Neues Projekt mit Stromspeicher (im Großformat?)

  • Hallo allerseits,


    ich bin ein blutiger PV-Neuling und bedarf einiger theoretischer Unterstützung für mein zukünftiges Projekt.


    Ich habe vor in Kürten ein Haus zu kaufen, daß im Aussenbereich liegt. Aufgrund der Lage ist es nur an den Strom angeschlossen und hat daher auch eine strombasierte Heizung. Der bisherige Gesamtbedarf an Strom betrug in der Vergangenheit ca. 13.000 kW/h.
    Um mich möglichst eigenständig zu machen, möchte ich so viel wie möglich davon mit einer entsprechenden PV-Anlage selber produzieren und für lichttechnische Durststrecken auch speichern.
    Zur Verfügung stehen mit ~ 250 m² Dachfläche mir ca. 20° Neigung, davon 150 m² mit SW-Ausrichtung und 100m² Süd-Ausrichtung, beides unbeschattet. Dazu kommt ein relatives handwerkliches Geschick, jedoch ohne PV-Erfahrung, aber grundsätzlich im Elektro-Bereich nicht völlig dumm.


    Jetzt zu meinen Fragen:
    Wie groß (kwp) sollte die Anlage dimensoniert sein?
    Mit welchen Kosten sollte ich kalkulieren (mit/ohne Speicher)?
    Gibt es in dem "Angebotssumpf" Fußangeln o.ä. auf die ich bei einer Angebotserstellung achten muss?
    Was ist denn nun besser/empfehlenswerter: Blei oder Li-Ion Akku´s für den Speicher?
    Macht Inanspruchnahme der Förderung Sinn oder ist das aufgrund von bürokratischem Übereifer nicht zu empfehlen (10% Einspeisung)?
    Wie sind die Erfahrungen mit RWE in dem Zusammenhang PV?
    Braucht man eine PV-Versicherung wirklich oder ist das geldschneidende Angstmacherei?
    Kann/sollte man bei der Montage etwas selbst machen und wie wirkt sich das auf eine Förderung aus (z.B. KfW verlangt ja hier und da Montage durch Fachfirma)?


    Ich weiß, viele Fragen, aber die SuFu hat nichts passendes zu Tage gebracht......oder ich bin zu blöd!


    Vielen Dank schon mal für Eure Hilfe!
    Tobi

  • Moin Tobi,


    willkommen im PV-Forum :D .


    Wenn Du zu den gorßen Anbietern hier aus dem Forum gehst, gibt es keinen 'Sumpf' :D


    Bei den Topp Anbietern lohnt sich Eigenmontage definitiv nicht.


    Und ja, DU brauchst eine PV Versicherung - zumindest Elektronik!!
    Ich hatte schon 2 Totalschäden - 1 Anlage Hochwasser. 1 Anlage Blitzeinschlag. Blitzschlag Totalschaden - Module, WR, Solarlog einfach alles. Bei Hochwasser alle WR plus Überwachung.


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Moin Tobi, für dich steht jetzt zunächst die Gewissensentscheidung an, ob du ein neues Hobby haben willst oder 'nur' eine Anlage. Als Grundlage wirst du deinen Verbrauch genauer aufschlüsseln müssen (Verteilung über den Tag; Verteilung über das Jahr). Dann gehst du auf http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php und spielst ein wenig mit den Daten; danach weißt du, was in etwa machbar sein sollte.


    Wenn du nach EEG einspeisen willst, dann muss die Anlage von einer Fachfirma abgenommen/geprüft werden. Wenn du da Eigenleistung einbringen willst, dann kläre das vorher.


