Anschaffung im Jahr vor der Inbetriebnahme: Anrechnung IAB?

  • Hallo Experten,
    ich hab bereits viel im Forum gelesen, aber ein Thema hab ich zwar einmal als Frage gefunden, auf genau diesen Teilaspekt jedoch keine Antwort.


    Folgende Eckdaten:
    Montage der Dach-Anlage im Jahr vor der Inbetriebnahme, Zahlung dieses Teils ebenfalls im selben Jahr.
    Elektrische Installation und Inbetriebnahme im Folgejahr.


    Frage:
    1) Der IAB bezieht sich auf den Zeitpunkt der Anschaffung. Ist die Anschaffung im Jahr erfolgt, in dem die erste Teilzahlung erfolgte oder erst im Folgejahr, in dem die Anlage ans Netz geht? D.h. kann der Investitionsabzugsbetrag auf
    a) die Gesamtkosten der Anlage (Dachinstallation und elektrischer Anschluss) oder
    b) nur auf den Teil, der tatsächlich im Folgejahr gezahlt worden ist angewendet werden?


    2) Wenn b zutrifft, dann beginnt die Abschreibung auf den "dachinstallierten Teil" ein Jahr früher als die der "Elektroinstallation" - richtig?


    Vielen Dank im Voraus!

  • Scheint doch genügend zu geben, die dieselbe Frage haben... nur niemand mit einer Antwort.


    Hab heute beim FA angerufen:


    Für den IAB zählt das Datum, zu dem eine Rechnung ganz oder teilweise bezahlt wurde. D.h. wer schon mal die Dachinstallation zahlt (oder zahlen muss) bevor das Jahr zu ende ist, hat ggf. auch nur um ein paar Tage Pech gehabt :?


    Für die Abschreibung wiederum zählt das Datum der Inbetriebnahme - also nochmal Pech gehabt. Gibt für die erste Steuer dann weder Sonderabschreibung noch IAB.



    Die ganzen Steuerthemen lassen sich für mich (nur) mit Logik leider meist nicht begreifen. Lernen durch Scheitern, dann bleibts im Gedächtnis :cry:

  • Danke Anion,
    :danke:
    das ist das, wonach ich gesucht hatte! Das was kpr schreibt ist mir vielfach schon eine große Hilfe gewesen.
    Wenn ich mich nicht all zu doof anstelle, dann heißt das, das FA hat mir zwar nichts falsches, aber doch nur einen recht beschränkten Ausschnitt aus der Realität bzgl. IAB gesagt.
    Der Satz im Angebot "Die Ware bleibt bis zur vollständigen Bezahlung des Kaufpreises unser Eigentum (...)." ist dann also gleichbedeutend mit auch wenn vor Jahreswechsel schon Geld geflossen ist, das Eigentum ist erst im neuen Jahr übergegangen und somit kann der volle Rechnungsbetrag als IAB geltend gemacht werden ?!
    Ich werde nochmal mit dem FA reden und Rückmeldung geben - bin gespannt!

  • Die Antwort vom Finanzamt ist schlichtweg falsch.
    Der Inhalt der Antwort lässt Rückschlüsse darauf zu, dass der Sachbearbeiter sehr auf 4-III-Rechnungen fokussiert ist.


    Entscheiden für die Anschaffung ist ausschließlich der Eigentumsübergang bzw. der Gefahrenübergang.
    Wobei für steuerliche Zwecke auf das wirtschaftliche Eigentum abgestellt wird - was nicht zwingend mit dem zivilrechtlichen Eigentum einhergeht. So behindert der übliche Eingentumsvorbehalt des Verkäufers gerade nicht den Übergang des steuerlich relevanten wirtschaftlichen Eigentums.


    Der entsprechende Zeitpunkt ergibt sich aus dem Vertrag den die Parteien geschlossen haben.
    Natürlich.. die Idealform.... ein Dokument in dem dieser Punkt explizit geregelt ist.
    Aber auch in AGB's wird sich hierzu etwas finden.
    Bei Werklieferungen z.B. typischerweise der Zeitpunkt der Abnahme.
    (Wobei sich darüber auch schon wieder eigene Abhandlungen schreiben lassen.)
    Klassiker sind:
    - die Fertigstellungsanzeige (auch konkludent = Zeugs zusammenpacken und heimfahren)
    - Ingebrauchnahme (was bei einer PV nicht viel anders aussieht, als die konkludente Fertigstellungsanzeige)
    - Abnahmefiktionen (wenn der Besteller eines Werks der Abnahme fernbleibt - trotz korrekter einladung)
    - die förmliche Abnahme
    Wesentliche Voraussetzung ist in jedem Fall, dass das Werk frei von wesentlichen Mängeln sind.
    (Die Vielzahl und der Wert unwesentlicher Mängel hingegen spielt keine Rolle).
    Was wesentliche Mängel sind, ist Tatbestandsfrage = da entscheidet im Zweifel ein Gericht / Gutachter drüber
    Generell kann man sagen, dass Mängel, die am bestimmungsgemäßen Gebrauch hindern, wesentlich sind.)


