Senec Home G2 mit Econamic Grid und Wineco 5,4kW Modulen

  • Liebes Forum,
    ab Donnerstag 29.01.2015 wird meine frisch installierte Anlage (5,4 kW Wineco Module, Senec Home G2, Batteriespeicher inkl. Econamic Grid, PLZ 38100) in Betrieb gehen. Mal sehen, ob die Berechnungs- und Planungsgrundlagen so einigermaßen eingehalten werden.


    Vor 4 Jahren habe ich eine SolvisMax350 Heizungsanlage (Gas) mit 4,5 qm Vakuumröhren einbauen lassen (17000,- Euro), immerhin habe ich damit meinen Gasverbrauch ab dem ersten Jahr von durchschnittlich 26000 kWh auf durchschnittlich 13 kWh senken können (Einfamilienhaus, freistehend Bj. 1968, Außenfassaden gedämmt, 4 Pers.) Allerdings war damals die Recherche nach dem für mein Haus optimalen System recht überschaubar.


    Die Suche nach einem Photovoltaik-System habe ich vor einem Jahr begonnen, sie war meiner Einschätzung nach erheblich komplizierter und ich einige herbe Enttäuschungen für mein geplantes Konzept seitens der unzähligen "Energieberater" hinnehmen müssen. Was diese möglicherweise nicht so recht begreifen:


    Ich bin gerne bereit, einen "ideellen" Kostenanteil wegzustecken, die Amortisationszeit ist nicht alles, Einspeisungsvergütung auch nicht, aber "Sonnenstrom" für den Eigenverbrauch und ein wenig Autarkie - und damit geringere Umweltbelastung - standen für mich eher im Vordergrund. Sehr problematisch war es, dafür einen vertrauenswürdigen Betrieb in der Nähe zu finden, der in der Lage ist, ein gutes Gesamtkonzept aus "einer Hand" anzubieten, was aber letztendlich im Dezember 2014 geklappt hat.


    Ich habe dann aus den beiden Alternativen "Senec" und "Nedap" das teurere SenecHome-System gewählt, schon allein deshalb, weil deren "EconamicGrid"-Konzept erstmals auch den Privatverbrauchern die Möglichkeit bietet, von den Stromüberschüssen im Versorgungsnetz zu partizipieren, das hat mich einfach gereizt. Beruflich habe ich mit den Energieversorgern Deutschlands zu tun und kenne ein wenig die Problematik der "Stromüberschüsse" bei der aktuell möglichen +/-5% Leistungsregelung der Erzeuger.


    Ich bin von vielen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis gewarnt worden: Keine Garantie auf Bezug, keine langfristig sichere Gesetzeslage, neue Technik, die auch funktionieren muss, "Enerig-Neuland", Preise für Öl fallen usw.
    Ja, wenn man das alles berücksichtigt ....... aber wer soll denn sonst endlich mal mit der Energiewende anfangen!?!
    Natürlich muss ich die Anlage teilweise auch mit einem Kredit finanzieren (ich bin kein Krösus), aber da haben schon ganz andere Geld sinnlos bei Banken in den Sand gesetzt. Interessanterweise hat noch keiner die Amortisationskosten seines neu gekauften Autos berechnet???


    Mein EconamicGrid soll Mitte/Ende Februar installiert und in Betrieb genommen werden, ich warte gespannt darauf und werde Euch auch diesbezüglich auf dem Laufenden halten.


    Gruss Roland

  • Hallo Roland,


    zunaechst mal willkommen im forum!
    Ja, was sich nach der Mehrheit amortisieren muss und was nicht ist schon schwer nachvollziehbar, das sehe ich und viele andere hier im Forum genauso.
    Dein Projekt klingt interessant, kannst du die Sache mit den Stromueberschuessen noch naeher erlaeutern?