    Es gibt hier auch eine recht aktive Insulaner-Fraktion im Forum; dort wird Eigenleistung in niedrigen Strompreis gewandelt. Dieser Weg hat aber den Nachreil, dass man um etliche Wochen Studium/Lernen nicht herum kommt; hat zudem einen hohen Suchtfaktor. Aus ökonomischen Gründen geht hier der Trend zur Halbinsel.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • 13.000kwh/a klingt zunächst nach Insel, aber da Du mit Strom heizt, steckt da wohl die heizleistung mit drin. Und im Winter gibts kaum Sonne. Wenn Du jetzt die PV so groß montierst, dass Du auch im Winter genügend Strom hast, dann hast Du im sommer Überschüsse ohne Ende. Krigest Du die nicht sinnvoll weg, rentiert sich das nicht, also doch Einspeiselösung eventuell mit Batteriepuffer. Geh auf PVgis und ermittle für Dein Haus die möglichen solaren Erträge. Allein auf die 150m² gehen ja bald 80kwp und mehr, was aber auch wieder 320 Module wären..., damit bist Du auf jeden Fall EEG Umlagepflichtig. Aber bei 80kwp kannst Du minestens mit 70.000 kwh pro Jahr rechnen, das Vielfache Deines Verbrauches. Ich würde da einspeisen mit Eigenverbrauch einmal durchrechnen, das dürfte das rentabelste sein. Wenn Du keinen Wert auf Notstrom legst, würde ich dass dann ohne Batterie planen. Mit Batterie könnte es aber auch im Winter über Nacht reichen, bei der Fläche könnten auch an schlechten Tagen durchaus 20-30kwh runterkommen. Und dann dürfte die Batterie im Gesamtsystem sich kaum schlechter rechnen als ohne. Also Zielplanung wäre Einspeiseanlage mit eigenverbrauch und Batterie. 80kwp mit Batterie sollte für grob 100.000€ machbar sein, als Erträge stunden ung. 60.000kwh zur einspeisung an, bei knapp 10C, schon um die EVUmlage gemindert, wären das 6.000€ Jaährlich an Ertrag, zusätzlich die 13000kwh gesparter Bezug a 25C?, wären weitere 3-3500€, Gesamt"Ertrag also 9-9.500€, womit das Ding in etwas mehr als 10 Jahren bezahlt wäre, sofern Du das Geld zur Verfügung hättest. Bei Afa 20 Jahren müsstest Du allerdings auch Steuern mit einrechnen, da durch würde sich die Amortisationszeit natürlich verlängern. Falls Geld kein Problem, würde ich dann auch noch die 100m² Süd voll belegen. Dann hättest Du eine Großeinspeiseanlage und das bisschen Hausverbracuh würde absolut sicher, auch mit Batterie über Nacht bedient werden können.

    Hybridinsel, 3 phasig, 3 XTM 4.000, 2 Variotrack, BSP, Staplerbatterie 775 AH 48V, eff. ca. 8 kwp (4,75 auf SO und 5,25 auf NO), 250er Yingli
    PoorMan'sTesla=PMT=Renault Fluence und 120l Elektroboiler als Überschußverwerter...

  • Zitat von Tobi-Kr


    Aufgrund der Lage ist es nur an den Strom angeschlossen und hat daher auch eine strombasierte Heizung. Der bisherige Gesamtbedarf an Strom betrug in der Vergangenheit ca. 13.000 kW/h.
    Tobi


    Da würde ich parallel auf jeden Fall darüber nachdenken, das umzustellen. Großer WW Speicher zum Speichern der Wärem über PV usw. mit LWWP o.ä.


    Die PV Anlage würde ich auf jeden Fall max bauen. 2 Vorteile: Aktuell gibt es noch eine rel. gute Vergütung bezogen auf den Einstandspreis. Dieser wird geringer bei großer Anlage. Um die 1000 €/kWp solltest bei 40 kWp (mehr als 42 kWp gibt Dein hausanschluß im Normalfall ja sowieso nicht her) bei normalen Installationsbedingungen als Zielmarke setzen.


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Welches Budget schwebt Dir denn für PV vor?
    Sind es eher 10-20TEUR für die etwas größere EFH Anlage oder 100TEUR und mehr?


    Du solltest als Grundsatz davon ausgehen, dass man mit PV Strom im Winter NICHT heizen kann.
    Es ist einfach nicht genügend Sonne da bzw. der Generator muss riesig sein, was bei satt Fläche wie bei Dir evtl. sogar noch geht, aber das kostet und im Sommer versinkst Du in Überschuss.


    Ich vermute mal ersteres.
    Grundsätzlich würde ich erst mal den Gesamtenergiebedarf pro Jahr an Strom / Warmwasser und Wärme am Standort prüfen.


