Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Was alles passiert beim Betrieb von Solaranlagen

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Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon Ricross » 13.09.2018, 23:45

Hallo zusammen,

ich bin im Bereich Photovoltaik derzeit noch relativ neu (Einarbeitungsphase). Erste Startschwierigkeiten sind mittlerweile überwunden, als „ungelernter“ Maschinenbauer bin ich aber stets auf der Suche nach weiteren Infos. Ich habe zum Thema Auslegung diverse kompetente Ansprechpartner, welche ich immer wieder um Rat fragen kann. Woran es derzeit allerdings noch hapert ist die systematische Fehlersuche an Anlagen. Hier habe ich zur Zeit auch noch keinen Ansprechpartner an den ich mich wenden kann. Deshalb möchte ich es nun einfach mal auf diesem Weg versuchen. (Für eine Schulung zum Thema bei einer bekannten Firma werde ich mich die Tage noch anmelden).

Zwei konkrete Beispiele aus der Praxis, für welche ich aber recht zeitnah einen Lösungsansatz bräuchte:

1. Zentralwechselrichter Fronius IG 500 mit 20 Strings á 10 Modulen (200 x IBC Solar IBC-225M MEGALINE). Jeweils 10 Strings werden über einen StringControl zusammengefasst. Wir haben nun vor kurzem mit einer Strommesszange die Strings durchgemessen, um mögliche Fehler zu finden. Tatsächlich hatten wir an 5 von 20 Strings 0A. Die Schmelzsicherungen im StringControl wurden daraufhin überprüft, eine war tatsächlich defekt und wurde dann getauscht. An den verbleibenden 4 String sind die Sicherungen aber alle okay, dennoch haben wir 0A (bin mir derzeit aber noch etwas unsicher, wie unser Messgerät genau rundet). Ich habe unseren Elektriker daraufhin auch die Spannungen messen lassen, diese haben sich im Bereich von ca. 150V bewegt (Wetter um die 22°C und sonnig, vereinzelte Wolken). Sämtliche Module wurden bereits zwei Mal auf Hotspots o.ä. gecheckt, sieht soweit aber alles top aus (nicht mit Thermografie, nur durch Ablaufen der Anlage). Am Wechselrichter liegen auch grundsätzlich keine Fehlermeldungen o. ä. vor. In einem der betroffenen Strings habe ich dann einfach mal die Module (ca. 5 Stück) vom Dach genommen und die Kabel auf mögliche Beschädigungen geprüft. Aus Zeitgründen war an dem Tag nicht mehr möglich, das sah soweit aber auch alles okay aus (keine Beschädigung der Isolierung zu sehen). Nun zur konkreten Frage: Zur welche Herangehensweise könnte man hier raten? Die kompletten Stringkabel verfolgen und auf weitere Beschädigungen überprüfen? Das wäre aber eher eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Hat ggf. jemand eine andere Vermutung und rät zu Methoden wie Thermografie, Kennlinienmessung oder Elektrolumineszenzmessung? Ich kenne mich zwar mit allen drei Verfahren noch nicht tiefergehend aus, weiß aber zumindest um deren Existenz. Das wird in der kommenden Schulung dann auch noch behandelt, ungerne lasse ich den Kunden aber so lange abwarten.

2. Der zweite Kunde besitzt eine kleinere Anlage. SolarMax 6000s mit 29 Modulen (IBC Monosol irgendwas um die 200Wp). Verschaltet sind diese zu 3 Strings á 9 Modulen, welche zusammengefasst werden und dann als ein String am WR ankommen. Durch Beobachtungen hat der Kunde festgestellt, dass er im Vergleich zum letzten Jahr im Juli und August diesen Jahres geringere Erträge als im letzten Jahr hatte. Das sollte eigentlich nicht so sein, da dieses Jahr bzgl. Sonnenstunden definitiv top war. Erneut wurden Sicherungen gecheckt (->alle okay) und die Module auf Hotspots o.ä. abgesucht (auch alles okay). Stromstärken gemessen -> ca. 4A, ca. 4A und ca. 2A (genaue Messergebnisse erhalte ich morgen noch vom Kollegen, Wetter zum Messzeitpunkt komplett bewölkter Herbsttag allerdings ohne Niederschlag). Am Wechselrichter liegen auch hier grundsätzlich keine Fehlermeldungen o. ä. vor. Nun quasi die gleiche Frage wie oben: Hat jemand einen konkreten Tipp zur Herangehensweise? Habe vorhin kurz etwas gegoogelt und mich mal über Probleme mit Bypass-Dioden belesen. Sowas könnte es meiner Meinung nach schon sein, bin mir aber unsicher. Dazu könnte man natürlich eine Dunkelkennlinien- oder Elektrolumineszenzmessung machen. Gerne möchte ich den Aufwand aber auch beschränken, da es sich nur um eine 6 kWp Anlage handelt.