    Nun könnte man meinen, das ginge in den Bereich der Haarspalterei. Und bei x-beliebigen Wirtschaftsgütern würde ich auch sagen, dass dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 350/365 so ist.
    Wenn aber schon konkret die Frage gestellt wird.... muss man bei der Antwort zumindet ein klein wenig genauer hinschauen.


    Für die Abschreibung gilt ebenfalls, dass für angeschaffte Wirtschaftsgüter der Zeitpunkt des Eigentums- und Gefahrenübergangs maßgeblich ist.
    Seltsamerweise steht das vermutlich schon vor 100 Jahren so... und dennoch kommen da auch Berufsanfänger schnell mal ins schleudern. Und gerade beim FA macht man sich die Dinge gerne mal einfacher als sie sind.
    (Ganz ehrlich... ist jetzt auch nicht das Fachgebiet des Innendienstes; um nicht zu sagen... was Detailfragen bei der steuerlichen Gewinnermittlung angeht, ist der reine Innendienstler auf dem Niveau von "Farben lernen die erst noch" oder "bei rot nicht über die Ampel gehen".


    Steuerthemen lassen sich schon logisch bewältigen.
    Es bedarf halt dazu der ständigen Suche nach Begriffsdefinitionen und der Beobachtung der Entwicklung in Jurispudenz und der Meinung anerkannter Kommentatoren.

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  • Hier die Antwort auf den Einspruch:
    -Abgelehnt-


    "Die Anschaffung ist der entgeldliche Erwerb eines Wirtschaftsguts durch Lieferung (Übergang der wirtschaftlichen Verfügungsmacht). Die Verschaffung der wirtschaftlichen Verfügungsmacht über ein Wirtschaftsgut ist ein Vorgang überwiegend tatsächlicher Art, der zwar in aller Regel mit bürgerlich-rechtlichem Eigentumsübergang verbunden ist, aber nicht notwendigerweise verbunden sein muss. Für die Zurechnung ist die Begründung des wirtschaftlichen Eigentums maßgebend, §39 Abs. 2 Nr. 1 AO. Ein Wirtschaftsgut ist deshalb bereits dann angeschafft worden, wenn es unter Eigentumsvorbehalt verkauft und übergeben worden ist. Ihr Rechnungsdatum (Anm.: Das ist die Rechnung für die Dachinstallation) ist der 04.12.2014, somit erfolgte der wirtschaftliche Eigentumsübergang noch im Jahr 2014."


    Ich werds mal mit dem persönlichen Gespräch mit dem FA versuchen... vielleicht lässt sich da ja noch ein Missverständnis aufklären.


    PS: Das mit dem logisch nicht zu bewältigen... nicht falsch verstehen, das ist eher so ein temporär ausgeprägter subjektiver Eindruck gewesen. Wahrscheinlich sind es die Begriffsdefinitionen, die so anmuten, als ob man die dem Wort nach verstehen könnte (und entsprechen Analogien und Schlüsse ableiten könnte), aber doch auf einer komplexeren Definition beruhen (die ich so sicher nicht immer in Gänze kenne). Logisch lässt sich ein Problem leider (auch sonst überall) immer nur dann sicher bewältigen,wenn sämtliche Randbedingungen bekannt sich - da reichts dann ja auch nicht, wenn man nur denkt man würde alle kennen :o)

  • Nur mal so ein Gedanke...


    Was, wenn man die Dachrechnung korrigieren lässt und daraus eine Abschlagszahlung macht?


    Interessant finde dazu die Folie 10 dieser Präsentation. http://www.bvbc.de/fileadmin/D…_Juettner_Anzahlungen.pdf


    Auch noch interessant dazu: http://www.steuernetz.de/aav_s….xhtml?currentModule=home


    Zitat

    Bei eigener Herstellung des Wirtschaftsgutes beginnt die Abschreibung mit dem Zeitpunkt der Fertigstellung. Im Jahr der Anschaffung oder Herstellung müssen Sie monatsweise abschreiben (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG).


    Ohne elektrischen Anschluß würden das Finanzamt wohl kaum zustimmen, dass eine Photovoltaikanlage fertiggestellt wurde.

  • Das mit dem persönlichen Gespräch würde ich nur in Erwägung ziehen, wenn ich mir todsicher wäre, dass ich sowohl fachlich wie auch rhetorisch eindeutig überlegen bin; bzw. fähig, den SB so über seinen Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet.
    In Deinem Fall wäre ich mir da für mich nicht sicher - und würde das Spiel auf des Gegners Platz zu des Gegners Bedingungen meiden, wie der Teufel das Weihwasser.