    Da kein Gas liegt und Öl oder Flüssiggas mit Zusatzkosten verbunden ist (Tank, entsprechender Brenner usw.) würde ich im ersten Ansatz in Richtung 10KWp PV für Hausstrom und ggfs. Warmwasser im Sommer per BWWP oder Heizstab tendieren. Im Winter dann entweder auf eine Kombi aus LWWP/EWP und ggfs. Kamin (mit Wassertasche) setzen, für den Fall, dass das Haus gut bis sehr gut gedämmt ist (was ich angesichts der 13.000KWh eher nicht vermute).


    Sollte das Haus eher schlecht bis gar nicht gedämmt sein, entweder Geld in eine vernünftige Dämmung, neue Fenster und Dämmung der obersten Geschossdecke stecken, oder auf Holzpellets setzen.


    Mit allen Optionen ist man dann aber auch schon im Bereich von guten 50TEUR unterwegs und hat die Hütte noch gar nicht im Eigentum.


    Mal konkret Deine Fragen:

    Zitat

    Wie groß (kwp) sollte die Anlage dimensoniert sein?


    Wenn der HH-Strombedarf normal ist würde ich 10KWp bauen; heizen mit PV Strom geht nicht!


    Zitat

    Mit welchen Kosten sollte ich kalkulieren (mit/ohne Speicher)?


    Ich würde derzeit keinen Speicher bauen. Es rentiert sich einfach nicht und ist ein (sehr) teures Hobby.
    Das Geld würde ich in Dämmung und/oder neue Fenster stecken.
    Ohne Speicher sollte das bei normalen Bedingungen im Bereich von ganz grob 1300,- pro KWp liegen.


    Zitat

    Gibt es in dem "Angebotssumpf" Fußangeln o.ä. auf die ich bei einer Angebotserstellung achten muss?


    Es sollte ein Komplettangebot werden, dass Du vorher hier im Angebotsforum eingestellt hast und das dort als gut eingestuft wurde.


    Zitat

    Was ist denn nun besser/empfehlenswerter: Blei oder Li-Ion Akku´s für den Speicher?
    Macht Inanspruchnahme der Förderung Sinn oder ist das aufgrund von bürokratischem Übereifer nicht zu empfehlen (10% Einspeisung)?


    Der Speicher an sich ist sinnlos.


    Zitat

    Wie sind die Erfahrungen mit RWE in dem Zusammenhang PV?


    Je nach Wohnort (PLZ?) wirst Du es eher mit der Westnetz zu tun bekommen.


    Zitat

    Braucht man eine PV-Versicherung wirklich oder ist das geldschneidende Angstmacherei?


    Du brauchst definitiv eine Versicherung und ich würde da nicht an 50,- sparen, sondern eine Versicherung MIT ALLEM nehmen. Eine so genannte all-risk oder Allgefahrenversicherung. Da ist sogar Diebstahl, Vandalismus, eigene Dummheit und so weiter drin. Die Inkludierung in die Wohngebäudeversicherung geht oft, ist aber meist mit schlechteren Bedingungen verknüpft. Versicherung zahlt z.B. nur bei Hagel und Sturm, aber nicht bei Starkwind oder Schneedruck.


    Zitat

    Kann/sollte man bei der Montage etwas selbst machen und wie wirkt sich das auf eine Förderung aus (z.B. KfW verlangt ja hier und da Montage durch Fachfirma)?


    Ich würde auf jeden Fall ein Komplettangebot inkl. aller Nebenleistungen (AC Anschluss, Anmeldung VNB, Komplettmontage) nehmen. Im Rahmen des Hauskaufs kannst Du Deine Zeit sicherlich besser verwenden, als mehrere WE auf dem Dach rum zu turnen. Auch ist es immer gut Gewährleistung auf das Gewerk zu haben und die nötige Versicherungssuche macht die Errichtung vom Fachbetrieb auch einfacher. Am Ende kannst Du dann sogar noch die gesamte VSt vom Finanzamt zurück holen!