    Ich bin gespannt wie es weitergehen wird!

    lg kassi


    5,72 & 8,55 & 6,75 & 9,88 & 5,5 kWp & 390 Wp auf Womo
    Ioniq electric seit 5/2017, Prius aus 2005 wurde Anfang 2019 durch Tesla Model 3 ersetzt


    Hier gehts zur Analyse meiner Anlage auf Einzelmodulbasis

  • Lieber Kassiopeia


    Der in Deutschland jährlich anfallende "Stromüberschuss" ist sehr komplex und nicht mit ein paar Sätzen zu erklären, nachstehend an einem Beispiel eine sehr stark vereinfachte Erläuterung in Stichpunkten:


    Am 08.06.2014 wurde im Zeitraum von 12-14 Uhr von den Solaranlagen eine elektrische Energie von 23 Gigawatt erzeugt und damit wurden ca. 42% des deutschen Gesamtbedarfs abgedeckt. Grundlastkraftwerke wie Braun- und Steinkohleanlagen und AKWs können im Schnitt nur um 2-4% pro Minute ihrer aktuellen Produktion geregelt werden und müssen im Schnitt bei mindestens 40%-bis 50 ihrer maximalen Leistung betrieben werden, sind abedr in ihren Betriebskosten sehr günstig und werfen hohe Gewinne ab.


    Wenn viel Solar- und Windstrom zur Verfügung steht, aber die Grundlastkraftwerke nicht schnell genug an diese Bedingungen angepasst werden können (Stichwort Redispatch-Maßnahmen), dann kommt es zu einem Überschuss an produzierter Energie, die dann ins Nachbarländer (Österreich, Schweiz) geleitet werden, oft müssen auch größere Wind- und Solaranlagen vom Netz genommen werden. Es geht hier im Durchschnitt um Größenordnungen von ca. 13-24 GW, die Folge des Überangebots: die Preise an der Strombörse fallen damatisch, im oben genannten Zeitraum auf ca. 1,3 Cent/kWh.


    Aufgrund der hohen Betriebskosten werden die Gasturbinen immer weniger eingesetzt. Diese Systeme haben eine Regelgeschwindigkeit von 18%-26% pro Minute und KEINE vorgegebene Mindestleistung, könnten daher vie leichter die schwankenden Produktion von Solar- und Windanlagen ausgleichen. Aber in 2014/2015 werden die deutsche Versorger weitere neue Braun- und Steinkohlekraftwerke (Grundlast) mit einer Kapazität von 6 GW in Betrieb nehmen, im gleichen Zeitraum werden weitere Wind- und Sonnenkraftanlagen mit ca. 10 GW neu ans Netz gehen (Bundesnetzagentur 2014).


    Dieser Umstand (steigende - eingeschränkt regelbare - Grundlast und mehr "schwankender" Sonnen- und Windstrom) führt dazu, dass sich an der Börse zeitweise ein "negativer Strompreis" einstellen wird (Energy Brainpool). Dann müssen Erzeuger eine "Gebühr" an denjenigen zahlen, der ihnen die Energie abnimmt. Negative Strompreise sind aber keine Seltenheit, denn zuletzt mussten Anlagenbetreiber am 11.05.2014 nachmittags über mehrere Stunden 7 Cent/kWh an die Abnehmer zahlen, auch im Jahr 2013 wurden insgesamt 100 Stunden mit negativen Strompreisen "gehandelt".


    Negative Preise an den Strombörsen führen aber dazu, dass der Betreiber sein Kraftwerk abstellt. Das funktioniert aber nur bedingt, denn Kohle- und Atomkraftwerke laufen auch bei einem hohen Angebot an Ökostrom weiter, weil es ist für die Betreiber dieser konventionellen Anlagen extrem aufwändig und sehr teuer ist, diese abzuschalten. Demgegenüber erhalten die Betreiber von Wind- und Solaranlagen fürs Einspeisen des Stroms eine fixe Vergütungen von den Netzbetreibern, welche diese Energie an der Börse anbieten und verkaufen. Bei einem geringen oder negativen Strompreis pro kWh wird den Netzbetreibern die sich daraus ergebende Differenz von Verbrauchern und Firmen über die Ökostrom-Umlage (EEG) erstattet. Das waren im Jahr 2013 immerhin ca. 90 Millionen Euro.


