EEG-freie PV-Anlage mit Speicher in Betrieb genommen

  • Liebe Solarfreunde,


    nachdem ich hier im Forum viele nützliche und manchmal auch unnütze Vorschläge und Ideen zur Eigenstromversorgung gefunden habe, habe ich mich jetzt im Forum angemeldet, um meine diesbezüglichen Überlegungen Anderen anzubieten. Ich bin Ingenieur und beschäftige mich seit den 80er Jahren mit Energietechnik, insbesondere Wärmepumpen, Kraft-Wärmekopplung und verwandten Technologien, ich bin aber kein Elektriker.


    Nach langen Überlegungen habe ich mir mit Unterstützung eines, wie Ihr das nennt, Solateurs eine PV-Anlage zur größtmöglichen Eigenversorgung zusammenkonstruiert, installiert und in Betrieb genommen. Hier sind die Grunddaten:


    - 4 KW peak, 15 SI Module
    - 2 Solarregler Victron
    - 1 Inselwechselrichter Victron Multiplus 5000
    - 1 Satz Hoppecke OPZ Batterien 24V/750 Ah, ca. 18 kWh Gesamtkapazität, davon ca. 5,5 nutzbar bei Entladung auf 70%
    - 1 Victron Batteriemonitor
    - 1 Stück 4-poligen manuellen Umschalter 63 A (Wendeschalter)
    - und natürlich die ganze Verkabelung


    Die Anlage läuft seit dem 01.August, seitdem steht der Netzzähler absolut still, das Haus hängt vollständig am Wechselrichter, der je nach Verbrauch und Tageszeit den Strom direkt von den Solarreglern oder aus den Akkus bezieht. Momentan werden täglich ca. 13-15 kWh Strom auf dem Dach erzeugt, die Akkus sind damit abends bei Sonnenuntergang auf 100%. Bis zum nächsten Morgen werden um die 4-5 kWh entnommen, die Akkus haben dann noch 75-80% Restladung.


    Die gesamte PV-Anlage kann zu keiner Zeit ins Netz einspeisen, der 230V Ausgang des Wechselrichters geht über den Wendeschalter nur auf die Hausinstallation. Bei dieser Betriebsweise hat das Haus keinerlei Verbindung zum öffentlichen Netz, da dieser Schalter alle 4 Leitungen direkt nach dem Bezugszähler auftrennt. Es handelt sich also um einen vollständigen Inselbetrieb.


    Im Inselbetrieb sind alle 3 Phasen nach dem Wendeschalter gebrückt, d.h. das Haus arbeitet einphasig. Da der Wechselrichter nur 5kVA, kurfristig auch höhere Spitzen, erzeugen kann, besteht keinerlei Gefahr der Überlastung irgendeiner Leitung. Ohnehin ist ja das gesamte Hausnetz unverändert nach den Regeln der elektrischen Kunst mit beinahe unendlich vielen Sicherungsautomaten von mindestens 16A je Kreis abgesichert.


    Sollte die PV-Anlage ausfallen oder im Winter nicht genug Strom erzeugen, kann mithilfe des Wendeschalters durch einfaches Umlegen der Originalzustand der gesamten Hauselektrik wie eh und je wiederhergestellt werden, d.h 3 x 63 A dreiphasig.


    Bevor ich die Sache in Angriff genommen habe, habe ich Gesetzesvorschriften,VDE-Normen und TABs gewälzt und mit Gott und der Welt telefoniert, um raus zu bekommen, wie die rechtliche Situation aussieht. Und siehe da, so eine Anlage ist komplette Privatsache, selbst wenn hier im Forum der Eine oder Andere das nicht glauben kann oder will. Da die Leistung der Anlage unter 10 KWp liegt, ist die von allen Vorschriften des EEG ausgenommen. Hier sind die wichtigsten Rückmeldungen aus meinen Telefonaten:


    - Bundesnetzagentur: Eine Inselanlage die nicht einspeist bzw. keine Förderung erhalten kann, muss nicht angemeldet werden
    - EVU: Mein Stromversorger hat mir gratuliert, da dessen Politik lautet: Energieerzeugung gehört in Bürgerhand
    - Netzversorger: Solange keine Einspeisung und kein Netzparallelbetrieb erfolgt, interessiert sie das nicht
    - Zollverwaltung: Stromsteuer wird erst erhoben bei diversen MW Erzeugungsleistung
    - Finanzamt: Solange ich kein Stromversorgungsunternehmen (Gewerbebetrieb) aufmache. ist das Projekt nicht steuerrelevant.


