PV für Wärmepumpe in vermietetem Haus?

  • Hallo,


    wir haben ein vermietetes Haus mit einer Wärmepumpe, die auf einem separaten Stromzähler mit Wärmepumpentarif läuft.


    Aktuell überlege ich ob die Installation einer Photovoltaik-Anlage sinnvoll ist, habe daran Zweifel und möchte meine Zweifel hier bestätigt bekommen oder ausgeredet bekommen :-)


    Nach dem ersten Einlesen in die Materie bin ich zu dem Ergebnis gekommen dass ein Verkauf des PV-Stroms an die Mieter zu aufwändig ist, da ich damit den einzigen Haushaltsstromzähler des Versorgers habe und über Zwischenzähler abrechnen müsste:
    - die Mieter haben keine freie Stromanbieterwahl mehr
    - wenn ein Mieter partout seinen Stromanbieter frei wählen will einen eigenen Zähler für den EVU fordert, so fallen rKosten von ein paar hundert Euro für den Zählerantrag und das Umklemmen des Zählers an
    - Eigentlich gelten preiswerten Haushaltsstromtarife, die man in diversen Vergleichsportalen findet, nicht für Wiederverkäufer


    Würde ich die PV allerdings auf den Wärmepumpenzähler klemmen, so wären die Kostenersparnis bzw. der gewinn dieses Invests tendentiell gering:
    - Im Sommer wird kaum Strom benötigt, aber dafür viel produziert
    - im Winter wird viel benötigt, aber kaum produziert
    - Die Ersparnis pro kWh fällt geringer aus, da der Wärmepumpenstromtarif vergünstigt ist
    - Zu den Sperrzeiten also auch zur Mittagszeit, darf die Wärmepumpe nicht laufen - hier würde zu jeder Jahreszeit der Ertrag eingespeist werden.
    - als nahezu reine Einspeiseanlage lohnt sich eine PV finanziell kaum


    Würde mich in dieser Betrachtung jemand bestätigen? oder kann mich jemand davon überzeugen, dass eine PV in einem vermieteten haus sinnvoll ist?


    Danke,
    Bolanger

  • Zitat von Bolanger

    - wenn ein Mieter partout seinen Stromanbieter frei wählen will einen eigenen Zähler für den EVU fordert, so fallen rKosten von ein paar hundert Euro für den Zählerantrag und das Umklemmen des Zählers an


    Falsch. Es gibt die kaufmännische bilanzielle Durchleitung. Die Zähleranordnung bleibt gleich. Der Mieter wird nur raus gerechnet. Mögen die VNB nicht gerne, da es einen erhöhten Rechenaufwand bedeutet. Ist aber nach dem Gesetz vorgesehen.


    Zitat von Bolanger

    Würde ich die PV allerdings auf den Wärmepumpenzähler klemmen, so wären die Kostenersparnis bzw. der gewinn dieses Invests tendentiell gering:
    - Im Sommer wird kaum Strom benötigt, aber dafür viel produziert
    - im Winter wird viel benötigt, aber kaum produziert
    - Die Ersparnis pro kWh fällt geringer aus, da der Wärmepumpenstromtarif vergünstigt ist
    - Zu den Sperrzeiten also auch zur Mittagszeit, darf die Wärmepumpe nicht laufen
    - hier würde zu jeder Jahreszeit der Ertrag eingespeist werden.


    So würde ich diese Lösung nicht betrachten. Mit der PV kann man eine Senkung der Nebenkosten für den Mieter erreichen und eine bessere Einstufung im Energiepass. Das berechtigt zur Mieterhöhung. Ist keine Mieterhöhung gewünscht, dann erleichtert es die Mieterbindung bzw. die Neuvermietung. Wenn die PV-Strom erzeugt ist die Sperrung auf zu heben. Die Sperrung bezieht sich nur auf den Bezug von Netzstrom.


    Zitat von Bolanger

    - als nahezu reine Einspeiseanlage lohnt sich eine PV finanziell kaum


    Immerhin ergibt das einen höheren und risikoärmeren Ertrag als wenn man das Geld auf der Bank lässt.

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  • Hallo,


    ich habe bei der bilanziellen Durchleitung noch ein paar Probleme.


    Ganz allgemein habe ich nun schon einiges zu den verschiedenen Abrechnungs- und Zählermodellen gelesen und meine Fragen dazu sind noch größer geworden.


    Eine Zähler-Kaskade fällt in einem vermieteten Haus meiner Meinung nach wegen der Bevorzugung einzelner Wohnungen weg.


