Alte BP Solarmodule - Brandgefahr und noch n Paar Fragen?

  • Hi allseits,


    wie einige schon wissen war ich durch einen Wechselrichter-Defekt gezwungen, mich mit einer alten PV Anlage (BJ 1994) zu beschäftigen, die ich mit meinem Haus vor 3 Jahren mitgekauft habe. Das mit dem WR ist ausgestanden, jetzt suche ich nach der Ursache für einen Leistungsabfall: die Anlage (30 BP273 Module mit je 75W, verschaltet in 3 parallelen Strings zu je 10 Modulen) sollte etwa 2kWp liefern, liefert aber selbst heute wo wir "Kaiserwetter" hatten nur etwa 1,5kWp. Ich kann mich aber erinnern, dass ich im Frühjahr an einem kalten, sonnigen Tag auf der Anzeige des alten WR mehrmals über 2kWp hatte. All-Time high waren 2,4kWp.


    Ich habe heute also die Module nachgemessen: die Anschlussdosen aufgeschraubt und jedes Modul unter Last mit einem DVM gemessen. Am späten Nachmittag, mit schon etwas nachlassender EInstrahlung und etwa 45 Grad seitlichem Einfall lagen die Großteil der die Module, die nominell 17V liefern können, zwischen 13,8 und 15,2 Volt. Zwei lagen bei 7 Volt, eins bei auffälligen 9 Volt die ich nicht erklären kann, könnte eine Fehlmessung sein, darum kümmere ich morgen.


    Die beiden schwächeren Module laufen offenbar nur noch zur Hälfte. In der Dose seitzen zwei dicke Freilaufdioden, über der einen steht die halbe Modulspannung von etwa 7V, über der anderen die Durchbruchspannung einer Diode (0,7V) - das würde nach meinem technischen Verständnis zu einem zur Hälfte ausgefallenen Modul passen.


    Und jetzt zu meinem Sorgen. Es sind dero zwei.


    Erstens bin ich bei meinen erzwungenen Recherchen zu PV Anlagen mehrmals über Berichte von abbrennenden BP Modulen gestolpert. Das fiel mir schlagartig wieder ein als ich die Anschlussdosen aufgemacht habe, ich erkannte die Module, die auf einer Diode laufen, sofort, weil die an sich reinweißen Anschlussklemmen im Bereich der Diode deutlich gelblich verfärbt sind. Ich habe heute 30 Dosen von identischen, gleich alten BP Modulen von innen gesehen, bei 28 sind die Klemmen strahlend weiß wie frisch aus der Fabrik, bei den beiden schwächeren Modulen sind die Klemmen unmittelbar neben der aktiven Diode gelblich. Sollte ich mir Sorgen machen, dass die Module brandgefährdet sein könnten?


    Wo meine Theorien bisher nicht zur Praxis passen: meiner Meinung nach verfärben sich Kunststoffe unter Hitzeeinwirkung eher langsam. Die Moduldefekte müssten also eigentlich schon länger bestehen. Woher kommt dann aber der plötzliche Leistungsabfall? Das dritte "verdächtige" Modul, das mit der unerklärlichen Spannung, hat übrigens keine verfärbte Klemme. Ich sehe mir das Ding morgen nochmal ganz genau an, am wahrscheinlichsten scheint mir ein Messfehler, ich bin wegen der enormen Hitze auf dem Dach, und weil ich erst mal eine Vogelperspektive haben wollte, sehr zügig durch die Strings gewandert, es könnte auch durchaus sein dass das (glühend heiße, weil ich es unachtsam eine Weile aufs Dach gelegt hatte) DMM irgendwann ein wenig gesponnen hat.


    Auch anders betrachtet passt das gefundene Problem nicht zu meinem Leistungsabfall. Für einen Abfall um 1/4 müssten m.E. mehr Module defekt sein. Ich hatte bisher als Lieblingstheorie die Hoffnung, dass zwei ausgefallene Module im selben String einen komplettten String von der Spannung her so weit runterziehen könnten, dass er praktisch gar nichts mehr liefert. Wäre das überhaupt von der Theorie von Solarzellen her richtig? Ich weiß dass man empfiehlt, Strings immer mit der gleichen Anzahl gleicher Module zu bauen, so war meine Anlage ja auch mal ausgeführt. Was passiert eigentlich genau, wenn man das nicht tut, bzw. wenn die Strings wegen Moduldefekten aus der Balance geraten?


    Aber so oder so bringt mich die Betrachtung der Moduldefekte (alleine) nicht weiter. Die beiden halb laufenden Module befinden sich nämlich in verschiedenen Strings, das "dubiose" Modul, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, liegt im dritten String. Somit hat jeder meiner drei Strings ein "weiches" Modul, die Strings müssten also eigentlich ausgeglichen sein.


    Leider wars dann aber, als ich mit meiner Vogelperspektive fertig war, bereits zu dunkel um die Strings genauer anzsuchauen, sie also z.B. einzeln an den WR zu hängen. Ich mach das morgen. Warum das Posting? Ich weiß sehr wenig über das Verhalten von PV Modulen. Sie scheinen relativ lang ziemlich "hart" zu sein, also ihre Spannung unter Last zu halten, um dann im Bereich der Vollast ziemlich schnell abzuschmieren. Unterschiede zwischen Strings wegen defekter Platten könnten sich daher möglicherweise von selbst ausgleichen? Wie verhalten sich Strings bei Modulausfällen?


