„Nach der Novelle ist vor der Novelle“

VonInes Rutschmann

„Nach der Novelle ist vor der Novelle“

Batteriespeicher haben die Solarmesse Intersolar nachhaltig belebt. In diesem Jahr sehen die Veranstalter die Talsohle der Branchenkrise durchschritten. Es zeichne sich zudem ab, dass sich der Strom aus Sonnenlicht zur günstigsten Erzeugungsform entwickle. Eine neue politische Agenda erwartet der Branchenverband BSW-Solar jedoch erst nach den Bundestagswahlen 2017 – mit einer weiteren Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Besucher und Aussteller drängen am ersten Tag der Intersolar und electrical energy storage in die Messehallen in München. Bis Freitag laufen die Veranstaltungen. Foto: I. Rutschmann

Besucher und Aussteller strömen am ersten Tag der Intersolar und electrical energy storage in die Messehallen in München. Bis Freitag laufen die Veranstaltungen. Foto: I. Rutschmann

Die Intersolar befindet sich wie die Energieversorgung im Wandel. „Wir sehen uns nach wie vor als Innovationsmesse“, sagte Markus Elsässer, Geschäftsführer des Veranstalters Solar Promotion GmbH heute zur Eröffnung der Messe. Aber „wir verstehen uns nicht mehr als reine Solarveranstaltung sondern wir bieten eine Messeplattform für die neue Energiewelt.“ Bereits vor zwei Jahren etablierten die Veranstalter eine zweite Messe parallel zur Intersolar, die electrical energy storage (ees). Damit wurde dem wachsenden Interesse an Batteriespeichersystemen und dem Eigenverbrauch von Solarstrom Rechnung getragen. Von den insgesamt 1.077 Ausstellern beider Veranstaltungen befassen sich nun 370 mit Batterien und Speichersystemen.

Damit verzeichnen Intersolar und ees erstmals wieder ein Wachstum. „Wir haben definitiv die Talsohle durchschritten“, sagte Elsässer. Stolz ist er auch auf die hohe Zahl internationaler Aussteller. Bei 59 Prozent liegt ihr Anteil, vorwiegend aus China. Dahinter folgen Aussteller aus Frankreich und Italien. Damit sei die Intersolar die internationalste Messe der Branche.

BSW rechnet mit Verdopplung des Speichermarkts alle zwei Jahre

Die Stimmung auf dem Messegelände München war am ersten Tag gut. Es herrscht wieder stärkerer Optimismus und auch Zuversicht in der Branche. Das liegt stark an der wachsenden Nachfrage nach Batteriespeichern. Um 70 Prozent sei der Absatz im vergangenen Jahr gestiegen, sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). Rund 17.600 Geräte seien 2015 installiert worden – 70 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Verband erwartet, dass sich die Absatzzahlen nun im Zwei-Jahres-Turnus verdoppeln. Das seit März wirksame Förderprogramm zur Anschaffung von Speichersystemen stütze die Entwicklung. In den ersten drei Monaten seien bei der KfW-Bank 1.600 Anträge gestellt worden. Für den Monat Juni erwarte die Bank bis zu 1.000 Anträge.

Die deutschen Anbieter von Speichersystemen würden sich ihren relevanten Marktanteil sichern können, schätzte Körnig. Weniger zufrieden zeigte er sich mit der Lage des Photovoltaikmarkts in Deutschland und in ganz Europa. Einst Marktführer lag Deutschland 2015 nur noch auf Platz 6 bei der Installation neuer Anlagen weltweit. Der Zubau war 2015 sogar im dritten Jahr in Folge geschrumpft. Dabei boome die Technologie weltweit und es zeichne sich ab, dass Photovoltaik die günstigste Erzeugungsform von Elektrizität in vielen Teilen der Welt werde, sagte Körnig. Bei acht Cent pro Kilowattstunde liegen die Erzeugungskosten heute in Deutschland. Langfristig würden sie unter drei Cent pro Kilowattstunde sinken, besagen Studien. „Dieser Erkenntnisprozess hält in der Gesellschaft an. Aber er zeichnet sich nicht in politischen Agenden ab“, stellte Körnig fest. Änderungen an den gesetzlichen Rahmenbedingungen seien auch aus Klimaschutzgründen wichtig. „Wenn wir die Ziele von der Klimakonferenz in Paris ernste nehmen, brauchen wir eine 100-Prozent-Versorgung durch Erneuerbare Energien.“ Eine gerade erschienene Studie von Wissenschaftlern der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin nennt 15 Gigawatt an Neuinstallationen in Deutschland als notwendig, um das Ziel zu erreichen.

Politische Änderungen in der Energiepolitik nicht vor der nächsten Bundestagswahl

Die nächste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll Freitag vom Bundestag in erster Lesung diskutiert werden. Nach Einschätzung der Ökostrombranche wird das Gesetz in seiner derzeitigen Form den Ausbau erneuerbarer Energien weiter erschweren. Körnig wurde gefragt, ob sich denn in Deutschland oder Europa ein Gegensteuern gegen diese Politik abzeichne. „Wir appellieren an die Bundesregierung aufzupassen, dass man sich bei der Energiewende nicht am Langsamsten orientiert. Der Wettbewerb weltweit ist hart. Atempausen kann man sich da nicht gönnen“, antwortete er. Die nächste Bundesregierung müsse die Ziele in der Energiepolitik an die getroffene Klimaschutzvereinbarung anpassen, fuhr er fort. Dass das passiere, damit rechne er. Und damit gelte in Hinblick auf die aktuelle Diskussion um die EEG-Novelle: „Nach der Novelle ist vor der Novelle.“

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Ines Rutschmann editor