    Ferner wäre es auch nicht unbedingt mein Interesse den PV-Strom an die Mieter zu verkaufen. Prinzipiell würde es mir auch ausreichen den PV-Strom kostenlos an die Mieter abzugeben und diesen Vorteil als Bonus den Mietern zu geben.


    Das einfachste Konstrukt scheint dabei ein zentraler Stromzähler für den Bezug und die vergütete Einspeisung zu sein und dahinter dann Zwischenzähler für die Wohnungen und die Wärmepumpe.


    Im Normalfall würden die Mieter vom Wegfall der Grundgebühr profitieren (ca. 60 EUR pro Jahr) sowie vom kostenlosen Solarstrom - soweit klar.
    Aber könnte ein Mieter zur freien Stromanbieterwahl dann nicht auch einfach seinen Zähler bei einem beliebigen EVU anmelden und mit dem direkt abrechnen? Für den Mieter würde sich dann gar nichts ändern. Er meldet seinen Stromzähler bei dem Versorger an, der ihm gefällt. In diesem Fall müsste ich lediglich bei der Jahresabrechnung die Wohnungsverbräuche, die bei fremden EVU abgerechnet wurden, vom Bezug des Zentralzählers abziehen bzw. der Versorger, der den Strom des Zentralzählers liefert müsste diese "Fremd-EVU-Zähler" ebenfalls ablesen und bei der Berechnung seiner Stromrechnung abziehen. Ähnliches könnte man dann mit der Wärmepumpe machen, denn dort würde man einen entsprechenden Wärmepumpentarif abschließen.


    Mir geht es darum die freie Anbieterwahl ohne teure Zähleranträge und Umbauten zu erhalten und den Abschluss eines Stromliefervertrages mit fremden EVU durch die Mieter einfach zu halten. Ich befürchte nämlich dass diese Stromdurchleitung mit den dazugehörigen Abrechnungsmodellen bei den ganzen online-Anbietern in der Praxis schlicht unmöglich ist.


    Danke,


    Bolanger

  • Zitat von Bolanger

    Ich befürchte nämlich dass diese Stromdurchleitung mit den dazugehörigen Abrechnungsmodellen bei den ganzen online-Anbietern in der Praxis schlicht unmöglich ist.


    Der VNB ist für die Ablesung und Zuordnung der Verbräuche und deren abrechnungsrelevante Aufteilung zuständig. Der Stromlieferant bekommt von VNB nur die für die Abrechnung seiner Kunden notwendigen Daten und hat mit der Zählerablesung nix zu tun.

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  • Hallo,


    habe ich folgendes richtig verstanden?


    - ich kann die geeichten Zwischenstromzähler der einzelnen Wohnungen selbst einbauen und diese würden dann bei freier Versorgerwahl der Mieter für die Abrechnung des Strombezuges genutzt werden? Der Mieter müsste dann lediglich seinen eigenen Stromzählerstand mit seinem eigenen Versorger abrechnen? Alternativ kann der Mieter auch seinen Strombezug mit dem Vermieter abrechnen und spart dabei die Grundgebühr?


    Danke,


    Bolanger

  • Die Datenerfassung läuft immer über den VNB. Wenn der Mieter einen eigenen Lieferanten wünscht, muss der VNB den Zähler kennen. Der jeweilige Zähler muss dann ggf. dem VNB gemeldet werden, sonst kann der Daten nicht erfassen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Mieter bei der zusätzlichen Ersparnis der Grundgebühr gar keinen eigenen Lieferanten mehr haben wollen.

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  • Hallo,


    das mit dem Melden beim EVU scheint mir die teure Sache zu sein, da man dazu einen Zählerantrag eines Elektrikers braucht, der natürlich den Zählerschrank einmal in Augenschein nimmt etc. Da ist man schnell ein paar hundert Euro los.


    Wie würde man das denn eigentlich mit dem Tarifzähler für Wärmepumpen machen? Sogesehen hätte ich dann quasi die gleiche Zählersituation wie wenn ein Mieter seinen eigenen Lieferanten haben wollte. Würde ich dann den Wäremepumpenzähler ebenfalls als angemeldeten Zwischenzähler laufen lassen und den verbrauchten WP-Strom vom Hauptzähler einfach abziehen?


    So ganz ist mir nämlich noch nicht klar, wie man die Abrechnung machen würde. z.B.


