Verständnisproblem mit der Besteuerung der PV-Erträge

  • Je länger ich mich damit beschäftige und je mehr ich lese um so unsicherer werde ich.
    Mal schauen ob ich das richtig zusammen bekomme
    Ich habe die Möglichkeit


    • Kleinunternehmer zu werden meine verkauften Erträge keine Umsatzsteuer zu zahlen
      oder
    • Umsatzsteuerpflichtig zu werden, dafür aber die Mehrwertsteuer für den Erwerb der Anlage zurück zu bekommen.


      Entscheide ich mich für Modell 2 (was wohl die gängigste Variante ist) bekomme ich vom Netzbetreiber die Einspeisevergütung zuzüglich der Mehrwertsteuer die ich anfangs monatlich, später Jährlich an Finanzamt abführen muss.



    • Die Steuer ist für mich also nur ein Durchlaufposten, für mich bleiben für den verkauften Strom Netto die momentan 12,56 cent übrig.


    • Für meinen selbst verbrauchten Strom muss ich selber Umsatzsteuer bezahlen, und zwar in Höhe von
      19% x (Grundpreis+Strompreis) was irgendwo bei 4 - 4,5 cent pro kW/h liegt.


    • Steuermindernd für diese Umsatzsteuer sind hier einmal die Abschreibung der Anlage über die Nutzungsdauer und meine Unkosten für Wartung und Versicherung


    Soweit richtig?

    Gruß Frank
    Meine Anlage
    8,26kWp@14xJTS-200M@OSO@15° / 21xHeckert NeMo P60 Poly@SSW@30°/ 70%weich
    JK:6

  • Hi Frank,


    Da klinke ich mich mal gleich mit ein. Die Fragen bezüglich Steuerpflicht rund um die eigene PV Anlage im Rahmen meines Privathaushalts als Angestellter beschäftigen mich derzeit auch (neben der Planung meiner 9kWp Anlage an sich).


    In deinen Betrachtungen sehe ich allerdings nur die Umsatzsteuer, nicht jedoch die zu versteuernden Gewinne?


    Mich wundert, dass z.B. diese Wirtschaftlichkeitsberechnungen in den Angeboten von den vollen Verkaufsumsätzen (derzeit rund 12,5ct/kWh) aus dem Verkauf, sowie die gesparten Ausgaben durch Direktverbrauch als wesentliche Einnahmeposten ausgehen.


    Aber mindestens der Umsatz aus dem Verkauf muss doch als geldwerter Vorteil (oder was auch immer) aufs reguläre Angestellten-Gehalt mit Einkommensteuer versehen werden.


    Auch die Ersparnis durch Direktverbrauch?


    Gruss
    Sascha

    9,36kWp: 36x REC 260PE, Fronius Symo 8.2, Würth-Zebra. (45° Dach in 181° Süd)

  • Es gibt zwei Steuerart bei der PV zu betrachten. Die Umsatzsteuer und Einkommensteuer. Zur Umsatzsteuer wurde vom Threadstarter soweit alles richtig gesagt. Bis auf das:



    Zitat von Michsebin

    Steuermindernd für diese Umsatzsteuer sind hier einmal die Abschreibung der Anlage über die Nutzungsdauer und meine Unkosten für Wartung und Versicherung


    Die Abschreibung, Wartung und Versicherung ist kein Thema der USt, sondern der EÜR. D.h. nicht ganz, natürlich ist die für eine Wartung gezahlte USt. als Vorsteuer ein Thema aus der USt.


    Zitat von Zeitfraktur

    Aber mindestens der Umsatz aus dem Verkauf muss doch als geldwerter Vorteil (oder was auch immer) aufs reguläre Angestellten-Gehalt mit Einkommensteuer versehen werden.


    Ist nicht ganz verkehrt gedacht, nur die Begriffe sind falsch. Man macht eine EÜR => http://de.wikipedia.org/wiki/E…en%C3%BCberschussrechnung D.h. man stellt den Einnahmen die Ausgaben gegenüber und es kommt entweder ein Plus (Gewinn) oder ein Minus (Verlust) dabei raus. Das Ergebnis wird in der Einkommensteuer als Anlage G eingetragen und erhöht bzw. senkt das zu versteuernde Einkommen.


    Der DV erscheint als Sachentnahme und USt. auf die unentgeltl. Wertabgabe in der EÜR auf der Einnahmenseite.

  • Zitat von Zeitfraktur

    Auch die Ersparnis durch Direktverbrauch?


    Wird die Anlage zu 100% dem Unternehmen zugeordnet, dann ist der Eigenverbrauch als unentgeltliche Wertabgabe zu versteuern.
    Da die Zuordnung zum Unternehmensvermögen weitreichende steuer-
    liche Folgen haben kann (z.B. Besteuerung einer unentgeltlichen
    Wertabgabe bei privater Verwendung), empfiehlt sich ggf. die Hinzu-
    ziehung Ihres steuerlichen Beraters.


    siehe dazu auch hier bei Pkt.6


    http://www.finanzamt.bayern.de…/Fragebogen_PV-Anlage.pdf

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Veröffentlichungen und Merkblätter des Finanzamtes sind vielleicht in einem dynamischen und nicht gefestigten Rechtsumfeld nicht wirklich hilfreich. Da könnte man den Bock zum Gärtner machen.


