (die ich sowieso nicht persönlich kenne).


    Ich bin also eher der Theoretiker, der gerne auch mal scheinbar ganz abseitige Lösungswege verfolgt. Aber ich bin auch Bastler, und habe mein Wohnmobil samt PV-Anlage selbst ausgebaut, und habe mir auf dem Hausboot, auf dem ich seit etlichen Jahren jeden Sommer verbringe und in dem ich gerade sitze und diesen Text schreibe, eine autarke PV-Inselanlage selbst aufgebaut. Nun habe ich mich entschlossen, das Boot aufzugeben, und mir in einer schönen dörflichen Wohnanlage in Nordhessen ein Reihenhäuschen zu kaufen, das fast völlig neu ausgebaut werden muss. Das Häuschen hat nur 65 m² Wohnfläche (die im wesentlichen als Ein-Raum-Wohnung dienen werden), hat aber ein 80 m² großes Flachdach, das für eine 3-kWp-PV-Anlage ausreicht.


    Ich hab' mir nun vorgenommen, meinen Stromverbrauch komplett autark zu decken. Das plane ich nicht aus Kostengründen, sondern aus Spaß und Interesse, ob das bei uns überhaupt ohne Einschränkungen klappen kann. Ich bin übrigens ein Bürokratiephobiker, weshalb ich keine Netzeinspeisung meiner Überschüsse plane. Mir ist der bürokratische Aufwand dafür einfach zu groß und die vielleicht 150 Euro Ertrag p.a. nicht wert.


    Mein bisheriger Stromverbrauch als Single lag immer so zwischen 600 und 1200 kWh p.a., wobei die niedrigsten Jahresstromverbräuche natürlich dadurch zustande kamen, dass ich nur selten zuhause war. Ich wäre sehr dankbar für Input von Euch, insbesondere natürlich für wohlbegründete Kritik, für Alternativvorschläge, und für Erfahrungsberichte von Leuten, die ähnliches schon mal gebaut haben.


    Damit in der schlechtesten PV-Ertragszeit von November bis Ende Februar der Ertrag noch halbwegs reicht, will ich etwa 2 bis 3 mal so viel PV-Module auf's Dach packen, wie für meinen Jahresverbrauch nötig ist, also etwa 3 kWp. Die Überschüsse im Sommer verwerfe ich, aber immerhin helfen die, die Entladungstiefe des Akkus gering und damit den Akku lange am Leben zu halten. Für den Akku hatte ich angesetzt, dass ich 3 bis 4 ertragsfreie Tage überbrücken können will. Das sollte mit ca 20 kWh Akkukapazität machbar sein. Ich hatte da an PzS-Akkus mit 24V gedacht, bin aber wegen der dabei dann doch recht hohen Spitzenentladeströme noch am Überlegen. Ich koche gerne, und da laufen Induktionskochplatten und Backofen schon mal mit 5 kW, was dann ja deutlich über 200 A Entladestrom wäre. Eine Leistung von 2 kW muss auch schon mal eine Stunde lang erbracht werden können. Die 24V (anstelle z.B. 48V) sind einzig deshalb interessant, weil ich dann auch ein 24V-Netz installieren könnte. Es gibt wegen der bei LKWs und Bussen üblichen 24V-Bordnetze sehr viele Geräte, die mit 24V arbeiten. Damit könnte ich für die Grundversorgung im Haus also auf einen ständig laufenden Wechselrichter verzichten. Diese ziehen nach meinen Erfahrungen nämlich erhebliche Leerlaufleistungen. In dem Fall würde ich die für Herd, Backofen und andere 230V Verbraucher nötigen Wechselrichter nur dann und solange einschalten, wie dieses 230V-Gerät läuft.


    Die Kosten für das System lägen bei etwa 6000 Euro (2500 für PV-Module, 1500 für den PzS-Akku 24V/540Ah/C5, 2000 für Wechselrichter und Ladegeräte). Bei einer Lebensdauer von 15 Jahren würde mich die kWh Strom also nur 33 Cent kosten, also etwa so viel wie Netzstrom heute. Der Zinsverlust für die Investitionssumme ist bei der aktuellen Zinslage vernachlässigbar, und kann bestimmt mit den Kostensteigerungen beim Strom verrechnet werden. Außerdem steht dann nach 15 Jahren noch der Wert der PV-Anlage entgegen.


