Altes Haus - Baumeister beim Kauf nötig?

  • Altes Haus - Bauingenieur beim Kauf nötig?
    Hallo,


    wir sind auf der suche nach einem haus. Bis jetzt haben wir nur ältere häuser gefunden die wir mit dem ersparten Geld bezahlen könnten. Da wir ein schönes haus aus den 70er jahren gesehen haben, stellt sich die Frage, ob wir bei einer zweiten Besichtigung einen Fachmann mitnehmen sollten (der uns sagt, was da alles an Kosten auf uns zukommen kann).


    Können mit dem Alter schon die Dächer, Leitungen, Heizung etc. schon alt sein?


    Danke

  • Alt sein sicherlich, aber obs marode ist muss nicht sein, man sollte immer bei einer so hohen Inverstition einen Fachmann mitnehmen. Auch sich auf seine Sinne zu verlassen ist ganz gut.


    - eine Heizung aus den 70igern muss sicherlich gewechselt werden
    - die Dacheindeckung wird sicherlich auch nicht mehr die beste sein


    gruß

    7,92kwp Heckert 220wp mit Solaredge geteilt auf - 12 x Ost - 12 x Süd - 12 x West -> viel Schatten ;(
    7,98kwp TrinaSolar 210wp mit Solaredge 38x Südost -> wer baut so viel Schornsteine, Gauben etc. auf das Dach *g*


    http://www.thermographie24.com

  • Ich kann mich gerade eines gewissen Kopfschüttelns nicht erwehren!
    Du willst ein Haus kaufen, dass lt. Beschreibung irgendwas zw. 100.000 und 200.000 Euro kosten soll und willst beim Experten sparen?!


    Nur so als Denkansatz:
    Ein Arbeitskollege hat einen Baugutachter zu der Begutachtung mitgenommen als klar war, dass das Haus gekauft werden soll, wenn es keine K.O.-Kriterium-Mängel hat. Aufgrund von Problemen mit den Fenstern die erst dem Gutachter auffiehlen, wurde der VK-Preis nochmal um 3000 Euro gesenkt. Der Gutachter hat 800 Euro gekostet.


    Ein Kumpel der sein Haus ohne Baugutachter kaufte hat leider die maroden Fenster und die marode Heizung übersehen. Zusatzkosten von knapp 15.000 Euro. Aber knapp 1000 Euro für den Gutachter gespart.


    Wer hat wohl das bessere Geschäft gemacht?

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
    10,56 kWp Yingli YL240P-29b, SMA STP 10000TL-10; Ausr.: -110° (Ost); DN 33°; seit 01/2013


    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Die meisten Gutachter/Bauing./Architekten die ich beim Hauskauf und -bau kennen gelernt habe, haben sich im nachhinein immer selbst durch Einsparungen beim Kauf/Bau-preis selbst finanziert und es ist neben einer ordentlichen Qualität auch meist noch ein Batzen Erspartes über geblieben.


    VG

  • abgesehen davon, dass ich das rein von der Kompetenz her für unabdingbar halte.....


    schon aus verhandlungstaktischen Gründen ist es gut, wenn ein Dritter dabei ist, der dem Verkäufer die schlechten Botschaften überbringt. Kaufpreisverhandlung ist immer auch psychologische Kriegsführung.
    Wenn Du als Laie mit irgendwelchen Zahlen rumeierst, belastet das nur die Stimmung. Der Verkäufer weiß ja auch das Du kein Experte bist - und hast von daher für ihn keine Glaubwürdigkeit. Ein Architekt o. Bausachverständiger hat da gleich ein anderes Standing. (Und ist halt hinterher nicht dabei, wenn die Gemeinsamkeiten gefordert sind.)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Jepp, bei solch einer Investition, macht es Sinn einen Fachmann dabei zu haben. Man kann erstmal ohne besichtigen und wenn das Objekt dann in die engere Auswahl kommt den Profi dabei haben. Habe ich auch so gemacht.

  • Auf jeden Fall mit experten und gerade bei 70er Jahre wäre ich besonders vorsichtig, da da mekrwürdige Bauweise verbreitet waren, die aus heutiger Sicht schon eine Bauruine sein können...

    Elektromobile: Renault ZOE ZE40 Car Sharing und Pedelec

  • Hallo,


    ich rate auch zu einem Fachmann, der das Objekt näher besichtigt. Am besten ein Praktiker, keinen Schreibtischtäter. Wir hatten bei unserem Hauskauf einen Architekten und einen Zimmermann dabei.


    Da Problem ist, dass viele Mängel nicht offensichtlich sind. Und nicht jeder Makler/Verkäufer ist glücklich, wenn der Zimmermann mal mit dem Latthammer hinter die Gipskartonplatte schaut...


    Es gibt bei einem Haus aus dieser Epoche allerdings ein paar Punkte zu bedenken.


    - Mineralwolle (Glaswolle und Steinwolle): Erzeugnisse, die vor 1996 hergestellt worden sind, gelten als potenziell krebsauslösend. Seit 1996 dürfen solche Mineralwollprodukte in D nicht mehr hergestellt werden und seit 2000 auch nicht mehr verarbeitet werden. Ältere Mineralfaser-Werkstoffe sind grundsätzlich als problematisch anzusehen, beim Ausbau sind entsprechende Schutzmassnahmen zu treffen. Das Problem ist die massive Kontamination des Umfelds beim Ausbau.
    Siehe auch Information Umgang mit Mineralwolle-Dämmstoffen (Glaswolle, Steinwolle) Handlungsanleitung von der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung.


    - Asbest. Der Klassiker unter den Problemstoffen. Findet man in Nachtspeicheröfen, Faserzement-Produkten und auf den Unterseiten von PVC-Bodenbelägen. Leider waren gerade die 1970er Jahre eine Blütezeit dieser Asbestanwendungen. Speziell bei verklebten PVC-Böden und Faserzement-Produkten (Dachplatten, Fassadenplatten) kann das schnell zum finanziellen Totalschaden führen. Ein Ausbau und die Entsorgung ist nur durch Fachbetriebe unter strengen Schutzauflagen zulässig. Wir hatten Asbest-Nachtspeicheröfen im Haus, der Entsorger wollte die - weil zu schwer - im Raum zerlegen (die Arbeiter wären geschützt gewesen, unsere Räume anschließend kontaminiert). Da habe ich eingegriffen und wir haben die unzerlegten Öfen komplett mit Tape abgeklebt und auf Schwerlastrollen, Besenstielen und Bohlen en bloc aus dem Haus geschafft und abtransportieren lassen. Ob ein Nachtspeicherofen betroffen ist, kann man in verschiedenen Datenbanken im Web herausfinden. I.d.R. sind NSÖ vor 1976 asbesthaltig.


    - PCB, PCP: Chemikalien, die lange und gerne in Holzschutzmitteln und Fugendichtmassen drin waren. Auch so ein 70er-Jahre "Knüller".


    - Fenster, Wärmedämmung, Heizungstechnik dürften nichts mehr mit den geltenden Standards gemein haben. Auch ist zu prüfen, welche Massnahmen bei einem Erwerb zwingend vorgeschrieben sind (Altbau-Sanierungspflicht) und vor denen sich der Verkäufer bisher gedrückt hat.


    - Elektrik: einfach mal einen Steckdoseneinsatz herauschrauben und die Leitungen ansehen: blau, braun und grün-gelb sollten sie sein und es sollte keine "Nullung" vorliegen (Brücke zwischen Schutzkontakt und Neutralleiter).
    Zählerschrank: liegt bei Altbauten meist innerhalb der Wohnung, was die VNBs heute nicht so gern sehen. Für PV sind die bestehenden Zählerschränke zu klein, d.h. ggf. muss der Zählerschrank erneuert und umgezogen werden, was sehr viel Aufwand ist.


    - Kamine: je nach künftig vorgesehener Heizungsart kann ein existierender Kamin ungeeignet sein oder müsste nachgerüstet werden (säurefestes glasiertes Innenrohr z.B.) oder durch einen anderen ersetzt werden. Einzelöfen und eine zeitgemäße Heizanlage dürfen i.d.R. nicht den selben Kamin nutzen.


    - Dachhaut: ein 50 Jahre altes Dach kann noch gut sein, wenn ich aber vor habe, eine PV-Anlage draufzubauen, die 25 Jahre arbeiten soll, dann wären die Ziegel möglicherweise weit vor dem Lebensdauerende der PV-Anlage fällig. Also neu eindecken, dann hat man Ruhe und wenn das Gerüst vom Dachdecker schon steht, gleich die PV-Anlage montieren (lassen).


    Das wären so meine Punkte, die man bei Kaufpreisverhandlungen zum Abzug bringen kann/sollte.


    Grüsse


    Tom

    5 Wp mono an 6V-Teichpumpe
    40 Wp Faltmodul mono f. 12V-Peltier-Kühlbox
    2x 2x30Wp mono als "Eigenbau-Solarkoffer" für 12V-Akkuboxen
    1x195Wp mono an IVT SCD-20, 2x12V/115Ah Gel u. 600W Sinus-WR im Reisemobil (Unimog 1300L mit Shelter)

    2x 195Wp mono Westdach als "Lückenfüller" für 12V und 24V Laderegler (z.B. Erhaltungsladung Unimogbatterie)

    21x195Wp mono Westdach an Outback Flexpower One und 4x12V/125Ah Gel

  • Energieausweis ist ja schon lang Pflicht und da sieht man schon mal, wie es mit der Heizung und Isolierung grundsätzlich aussieht. Bei einem Haus aus der Zeit muß es auf jeden Fall ein bedarfsorientierter sein, weil der Verbrauch von Leuten deren Gewohnheiten man nicht kennt (alleinstehender Alteigentümer, der nur die Küche heizt...), gar nichts aussagt.
    Oft nicht möglich, aber ich schaue mir Häuser oder Wohnungen lieber vor der Renovierung an, da sieht man, mit dem entsprechenden Blick dafür, viel mehr. Viel zu oft wird halt nur überpinselt - wie beim Auto, eine Grundreinigung für 200€ bringt leicht 500€ mehr Verkaufspreis.