    I. Einkommensteuer (ausnahmsweise die mal an den Anfang)
    Hier gibt es keine großen Wahlrechte. Wer gegen Vergütung einspeist, wird (sofern er die Anlage nicht überteuert bezahlt oder die Betriebskosten in schwindelerregende Höhen treibt) EinkunftserzielungsABSICHT haben.
    Entsprechend gibt es keine (wirtschaftliche) Maßnahme um sich von der Besteuerung der Gewinne zu befreien.


    Wie schon erklärt, ist eine Einnahmenüberschuss-Rechnung zu erstellen.
    Richtig ist, dass der Direktverbrauch (die Eigenversorgung) ertragsteuerlich als Sachentnahme zu behandeln ist.
    Der Wert dieser Sachentnahme ist gewinnerhöhend zu erfassen - und zu versteuern.
    Der Wert ist "schlimmstenfalls" mit der Einspeisevergütung zu versteuern.
    Ein Schnäppchen. Du kaufst Strom für 20 Cent aus versteuertem Geld (also musst Du 31 Cent brutto verdienen um 20 Cent netto zur Verfügung zu haben); und jetzt produzierst Du selbst, und versteuerst 12 oder 13 Cent. Macht also 6-7 Cent pro kWh die Du besser abschneidest. (Mit 35% Grenzsteuersatz gerechnet).


    Wichtig: Nicht in einem Anfall von Leichtsinn sich aufs Gleis der Lohnsteuer ziehen lassen... und glauben es wäre der Marktpreis anzusetzen. Völlig falscher Ansatz. Es geht darum den Gewinn so zu ermitteln, dass die Sachentnahme den Gewinn des Unternehmens nicht beeinflusst.



    II. Umsatzsteuer
    Deine Überlegungen sind weitgehend richtig.
    Du hast hier ein Wahlrecht.
    Im Prinzip hast Du alles richtig erkannt.
    Als Kleinunternehmer kannst Du die Vorsteuer nicht ziehen; dafür ist sie dann Betriebsausgabe.
    Im Gegenzug zahlst Du keine Umsatzsteuer auf den Direktverbrauch (19% vom Bezugsstrompreis netto).


    Günstiger dürfte es sein, zunächst einmal zur Besteuerung zu optieren.
    Die Vorsteuer aus der Anlage einzusacken.
    Fünf oder sechs Jahre lang den Direktverbrauch zu versteuern.
    In der Zeit wird die Vorsteuererstattung aus der Anschaffung durch die Besteuerung des DV zwar angeknabbert, aber nicht aufgeraucht.
    Und dann zur Kleinunternehmerregelung wechseln.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • OK, danke für die ausführungen - ein bisschen Schlauer bin ich jetzt. :wink:
    Alles hab ich aber noch immer nicht auf dem Schirm.


    Zitat

    Ein Schnäppchen. Du kaufst Strom für 20 Cent aus versteuertem Geld (also musst Du 31 Cent brutto verdienen um 20 Cent netto zur Verfügung zu haben); und jetzt produzierst Du selbst, und versteuerst 12 oder 13 Cent. Macht also 6-7 Cent pro kWh die Du besser abschneidest.


    Ich kann also für die Berechnung der Steuerlast auf den DV den Betrag ansetzen für den ich selbst eine kW/h produziere?
    Wenn ja, woraus errechne ich diesen Betrag?
    Gibt es da feste Größen oder gibt es jedes mal eine individuelle Kostenrechnung ?


    Zitat

    Die Vorsteuer aus der Anlage einzusacken.
    Fünf oder sechs Jahre lang den Direktverbrauch zu versteuern.
    In der Zeit wird die Vorsteuererstattung aus der Anschaffung durch die Besteuerung des DV zwar angeknabbert, aber nicht aufgeraucht.


    Das geht?
    Fordert der Fiskus da nicht einen Teil der Vorsteuererstattung wieder zurück?

    Gruß Frank
    Meine Anlage
    8,26kWp@14xJTS-200M@OSO@15° / 21xHeckert NeMo P60 Poly@SSW@30°/ 70%weich
    JK:6


  • Guten Morgen!


    Direkt zu Punkt 1.
    Wenn du deine Herstellungskosten ansetzt, dann sind das DEINE Herstellungskosten und nicht die deines Nachbarn ;-) Aslo ist das eine individuelle Größe, welche sich aus deinen Betriebsausgaben zusammensetzt. (Also Abschreibung, Zinsen für Kredite, Steuerberater o.ä.). Wenn du weißt was du ausgibst für die Anlage und weißt, wieviel Strom du dafür produzierst, kannst du den kWh Preis ausrechnen (Der immer unter der Einspeisevergütung liegen sollte).
    Das akzeptiert so allerdings nicht JEDES FA. DAher die Aussage von kpr, dass du notfalls eben die Einspeisevergütung anrechnen solltest, da dir dieser Umsatz eben durch den Eigenverbrauch wegfällt.


