Regelgüte zum atmenden Deckel

  • Hallo,


    Im Regierungsentwurf steht unter § 29 "Absenkung der Förderung für Strom aus solarer Strahlungsenergie" der Algorithmus für die zeitnahe Anpassung der Einspeisevergütung, die am Zubauerfolg der Neuinstallationen gemessen wird. Es ist von einem Zielkorridor von 2400 MW bis 2600 MW die Rede. Sowas nennt man Totband. Ein Totband ist das Gleiche wie zuviel Spiel in der Lenkung bei Auto, was dazuführt, dass man Schlangenlinien fährt.



    Die diskrete Stufung ist auch suboptimal, besser wäre ein linearer, kontinuierlicher Eingriff, der symmetrisch nach oben wie nach unten wirkt (siehe Anlagen).


    Stimmt ihr dem zu?


    Zitat

    §29(3) Die monatliche Änderung der anzulegenden Werte nach Absatz 2 Satz 2 verändert sich, in Abhängigkeit des nach § 25 Absatz 2 Nummer 3 veröffentlichte Brutto-Zubau von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie in dem gesamten Bezugszeitraum nach Absatz 5 wie folgt:
    1. positive Abweichung vom Zielwert nach Absatz 1 mal
    einem Faktor von 0,4 Prozentpunkten pro 1000 MW oder
    2. negative Abweichung vom Zielwert nach Absatz 1 mal
    einem Faktor von -0,4 Prozentpunkten pro 1000 MW.


    Analoges gilt auch für die Windenergie, wobei man hier über 2 Jahre mitteln sollte, um den längeren Projektrealisierungszeiten gerecht zu werden.


    Gruß,
    Gunnar

  • Hallo nochmal,


    Ich bin selber kein Regelungstechniker, sondern Wirtschaftsingenieur. Einige wenige Punkte, die es zu vermeiden gilt, habe ich im Rahmen der 50,2 Hz Problematik dennoch gelernt (siehe Anlage Netzanschlussbedingungen, S. 7). Gleiches gilt neben den technischen auch für ökonomische Regelkreise. Hier sollten ebenfalls die folgenden Dinge beachtet werden:
    1. Vermeidung von Totzeiten
    2. Vermeidung von Totbändern
    3. Vermeidung von Hysteresen
    4. Vermeidung von Sprüngen
    5. wenn möglich: lineares Systemverhalten



    Eine Totzeit findet sich ebenfalls zwischen der Messung über ein Jahr als Durchschnittswert und der Anpassung des Einspeisetarifs. Diese Totzeit wurde bei der Solarenergie in §29(5) auf einen Monat reduziert, daher stellt sich die Frage, warum man dies nicht auch beim §28(6) für die Windenergie und im §27(4) für Biomasse ähnlich gestaltet und diese Totzeit von fünf auf auf einen Monat verkürzt. Totzeiten führen zu ungewollten Schwingungen, vgl. mit dem Schweinezyklus, wo die Zeit zur Aufzucht von Muttersauen und Ferkeln von rund 18 Monaten das zyklische Auf und Ab von Preisen und Angebot verursacht. Die längere Projektierungszeit von Biomasse- und Windenergieanlagen darf nicht durch eine längere Totzeit abgebildet werden, sondern über eine angepasste Messperiode. Im einfachsten Fall wäre dies beispielsweise ein Mittelwert über 24 Monate. Streng genommen ist dies suboptimal und man sollte einen sogenannten Tiefpassfilter (PT1: Proportionalglied mit Zeitverzögerung erster Ordnung). Dies entspricht einem exponentiell gewichtetem Mittel, ähnlich wie bei der Kapitalwertrechnung und dem Diskontfaktor, vgl. mit der Excel-Tabelle in der Anlage.