    Wohnung 1: 3000 kWh über privaten Zwischenzähler
    Wohnung 2: 2000 kWh über privaten Zwsichenzähler
    Wärmepumpe 5000 kWh über angemeldeten Zwischenzähler


    Hauptzähler 8000 kWh, also insgesamt 2000 kWh Eigenverbrauch


    Klar, die Wärmepumpe würde quasi nie mit Solarstrom laufen, weil der Zählerstand direkt abgerechnet wird. Das wäre dann zum Vorteil der beiden Wohnungen, da diese einen Eigenverbrauch gutgeschrieben bekommen, wenn die Wärmepumpe über Pv läuft und der Hauptzähler damit nicht zählt. Wahrscheinlich würde man die 2.000 kWh Eigenverbrauch dann anteilig an der Wohnfläche, analog zu allen anderen Nebenkosten, die nicht direkt zugeordnet werden können, gutschreiben?


    Gruß,


    Bolanger

  • Zitat von Bolanger

    das mit dem Melden beim EVU scheint mir die teure Sache zu sein, da man dazu einen Zählerantrag eines Elektrikers braucht, der natürlich den Zählerschrank einmal in Augenschein nimmt etc. Da ist man schnell ein paar hundert Euro los.


    Versteh ich jetzt nicht ganz. Man baut jetzt die PV, da muss man sowieso einen Zählerantrag an VNB stellen. In diesem Zusammenhang klärt man mit den Mieter ob die einen eigenen Lieferanten haben wollen oder nicht. Da fallen keine zusätzliche Kosten an. Später, wenn ein Mieter sich um entscheidet muss er die Kosten tragen. Dies sollte man in einer Ergänzung zum Mietvertrag festhalten. Bei Neuvermietung kann man dies direkt in den Mietvertrag festhalten.

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  • Hallo,


    ich bin mir nicht ganz sicher ob man die Kosten des Zählerantrags tatsächlich auf die Mieter abwälzen kann.


    Aber angenommen das ginge, müsste dann irgendwas an der Verdrahtung geändert werden?


    Typischerweise läuft ein versorgerwechsel heute so, dass ich mir einen Lieferanten aussuche, dem die Zählernummer mitteile und den Rest macht dann der EVU mit dem Netzbetreiber aus. Da kann der Mieter dann wechseln wie er lustig ist.


    In unserem Fall hingegen müsste der Mieter auch stets darauf hinweisen, dass es noch den großen Hauptzähler gibt und sein Stromverbrauch, den er direkt mit seinem EVU anrechnet, vom Hauptzähler abgezogen werden müsste. Ich glaube nicht, dass das praxistauglich ist, zumindest nicht bei online-Abschlüssen. Oder irre ich mich?


    Gruß,


    Bolanger

  • Zitat von Bolanger

    ich bin mir nicht ganz sicher ob man die Kosten des Zählerantrags tatsächlich auf die Mieter abwälzen kann.


    Deswegen hatte ich ja auch geschrieben, dass man eine Ergänzung zum Mietvertrag machen sollte, dass Mieter die Kosten übernimmt, wenn er es sich später wieder überlegt. Bei Neuvermietung es direkt im Mietvertrag reinschreiben, dass der Mieter nur den Strom vom Vermieter beziehen kann. Das ist ja dann wie bei der Heizung, da kann er ja auch nicht sagen von wem er das Gas für seine Wohnung haben will.


    Zitat von Bolanger

    Aber angenommen das ginge, müsste dann irgendwas an der Verdrahtung geändert werden?


    Nein. Daher auch der Begriff von der kaufmännisch-bilanzielle Durchleitung. Das Verfahren ist von der Clearingstelle abgesegnet und hat somit Gesetzescharakter.


    Zitat von Bolanger

    In unserem Fall hingegen müsste der Mieter auch stets darauf hinweisen, dass es noch den großen Hauptzähler gibt und sein Stromverbrauch, den er direkt mit seinem EVU anrechnet, vom Hauptzähler abgezogen werden müsste. Ich glaube nicht, dass das praxistauglich ist, zumindest nicht bei online-Abschlüssen. Oder irre ich mich?


    Nochmal, der Mieter kennt nur seinen Zähler und das Ablesen erfolgt immer über den VNB. Der VBN wird beim Vertragsabschluss des Mieters mit seinem Lieferanten von dem jeweiligen Lieferanten über den Vertragsabschluss informiert. Die Ablesung erfolgt immer durch den VNB und nicht durch den Lieferanten. Die übrige Verrechnung der Verbräuche erfolgt immer durch den VNB, da hatz der Mieter nix mit zu tun. Ist gesetzlich so geregelt.

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