    Um einige sicherlich kommende Fragen gleich zu beantworten:


    1) Ist die Leistung von 5 KW des Wechslrichters ausreichend??
    Ja, denn es wird mit Gas gekocht, für die Warmwassererzeugung gibt es eine themische Solaranlage, die auch die Waschmaschine und die Spülmaschine bedient, ein Wäschetrockner existiert nicht. Seit letztem Winter sind ausschließlich LED Lampen installiert.


    2) Was passiert im Winter??
    Gute Frage, irgendwann im Herbst wird die Leistung der PV nicht mehr reichen, die Akkus aufzuladen, dann werde ich sehen, wie sich das Ganze verhält und entscheiden, ob ich alle paar Tage oder permanent auf Netzbetrieb umschalte. Laut Simulation sollte es irgendwann im Oktober soweit sein. Es gibt auch noch die Variante den automatisch schaltenden AC Eingang des Wechselrichters zu verwenden.


    3) Was passiert mit der Überschussleistung im Sommer??? Garnichts, die Solarregler regeln irgendwann den Strom runter, wenn er weder von den Verbrauchern noch den Batterien benötigt wird. Später könnte man ja mal ein E-Auto damit laden. Da die Sonne aber keine Rechnung schickt, kostet mich der Verzicht nichts. In der Summe handelt es sich um einige hundert kWh, eine Einspeisung zu 12 ct rechnet sich nicht, da kostet das ganze Einspeisegedöns mehr als ich in 10 Jahren damit verdienen könnte. Vom damit verbundenen bürokratischen Aufwand will ich garnicht reden, meine Nerven sind viel kostbarer.


    Und das muss für heute reichen.


    Euer Solar-User.

    3,9 kWp Inselanlage, 15 SI Module a 260W, 2x Victron Laderegler MPPT 150/70,
    WR Victron Multiplus 24/5000VA, Speicher mit 24V/750Ah OPZV Hoppecke-Akkus

  • Hallo Solar User,


    bei uns steht seit 10 Tagen eine Referenzanlage mit 15 kwp, 44 kwh Brutto BleiGel
    vier Victron Ladereglern, drei Wechselrichter, Batterieüberwachung in fünf Rittalschränken.


    Ich kann deine Ausführung vollkommen bestätigen.
    Neben der wirklich ausgereiften Technik und den günstigen kwh Preis, möchte ich aber noch auf ein
    nicht quantifizierbares Gefühl hinweisen,
    wenn sich die Zählerscheibe seit Tagen nicht dreht.


    Das Gefühl keinen Atom/Kohlestrom mehr zu verbrauchen: unbezahlbar.


    Auch ich habe lange sondiert, ob es negative Auswirkungen gibt.
    Meine Erkenntnis deckt sich auch hier zu 100% mit deinen Rechercheergebnissen.


    Wer sich eine solche Anlage ansehen möchte, kann sich gerne melden.

    20 Kwp Viessmann Anlage Ost- West , 3 Victron Mutli Plus 48/8000 , Fronius
    16 Pylontech 3,4 kw/h

  • Danke Solar-User,


    Für Deine Infos bezüglich Deiner Anlage und den ganzen rechtlichen Dingen usw.
    Man bekommt es nicht leicht gemacht, eine Eigenverbrauchsanlage netzparallel zu betreiben, wenn man gewillt ist, sie rechtmäßig anzumelden.
    Du hast super Arbeit geleistet, wie ich finde.:mrgreen:

  • Erstmal ein Willkommen hier im Forum und Danke für Deinen Beitrag.


    Die folgende Aussage müßte meiner Ansicht nach nochmals wegen einer möglichen Rückspeisung ins Netz geprüft werden:


    Zitat von Solar-User

    Es gibt auch noch die Variante den automatisch schaltenden AC Eingang des Wechselrichters zu verwenden.

    WSW Dach 70°: Gauben 20x HIT-N240SE10 DN 25°, String auf A1+A2 STP8000TL-10; First 10x HIT-N240SE10 DN 45° auf SB3000TL-21
    ONO Dach -110°: First 10 x HIT-N240SE10 DN 45° teilverschattete Strings auf B STP8000TL-10
    Solar-Log 300, 70% Begrenzung fest

  • Wow, vielen Dank für Anlagenbeschreibung. Genau die legale Version über die ich schon lange nachdenke.


