Beleglose ESt-Erklärung ?

  • Mahlzeit zusammen,


    kurze Frage:


    Habe meine ESt-Erklärung per WISO datenelektronisch übermittelt und auch bereits einen Steuerbescheid bekommen. Nun wurden einige übrige oder sonstige Werbungskosten nicht anerkannt (z.B. die Selbstbeteiligung einer neuen Windschutzscheibe wegen Riss nach Steinschlag auf dem Weg zur Arbeit). Wenn ich den Bescheid richtig lese, dann wohl deswegen nicht, weil keine Belege eingereicht wurden.


    Frage:
    Ich dachte eigentlich immer, dass bei der elektronisch eingereichten ESt-Erklärung keine Belege mit eingereicht werden müssen, sondern man nur für evtl. Rückfragen diese Belege bereit halten muss. Habe ich da ein falsches Selbstverständnis oder hätte das FA eigentlich nach den Belegen fragen müssen bevor die einfach streichen ?


    Reicht es jetzt aus, wenn ich mich auf den Bescheid beziehe und die Belege nach reiche oder muss man offiziell Einspruch einlegen ?


    U.a. habe ich auch Pauschalen angesetzt, weil ich mehr als X-Stunden auf Diensreise war (Sitzungen des Gesamtbetriebsrates an einem anderen Standort, manschmal auch mit Übernachtung). Wie soll ich denn nachweisen, dass ich mehr als 12 Stunden (oder was auch immer da die Grenze war) unterwegs war - reicht da eine Einladung ?


    Danke schon mal im Vorfeld !


    LG, Markus

  • Moin Markus,


    Du legst zunächst mal Einspruch ein - kannst auch zunächst ohne Begründung machen - zum wahren Deiner 4 Wochenfrist.
    Natürlich musst Du Belege nachreichen(Einreichen), wie sonst soll das FA Deine Aufwendungen überprüfen. Die Abwesenheit kannst einfach mit einer z.B. Exceltabelle mit abwesend wann, von/bis, wo, km, Pauschale nachweisen.
    Für die WIndschutzscheibe musst natürlich Deine Rechnung einreichen mit der Selbsbeteiligung.


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Dein Selbstverständnis ist korrekt. Das FA hätte fragen müssen.


    Im Einspruch heißt das dann:
    Dem Steuerpflichtigen wurde das rechtliche Gehör verweigert. Der Steuerbescheid verletzt insoweit materielles Recht.
    (Der Spruch wird aber eher von Belang, wenn man den anderen mal richtig rannehmen und auf den Eierschleifstein halten will; da brauchts dann Kanonenfutter. Für den Hausgebrauch nicht unbedingt erforderlich. Der Fehler heilt sich eh von alleine. In dem Moment, wo er Deinen Brief liest, wird Dir ja Gehör gewährt.)


    Die Umsetzung in der Praxis:
    a) die todsichere Variante: Einspruch einlegen; Belege in dem Zusammenhang nachreichen
    b) die routinierte Variante: Antrag auf schlichte Änderung; Belege in dem Zusammenhang nachreichen; Frist für Bestandskraft errechnen; 3 Tage vorher ein Kreuz in den Kalender machen; Knoten ins Ohr... und wenn an dem Tag kein geänderter Bescheid da ist: Einspruch nachholen.


    b) ist die "sanfte" Methode. a) verursacht beim SB einen Eintrag in der RBH-Liste... und damit ist der nicht mehr der Liebling vom SGL. Ich würde deshalb immer b) vorziehen - es sei denn, ich will dem SB nonverbal zeigen, dass die Freundschaft stark belastet ist.. und er mal ganz schnell einen Gang zurückschalten soll. Da seh ich hier keinen Anlass für.


    Dienstreisen und deren Dauer sind durch den Arbeitgeber zu bestätigen.
    (Falls von Interesse: Bei Auslandsdienstreisen mit X Stunden in der Luft / mehrere Zeitzonen / über die Datumsgrenze lässt man sich schlimmstenfalls die Tower-Logs geben)
    Bei Übernachtung hat man üblicherweise einen Beleg des Hotels.
    Selbstverständlich sind steuerfreie Erstattungsleistungen des Arbeitgebers in Abzug zu bringen.


    Eine Einladung reicht in dem Moment nicht mehr aus, in dem sich der Sachbearbeiter überlegt, ob nicht einiges darauf hindeutet, dass es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit möglicherweise steuerfreie Erstattungsleistungen gegeben hat.
    Würde ich dort sitzen (der Herr bewahre!!!)... ich hätte die Idee mal sofort.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • ... danke für die spontane Hilfe - immer wieder ein Genuss, Eure Antworten zu lesen :danke:


    Eine Nachfrage sei bitte gestattet - kpr
    Ich stimme dir zu, das Variante (b) hier am zielführendsten ist. Also schreibe ich im Betreff schlicht: Antrag auf Änderung des Steuerbescheid XYZ, dazu kurzen Zweizeiler und in den Anlagen die Belege ?


    Dann würde ich gerne noch folgendes fragen:
    Was ist die „Frist für Bestandskraft“ und wie errechen ich diese ?