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

  • Boahhh, danke für die vielen Info´s! :danke:


    Es sieht so aus, daß das Haus in 2009 komplett neue Fenster und Dämmung erhalten hat. Die große Verbrauchsmenge rührt daher, daß das Haus sehr groß ist (350m² Wohnfläche) und der Wert auch sicherheitshalber sehr hoch angesetzt wurde, da keine belastbare Verbrauchswerte der Noch-besitzer (zwei Personen) vorliegen, die man heranziehen könnte. Wir (5 Personen) werden durch die größere aktiv bewohnte Fläche wohl etwas höhere Werte als die bisherigen Besitzer haben und die hatten zuletzt einen Verbrauch alles in allem von ~10000 kW/h, davon entfielen ca. 2900 kW/h (die mit 15,4 C berechnet wurden) auf das Heizen, wobei die natürlich einiges an Fläche nur "eisfrei" gehalten haben.


    Mein Budget liegt in erster Näherung bei ca. 25 - 30T€ (je nachdem, was nach dem Kauf noch übrig bleibt........), ich wäre aber auch geneigt, die KfW in Anspruch zu nehmen und über einen Kredit mehr aufzunehmen, sofern es bezahlbar bleibt.


    Über Eure Aussagen zum Thema Speicher bin ich etwas überrascht, da die Dinger doch deutlich günstiger geworden sind im Verlauf der letzten zwei Jahre.......oder ist das auch wieder Augenwischerei?

  • Zitat von Tobi-Kr


    Über Eure Aussagen zum Thema Speicher bin ich etwas überrascht, da die Dinger doch deutlich günstiger geworden sind im Verlauf der letzten zwei Jahre.......oder ist das auch wieder Augenwischerei?


    Hm - von sauteuer auf nur noch teuer (und unwirtschaftlich) :evil:
    Bei Deinem Budget brauchst daran keinen Gedanken zu verschwenden. Lieber deutlich mehr als 10 kWp - leider mit den negativen AUswirkunhen bei EV (tlw. EEG Umalge usw.).


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Lieber das Geld in eine große PV stecken, diese trägt sich selbst bzw. verdienst selbst bei Finanzierung noch Geld. Speicher kann man in 2-5 Jahren nachrüsten.



    Roadster 2.5 Model S P85+ Signature Red

    Tesla P85+ seit 8/13 >452.000km gefahren. Seit 2/19 Smart ed cabrio aus 10/13. PV 10 kWp an E3DC Hauskraftwerk mit 13,8kWh und Wallbox. Weitere 18kWp PV an Solaredge. Gesamt PV-Leistung 28,049kWp. Jetzt habe ich ein Jahr Zeit, wie ich weitere 1,95kWp (=6x325W) aufs Dach bekomme.

  • Nur kurz die ungefähren Eckdaten für (Halb-)Insel bei viel Eigenleistung und im Jahresschnitt. Erzeugung der kWh 7-9 Cent; Verschleiß der Batterie: 10 Cent pro kWh. Der tatsächliche Preis ergibt sich dann aus dem Lastprofil (wann wird wieviel verbraucht). Auf den Preis kommen dann noch Rücklagen für Reparaturen, Versicherung etc drauf. Es kann sich durchaus lohnen, auch wenn hier einige anderer Meinung sind.


    Das Problem bei der Auslegung ist, dass wir in Deutschland im Sommer eine sieben mal größere Einstrahlung haben als im Winter. Ist die Anlage so ausgelegt, dass man fast volle Autonomie im Winter hat, dann muss man aus wirtschaftlichen Gründen im Sommer einspeisen. Das wirtschaftliche Optimum bei Halbinseln liegt bei ungefähr 30% Überproduktion im Sommer; damit kann man dann auch einen großen Teil der Übergangszeit abdecken.


    An deiner Stelle würde ich 'groß' planen aber (zunächst nur) 'klein' machen. Das würde etwa bedeuten, die PV-Unterkonstruktion größer auslegen, als man aktuell brauchen wird (die Mehrkosten sind relativ klein). Dann die Verbraucher identifizieren, die für den Großteil der Grundlast verantwortlich sind und die in einer Halbinsel vereinen. Damit sammelst du Erfahrung und verbrennst ganz sicher kein Geld. Für weitere Informationen/Anregungen mal in den Bereich der Insulaner gehen.


    Mittelfristig solltest du dich auf jeden Fall mit einem GUTEN Heizungsbauer unterhalten, denn elektrisch zu heizen ist so ziemlich die teuerste Art, das Haus warm zu kriegen. Das könnte in die Richtung BHKW gehen; es gibt auch ein recht gutes Forum zu diesem Thema.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)