    Gruß,
    Gunnar

  • Da die Vergütung im wesentlichen nur eine Richtung, nämlich nach unten, kennt, sehe ich keinen Grund, warum das System ins schwingen kommen sollte und wenn, wird das Gesetz geändert 8) . Auch eine lineare Änderung würde bei den passenden Rahmenbedingungen ins schwingen kommen.
    Durch die Mittelwertbildung wird die Vergütung noch länger sinken, auch bei 0 Zubau, damit lohnt abwarten nicht. Und im Gegensatz zu Schweinen muß man nicht um jeden Preis verkaufen, die Module werden ja nicht fett oder zäh und wachsen auch nicht (fast) von selbst nach. Die Solarteuere haben, nach dem, was ich hier so lese, kaum Lagerbestände, weil ihnen die Unsicherheit auch zu groß ist, also dürften sich die Lagerkosten acuh in Grenzen halten.
    Imo ist die Vergütung nicht mehr der wichtigste Faktor sich für PV zu entscheiden, während das politische Gezerre eher ein Grund ist sich dagegen zu entscheiden.


    Den Satz

    Zitat

    3. um mehr als 1 400 Megawatt unterschreitet, auf null; die anzulegenden Werte
    nach § 49 erhöhen sich zum ersten Kalendertag des jeweiligen Quartals einmalig
    um 1,50 Prozent.


    habe ich mir schon öfter durchgelesen, ich kapiere ihn immer noch nicht, besodners was genau das "einmalig" meint.

  • Zitat von alterego


    Den Satz


    habe ich mir schon öfter durchgelesen, ich kapiere ihn immer noch nicht, besodners was genau das "einmalig" meint.


    Wenn der Zubau unter 1000 MWP fällt, erhöht sich die Vergütung. Würde man aber 3x um 0,5% erhöhen, würden die Bauwilligen zwei Monate warten und im 3. Monat bauen.
    Um das zu verhindern, wird die Anhebung einmal zu Beginn des 3-Monatszeitraums gemacht.

    Mit sonnigen Grüßen, solarstein

  • Soweim klar, aber wenn dann immer noch niemand baut? Im nächsten Quartal nochmal oder eben nur einmalig 1,5%, egal wie oft noch unterschritten wird?
    Wie gesagt, es glaubt doch niemand im Ernst, daß die Zehntelcent/kWh jemand hinter dem Ofen vorlocken? Wer so knapp kalkulieren muß, der macht es nicht und wer es aus Überzeugung (bzw. insbesondere zum Eigenverbrauch) macht, macht es trotzdem.

  • Zitat von alterego

    Da die Vergütung im wesentlichen nur eine Richtung, nämlich nach unten, kennt, sehe ich keinen Grund, warum das System ins schwingen kommen sollte und wenn, wird das Gesetz geändert 8) . Auch eine lineare Änderung würde bei den passenden Rahmenbedingungen ins schwingen kommen.
    Durch die Mittelwertbildung wird die Vergütung noch länger sinken, auch bei 0 Zubau, damit lohnt abwarten nicht.


    Erstmal ist die Regelung in Stufen ausgestaltet, das ist generell schlecht gegenüber einer kontinuierlichen, proportionalen Wirkung. Und zum anderen braucht man sich nur die Übertragungsfunktion des gleitenden Mittelwerts anzuschauen: die hat recht viele Hügel. Anschaulich erläutert bedeutet dies, dass eine leichte Verschiebung der Frequenz des Inputsignals eine deutliche Veränderung des Verstärkungsfaktors zur Folge haben kann.
    [Blockierte Grafik: http://i.stack.imgur.com/foTMI.gif]


    Ich würde erwarten, dass eine gewisse Saisonalität vorhanden ist, weil ohne die Jahresendralley man ggf. weniger stark motiviert ist, im Winter auf (verschneite) Dächer zu klettern. Wenn das aber nun keine 12 Monats sondern eine 11 oder 13 m Periode ist, dann kann der Filter eines Durchschnitts die Ergebnissse verfälschen. Ein stinknormaler Tiefpass ist hier deutlich gutmütiger (= exponentiell gewichteter Durchschnitt).


    Gruß,
    Gunnar