    Eine Rechnung die schon beim FA gelegen hat "halbseiden" zu berichtigen (um das Wort "manipulieren" oder "türken") zu vermeiden, ist so ziemlich die dämlichste Idee die man haben kann. So tricks funktionieren gelegentlich prospektiv; aber der Versuch einer retrospektiven Anwendung versteht ein Sachbearbeiter schnell (und mit Recht) als persönlichen Angriff auf seine Intelligenz. So fordert man niemanden heraus.


    Löblich ist ja schonmal, dass der Sachbearbeiter den Weg zurück gefunden hat. Der hat genau an der richtigen Stelle nachgelesen. Was er zur Bedeutung des wirtschaftlichen Eigentums sagt, ist schlichtweg richtig. Da deckt er sich ja auch mit mir ;-)


    Die Schlüsse die er zieht, sind....... nennen wir es "mutig" oder "zielorientiert".
    Jetzt muss mal richtig in der Scheisse gewühlt werden.
    a) Zunächst einmal muss festgestellt werden, was der Unternehmer überhaupt geschuldet hat.
    Vielleicht ergibt sich ja, dass eine gesamtheitliche / einheitliche Leistung in Form einer "in fix und fertiger Arbeit" gelieferten, montierten und installierten, uneingeschränkt funktionsfähigen Anlage geschuldet wird.
    Vielleicht findet sich sogar eine Abnahmeklausel mit der Ergänzung "Teilleistungen werden nicht separat abgenommen."


    Das wäre der erste Weg, wie man dem FA vermittelt, dass die Rechnung schlichtweg falsch ist.
    Dann sollte man aber halt auch nachweisen können, dass die fehlenden Leistungen tatsächlich wesentlich in Bezug auf die geschuldete Leistung sind; und dass sie tatsächlich erst nach dem 31.12. erbracht worden sind.


    Klar.. ich würde Dir auch vorhalten, warum die Rechnung dann nicht mit der Begründung "unberechtigt" zurückgewiesen wurde; oder Du bei der Rechnungsprüfung nur eine Abschlagrechnung anerkannt hast.
    So richtig plausibel ist Dein Handeln da nicht. (O.k. - es gibt dafür eine Begründung...... aber da kommst Du bitte selbst drauf.)



    Vielleicht geht der Schuss ja auch in den Ofen. Entweder kommt nicht das gewünschte Ergebnis aus der Vertragsprüfung heraus; oder Du fällst bei der Beweisführung auf die Nase.
    Dann wäre ein zweiter Ansatz immer noch die Überlegung, ob man eine PV-Anlage überhaupt sinnvoll in die Teile "Lieferung und Montage" und "Installation und Inbetriebnahme" aufteilen kann.
    a) Ich fürchte: Man kann
    b) ABer es ist wenig sinnvoll....und wenn es sich nicht eindeutig aus dem Vertrag so ergibt, darf man es m.E. nicht einfach unterstellen. (Das "m.E." steht da nicht ohne Grund.)



    Der Tip vom Vorredner geht leider völlig in den Ofen:
    a) Wir haben keinen Herstellungsfall - wir haben einen Anschaffungsfall.
    b) Und wenn wir einen Herstellungsfall hätten, dann könnten wir die Bücher schließen. Dann hätte der Sachbearbeiter schlichtweg Recht.


    Hier ist zu sagen, dass man da durchaus streiten, ob - wenn dazu nichts geregelt ist - die Lieferung und Montage einer PV zwingend nach Werkvertragsrecht oder nach Kaufvertragsrecht abzufackeln ist. Da wird es von Seiten der Unternehmer immer heißen "Kauvertragsrecht"; und die meisten PV-Betreiber achten darauf gar nicht.
    Wird ein enges Höschen......


    Klarheit schafft im Zweifel eine Bestätigung des Solarteurs:


    "Wir haben unseren Auftrag gem. Bestellung vom xx.xx.xx ausgeführt.
    Dem Auftrag liegt aufgrund der beinhalteten Montage- und Installationsleistung Werkvertragrecht zu Grunde.
    Die Leistung wurde am xx.xx.xx nach Beendigung der Installation sowie erfolgreicher Inbetriebnahme durch den Besteller abgenommen (siehe Abnahmeprotokoll).
    Eigentum und Gefahr sind mit Abnahme auf den Besteller übergegangen. Beginn der Gewährleistung war ebenfalls der xx.xx.xx"


    Das geht natürlich nur, wenn es keine anderslautenden Dokumente gibt... sondern ein solches Dokument wirklich nur nachträglich schriftlich zusammenfasst, was vorher nie anders war. Oder wo zumindest niemand beweisen kann, dass es vorher anders war.

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