    Noch ein paar Anmerkungen zur Wahl des PzS-Bleiakkus: Li-Akkus sind mir derzeit noch viel zu teuer. Ich habe gesehen, dass es im Forum viele eifrige Verfechter v.a. für LiFePO4-Akkus gibt. Ich wäre sicher auch einer, wenn die Kosten dafür auch nur entfernt vergleichbar wären mit denen für Bleiakkus. Ich fürchte, dass die sicherlich möglichen starken Kostensenkungen bei Li-Akkus auf absehbare Zeit durch die rapide zunehmende Elektromobilität abgefangen werden, und dass wir für mindestens 10 bis 20 Jahre hier nur relativ langsam sinkende Preise sehen werden.

  • Willkommen! Passt. Endlich jemand wo ein fehlerfreies Deutsch zustande bringt. :wink:
    (Ich fühle mich hier im Forum oft unter Analphabeten;-) Grüsse dich aus Warschau.
    Edit: Da hast du dir aber was interessantes vorgenommen mit Autarkie. (Auch die Editierfunktion ist ganz komfortabel;-)
    einstein0

    33 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    2 kW- Hybrid-Insel im Camper, BEV: Hyundai Kona. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung 10 kWh im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 10 kWh Li-Testspeicher.

  • Hi,
    Von mir auch ein herzliches Willkommen!
    OT einstein0

    Zitat von einstein0

    .....fehlerfreies Deutsch..... Analbhabeten....


    Ja neeee is klar ;-)
    Gruß Red5FS

    Gruß Red5FS
    ---
    37 Hanwha Q-Cells G2 265W & SMA STP 8000TL-20 & SHM (30.09.13)
    17 Trina TSM DC80.08 215W & SMA SB 3600TL-21 (03.06.14)
    Do it or don`t do it!There is no try!
    The Force is with you!
    GroßMeisterLusche L:82 D:5 T:3
    Meine Anlage
    SV@fb

  • Zitat von Red5FS

    Hi,
    Von mir auch ein herzliches Willkommen!
    OT einstein0


    Ja neeee is klar ;-)
    Gruß Red5FS


    Befürchte, dein OT ist ein Eigentor :oops:

  • Zitat von Red5FS


    Ja neeee is klar ;-)
    Gruß Red5FS


    hihi :)


    Hi cha cha, willkommen und nettes Projekt ! Ich habe zwar im Gegensatz zu unserem genialen Wahlpolen doch noch
    vier Fehler in Deinem sonst einwandfreien Text gefunden aber wen stört`s ? (Wer findet sie noch ?)
    Willst Du gänzlich ohne andere Energieträger als die Sonne auskommen ? Kein Holz, Gas, Öl, kein Notstromer mit egal
    was und auch keine Fremdarbeit ala` https://www.youtube.com/watch?v=Z8yW5cyXXRc ?
    Dann wird es richtig spannend und ich freue mich schon auf die angeregten Diskussionen hier :)
    Meine Insel macht mich nur von Feb/März bis Okt/Nov stromautark, zum Kochen wird auch Flaschengas und
    zum Heizen eigenes Scheitholz verwendet. Unser Strombezug stürzte von 4800kWh auf unter 800kWh.
    An die dunklen Monate traue ich mich erst wenn die Mädels außer Haus sind...
    lg,
    Philip

  • Zitat

    Es gibt wegen der bei LKWs und Bussen üblichen 24V-Bordnetze sehr viele Geräte, die mit 24V arbeiten. Damit könnte ich für die Grundversorgung im Haus also auf einen ständig laufenden Wechselrichter verzichten.