    Kannst Du noch etwas zu dem Kernelement, dem Umschalter schreiben? (Marke, Bezeichnung usw.)

  • Respekt, eine tolle Leistung, eine tolle Anlage :)


    Noch sind mir persönlich die Speichersysteme zu teuer, aber je mehr Berichte ich lese, so wie deinen hier, umso mehr komme ich ins Grübeln :roll: Deine Einstellung zum EEG teile ich voll und ganz, so denken allerdings nur wenige.

  • Sobald eine Rückspeisung ins Netz möglich wäre, ist es keine Insel mehr. Die Anlage würde dann netzparallel betrieben werden. Und dann EEG usw........

  • Daß man nicht-netzparallele Anlagen irgendwo anmelden muß, dürften die wenigsten behaupten.
    Mich würde noch interessieren, wie hoch der Verbrauch vorher so war.
    Schwierigkeiten sehe ich bei der Verwendung des AC-In mit deiner Phasenkopplung hinter dem Umschalter, die an sich die günstigste Lösung bei bestehender Installation ist. Automatisch umschalten wird dann aber schwierig.

  • Liebe Leute,


    das ging ja schnell mit den ersten Reaktionen, danke. Dann will ich auch mal schnell antworten.


    Der Wendeschalter ist ein Katalogartikel von EATON (ehemals Klöckner-Möller),Typ T5B-4-8902-T4, Aufputzgehäuse IP 64, 63A. Schaltleistung. Er wird z.B. als Umschalter zwischen verschiedenen Generatoren oder zur Drehrichtungsumkehr von Elektromotoren verwendet und hat deswegen zwischen den beiden Schaltstellungen eine 0-Position. So kann es niemals eine Überschneidung der beiden Betriebsarten Insel/Netz geben.


    Zur Frage des AC Eingangs des Umrichters. Das funktioniert so: Der Umrichter erkennt irgendwann, dass die Batteriespannung unter einen bestimmten, einstellbaren Wert fällt. Dann schaltet er den AC Eingang direkt auf den AC Ausgang und schaltet den Inverter und die Speisung aus der Batterie völlig ab (es gibt keinen Netzparallelbetrieb, es handelt sich um einen echten Schalter) . Damit das unterbrechungsfrei funktioniert, erfolgt wie bei einem Notstromaggreagat innerhalb von Millisekunden eine Synchronisation. Wenn dann die Batterien irgendwann mal wieder von der PV aufgeladen sind, schaltet der Wechelrichter zurück auf Inverterbetrieb. Diese Variante ist auf jeder einigermaßen anständigen Segelyacht installiert und bisher musste ich beim Anschließen meines Schiffes an Landstrom noch nie einen Antrag beim lokalen EVU stellen, Victron kommt ja aus der Schiffselektrik und hat die Geräte entsprechend konzipiert.


    Zum Verbrauch. Das Haus verbraucht ca. 4.000 kWh im Jahr, ziemlich gleichmäßig verteilt über das Jahr, mit leicht höherem Verbrauch in den Sommermonaten wegen der Umwälzpumpe vom Pool.


    Die automatische Umschaltung über den AC Eingang geht problemlos, das haben wir getestet. Da der AC-In auf denselben AC-Out Ausgang geht wie vorher der Inverter, bleibt die einphasige Betriebsweise erhalten. Auch die manuelle Handumschaltung in den 3-Phasen-Betrieb dauert nur 3 Sekunden, leider muss ich dann wegen des kurzen Stromausfalls meinen Wecker neu einstellen, ansonsten passiert garnichts.



    mfg


    Solar-User


    .

    3,9 kWp Inselanlage, 15 SI Module a 260W, 2x Victron Laderegler MPPT 150/70,
    WR Victron Multiplus 24/5000VA, Speicher mit 24V/750Ah OPZV Hoppecke-Akkus

  • Zitat von MarHa10

    Sobald eine Rückspeisung ins Netz möglich wäre, ist es keine Insel mehr. Die Anlage würde dann netzparallel betrieben werden. Und dann EEG usw........


    Ist aber nicht möglich ohne Umverdrahtungen

    3,9 kWp Inselanlage, 15 SI Module a 260W, 2x Victron Laderegler MPPT 150/70,
    WR Victron Multiplus 24/5000VA, Speicher mit 24V/750Ah OPZV Hoppecke-Akkus