Umsatzsteuer muss anteilig gezahlt werden?

  • Guten Morgen Ihr Lieben,


    wir haben nun seit Ende Oktober 2013 eine PV Anlage mit kfw gefördertem Batteriespeicher und einer Gesamtleistung von 5,8kwp auf dem Dach.
    Die Anlage ist komplett über die Bank finanziert, die Rechnung wurde bezahlt, die Umsatzsteuer in Höhe von knapp 2900€ habe ich recht schnell danach vom FA wiederbekommen.
    Ich mache monatlich meine Umsatzsteuervoranmeldung und nun stehen bzw. sitzen wir vor der Steuererklärung von 2013. Dabei unterstützt uns eine Freundin, die als Steuerfachangestellte bis vor 5 Jahren noch beim Steuerberater gearbeitet hat. Nun meinte sie gestern, dass wir aufgrund der Begrenzung der Einspeisung von 60% (lt. kfw Speicherförderprogramm) nun auch anteilig dann 40% der erhaltene Umsatzsteuer wieder zahlen müssten, weil wir die Anlage ja nicht zu 100% gewerblich nutzen, sondern eben nur max. 60%. Das wären ja im ersten Jahr mal eben 1160€, die wir zahlen müssten. Seit Ende Oktober bis Ende Dezember haben wir gerade mal 27 kwh an die Westnetz verkauft.
    Hinzu kommen ja eigentlich noch UST und EST auf die selbstgenutzen kwh aus der Anlage und dem Batteriespeicher, wie ich das in dem Forum hier eben gelesen habe, was ja auch Sinn macht.


    Mein Mann und ich sind gerade verwirrt, denn davon hatten wir bisher auch nichts gehört. Vielleicht stehen wir auch auf irgendeinem Schlauch, ich weiß es nicht.


    Könnt Ihr hier vielleicht helfen?


    Viele Grüße
    Sonnenschein WD

  • Also.... gerade wenn sie vor 5 Jahren ausgeschieden ist, gibt es aber nun wirklich gar keinen Grund, der diese Auffassung bestätigt.


    Sicherlich kann man ein Wirtschaftsgut nur anteilig dem Unternehmen zuordnen. Wenn man will.
    Aber wenn man will, kann man sich auch ein Brikett an den Schlips binden, sich die Hose mit der Lötlampe zumachen oder ein Loch ins Knie bohren und heiße Milch reinschütten.


    Du kannst die Anlage dem Unternehmen zu 100% zuordnen und somit 100% der Vorsteuer ziehen.
    Der Direktverbrauch ist dann irgendwie zu besteuern.
    Über das "irgendwie" herrscht zur Zeit noch formale Rechtsunsicherheit. Es läuft aber wohl auf die Besteuerung als unentgeltliche Wertabgabe hinaus. Zwar ist die Bemessungsgrundlage dadurch relativ hoch; allerdings kann man auch nach 5 Jahren die KUR zur Anwendung kommen lassen - und schaltet damit die DV-Besteuerung komplett ab. Dann passt es wieder.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Danke, kpr. Das hilft mir schon mal wirklich weiter. Für mich sind Steuern einfach ein Graus.
    Ich muss dann aber nur meinen direkten Eigenverbrauch aus der Anlage versteuern? Das waren in 2013 gerade mal 50 kWh, die wir direkt verbraucht haben. Der Rest ist aufgrund der Jahreszeit leider gekauft worden.


    Das mit der Unklarheit zur Besteuerung habe ich jetzt auch schon gelesen. So langsam komm ich da rein, aber nur langsam :wink:

  • Zählt eigentlich der gepufferte Strom komplett zum Direktverbrauch oder sind die Verluste durch den Wirkungsgrad "Kraftwerkseigenanteil"?


    Sonnenschein_WD : Gibt dein Messprinzip o.g. Unterscheidung überhaupt her?
    Weiter Frage: Hast du den Batteriespeicher auf der Rechnung ausgewiesen oder ein "Stück" PV-Anlage mit allem Drum und Dran?

  • Ich bin ja nun absolut kein Techniker.


    Aber zunächst einmal ist die Formel einfach:
    Erzeugung ./. Einspeisung = Direktverbrauch.


    Ich sehe auch weit und breit keinen Grund, warum das hier anders sein sollte.
    Wenn der Speicher einen gewissen Verlust hat (der dem Verbraucher nicht zur Verfügung steht), so ist das auch "Privatvergnügen"; der Speicher gehört ja gerade nicht zum Unternehmen.


    Ich weiß nicht was "Kraftwerkseigenbedarf" wäre - aber das wäre wohl der Strom zum Betrieb des Datenloggers, oder für den elektrischen Weidezaun rund ums Generatorenfeld. Nicht aber zum Betrieb des Speichers - weil der weder ertrag- noch einkommensteuerlich dem Betriebsvermögen bzw. dem Unternehmen zuzurechnen ist.

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  • Zitat von kpr


    Erzeugung ./. Einspeisung = Direktverbrauch.


    Genau. Was dabei rauskommt hängt aber eben davon ab, wie die Zähler installiert sind.
    Allen, die die Zähler so installiert haben, daß sie nur messen, was aus dem Speicher wieder rauskommt, würde ich dringend raten keine schlafenden Hunde zu wecken. So lang der Elektriker das anhand der geltenden Vorschriften gemacht hat, kann man sich ja auf die beziehen. Was man im Forum so liest, gibt es wohl in der Praxis beide denkbaren Installationen.
    Bei einem DC-gekoppelten Speicher wird man sich aber schon schwer tun einen geeichten Zähler zu finden und die anschließenden Verluste des WR waren imo schon immer Kraftwerkseigenverbrauch.

  • siehst Du.. Du hättest meinen Satz "ich bin kein Techniker" zitieren sollen.


    Bin 100% bei Dir. Kein A#### wird ohne besonderen Grund an der Stelle nachfragen. Soviel Branchenkenntnis darf man vom Innendienst einfach nicht erwarten.
    Hier schlagen die Unzulänglichkeiten der Praxis alle theoretischen Überlegungen.


    Was die Theorie angeht ist die Sache einfach:
    - Verluste des WR sind dem Unternehmen zuzuordnen; weil auch der WR dem Unternehmen zugeordnet ist bzw. der entsprechende Prozess innerhalb des Unternehmens geschieht
    - Verluste eines Speichersystems sind (im Regelfall) der Privatsphäre zuzuordnen, weil auch das Speichersystem bzw. der entsprechende Prozess nicht dem Unternehmen zugeordnet ist / sich außerhalb des Unternehmens ereignet.


    Und - völlig ungeachtet aller technischen Erfordernisse oder Anforderungen / Erleichterungen des EEG - kann die Finanzverwaltung selbstverständlich vom Steuerpflichtigen verlangen, die zur Ermittlung des steuerlichen Sachverhalts notwendigen technischen Messeinrichtungen (ggf. zusätzlich) zu installieren.
    Ansonsten scheitert die Feststellung des steuerlichen Sachverhalts an der Mitwirkung des Steuerpflichtigen - was die Behörde zur Schätzung zwingt.


    Die Theorie ist somit alles andere als toll. Die Praxis durchaus erträglich.
    Dem Rat, keine schlafenden Hunde zu wecken, kann man sich daher nur anschließen.
    Merke: Wenn man in der Scheisse rührt, wird sie nicht weniger - es spritzt nur mehr.

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