Marktforscher erwarten 2015 neuen Tiefpunkt für Solarmarkt

VonInes Rutschmann

Marktforscher erwarten 2015 neuen Tiefpunkt für Solarmarkt

Das Leipziger Institut für Energie prognostiziert für 2015 einen Zubau an Photovoltaikanlagen zwischen 1.300 bis 2.200 Megawatt – das wäre vermutlich ein neuer Tiefstwert für den deutschen Solarmarkt. Insbesondere das Freiflächensegment werde weiter einbrechen aufgrund der geplanten, ersten Ausschreibung im nächsten Jahr.

Mit 2015 steht Photovoltaikbranche in Deutschland ein weiteres Krisenjahr bevor, glauben Marktforscher. Foto: zstock/Fotolia

2015 steht der Photovoltaikbranche in Deutschland ein weiteres Krisenjahr bevor, glauben Marktforscher. Foto: zstock/Fotolia

„Der von der Bundesregierung angestrebte Zubaupfad wird nach Einschätzung des IE Leipzig 2014 und 2015 nicht erreicht.“ So steht es in der Prognose, die die Firma Leipziger Institut für Energie GmbH (IE Institut) für die vier Übertragungsnetzbetreiber gerade erstellt hat. Die Zahlen sind in die Berechnung der EEG-Umlage fürs kommende Jahr eingeflossen. Grund für die nachteilige Entwicklung der Photovoltaik seien die Veränderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2012 und von 2014, heißt es in der Studie weiter. Beim IE Institut handelt es sich um eine Ausgründung der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Drei Szenarien nimmt die Einrichtung an: Ein Trend-Szenario, ein oberes und ein unteres. In allen drei Fällen erwarten die Marktforscher im nächsten Jahr für den Bau von Megawattanlagen den Tiefpunkt der bisherigen Entwicklung. Zwar gehen sie davon aus, dass für die geplanten Ausschreibungen in Höhe von 600 Megawatt Leistung geeignete Akteure zur Umsetzung gefunden werden. Aber nur die Hälfte der Projekte dürfte noch im gleichen Jahr realisiert werden können.

Trend zu Kleinstsystemen soll sich verstärken

Der Trend zu kleinen Anlagen werde dagegen durch die Einführung der EEG-Umlage-Pflicht auf selbst verbrauchten Strom noch verstärkt. Schließlich sind Systeme bis zehn Kilowatt Leistung von einer Zahlung ausgenommen. 96 Prozent der Betreiber in diesem Segment werden 2015 ihren Strom selbst nutzen, schätzen die Forscher. Sie prognostizieren einen Eigenverbrauch von 140.000 Megawattstunden für Betreiber, die zwischen August 2014 und Ende 2015 in ein umlagebefreites System investieren oder bereits investiert haben. Aufgrund eines wachsenden Einsatzes von Speichern beziffern sie die durchschnittliche Eigenverbrauchsquote auf 32,5 Prozent. Damit ergäbe sich ein Marktpotenzial von rund 450 Megawatt für Kleinstsysteme (ab August 2014).

Für Anlagen größer zehn Kilowatt Leistung ergibt sich laut Prognosedaten ein Potenzial von rund 1,1 Gigawatt (wiederum ab August 2014 im Trend-Szenario). Etwa die Hälfte der Betreiber würde den Strom selbst verbrauchen – trotz EEG-Umlage. Auf rund 157.000 Megawattstunden wäre der Satz von 1,851 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen, schätzt das IE Institut.

Neue Annahmen liegen unter Prognose von 2013

Insgesamt erwarten die Marktforscher einen Eigenverbrauch von rund zwei Millionen Megawattstunden (oder zwei Terawattstunden) im Jahr 2015. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent an der Solarstromerzeugung. Den größten Anteil haben dabei nach wie vor die Betreiber von Anlagen, die zwischen 2009 und März 2012 errichtet wurden und damit noch in den Genuss einer Förderung kamen. Die zweitgrößte Gruppe bilden Anlagenbetreiber, die unter die sogenannte PV-Novelle von 2012 fallen und ihr System bis Juli dieses Jahres ans Netz brachten.

In der Mittelfristprognose vom vergangenen Jahr, erstellt von der Firma r2b consulting GmbH, wurde für 2014 noch ein Eigenverbrauch von 2,8 Terawattstunden und eine installierte Leistung von 40 Gigawatt angenommen. Das IE Institut rechnet dagegen mit einem Zubau im Gesamtjahr 2014 von rund 2 Gigawatt – 37 Gigawatt wären damit bis Jahresende in Deutschland am Netz. Die Bundesnetzagentur gibt für die ersten acht Monate dieses Jahres eine neu installierte Leistung von 1,5 Gigawatt an.

Übertragungsnetzbetreiber sehen Einbruch ab 2012

Die Zahlen der Bundesnetzagentur korrespondieren dabei nicht mit jenen in der Studie. Im Gegenteil: Sie gehen teilweise weit auseinander (siehe Tabelle). Das Institut verwendet Daten der Übertragungsnetzbetreiber. Woher die Abweichungen rühren, ist bislang unklar. In den Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber zeigt sich bereits im Jahr 2012 ein Einbruch im Solarzubau um 16 Prozent. Laut Bundesnetzagentur ist der Photovoltaikmarkt in Deutschland vor zwei Jahren sogar noch einmal gewachsen. Die Zahl der Neuinstallationen lag demzufolge bei 7,6 Gigawatt. Die Übertragungsnetzbetreiber verzeichneten dagegen 6,7 Gigawatt neuer Anlagenleistung. Auch die Wirtschaftskrise setzte in der Branche 2012 ein.

Zahlen BNetzA ÜNB

Für 2015 setzt sich nach Einschätzung der Leipziger Forscher die Krise fort. Womöglich steuert die Solarbranche sogar auf einen weiteren Einbruch zu. Im Trendszenario erwarten die Forscher 1,7 Gigawatt neuer Photovoltaikleistung sowie einen Rückbau um zwei Megawatt. Im unteren Szenario sind 1,3 Gigawatt angegeben, im oberen Szenario 2,2 Gigawatt. Im besten Fall bliebe der Markt damit stabil. Das politische Ziel von 2,5 Gigawatt an Neuinstallationen würde jedoch in keinem Fall erreicht.

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Ines Rutschmann editor