Neue Heizungsanlage. Gas oder Öl? Was zusätzlich?

  • Bei mir wird wohl im nächsten Jahr eine neue Heizungsanlage fällig. Momentan heizen wir unser Haus, knapp 150qm Wohnfläche, 2 Erw / 2 Kinder mit einer 30 Jahre alten Ölheizung und ca. 2000l jährlichen Verbrauch. Warmwasser läuft auch über diese Anlage und wird in einem 170l-Speicher gespeichert. Trotz guter Werte und relativ wenig Verbrauch, soll nächstes Jahr aufgrund Regelungsprobleme beim Warmwasser (Steuerung hat einen Defekt, Ersatzteile aufgrund des Alters wohl nicht mehr lieferbar) die Anlage modernisiert werden. Grundsätzlich bin ich nach allen Seiten offen, aber die Entscheidung wird wohl zwischen Gas und Öl fallen. Wofür ich mich letztlich entscheide, hängt auch von der möglichst effektiven Anbindung meiner PV-Anlage ab. Anbietermäßig habe ich bis jetzt Varianten von einer Gas-Brennwerttherme mit zusätzlicher LWP oder auch Öl-Brennwerttherme mit BWWP. Da ich in der schönen Situation bin, meinen selbstgenutzen Strom auch noch vergütet zu bekommen, ist wohl die Situation etwas anders, als bei neuen PV-Anlagen mit Heizungsanbindung. Oder sehe ich das falsch? Dass ich natürlich nicht unnötig Strom vergeuden will, ist natürlich auch klar, aber ein gesundes Mittel zu finden, ggf. der richtige Weg? Mein durchschnittlicher PV-Ertrag liegt nach 4 Jahren Betrieb bei 1000 kWh/kWp (Prognose 849 kWh/kWp) und 23% Eigenverbrauch.


    Hier erhoffe ich mir jetzt einfach wertvolle Tipps (pro/contra), Erfahrungsberichte zur individuellen Meinungsbildung, aber auch Hinweise auf mögliche Denkfehler.

    7,71 kWp mit 38 x Hyundai HiS-M203SF an SB5000-TL (2x14) & SB2100-TL (1x10), DN:49°, -30° SSO, Inbetriebnahme: 31.08.2010,
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    Seit 28.01.2020 24/14 am SMA STP8.0-3AV-40

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  • Falls das Haus einen Erdgasanschluß hat, würde ich einen Gaskessel empfehlen, sonst Öl, wenn der Vorratsspeicher für Öl noch okay ist. Überschüsse der PV - Anlage würde ich ins Warmwasser leiten.


    Grüße
    -charlie-

  • Hallo hgause,
    der prinzipiell richtige Ansatz ist
    - dichten
    - dämmen
    - heizen
    also zuerst über Energieeffizienz nachdenken, und die Heizungsanlage dann darauf auslegen. Dichten sollte man sowieso, billiger ist Energieeffizienz kaum zu haben. Aber das heisst nicht, dass man Dämmen muss, man sollte sich nur jetzt schon bewusst entscheiden es zu tun oder eben nicht. Ansonsten baut man jetzt eine zu große Heizung ein, die nach einer Dämmung im übernächsten Jahr vollkommen ineffizient läuft. Bei etwa 120 kWh/m2/a ist beim Haus vermutlich schon noch Spielraum zu mehr Effizienz.


    Wenn keine weiteren Effizienzmassnahmen möglich oder gewünscht sind kommt es sehr auf die Vorlauftemperatur der Heizung an. Bei Flächenheizung, oder alten und viel zu großen Heizkörpern, würde ich immer zuerst an eine Wärmepumpe denken. Sole-WP ist natürlich am besten, aber auch am teuersten. Luft-WP geht in vielen Häusern, wenn man sowieso einen Holzkamin für die ganz kalten Tage hat. Wenn nicht schaltet bei mäßig gedämmten Häusern im tiefsten Winter ein Heizstab zu und die Stromkosten fressen einen auf.


    Wenn kein Holzkamin und nur konventionell Heizkörper vorhanden sind, muss man eventuell über ein Gasbrennwertgerät nachdenken. Öl würde ich vermeiden. Mit einem ordentlichen Pufferspeicher und einer kleinen BWWP kann man den PV EV auch noch steigern. Bei einer 2010er Anlage "kostet" Dich der Eigenverbrauch nach EV Bonus noch 16,4 c/kWh, die kWh thermisch also ca. 5,5 c/kWh (plus umgelegte Anschaffungskosten).


    Hoffe das hilft ein wenig


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Zitat von hgause

    Hier erhoffe ich mir jetzt einfach wertvolle Tipps (pro/contra), Erfahrungsberichte zur individuellen Meinungsbildung, aber auch Hinweise auf mögliche Denkfehler.


    Wo befindet sich der Öltank und liegt ein Gasanschluss bis ins Haus?


