Grünstrom häufig günstiger als konventionelle Energie

Tarife für Grünstrom gehören mittlerweile zu den günstigsten, die in Deutschland angeboten werden. Das geht aus dem gestern vorgestellten Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt hervor. Es befindet sich aber weiterhin ein Drittel der Haushalte in der Grundversorgung – die Nutzer zahlen dabei im Schnitt 2 Cent pro Kilowattstunde mehr als Ökostromkunden.

Ökostrom ist häufiger günstiger als konventioneller Strom. Foto: electriceye/fotolia

Ökostrom ist inzwischen häufig günstiger als konventioneller Strom. Foto: electriceye/fotolia

Es ist ein häufig anzutreffendes Argument gegen den Bezug von Ökostrom: Grüne Energie sei teuer. Doch das ist ein Vorurteil, wie der aktuelle Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt belegt. Erstmals ist dort der durchschnittliche Ökostrompreis für Haushalte mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr aufgeführt. 28,41 Cent pro Kilowattstunde zahlt ein Kunde demnach. Damit liegt der Preis für Ökostrombezug 1,34 Cent pro Kilowattstunde beziehungsweise fünf Prozent unter dem über alle Tarifkategorien mengengewichteten Gesamtpreis“, heißt es in dem Bericht.

Unterteilt wird gewöhnlich in drei Tarifkategorien: die Grundversorgung, den Sondervertrag mit dem Grundversorger und den Sondervertrag mit einem anderen Anbieter. Die Preise hat die Bundesnetzagentur jeweils zum 1. April 2014 für einen Jahresverbrauch von ebenfalls 3.500 Kilowattstunden ermittelt (siehe auch untenstehende Grafik). Wer sich grundversorgen lässt, also keinen bestimmten Liefervertrag mit seinem Stromversorger abgeschlossen hat, den kostet die Kilowattstunde im Schnitt 30,5 Cent. 34 Prozent der deutschen Haushalte befinden sich auch 16 Jahre nach der Liberalisierung des Strommarkts in einem solchen Grundversorgungsverhältnis. Wer dagegen einen Sondervertrag mit dem Grundversorger seiner Region eingegangen ist, fährt mit 29,32 Cent pro Kilowattstunde etwas günstiger. Da ein Sondervertrag bei Grundversorger auch über Ökostrom geschlossen werden kann, steckt in dieser Kategorie ein Teil der Grünstromtarife, die aber offenbar eher zu den teureren gehören.

Rund ein Fünftel hat den Grundversorger gewechselt

Noch weniger berappen jene 21 Prozent der Haushaltsstromkunden, die sich einen anderen Anbieter gesucht haben: Nämlich 28,3 Cent pro Kilowattstunde. Das sind 0,11 Cent pro Kilowattstunde weniger gegenüber dem durchschnittlichen Ökostromtarif. Reine Ökostromanbieter wie Lichtblick, Elektrizitätswerke Schönau, das Grünstromwerk, Grundgrün oder Naturstrom gehören zu dieser letzten Gruppe von Anbietern.

Die Entwicklung der Stromtarife nach Kategorien. Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt

Die Entwicklung der Stromtarife nach Kategorien. Zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken. Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt

Der Anteil der Haushalte mit Ökostromtarif ist 2013 um rund zwei Prozentpunkte auf rund 17 Prozent gestiegen. Unter den Industrie- und Gewerbekunden sind es rund 16 Prozent. Zusammen machen sie rund elf Prozent des Strombezugs in Deutschland aus. Da mit der EEG-Novelle 2014 das Grünstromprivileg entfallen ist, durch welches bei der Belieferung von Ökostrom die EEG-Umlage um zwei Cent pro Kilowattstunde geringer ausfiel, könnte man annehmen, dass ein entscheidender Vorteil der Grünstromversorger gegenüber Lieferanten von konventionellem Strom damit aufgehoben ist. Allerdings haben die bekannten Ökostromanbieter ihre Preise in der zweiten Jahreshälfte 2014 mehrheitlich gesenkt und nicht erhöht.

Marktkonzentration bei der Stromerzeugung nimmt ab

Der wachsende Anteil grünen Stroms ist auch die Ursache dafür, dass die Konzentration auf dem Erzeugungsmarkt abnimmt. Die großen vier Energieunternehmen – E.on, Vattenfall, RWE und EnBW – decken zwar immer noch 74 Prozent des Strombedarfs in Deutschland. 2010 – vor dem Abschalten von acht Atomkraftwerke nach dem Unglück von Fukushima – lag der Anteil noch bei 84 Prozent. Die größten Einbußen verzeichnet dabei E.on, also das Unternehmen, das diese Woche bekannt gab, sein Geschäft mit konventionellen Energien von jenem mit grünen Energien abzuspalten. Der Marktanteil des Konzerns ging in den vergangenen drei Jahren von 18 auf 12 Prozent zurück, wodurch das Unternehmen nun auch hinter Vattenfall zurückgefallen ist. RWE verzeichnet mit 32 Prozent immer noch den größten Marktanteil und profitierte in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu E.on von der wachsenden Kohleverstromung. Um 13 Terawattstunden ist diese 2013 gewachsen. Das entspricht zwei Prozent an der Nettostromerzeugung.

Einen Punkt sieht die Bundesnetzagentur kritisch im Monitoringbericht: Damit die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt, regt die Behörde die Prüfung von Kapazitätsmechanismen an. Im Moment bestünden zwar noch Überkapazitäten bei den Kraftwerken. Diese würden aber sukzessive abgebaut.

    Autor: Ines Rutschmann » 03.12.2014, 11:36
    Veröffentlicht in: Praxis, Wirtschaft



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