    Die 24V Geräte sind meist von minderer Qualität weniger Leistungsfähig (keine Energiesparlabel)und nicht nur deshalb im verhältnissmäßig teurer.
    Gegen 48v spricht hingegen nichts.Moderne Wr Zb. Victron Multiplus 5000/48 3000/48 17w Leerlauf haben einen
    Energiesparmode wenn keine Verbraucher aktiv.Mann kann aber auch alles auschalten wenn man das Haus verlässt.
    Telefolanlagen usw kann man auch mit sowas betreiben.
    http://www.ebay.de/itm/3310457…geName=STRK%3AMEBIDX%3AIT

  • Zitat von cha cha

    Damit in der schlechtesten PV-Ertragszeit von November bis Ende Februar der Ertrag noch halbwegs reicht, will ich etwa 2 bis 3 mal so viel PV-Module auf's Dach packen,


    Noch ein paar Anmerkungen zur Wahl des PzS-Bleiakkus: Li-Akkus sind mir derzeit noch viel zu teuer.


    es gibt einige tage, da kommt null pv... ob nun null von 3kwp oder von 9kwp ist dann egal... :juggle:


    wenn du lust auf basteln hast, mein lifepo speicher hat mich 250 euro je kwh gekostet,
    also soooo teuer muss es nicht sein... :juggle:

    sonnige gruesse aus THAILAND,
    towa


    1. Off-Grid SMA SMC6000TL + SMA Island 6.0 - Lifepo4 48V, 320Ah - 6.5 kWp (NOTC)
    2. Off-Grid PIP2424MSX - 2.0 kWp (NOTC) - Lifepo4 25V, 400Ah

  • Zitat

    An die dunklen Monate traue ich mich erst wenn die Mädels außer Haus sind...


    Eben unvorstellbar.Geschirspüler und WM Staubsauger und Fön müssen möglichst gleichzeitig laufen
    können. :mrgreen: sonst mekker.

  • Zitat von relativ


    Eben unvorstellbar.Geschirspüler und WM Staubsauger und Fön müssen möglichst gleichzeitig laufen
    können. :mrgreen: sonst mekker.


    er ist single, da gibt es keine maedels die meckern, wenn doch, fliegen die raus... :wink:

    sonnige gruesse aus THAILAND,
    towa


    1. Off-Grid SMA SMC6000TL + SMA Island 6.0 - Lifepo4 48V, 320Ah - 6.5 kWp (NOTC)
    2. Off-Grid PIP2424MSX - 2.0 kWp (NOTC) - Lifepo4 25V, 400Ah


  • 4 Fehler? Oh Gott, vermutlich das Alter und beginnende Demenz! Rechtschreib- und Grammatikfehler? Oder gar sachliche Fehler? Aber lustig find' ich's schon, dass hier zuerst mein sprachlicher Ausdruck diskutiert wird, und nicht mein sachliches Anliegen.


    Nun, beheizen werde ich die Hütte mit einem wassergeführten Pelletkaminofen. Der Haken, darüber auch die Warmwasserversorgung zu machen, sind die Kosten. Ich lebe alleine und mein Warmwasserbedarf hält sich in engen Grenzen. Da lohnt es sich einfach nicht und wäre wegen des Materialaufwands auch ökologisch nicht zu vertreten, wenn ich da einen Kombispeicher mit Brauchwassererwärmung und womöglich noch Solarkollektor einbaue. Das würde gut 2000 Euro zusätzliche Kosten verursachen, die bei meinem Warmwasserbedarf nicht zu vertreten wären.


    Im Haus liegt natürlich Strom. Eventuell beiße ich dann in den sauren Apfel und lasse nur für die Warmwasserversorgung via Durchlauferhitzer den Stromvertrag weiter laufen. Am Anfang werde ich das ganz sicher so machen, weil ich ja erst mal den Überblick gewinnen muss, ob mein sonstiges Konzept aufgeht. Vielleicht installiere ich aber auch Propangasflaschen und nehme einen Gasdurchlauferhitzer.


    Auf dem Boot komme ich übrigens mit 500 Wp PV aus, und 12V/800 Ah Akkus. Da ist ein Induktionskochfeld, eine Mikrowelle, eine Kompressorkühlbox und sogar eine Gefrierbox. Computer und Fernseher laufen den ganzen Tag. Bei vollem Sonnenschein reicht das dicke aus, aber bei Regen oder schon bei starker Bewölkung muss ich die Gefrierbox abschalten. Oder ich fahre dann nach 2 Tagen weiter, denn am Motor hängt auch eine Dynawatt Drehstromlichtmaschine, die bei 230V bis zu 3,5 kW liefert.