    Ich würde noch die Alternative Pellet-Kessel rein nehmen und zumindest durchrechnen (von einem guten Anbieter auch anbieten) lassen. Wenn der Öltank bis jetzt im Keller ist, kein Gasanschluss bis ins Haus liegt (die Kosten für einen Gasanschluss mit ca. 20m Weg ab Straße lagen hier zuletzt bei knapp EUR 10.000,-) und Du vielleicht doch weg von fossilen Energieträgern willst, würde ich Pellets empfehlen. Die können einfach in jeden Kellerraum in den dortigen Bunker eingeblasen werden. Wenn der Pellets-Bunker den Öltank im Keller ersetzt paßt es auch räumlich gut. Die Heizkosten liegen i.d.R. unter denen von Gas/Öl und bei nahmhaften Herstellern hat man auch keine Sorgen mehr was Haltbarkeit, Störanfälligkeit z.B. der Brennmaterialförderung oder Fehlern in der Steuerung angeht. Es wäre eine "nachhaltige" Lösung und Du wärst unabhängig vom Weltfrieden, der gerne mal erheblichen Einfluss auf die Energiepreise nimmt.


    Kennst Du den Heizkostenrechner schon?


    Bei einem Stromverbrauch evtl. über 4000KWh im Jahr und Deinem Wärmebedarf von ca. 20.000KWh im Jahr würde ich auch ein wärmegeführtes Gas Mini-BHKW als Lösung in die Überlegungen aufnehmen. Im Winter liefert Dir das BHKW Wärme und zusätzlich Strom und im Sommer kannst Du sechs Monate lang das BHKW komplett abschalten und auf die PV umschwenken, die in der Zeit neben Strom auch für WW verantwortlich ist z.B. über eine BWWP.


    Die Ölheizung würde ich nur als letzte Option wählen, falls alle anderen aus technischen oder finanziellen Akspekten z.B. eines enorm teuren Gasanschlusses ausscheiden. Meiner Meinung nach hat Öl gegenüber Gas höhere Investitionskosten und höhere laufende Kosten sowohl bei Wartung als auch vor allem beim Brennstoff zur Folge.

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

  • Hallo,


    wenn es um eine möglichst gute Einbindung der Pv geht, dann sollte man die neue Heizung auch so bauen, dass man die PV-Erträge entsprechend nutzen kann.


    Dummerweise hat man nur im Sommer und der Übergangszeit genügend PV. Eine elektrische WW-Bereitung ist dann sinnvoll, erstmal egal ob das über eine Brauchwasser-WP geht oder einen Heizstab im Pufferspeicher. Dann kann man mit der PV auch wunderbar eine Split-Klima betreiben, die in der Übergangszeit als Alleinheizung dienen kann. Für den Kernwinter nimmt man dann eine Verbrennungsheizung, Gas, Öl oder Pellet, je nach Belieben.


    Gruß,


    Bolanger

  • Zitat

    Trotz guter Werte und relativ wenig Verbrauch, soll nächstes Jahr aufgrund Regelungsprobleme beim Warmwasser (Steuerung hat einen Defekt, Ersatzteile aufgrund des Alters wohl nicht mehr lieferbar) die Anlage modernisiert werden


    Auch bei uralt Heizungen lässt sich oft kostengünstig eine Steuerung (z.B. Vitotronic) nachrüsten, falls man an die Temperaturabnahmepunkte kommt.


    Schon eine neue Regelung spart einiges an Öl, zum Teil auch eine andere Warmwasserbereitung im Sommer.


    Bei einer uralten Ölheizung ist davon auszugehen, dass eine sehr große Menge Heizöl vorgehalten werden kann. Bei uns sind dies fast 10 000 Liter. So lässt sich in "Krisen" sehr günstig für 4-5 Jahre tanken.


    Ich würde deshalb - je nach Vorlauftemperatur - überlegen einen Ölkondenskessel zu nehmen, und im Sommer das Brauchwasser anderweitig zu erwärmen.

  • 30 JAhre ist schon ziem,ioch alt. Die Anlage kann von heute auf morgen ein Totalausfall sein, der sich nicht mehr wirtschaftlich in Gang bring läßt.


    Wichtig sind auf jeden Fall mehr Details zu Heizkörpern und auf welchem Stand die Gebäudehülle ist.
    Sind es mehrere klein Öltanks oder ein großer?
    IN die Ölgeschichte würde ich bis auf eine Steuerung auf keinen Fall etwas inbestieren. Man kann das Warmwasser ggf. auch mit ner Brauchwasser-WP machen.


    PV-Strom einer Neuanlage ist auf ejden Fall en Ecke güsntiger als Deiner und hilft im Kernwinter fast gar nicht.

    Elektromobile: Renault ZOE ZE40 Car Sharing und Pedelec

  • Okay, dann fange ich mal an, zu antworten:


    Zitat von JayM

    ...


    Weitere Maßnahmen sind erstmal nicht angedacht, aber nicht ausgeschlossen. Holzkamin ist nicht vorhanden und wird wohl wegen bautechnischer "Probleme" auch nicht kommen. Somit ist die Wärmepumpe raus; Sole-WP ist auch kein Thema (mehr).
    Verstanden habe ich nicht, warum Du Öl vermeiden und auf Gasbrennwert setzen würdest. Ebenso ist mir (noch) die Kostenberechnung (5,5 Ct/kWh) der thermischen Energie nicht klar.