    Dieses steigende Überangebot von elektrischer Energie wird von der Firma Deutsche Energieversorgung GmbH genutzt, um ihren angeschlossenen Betreibern von Photovoltaik-Anlagen mit Batteriespeicher umsonst Energie liefern zu können. Diese Firma hat sich - vermutlich - verpflichtet, bei einem aktuellen Stromüberschuss diesen abzunehmen, wird dafür bezahlt und speist dieses Kontingent kostenlos in die Batterien und Zusatzheizungen ihrer Kunden ein.


    Meinen Unterlagen kann ich entnehmen, dass ich pro Jahr max. 800 kWh für die Batterie und max. 2500kWh für eine elektrische Zusatzheizung an meiner Heizungsanlage erhalten könnte. Es wird natürlich darauf hingewiesen, dass ich darauf keinen Anspruch habe, denn ohne Stromüberschüsse gibts keinen "Umsonst-Strom". Dieses Konzept ist Ende 2014 realisiert worden, es sollen demnächst die elektrischen Komponenten und die Steuerungs-System dazu ausgeliefert werden. Das Prinzip ist unter http://www.senec-ies.com/econamic_grid sehr gut beschrieben.


    Natürlich ist dieses Konzept zum einen genial, zum anderen auch mit vielen Unwägbarkeiten verbunden, aber ich bin bewusst dieses "Restrisiko" eingegangen, irgend jemand muss doch mal anfangen, immerhin hat das System schon ca. 4000 Abnehmer gefunden. Den nächsten Monaten sehe ich diesbezüglich mit gespannter Erwartung entgegen.


    Übrigens, auf der Seite http://www.eex-transparency.com/homepage/power/germany ist sehr schön tagesaktuell die Energieproduktion in Deutschland, aufgeteilt in Konvetionell, Sonne und Wind dargestellt.


    Gruss Roland

  • Hallo alterego
    prinzipiell hast Du recht mit den Beschreibungen von EconamicGrid, das hört sich alles sehr positiv an, aber:
    - der Überschuss an produzierter Energie wird in den kommenden Jahren eher steigen
    - bisher partizipieren nur Großabnehmer (Stahl- und Alu-Hütten sowie andere "Stromfresser") vom Stromüberschuss
    - hier wird doch prinzipiell energiestrategisch Neuland betreten, wie der Markt bzw. die großen Energieversorger und die Netztbetreiber darauf reagiert, kann niemand abschätzen
    - ein neues Konzept birgt immmer Unwägbarkeiten und Risiken mit sich
    - EconamicGrid ist in sich stimmig, es kann aber aufgrund politischer gewollter Richtungsentscheidungen (Eigenverbrauchs-Besteuerung, Abschreibungsmöglichkeiten usw.) sehr schnell obsolet werden. Inwieweit die großen Stromkonzerne dabei und in welcher Form mitwirken, wird uns weiterhin verschlossen bleiben.


    Daher werde ich zunächst nur auf die angekündigte kostenlose Einspeisung von Stromüberschüssen in den Batteriespeicher setzen, dass Zusatzpaket für den "Tauchsieder" werde ich in jedem Fall einbauen lassen (sobald verfügbar). Sobald diese "Leistung" tatsächlich und wie angekündigt zur Verfügung steht, werde ich meinen Heiwasserspeicher mit einem Heizstab aufrüsten und an die Senec-Anlage anschließen lassen.


    Gruss Roland

  • Im Prinzip ist das Econamic Grid ja eine gute Idee.
    Allerdings geht es da nicht um die Überschüsse, wie du sie beschreibst und nicht um die negativen Börsenpreise. Dabei geht es um kurfristige Schwankungen (die man nicht prognostizieren kann) die sowohl bei extrem niedrigen als auch extrem hohen Börsenpreisen auftreten können. Das heißt, die Energie, die man da bekommt, ist (fast) unabhängig vom Börsenpreis. Das ganze nennt sich Regelenergie (in diesem Fall bieten die Deutsche Energieversorgung GmbH glaube ich negative Sekundärregelleistung an). Allerdings wird in deren Werbeprospekten das unrichtigerweise auch anders dar gestellt.
    Auch die Drosselung von WKA hat an und für sich nichts damit zu tun, sondern sind eine Folge von Netzüberlastung.


