Eigenverbrauch doch zu Selbstkosten?

  • ... oder hat schon mal jemand Gleichstrom aus dem Netz bezogen?
    Nach zwei Urteilen des BFH und des FG-München wäre der Ansatz der niedrigen Selbstkosten mangels Fremdbezugsmöglichkeit von Gleichstrom schlüssig.


    Zur Eigennutzung des erzeugten Stroms gibt es eine klare Aussage von BFH (Urteil vom 12. Dez. 2012) und Finanzverwaltung (Dienstanweisung vom 19. Sept. 2013).


    Bei der Einkommensteuer sind Selbstkosten anzusetzen, bei der Umsatzsteuer meist der Marktpreis. Dies ist der Preis, den der Erzeuger für seinen eigenen Stromeinkauf zahlt, nicht der Preis auf Marktebene des Stromversorgers. Der Preis liegt also meist bei 25 ct./kWh aufwärts und deutlich über den Selbstkosten und dem EEX-Preis der Strombörse.
    Im Urteil führt der BFH aus, das der Marktpreis statt der Selbstkosten immer dann gilt, wenn das Produkt auf dem Markt am gegebenen Standort tatsächlich käuflich ist. Eben dies ist bei Solarstrom nicht der Fall.


    Das Urteil betraf den Eigenverbrauch von Strom und Wärme aus einer KWK-Anlage. Hier legte der BFH die Messlatte für die Annahme einer tatsächlichen Verfügbarkeit sehr hoch.


    In einem anderen Fall betreffend die Stromsteuer und eine Photovoltaikanlage entschied das Finanzgericht München, dass die Stromproduktion mit der Erzeugung des Solarstroms abgeschlossen sei. Die nachfolgende Umwandlung in einem Wechselrichter betreffe nicht mehr die Stromerzeugung, sondern die Weiterverarbeitung.
    Das Urteil: http://www.gesetze-bayern.de/j…ramfromHL=true#focuspoint


    Im Urteilsfall wurde Strom zur Kühlung der Wechselrichter eine Photovoltaikanlage eingesetzt. Die Wechselrichter sind nun zur Erzeugung des gewünschten Wechselstroms aus dem gelieferten Gleichstrom unumgänglich. Die Münchener Richter sagen trotzdem, dass mit der Erzeugung des Gleichstroms aus den Solarmodulen die Energieerzeugung abgeschlossen sei.


    Schlagen wir die Finanzverwaltung doch mit der Argumentation der Finanzrichter.
    Photovoltikmodule erzeugen Gleichstrom, käuflich ist nur Wechselstrom einer deutlich geringeren Spannung. Der Wechselstrom entsteht eben erst Abschluss der Stromproduktion durch Umwandlung des erzeugten Gleichstroms.


    Nach der Rechtsprechung des BFH und FG-München müssen dann mangels einer Fremdbezugsmöglichkeit als Bemessungsgrundlage des Eigenverbrauchs die Selbstkosten des Gleichstroms zzgl. der anteiligen Kosten des Wechselrichters gelten. Diese Kosten liegen aber deutlich unter dem Marktpreis.


    Eine Beispielrechnung mit vereinfachten Zahlen verdeutlicht den Steuervorteil:
    Bei Erzeugungskosten von netto 10 ct. kWh und einem Marktpreis von über 20 ct./kWh sinkt die Bemessungsgrundlage des Eigenverbrauchs um 10 ct./kWh., die Umsatzsteuer um 1,9 ct. Bei einem Eigenverbrauch von nur 1.000 kWh macht das im Jahr 19,- Euro. Nicht unbedingt viel, aber auch kleine Vorteile der Energiewende summieren sich. Besitzer von Stromspeichern dürfen sich über eine deutliche höhere Ersparnis freuen.


    Bevor die Freude zu groß wird, sollten die aber an die beim Bundesfinanzhof anhängige Revision gegen die Entscheidung des FG-München denken.


    Viele Grüße

  • Der Marktpreis - besser gesagt, der Bezugspreis - war noch nie für die Sachentnahme ausschlaggebend.
    Dies ist er nur für die unentgeltliche Wertabgabe.


    Bei der Sachentnahme gilt die Teilwertvermutung.
    Hier streiten sich die Geister, ob die Selbstkosten oder die Einspeisevergütung(=Oportunitätskosten) anzusetzen sei.


    Die aktuellste Fassung des Bayerischen Landesamts für Steuern ist von Januar 2015:
    http://www.finanzamt.bayern.de…tovoltaikanlagen_2015.pdf


    In Bayern sollte es kein Problem sein, mit den Selbstkosten durchzukommen.
    Notfalls kann man dem Sachbearbeiter das Dokument der eigenen Finanzverwaltung um die Ohren hauen. ;-)
    (Eigentlich sollte es in allen Bundesländern gleich ablaufen, da es keine Unterschiede zwischen den Ländern geben darf.)

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 49kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Das mit dem um die Ohren hauen, wird ein Reinfall.
    Das zitierte Dokument ist nicht amtlich veröffentlicht - und daher nicht mehr und nicht weniger wert, als jeder noch so schlechte Beitrag im Oregami-Forum.


    Man kann durchaus Argumente für die Selbstkosten finden - muss aber damit leben, sehr schnell und wirksam widerlegt zu werden.
    (By the way: An der Stelle wird es ja besonders deutlich, wie schwachbrüstig das zitierte Dokument ist. Es wird einfach unterstellt, daß der Wertansatz so zu treffen ist. Keine Silbe zur Begründung; kein Buchstabe einer kritischen Betrachtung; und erst recht keine Widerlegung (oder wenigstens massive Kritik) an anderen Meinungen. Mit guter Literatur hat das wenig gemeinsam.)


    Da es sich um zwei unterschiedliche Rechtsgebiete handelt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein urteil bzgl. der Stromsteuer im Bereich der Ertragsteuern anzuwenden ist, relativ groß. Steuersystematisch hat die Stromsteuer mehr Gemeinsamkeiten mit der Umsatzsteuer als mit der Einkommensteuer.


    Auch läuft die Argumentation hier völlig ins Leere. .Mag sein, dass die Wandlung nicht mehr zur Erzeugung gehört... will ich nicht bestreiten. Für umsatz- wie ertragsteuerliche Zwecke ist dies allerdings völlig unerheblich. Es geht ja nicht darum, welches Produkt erzeugt, sondern welches am Markt veräußert wird. Und das ist wohl mehrheitlich Wechselstrom, 220 Volt.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung