Nach 5 Jahren zur Kleinunternehmerregelung wechseln ???

  • Hallo ,


    ich betreibe seit September 2013 eine kleine PV-Anlage mit 4,2 kW/p. Ich habe die Anlage zu 100% dem Unternehmensvermögen zugeordnet um die komplette Vorsteuer erstattet zu bekommen. Dafür muss ich nun auf alle Zahlungen von meinem Energieversorger (Einspeisung) die Vorsteuer ans Finanzamt abführen und auch eine unentgeltliche Wertabgabe für meinen selbst verbrauchten Strom abführen. Soweit so gut.


    Nun habe ich gehört, man kann nach Ablauf von 5 Jahren auch zur Kleinunternehmerregelung wechseln.
    Macht das Sinn ???
    Was würde sich dann für mich ändern.


    Sollten nach diesem Wechsel dann weitere Rechnungen/Anschaffungen für die Anlage anfallen, könnte ich keine Vorsteuer mehr abziehen, das ist klar.


    Folgende Fragen werfen sich dann für mich auf:


    1. Muss ich weiterhin die unentgeltliche Wertabgabe für meinen selbst verbrauchten Strom abführen ????


    2. Muss ich weiterhin für Zahlungen von meinem Energieversorger (Einspeisung) die Vorsteuer ans Finanzamt abführen ???


    3. Muss ich evtl. sogar bereits erstattete Vorsteuer vom Finanzamt wieder zurück zahlen ???


    Wer kennst sich mit dieser Sache aus, oder hat selbst Erfahrungen damit ??


    Gruß,


    Michael

    Meine Anlage:
    12 x SUNPOWER SPR-21-345 - Gesamtleistung: 4,14 kWp
    NEDAP PowerRouter PR37SB mit 3-Phasen Sensor
    HOPPECKE bloc solar.power 370OPzV (C10=308 Ah / C100=400 Ah)

  • Hallo


    mein Wissensstand bisher...


    Zu 1:
    Als Kleinunternehmer ist man nicht mehr Umsatzsteuerpflichtig. Also keine Steuern auf unentgeltliche Wertabgabe.


    Zu 2:
    Dem Netzbetreiber muß man das natürlich auch mitteilen und bekommt dann die Abschlagszahlungen gleich ohne Steuer.
    Dann fällt das auch weg.


    Zu 3:
    Meines wissens kann man nach 60 Monaten, zur KUR wechseln ohne dass man die erstattete Vorsteuer zurückzahlen muß.
    Wenn man eher zur KUR wechselt fällt pro Monat 1/60 Rückzahlung an.
    Ein Wechsel erfolgt zum Jahresanfang.
    Meine Anlage läuft seit Oktober 2013.
    Mein Termin zum Wechsel wäre dann Januar 2019.


    Gruß Ingo

    7,02 kwp, 27 x Solar Fabrik AG Premium Poly L 260 Watt, SMA Tripower 6000-TL20, Sunny Home Manager, SMA Energy Meter, SMA Sunny Island 6.0H, 568 AH(C10) PZS Batterie mit 13,5 kwh nutzbarer Speicherkapazität

  • zu 1) nein. Endlich mal eine Situation, wo der PV-Betreiber aus seiner Exotenstellung einen Vorteil ziehen kann


    zu 2) Die Frage ist verkorkst gestellt - und lässt sich daher nicht beantworten.
    Bisher bist Du verpflichtet Umsatzsteuer von Deinem VNB zu erheben und an das FA abzuführen.
    Mit Wechsel zur KUR brauchst Du keine Steuer zu erheben; bekommst keine und brauchst keine abzuführen.
    Einnahmenseitig also völlig neutral.


    zu 3) Ja. Der Wechsel zur KUR ist eine Veränderung der für den Vorsteuerabzug maßgeblichen Verhältnisse nach §15a UStG.
    Tritt der Wechsel vor Ablauf von 60 Kalendermonaten nach erstmaliger Verwendung ein, so ist für jeden nicht abgelaufenen Monat 1/60 der Vorsteuer zu berichtigen (und zurückzuzahlen).
    Die Kunst ist es demzufolge, nicht nur stupide die 5 Veranlagungszeiträume = Kalenderjahre Bindefrist der Option zur Regelbesteuerung zu beachten - sondern auch den Berichtigungszeitraum von 5 Jahren ab erstmaliger Verwendung im Auge zu haben.
    Evtl. kann es günstiger sein, meinetwegen bei erstmaliger Verwendung im Dezember 1/60 der Vorsteuer zurückzuzahlen - und dafür 11 Monate die USt auf die unentgeltliche Wertabgabe unter den Tisch fallen zu lassen. Ein Rechenspiel - dass sich nur anhand konkreter Zahlen lösen lässt.



    Ich kenn mich damit aus (zumindest wenn man unterstellen darf, dass meine Arbeitgeberin glaubt, Gehalt und Bonus seien sinnvoll angelegtes Geld.) - Und ja... die Vorsteuerberichtigung nach §15a UStG da hab ich Erfahrungen. Ich stand kurz vor dem Wahnsinn. Allerdings ging es auch um ca. 10.000 Wirtschaftsgüter die sukzessive ab 1980 produziert worden sind.,

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo,


    hört sich also für mich so an, als ob der Wechsel Sinn machen würde.


    Muss beim Wechsel noch Irgendwas wichtiges beachtet werden, oder reicht ein ausgefülltes Formular ans Finanzamt und die Info an den Energieversorger.


    Muss ich als Kleinunternehmer trotzdem noch eine EÜR erstellen ?


    Wird die Anlage dann noch weiter abgeschrieben ?


    Muss man die Einnahmen vom Energieversorger (Einspeisung) als Einnahme aus Gewerbebetrieb angeben ?


    Oder anders gefragt, was muss ich dann noch wo angeben ?


    Vielen Dank,


    Michael

    Meine Anlage:
    12 x SUNPOWER SPR-21-345 - Gesamtleistung: 4,14 kWp
    NEDAP PowerRouter PR37SB mit 3-Phasen Sensor
    HOPPECKE bloc solar.power 370OPzV (C10=308 Ah / C100=400 Ah)

  • Der VNB (nicht: der Energieversorger) erfährt davon auf Deinen Rechnungen.
    Läßt man dem VNB die Abrechnungslast - muss man es ihm anzeigen, und hoffen, dass er es umgesetzt bekommt.
    (Ansonsten: wenn der VNB das erst verzögert umsetzt, geht für die zwischenzeit ein hübsches A##schgef#icke los.)


    Das FA erfährt davon, indem in der nächste USt-Erklärung die KUR angekreuzt ist.


    Einnahmenübeschussrechnung (EÜR) (inclusive der Abschreibung) sind ertragsteuerliche Themen - die haben mit der KUR gar nichts zu tun und bestehen unverändert fort.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Mit der Mitteilung an den VNB, das habe ich noch nicht verstanden.
    KUR hieß für mich bislang, dass ich von eingegangenen Rechnungen keine MwSt mehr abziehen kann, andererseits empfangene MwSt aber auch behalten darf. Einfach gesagt, das Thema MwSt ist für mich nicht mehr existent.
    Wenn ich nun vom VNB keine MwSt mehr bekomme, entsteht mir doch ein Nachteil?

    36 Ost + 20 West JT Solar 200W an SMA Tripower 9000
    30 Ost Trina 210 W an SMA Sunny Boy 5000
    Speicher mit SI 3.0 und Staplerbatterie ???Ah im Bau

  • Die Kleinunternehmerregelung ist eine Verwaltungsvereinfachung.
    17.500 Euro; 19% Umsatzsteuer macht maximal 3.325 Euro Einnahme für den Fiskus. Vermutlich aber deutlich weniger (weil ja Vorsteuer gezogen werden kann; und nicht jeder an die 17,5 heran kommt).
    Da ist der Bändel für den Fiskus nicht nur teurer als der Sack - sondern auch noch als der Inhalt.


    Ergo ist die KUR nichts anderes als eine faktische Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht:
    Der Unternehmer muss keine Steuer erheben; braucht keine abführen. Darf aber auch keine vereinnahmen.,
    Der Unternehmer darf keine Vorsteuer mehr ziehen.


    So funktionierts. Und nicht anders.


    Ein Nachteil ensteht Dir - einnahmenseitig - nicht:
    - Du bekommst vom VNB keine USt mehr; brauchst aber auch keine Steuerabzuführen ==> Nullsumme
    - Du kannst aus Eingangsrechnungen keine Vorsteuer ziehen - aber da ist ja eh nichts; oder kaum was
    ==> kein Nachteil. (Klar.. wen ein neuer WR fällig wird, wirds kritisch. ABer dann kann man ja wieder wechseln.


    Das - sozusagen als Reflex - auch die Besteuerung des Direktverbrauchs unter den Tisch fällt, ist eine (faktische) Ausnahme.
    Hier liegt Dein Vorteil
    (Üblicherweise haben die typischen Kleinunternehmer (Hobbyfotografen, Kinderbuchillustratoren, Trauerredner) keine unentgeltlichen Wertabgaben.)


    Bisher (bzw. für Anlagen die vor dem 1.4.12 ans Netz gegangen sind) gibt es keine unentgeltliche Wertabgabe.
    Der "positive Nebeneffekt", dass die Umsatzbesteuerung des Direktverbrauchs wegfällt, tritt hier nicht ein.
    Deswegen war (ist) die KUR auch für diese Altanlagen kein Thema; bzw. nur extremsten Ausnahmefällen.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Zitat

    ABer dann kann man ja wieder wechseln.


    Wie geht das praktisch vor sich? Kann man das "unbegrenzt oft" machen? Wieweit Rückwirkend?

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II