Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

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Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon kammann » 15.03.2017, 22:34

Hallo,

ich führe gerade eine etwas merkwürdige Diskussion mit dem Bayernwerk über die „Mindestausstattung“ eines eHZ. Beim Neubau unseres Hauses vor 5 Jahren wurde vom Bayernwerk ein eHz von Hager installiert, welcher sowohl per D0-Schnittstelle (blinkende LED) als auch S0-Schnittstellt (IR, seriell) auslesbar war.
Ende letzten Jahres kündigte das Bayernwerk an, den Zähler wg. einer Überprüfung der Eichung austauschen zu wollen. Als Ersatz wurde ein eHZ von iskra montiert, der zwar immer noch die technischen Schnittstellen D0 und S0 hat – diese sind aber deaktiviert, auch ein „Anblinken“ mit einer Taschenlampe bewegt den Zähler nicht zum Anzeigen von Momentanleistung, 24h Summen u.a. wie im Datenblatt eigentlich angegeben.

Auf meine Nachfrage stellte man sich erst einmal dumm und behaupte, dass der alte Zähler auch nicht auslesbar war und der neue Zähler dazu auch dazu technisch in der Lage wäre. Erst als ich beides schriftlich widerlegt habe und zudem auf das „Gesetz zur Öffnung des Messwesens“ hingewiesen habe, in dem meiner Meinung nach steht, dass eHz mindestens Momentanwerte ausgeben müssen, erklärt das Bayernwerk nun, dass dieses Gesetz durch das „Gesetz zur Neuregelung des gesetzlichen Messwesens“ abgelöst wäre, welches keine besonderen Anforderungen an den eHz stellen würde.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Irgendwie sehe ich es nicht ein, auf eigene Kosten einen Zwischenzähler zu installieren, nur um wieder die momentane Verbrauchs bzw Einspeisewerte erfassen zu können.
Benachbarte EVUs (wie die Stadtwerke München oder die Lechwerke) bieten weiterhin unbeschränkte eHZs an und bewerben sogar aktiv deren Auslesemöglichkeit.

Der vom Bayernwerk modifizierte eHz zeigt auf dem Display abwechselnd nur noch Summen für Verbrauch (1.8.0) und die Einspeisung (2.8.0) an – selbst die kleinen LCD Segmente, die einen Stromfluss signalisieren sollen bewegen sich unabhängig vom momentanen Stromverbrauch immer mit gleicher Geschwindigkeit. Der eHz liefert also noch weniger Information als die alten Ferraris-Zähler...

Viele Grüße,
Jens
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon jodl » 15.03.2017, 23:22

ja Jens du kannst natürlich die nächsten Jahre mit Schriftwechsel, Telefongeblödel , Gerichtsverfahren usw. verbringen wie der Ritter von La Mancha, weil du irgendwas nicht einsiehst oder etwas haben möchtest, usw.
Wahrscheinlich wird nicht viel herauskommen dabei, ausser daß dir graue Haare wachsen und du wertvolle Lebenszeit sinnlos verplämpelst.

Ich rate dir daß du dich von den Brüdern gern haben lässt . Kauf dir einen eigenen Zähler der genau das kann was du brauchst und lass ihn von deinem Elektriker einbauen.
Die Massenträgheit soll man nicht unterschätzen.
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon smoker59 » 15.03.2017, 23:43

kammann hat geschrieben: Irgendwie sehe ich es nicht ein, auf eigene Kosten einen Zwischenzähler zu installieren, nur um wieder die momentane Verbrauchs bzw Einspeisewerte erfassen zu können.

Hallo Jens,
in deinem Profil steht "Interessent" genau wie bei mir. Welche Einspeisewerte möchtest du denn dann erfassen :?:

Wenn du Betreiber einer PV-Anlage bist wirst du über kurz oder lang (bei mehr als 7 kWp eher über kurz) sowieso zwangsweise mit einem neuen Zähler beglückt, der die von dir gewünschten Werte zur Verfügung stellt.
mit freundlichem Gruß
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon Carstene » 16.03.2017, 08:30

Warum sollte er (nochmals) mit einem neuen Zähler ausgerüstet werden?
Er hat doch (m.E.) schon das was das Gesetz zukünftig fordert

@Jens

Wenn du schon selbst aktiv werden (musst).
Ich weiss auch nicht was du für Anlagen betreibst....