Vielleicht kann hier wirklich jemand etwas Input geben. Bedanke mich bereits bei allen, die den Text überhaupt bis hier gelesen haben :-P

Gruß
Ricross
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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon Jonnycash » 14.09.2018, 07:57

im ersten Fall wäre eine Wärmebilduntersuchung meine erste Wahl
im zweiten Fall würde ich zunächst eine Kennlinienmessung an allen 3 Strings durchführen.
Beide Methoden verlangen nach einem sonnigen Tag mit gleichbleibender Einstrahlung.
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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon Ricross » 14.09.2018, 13:45

Hallo Jonnycash,

danke für deine Antwort. Nach was würde ich bei der Wärmebildmessung suchen? Auf Hotspots haben wir ja schon gecheckt und nichts gefunden. Welche Vermutung hast du denn, welches Bild sich mir durch die Wärmebildkamera zeigen müsste? Welche Rückschlüsse könnte ich daraus dann vsl. ziehen?

Zur Kennlinienmessung: Hier habe ich schon etwas über Dunkelkennlinien gelesen, das könnte man dann ggf. auch bei Nacht machen, falls das mit dem Wetter dieses Jahr nichts mehr wird. Aber unabhängig davon: Was soll mir die Kennlinie dann genau zeigen? Also nach welchen Auffälligkeiten würde ich suchen?

Sorry für die ganzen Fragen, bin hier aber leider echt noch Anfänger.

VG
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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon kalle bond » 14.09.2018, 15:05

Ricross hat geschrieben:ich bin im Bereich Photovoltaik derzeit noch relativ neu (Einarbeitungsphase). Erste Startschwierigkeiten sind mittlerweile überwunden, als „ungelernter“ Maschinenbauer bin ich aber stets auf der Suche nach weiteren Infos. Ich habe zum Thema Auslegung diverse kompetente Ansprechpartner, welche ich immer wieder um Rat fragen kann. Woran es derzeit allerdings noch hapert ist die systematische Fehlersuche an Anlagen. Hier habe ich zur Zeit auch noch keinen Ansprechpartner an den ich mich wenden kann. Deshalb möchte ich es nun einfach mal auf diesem Weg versuchen. (Für eine Schulung zum Thema bei einer bekannten Firma werde ich mich die Tage noch anmelden).


Hallo,
arbeitest du denn in einer Firma oder einem Projektbüro?
Da muß doch ein Kollege mit Felderfahrung sein, der dich in das Thema einarbeitet?
Ehrlich gesagt finde ich es merkwürdig, dass man einen Newbee ohne Begleitung auf solche Anlagen losläßt.
Oder traust du dich nicht, Fragen zu stellen? Du schreibst doch, "Wir haben vor kurzem ..." - wer war denn der Kollege?
Bei 1 kommt mir die Stringspannung sehr niedrig vor - 10 Module im String á 30 V?
Zu 2 kann ich nur sagen - 29 Module - 3 Strings á 9 Module :wink:
Konkretere Tipps können wir sicher noch später besprechen.

Generell zu Fehlersuche: Seite von Photovoltaikbuero und natürlich die Lehrgänge bei Fronius und SMA.
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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon Retrerni » 14.09.2018, 22:46

Also bei Null Strom und kaum Spannung tippe ich mal auf defekte Steckverbinder oder beschädigte Bypass-Dioden.
Im Zweifelsfall würde ich bei einer Freiflächenanlage (dabei dürfte es sich bei 1. ja handeln?) sollte es ja kein Problem sein, die Strings da mal eben zu halbieren und dann die Spannungen zu messen (durch eine EFK!).

Ciao

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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon machtnix » 15.09.2018, 02:22

Lass da mal einen Elektriker ran, das ist nix für Laien.
Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!
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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon Ricross » 21.09.2018, 12:56

Hallo zusammen,

erstmal danke für eure Antworten. Wir haben den Fehler bei der 2. Anlage bereits gefunden, nach Tausch des SolarMax war der Fehler behoben.

Bei der ersten Anlage sind wir nächste Woche noch auf Suche und prüfen das. Werden hier die Kabel nochmal genauer checken aber auch die Module teilweise einfach mal einzeln prüfen (Kurzschluss/Leerlauf).

Mal schauen was wir hier dann finden.

VG
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Re: Suche Praxistipps zur Fehlersuche an PV-Anlagen

Beitragvon McQ » 21.09.2018, 13:26

Ricross hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich bin im Bereich Photovoltaik derzeit noch relativ neu (Einarbeitungsphase). Erste Startschwierigkeiten sind mittlerweile überwunden, als „ungelernter“ Maschinenbauer bin ich aber stets auf der Suche nach weiteren Infos.


Also in der Einarbeitungsphase würde ich solche Arbeiten und Fehlersuchen nicht machen. Da du Maschinenbauer bist, vermute ich mal dass du auch keine "Elektrofachkraft" bist! Ergo darfst du solche Arbeiten gar nicht machen! Frag mal deinen Arbeitgeber was er zum Beispiel zum Thema Versicherungsschutz so sagt.

Als Kunde würde ich zudem auf die Barrikaden gehen, wenn mein Solarteur mir einen "ungelernten Maschinenbauer" zur Fehlersuche ("Nadel im Heuhaufen") schickt und ich das ganze auch noch bezahlen soll.
Nichts gegen dich persönlich, aber solche Arbeiten überlässt man lieber qualifizierten und geschulten Fachkräften.
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