    Zitat von seppelpeter

    ...


    - Gasanschluss ist nicht vorhanden und kostet mich laut Gasversorgungsgesellschaft knapp €1500,-
    - Öltank ist im gleichen Raum wie die Heizungsanlage.
    - Pellet-Heizung habe ich auch ad acta gelegt - Überzeugungsversuche zwecklos :wink:
    - Den Heizung-Umstiegsrechner kannte ich nicht - danke.
    - BHKW muss ich mich mit befassen. Aber was mir da schon auffällt, dass ich im Winter neben Wärme auch Strom abgreifen könnte, von dem ich außer im Dezember/Januar schon durch die PV gut versorgt werde. Und ob ich im Sommer die Öl- oder Gasheizung bei Unterstützung durch eine BWWP ausschalte oder das BHKW, das dürfte sich doch nicht viel tun, oder?


    Zitat von Bolanger

    ...


    So ist bisher meine Denke...


    Zitat von Cruso

    ...


    Werde mal schauen, wie kostengünstig so eine Steuerung ist, aber bei einem Alter von 30 Jahren der Heizung würde ich eigentlich ungerne noch etwas investieren.
    Ölkondeskessel sagt mir nicht, werde mich auch da mal informieren.


    Zitat von sundevil

    ...


    - Richtig, 30 Jahre sind schon was und genau wegen dem Totalausfall von heute auf morgen suche ich jetzt eine passende Lösung
    - Das Haus ist von Ende der 70-er und die Substanz eigentlich recht gut. Heizkörper sind teils alte Guß-Körper (Wohnzimmer, Flur, Keller), Röhrenheizkörper (Bäder, Küche) und Plattenheizkörper (3 Schlafzimmer). Sämtliche Heizkörper bzw. die Thermostate brauchen nie voll aufgedreht zu werden, um eine angenehme Temperatur zu erzielen. Selbst im Wohnzimmer (45qm) reicht der eine Heizkörper vollkommen aus (ein zweiter wurde bereits vor mehreren Jahren entsorgt). Das spiegelt sich ja auch im Verbrauch wieder, der letztes (Verbrauchs-)Jahr aufgrund der milden Winters sogar nur bei ca. 1400l lag.
    - Vorhanden ist ein Öltank, knapp 5000l


    Zitat von sundevil

    PV-Strom einer Neuanlage ist auf jeden Fall en Ecke günstiger als Deiner und hilft im Kernwinter fast gar nicht.


    Stehe auch hier gerade auf der Leitung, was willst Du mir damit sagen?

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  • Also 1500€ Gasanschluss ist auch überlegenswert.Auf 30 Jahre gerechnet 4,20€ monatlich.


    Gasbrennstoffzelle +Kleiner Gaszuheizer fürn Winter und hast noch Strom.


    http://www.elcore.com/de/produ…nik/technische-daten.html

    PIP 2424HS an 750Wp 3xShinsung Black Mono250 +1,5Kwp (6xShinsung Black Mono250)
    an FPS 100/50 an Bluebatt 24v 465Ah

    EA Sun ISolar SMV III 3K

    EA Sun SP 3K-24
    Siliken 3,3i 3,25Kwp 13xShinsung Black Mono 250
    VW T4 mit Evective 2000w + Varta 110Ah +0Wp

  • Zitat von hgause

    Okay, dann fange ich mal an, zu antworten:



    Weitere Maßnahmen sind erstmal nicht angedacht, aber nicht ausgeschlossen. Holzkamin ist nicht vorhanden und wird wohl wegen bautechnischer "Probleme" auch nicht kommen. Somit ist die Wärmepumpe raus; Sole-WP ist auch kein Thema (mehr).
    Verstanden habe ich nicht, warum Du Öl vermeiden und auf Gasbrennwert setzen würdest. Ebenso ist mir (noch) die Kostenberechnung (5,5 Ct/kWh) der thermischen Energie nicht klar.


    Hallo hgause,
    Ölheizung ist teurer pro kWh als Gas (90 c/l sind bei 10 kWh/l ca. 9 c/kWh, Gas rund 6 c/kWh) und Du hast eine enorme Brandlast im Haus, wenn mal was passiert. Sauberer/CO2 ärmer pro kWh ist Gas auch noch.
    Vorteil von Öl: man hat Notreserven für Krisenzeiten (habe gerade das Buch "Black Out" gelesen)


    PV EV kostet bei einer 2010er Anlage nach EV Bonus 16,4 c/kWh an entgangener Einspeisevergütung. Bei einem COP von 3 ergeben sich 16,4 c/kWh(elektrisch) / 3 = 5,5 c/kWh(thermisch). Allerdings muss man die zusätzlichen Kosten für die BWWP auch noch umlegen, wenn sie zusätzlich zur Öl-/Gasheizung eingebaut wird.


    Gruß
    Jochen

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