Aber so Dinger wie SMA Smart Meter sind für solche Dinge sich er nicht verkehrt..

Grüsse
Carsten
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon alterego » 16.03.2017, 08:37

Auch in den neuen Regelungen steht, daß man z.B. die Ist-Einspeisung abrufen können muß (da steht imo aber nicht, daß man das am Gerät selbst können muß).
Alternativ zum eigenen Zähler kann man auch einen alternativen Meßstellenbetreiber suchen, der einem einen Zähler zusichert, der die gewünschten Funktionen bietet.
Der VNB ist keine Rechtsberatungsstelle für Betreiber für Fragen zum EEG.
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon Carstene » 16.03.2017, 09:19

Fällt mir gerade ein

Hast du den Zähler eigentlich freigeschaltet?

(Ich habe damals einen Brief mit einer PIN bekommen)
Erst nach dem "Freischalten" konnte ich den Zähler auslesen

.... frag doch mal vorsichtig nach Zusendung der Pin nach....
ggf ist da ja eine andere Stelle zuständig
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon kammann » 16.03.2017, 12:00

Hallo,

ersteinmal vielen Dank für die vielen schnellen Antworten. Stromerzeugung erfolgt bei mir nur zum Eigenverbrauch - genau dafür habe ich aber bisher das Auslesen der Momentanwerte genutzt, um z.B. eine Lüftungsanlage abhängig von der Eigenproduktion zu steuern.

Bzgl. PIN schreibt das bayernwerk:
"Die bayernwerk AG hat sich aus Kosten- und Prozessgründen entschieden, keine Zähler mehr zu beschaffen, welche eine PIN-Verwaltung erfordern. DIe eingekauften Zähler haben zwar grundsätzlich die erweiterten Anzeigefunktionen eingebaut, sind jedoch so parametrisiert, dass diese Funktionalitäten nicht aktiviert werden können".

Und zur Gesetzeslage argumentiert man:
".. Messstellenbetreiber waren verpflichtet, Zähler einzubauen, welche erweiterte Anzeigefunktionen aufweisen. Mit dem Gesetz zur Neuregelung energiewirtschaftlicher Vorschriften vom 26.07.2011 wurden diese Anforderungen wieder aufgehoben"
Tatsächlich verweist das geänderte Gesetz auf eine ominöse Verordnung zur Anforderung/Funktionalität von Messstellen, die wohl erst mit dem neuen "Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende" kommen wird - und dieses sieht Smartmeter
erst ab einem Jahresverbrauch von 6000 kWh vor, dann aber gleich mit Internetanbindung und monatlichen Kosten.

Vermutlich ist das auch der wahre Grund für die Deaktivierung der Schnittstellen - man will später für den Smartmeter monatliche Gebühren verlangen.

Bzgl des Kommentars "graue Haare": Ja und nein - eine ähnliche Situation hatte ich vor 5 Jahren bzgl. DSL-Modems für den Internetzugang. Damals konnten TK-Firmen auch einen weitgehend unbrauchbaren Router liefern und der Endkunde "durfte" seinen eigenen Router in Reihe schalten. Mittlerweile sind die Firmen per Gesetz dazu gezwungen, auch Endkundenrouter direkt in ihr Netz zu lassen. Bei den Stromzählern ist es nun eine ähnliche Situation. In sofern, ja ein bischen Idealismus ist schon dabei...