    Nichts desto trotz eine gute Sache und ich bin gespannt, wann die ersten von den ersten Energielieferungen berichten. :) Interessant wird es dann auch, wenn positive Regelenergie angeboten wird. Dann speist man aus seinem Speicher in das Netz und bekommt dafür Geld.

  • Zitat von Ruparnovic

    ...Dann speist man aus seinem Speicher in das Netz und bekommt dafür Geld.


    Da bräuchte man die Speicher nur nach EEG betreiben (also ausschließlich EE-Strom darin speichern - macht imo derzeit kein Anbieter von Speichersystemen, die laden notfalls alle aus dem Netz anch um die Batterie zu pflegen), dann würde man für den eingespeisten Strom die Vergütung für die PV bekommen. So könnte man theoretisch trotz gefördertem Speicher 100% (minus Speicherverluste) einspeisen - lohnt sich aber leider nicht im Geldbeutel so lang die Speicher so teuer sind.

  • Zitat von Ruparnovic


    Nur dass man pro kWh eingespeister Regelenergie wohl einiges mehr bekommen wird als der geförderte Tarif und man ist nicht auf EEG-Strom beschränkt. ;)


    Mal eben nachgesehen, die angebotenen Preise letzte Woche sind extrem unterschiedlich zwischen gut 7ct/kWh und weit über 1€/kWh. War mir nicht klar, daß das so hoch geht, aber die an der oberen Grenze dürften nur selten zum Zug kommen und müssen trotzdem ständig bereit sein (wofür sie auch bezahlt werden, aber das macht bei 2,5kW des G2 keine 2€ aus)

  • Hallo Ruparnovic,


    wenn ich das richtig verstanden habe, kommen die Stromüberschüsse daher, dass in Deutschland nur eine kurzfristige Regelleistung der Grundlast von max. +/-5% möglich ist. Bei Bedarfsschwankungen (bei gleichzeitig viel Sonne und Wind, ggf auch noch an den Wochenenden) können die KW-Betreiber und die Netzgesellschaften die Über- bzw. Unterdeckung nicht ausregeln (ich glaube, man nennt das Redispatch). Das Abschalten von Betreiberanlagen ist auch nicht so einfach, außerdem erhalten die Betreiber großer Anlagen auch einen finanziellen Ausgleich, wenn deren Anlagen vom Netz genommen werden müssen. Das dann zur Verfügung stehende Überangebot hat mit SIcherheit eine Einfluß auf den Strompreis an der Börse. Schließlich gab es in den zurückliegenden Jahren des öfternen Zeiten mit "negativem" Strompreis. Nur in diesen Fällen wird uns die Deutsche Energieversorgungs GmbH Strom kostenlos zur Verfügung stellen können, ansonsten macht sie ja Verluste.


    Die KfW fördert doch Batteriespeicher-Anlagen und bestimmt nicht ohne Hintergedanken. Wenn flächendeckend viele Kleinbetreiber eine Photovoltaik-Anlage in Verbindung mit enem Batteriespeicher nutzen, entsteht doch aus diesem gesamten System ein "riesiger" Pufferspeicher, der extrem kurzfristig genutzt werden könnte, um "Strom-Überschüsse" aufzunehmen bzw. "Stromengpässe" kurzfristig auszugleichen. Dieser "Speicher" stände den Netzbetreibern doch prinzipiell zur Verfügung, ohne das sie darin investieren mussten. Die dazu notwendige Infrastruktur wird meines Erachtens "im Kleinen" jetzt mit dem EcnamicGrid als Pilotprojekt realisiert.


    Ich finde es eher dramatisch, dass die Energie-Konzene die flexiblen, aber betriebskosteninstensiven Gasturbinen abschalten und nur noch die abgeschriebenen und Gewinne abwerfenden Großkraftwerken forcieren. In 2105 sollen nach Angaben der Bundesnetzagentur nochmals Braun- und Steinkohle-Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 6 GW gebaut und ins Netz gehen. Da passt doch was nicht oder sehe ich das alles völlig falsch?


    Gruss Roland