    Armin.

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    Aixcon PT3000
    30xBP Solar 275

  • Zitat von Nimral

    ... jetzt suche ich nach der Ursache für einen Leistungsabfall: die Anlage (30 BP273 Module mit je 75W, verschaltet in 3 parallelen Strings zu je 10 Modulen) sollte etwa 2kWp liefern, liefert aber selbst heute wo wir "Kaiserwetter" hatten nur etwa 1,5kWp. Ich kann mich aber erinnern, dass ich im Frühjahr an einem kalten, sonnigen Tag auf der Anzeige des alten WR mehrmals über 2kWp hatte. All-Time high waren 2,4kWp.


    Der Leistungsabfall kommt auch von der Temperatur. Die Module verlieren alle 10 Grad 5 % an Leistung. An Tagen wie diesen können sich die Zelltemperaturen über 75 Grad erhöhen.


    Trotzdem stimmt was bei den Modulen mit "halber Spannung" etwas nicht. Ich würde versuchsweise in jedem String ein Modul brücken und sehen was passiert.


    Eine besondere Brandgefahr sehe ich bei deinen Modulen nicht.

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Hallo,


    Leider habe ich schon so einige Erfahrung mit den "brandgefährlichen" Modulen von bp. Diese sind deutlich jünger als deine Module und haben eine vergossene Anschlussdose. Du kannst nicht an die Dioden, diese sind auch nicht das Problem, sondern an den Anschlüssen (Lötstellen) der Kabel bilden sich Lichtbögen, bis die Kabel abfallen und die komplette Anschlussdose abgebrannt ist. Hat aber bei einer harten Abdeckung des Daches sonst keine Folgeschäden. Ich wechsle bis heute immer mal wieder solche Module.


    Wie Kollektor vermute ich, das der beobachtete Leistungsabfall von der Temperatur kommt.


    Es scheint, das die defekten Module nur noch zur Hälfte arbeiten. Man kann sie untersuchen, ob da was zu reparieren ist. Sonst vielleicht ersetzen, das sollte sich immer noch rechnen, die Anlage müsst ja noch 99Pf Je kWh Einspeisevergütung bekommen. Wenn es mit den Spannungen zum Wechselrichter passt, kannst du die Anlage eventuell auch mit den defekten, halb arbeitenden Modulen weiter betreiben.


    Kurt

    160 IBC 120S Megaline, 8 SWR2000 TL in 2000,
    56 IBC 120S Megaline, 1 SB 5000 TL in 2004: Sunny Portal
    156 STP185, 3 SMC 9000 in 2010
    118 IBC Monosol 245 ET, STP 12.000 + STP 17.000 in 2012: Sunny Portal
    7,5 m2 Kollektor 1995

  • Zitat von Nimral

    bei den beiden schwächeren Modulen sind die Klemmen unmittelbar neben der aktiven Diode gelblich. Sollte ich mir Sorgen machen, dass die Module brandgefährdet sein könnten?


    die Verfärbung kommt sicherlich von den zu heißen Dioden. Wenn die Modulhälfte defekt ist, dann ist es besser die ensprechende zu heiße Diode ganz zu überbrücken.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Hi Jungs,


    den Thread hatte ich doch ganz vergessen, sorry dass ich mich für eure Tipps nicht bedankt habe. Ich hole das hiermit nach :-)


    Der Anlage gehts inzwischen übrigens wieder gut, ich habe die Strings umgebaut, die Platten möglichst symmetrisch verteilt, von drei Strings auf zwei. Sie liefert nun (November) an die 1400 Wp, wenn die Sonne wieder besser steht vermutlich auch noch ein wenig mehr. Irgendwo bei 1600-1800Wp wird sie rauskommen, denke ich.


    Wie ich mal 2,4KWp gesehen haben will konnte ich nicht mehr nachvollziehen, vielleicht sollte ich weniger saufen, bevor ich an die PV gehe :-)


    Die Dioden lasse ich mal wie sie sind - da die Module alle gleich alt sind vermute ich, dass es nicht die letzten sein werden, die ausfallen. Schließlich haben die Platten nun bald 20 Jahre auf dem Buckel - dafür haben sie sich eigentlich sehr gut gehalten, finde ich.


    Herzlichen Gruß


    Armin.

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    Aixcon PT3000
    30xBP Solar 275

  • Hallo Armin,


    Ich denke eine Thermografie könnte Licht ins dunkle bringen. Vielleicht haben die Dioden einen Macken oder es sind evtl. Busbars Schuld daran dass paar Module nur noch die hälfte an Leerlaufspannung bringen. Vielleicht hattest sogar eine leichte Überspannung evtl. durch Blitzeinschlag.
    Wir reklamieren regelmäßig erfolgreich BP Anlagen.
    Deine Module haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel... :-) Wäre interessant wie die Reklamationsabteilung von BP reagiert. Bei Fragen gerne melden unter www. flowatec.de



    gruss Florian