Neben dem Wechsel des Messstellenbetreibers gäbe es übrigens noch die Option, selbst zum Messstellenbetreiber zu werden. Das verursacht zwar auch Kosten, z.B. für einen BDEW-Code für €82/Jahr, den man braucht um die EVU einen Zählerstand als Messstellenbetreiber übermitteln zu dürfen - dafür muss man aber keinen Zweitzähler setzen, der ja neben Anschaffungskosten+Einbau auch einen Eigenverbrauch hat.
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon UserChristian » 30.05.2018, 13:01

Hab nun auch einen neuen Zähler von Bayernwerk (Adaptor 20EC3g) bekommen und wollte nun die Daten über einen Lesekopf aufzeichnen. Nun bin ich mir nicht sicher, ob die Schnittstelle grundsätzlich nicht mehr funktioniert oder ob diese erst über die Sendediode aufgeweckt werden muss.
Habe in mehreren Foren gelesen, dass es Zähler gibt, welche ständig die Daten ausgeben und andere müssen erst mit einer Startsequenz dazu gebracht werden.
Es wäre schön, wenn mir jemand sicher mitteilen kann, ob die Zähler von Bayernwerk nun funktionieren oder nicht.
Denn ich würde nur sehr ungerne Geld für einen Sensor ausgeben, den ich dann womöglich nicht nutzen kann.
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon jodl » 30.05.2018, 13:38

UserChristian hat geschrieben:Es wäre schön, wenn mir jemand sicher mitteilen kann, ob die Zähler von Bayernwerk nun funktionieren oder nicht.


hallo Christian, auch für dich gilt das was ich oben geschrieben habe:
lass den Zähler vom Bayernwerk, überleg dir was du brauchst, und beschaff dir dann selbst einen Zähler der das leisten kann.
Wer soll dir denn "sicher" sagen können was irgendein von einem Netzbetreiber gestellter Zähler kann oder nicht kann?
das können die wahrscheinlich nicht einmal selbst.
Jeder Kontakt mit dem Idiotenhaufen kostet nur sinnlos deine Nerven, und die Wahrscheinlichkeit daß etwas dabei herauskommt ist gering.
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Re: Bayernwerk deaktiviert Auslesemöglichkeiten beim eHZ

Beitragvon ComMetering » 30.05.2018, 20:24

Hallo,

jetzt auch noch unser Senf dazu... Wir haben noch nicht verstanden warum das so ist, aber es wird so sein, dass die VNB die optische Schnittstelle an den Zählern dicht machen (müssen). Warum das wohl sein muss, haben wir in letzter Konsequenz noch nicht verstanden und wie schon an der ein oder anderen Stelle von uns geschrieben: Wir versuchen möglichst viel zu verstehen, aber manches was im Gesetz steht ist vielleicht sinnfrei... Wir freuen uns, wenn uns jemand das warum erklärt.

Es ist also durchaus damit zu rechnen, dass andere VNB dem Beispiel von Bayernwerk folgen und an der optischen Schnittstelle nichts mehr ankommt.... Ich denke nicht, dass man als Betreiber hier eine Chance hat daran was zu ändern, denn der VNB muss die Schnittstelle definitiv nicht anbieten. Wenn der VNB /gMSB nicht will geht hier: gar nichts.

Wie machen wir das? Unser aktueller Stand ist, dass wir auch in Zukunft sowohl am eHZ als auch am Dreipunkt die optische Schnittstelle anbieten können. Allerdings können wir hier nur die Übermittlung des Zählerstandsdaten garantieren - zumindest solange der Gesetzgeber nicht explizit was anderes fordert. Leistungswerte werden beim Dreipunkt schon heute nicht mehr (bzw. immer nur für 120 Sekunden) angezeigt, beim eHZ funktioniert das heute noch, kann sich aber ändern.

Das ist wieder keine schöne Entwicklung und mit ausschlaggebend ist sicherlich der Sachverhalt, dass die Mehrheit der Anschlussnutzer nicht mal weiss, was die optische Schnittstelle ist und wofür die gebraucht wird. In einem standardisierten Prozess wird jede Sonderlocke (-> Versand der Pin) als störend empfunden und fällt unter der Tisch. Wir sind ziemlich happy, dass Discovergy - solange es der Gesetzgeber erlaubt - die optische Schnittstelle für die Zählerstandsdaten offen halten will und sich nicht zu Schade ist die Pin zu versenden.

Gruß,

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