    Bei meinen Dienstreisen gibt´s zwei Konstellationen:
    1.) Einen Tag am anderen Standort, dann Abwesenheit über 10 Stunden (Abfahrt 07:00, Ankunft 17:30)
    2.) Zwei Tage am anderen Standort, dann Tag 1 (Abfahrt 07:00, Arbeitsende 16:30) und Tag 2 (Beginn 07:30, Ankunft zu Hause 17:30)


    Ich bekomme eine normale Abrechnung vom Arbeitgeber – ich denke das ist die normale Verpflegungspauschale. Kann man da überhaupt noch was bei FA ansetzen, also dafür, dass man für so viele Stunden von zu Hause weg ist, oder ist mit der Verpflegungspauschale des Arbeitgeber alles abgegolten ? Ich will ja auch niemanden unnötig arbeit machen :juggle:


    Und jetzt noch ganz wichtig, damit ich den Wortwitz deiner Antwort noch besser verstehe:
    Was ist die „RBH-Liste“ du was „SGL“ :P

  • ... soweit ausreichend ?


    +++++++++++++++++++++++++++++++++++


    Sehr geehrte Frau *******,


    mit diesem Schreiben möchte ich gegen den o.g. Steuerbescheid den Antrag auf schlichte Änderung stellen.


    In den Erläuterungen zur Festsetzung des Bescheides informieren Sie mich darüber, dass als weitere Wer-bungskosten lediglich die Kontoführungsgebühren und die Pauschale für weitere Werbungskosten gewährt wurden, da die weiteren Kosten nicht belegt wurden.


    Da die Steuererklärung durch mich datenelektronisch übermittelt wurde, unterlag ich der Annahme, dass die Belege nur nach Anforderung durch das Finanzamt einzureichen seien und das es ausreichend sei, alle Belege bis zur Bestandskraft des Steuerbescheides für die Erledigung von Rückfragen durch das Finanzamt griffbereit zu halten.


    Ich bitte meine Fehlinterpretation zu entschuldigen und reiche Ihnen in diesem Zusammenhang die entspre-chenden Belege mit der Bitte nach, dem Antrag auf schlichte Änderung zu entsprechen.


    Für eine Bestätigung des Eingangs des Antrages wäre ich Ihnen sehr dankbar.


    Die Ihnen entstandenen Umstände bitte ich zu entschuldigen.


    Vielen Dank !



    Mit freundlichem Gruß


    Markus Jung

  • Moin Markus,


    so freundlich habe ich dem FA aber noch Nie geschrieben. Das hört sich ja fast schon an, als ob Du 'Dreck am Stecken' hättest :D


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Zitat von Agent-Smith

    Die Ihnen entstandenen Umstände bitte ich zu entschuldigen.


    Vielen Dank !


    Jetzt übertreibst du aber ein wenig! :wink:
    Ist doch nur das Finanzamt.....

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • ...also ich verfahre auch immer nach der "höflichen Variante" und fahre damit recht gut.


    Schadet doch nicht! :wink:

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II

  • Ich bin auch mit Höflichkeit und Freundlichkeit, wenn auch manchmal schon etwas dick aufgetragen,bei den "Staatsdienern" und ähnlichen immer weiter gekommen. Einfach eine Erfahrung. :mrgreen:
    Ich kenne es so, dass hier in unserem Bundesland jedenfalls eine Verordnung existiert dass die Finanzbeamten möglichst auf das Nachfordern von Belegen verzichten sollen.
    Nun wird der einzelne Sachbeaarbeiter wohl etwas damit alleingelassen was er daraus macht. :lol:

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • "Antrag auf schlichte Änderung" =
    ausnahmsweise mal ein kurzes Telefonat; man kündigt kurz die Übersendung der fehlenden Belege an.... und bittet um Bescheidänderung.


    Und wenn schon schriftlich.... dann möglichst nicht mehr als drei Zeilen. Der Änderungsantrag ist wirklich ein sehr formloses Instrument. Braucht keine Entschuldigungen und auch keine Eingangsbestätigung. Ein Bescheid.. der ist alles was Du willst. Und den vor dem Ablauf der RBH-Frist.


    RBH-Liste = Die RechtsBehelfsListe. Ein Führungsinstrument bei der FinVerw. Je länger die RBH-Liste, umso schlechter der Mitarbeiter. Setzt konsequent die Beurteilung nach den Durchlaufzeiten fort..... wer viele Rechtsbehelfsverfahren hochkochen lässt, hat automatisch auch elend lange Durchlaufzeiten. (Das ist für die Jungs und Mädels absolut kriegsentscheidend. Personalgespräche werden (zumindest in RLP) nur alle zwei Jahre geführt. Eine negative Beurteilung braucht mindestens zwei positive Beurteilungen um wieder befördert zu werden. Eine ausgefallene Beförderung ist beim derzeitigen Beförderungsstau nicht aufzuholen.... und damit schlägt sich sowas spürbar in den Altersbezügen wieder.
    Attacken auf die RBH-Liste sind somit ein unmittelbarer Angriff auf die Pensionsbezüge des SB


    SGL = Sachgebietsleiter. Der unmittelbare Vorgesetzte eines Sachbearbeiters.


    Frist für die Bestandskraft: 1 Monat nach Bekanntgabe; fällt die Frist auf einen Sonn- o. Feiertag, dann auf den nächsten Werktag. Beginn der Frist: 3 Tage nach Bescheiddatum ODER: 3 Tage ab späterem tatsächlichen Posteingang.
    (Deswegen für die Praxis: Den Eingang vorerst immer nur mit Bleistift vermerken; oder auf dem Kuvert. )


    Ob der AG die Verpflegungsmehraufwendungen ganz oder anteilig erstattet, kann von uns keiner prüfen.
    Wenn der AG in voller Höhe steuerfrei erstattet hat - kann man nur noch tatsächlich nachgewiesene (höhere) Verpflegungsmehraufwendungen ansetzen (aber auch dann ist die steuerfreie AG-Leistung in Abzug zu bringen).

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