    Zu Punkt 2.
    Der Fiskus fordert bei Wechsel von USt zur KUR innerhalb der ersten 5 Jahre 1/60 pro Monat zurück. Wenn du also erst nach 60 Monaten zur KUR wechselst, dann will der Fiskus aus den ANSCHAFFUNGSkosten nichts wieder haben.
    (Wenn du alerdings in den ersten 5 Jahren irgendeinen anderen großen Ausgabeposten hattest, aus dem du die Vorsteuer gezogen hast wie z.B. eine größerer Reparatur, dann gilt erneut die 5 Jahresfrist bis da keiner mehr Geld zurück haben möchte.

  • Und mein Gewinn aus dem DV ist dann die um die USt verminderte Differenz aus Versorgerpreis und Einspeisevergütung?


    Das würde ja gar keinen Sinn machen.
    Da stehen dann ja 12,53 Cent aus der Einspeisevergütung gegen ( bei mir momentan) 8,5Cent -19% USt
    Aber ich glaube ich vermische da wieder was was nicht zusammen gehört.


    Edit:
    Hatte ich bei dieser Gelegenheit eigentlich schon mal erwähnt das ich das deutsche Steuerrecht hasse?
    Da sind mehr Ecken und Winkel drin als mein Urgroßopa Falten an seinem Körper hat. Und das sind eine Menge. 8)

    Gruß Frank
    Meine Anlage
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  • Zitat von kpr

    Ein Schnäppchen. Du kaufst Strom für 20 Cent aus versteuertem Geld (also musst Du 31 Cent brutto verdienen um 20 Cent netto zur Verfügung zu haben); und jetzt produzierst Du selbst, und versteuerst 12 oder 13 Cent. Macht also 6-7 Cent pro kWh die Du besser abschneidest. (Mit 35% Grenzsteuersatz gerechnet).


    Na ja, der Vergleich hinkt aber m.E. gewaltig.
    Damit ich selbst Strom produzieren kann, muss ich erst mal eine PV-Anlage kaufen und falls diese angenommen 10.000,- € kosten sollte, so muss ich zunächst mal mehr als 15.000,- € brutto verdienen (bei 35% Grenzsteuersatz). Abschreiben kann ich aber nicht die 15.000,- € sondern nur die 10.000,- €.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • So, ich glaube ich habs
    Also ein fiktiver Fall.


    Ich baue eine Anlage mit 10 kWp für 10000 Netto und habe einen Jahresertrag von 10000 kWh.
    Davon verbrauche ich 4000 selber, 6000 veräußere ich an den Netzbetreiber.
    Einfacherheitshalber geht die Anlage am 01.01 in Betrieb


    Dem Solateur überweise ich 11900€, 1900 bekomme ich mit dem nächsten Lohnsteuerausgleich wieder.
    6000 kWh verkaufe ich an den Netzbetreiber und bekomme dafür 896,78 Überwiesen (6000*0,1256 +19% USt), also 753,6€ Vergütung plus 143,18 USt.


    Für die 4000 kW/h DV Zahle ich als Sachentnahme 19% USt (Ich nehme jetzt mal 12,56 cent/kWh an, nach Laune des FA Mitarbeiter aber auch die Gestehungskosten) auf 502,4 €, also 95,46


    Und für den Selbstverbrauch zahle ich, quasi an mich selbst, eine Vergütung für meinen DV in Höhe der Gestehungskosten von angenommenen 8 Cent/kWh, macht 320€
    .
    Auf meiner haben Seite bei der EÜR kommen also im ersten Jahr die USt-Ersattung von 1900€, die Nettoeinnahmen von 753,6 aus dem Verkauf + die darauf ausgezahlte Umsatzsteuer von 143,18€, die USt von 95,45€ auf die Sachentnahme und die Einnahmen von 320€ aus dem DV.


    Dem gegenüber stehen die Ausgaben für Abgabe an das FA aus Sachentnahme(95,46€) und ausgezahlter USt(143,18), Schuldzinsen (136€), Wartung (50€), Versicherung (75€), Reparaturen (50€) Gezahlte USt (1900€) und Abschreibung (500€).


    Hier stehen also Einnahmen von 3212,23 den Ausgaben von 2949,64 gegenüber.


    Der Überschuss von 262,59 ist in diesem fiktiven Fall dann mein zu versteuernder Jahresertrag den ich in Anlage G angeben muss.


    Und nach 5 Jahren werde ich Kleinunternehmer und spare mir die USt auf die Sachentnahme.
    Soweit richtig?


    Ich hasse Steuern 8)

    Gruß Frank
    Meine Anlage
    8,26kWp@14xJTS-200M@OSO@15° / 21xHeckert NeMo P60 Poly@SSW@30°/ 70%weich
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