„Ausgelegt ist das Konzept auf Kleinanlagen, die wir in die Direktvermarktung bringen wollen“

Sich mit Solarstrom komplett selbst zu versorgen, ist schwer, wenn ein einzelner Anlagenbetreiber nicht in ein Arsenal von Stromspeichern investiert. Einfacher ist es, wenn sich die Erzeuger und Speicherbetreiber zusammenschließen und den Strom untereinander handeln. Das ist die Idee der „sonnenCommunity“, die Mitte Februar gestartet ist. Ins Leben gerufen hat die Plattform die Unternehmensgruppe Sonnen. Unter diesem Namen firmiert der Hersteller der „Sonnenbatterie“ aus dem bayerischen Wildpoldsried seit Kurzem. Der Start der Community bedeutet für das Industrieunternehmen den Einstieg in die Direktvermarktung von Ökostrom, die Stromversorgung von Kunden und den Betrieb von Messstellen. Diese Dienstleistungen erledigt eine neu gegründete Tochterfirma der Sonnen GmbH, die Sonnen eServices GmbH. Wie die Community aufgebaut ist und funktioniert und welche Aufgaben Batteriespeicher im Netzwerk künftig spielen, darüber sprach das Magazin des Photovoltaikforums mit Geschäftsführer Philipp Schröder in Berlin. Seit Anfang des Jahres unterhält die Unternehmensgruppe in der Hauptstadt eine Niederlassung.

Die Sonnen-Gruppe will 100 Prozent Erneuerbare Energien über ihr neu geschaffenes Gemeinschaftsportal möglich machen, sagt Geschäftsführer Philipp Schröder. Foto: Sonnen GmbH

Die Sonnen-Gruppe will 100 Prozent Erneuerbare Energien über ihr neu geschaffenes Gemeinschaftsportal möglich machen, sagt Geschäftsführer Philipp Schröder. Foto: Sonnen GmbH

Magazin des Photovoltaikforums: Im November haben Sie angekündigt, dass Sie die Community planen. Gerade ist sie gestartet. Wie muss ich mir das vorstellen, wenn der Startschuss gefallen ist?

Philipp Schröder: Der Verbraucher kann sich jetzt online für die Community registrieren und kann sich die verschiedenen Leistungen, die wir anbieten, aussuchen. Ich selbst mache das auch gerade, weil ich meinen Stromversorger wechsele: Ich gebe meinen Ökostromanbieter auf und wechsle zur sonnenCommunity. Ich selbst werde aber nur den Strom nutzen, weil ich zur Miete wohne. Ich habe keine Photovoltaikanlage; ich habe auch keinen Speicher.

Magazin: Wie viele registrierte Mitglieder hat die Community bislang?

Schröder: Wir haben bis jetzt einige 100, arbeiten aber unsere Warteliste gerade ab. Wir haben am 25. November bekannt gegeben, dass wir im ersten Quartal online gehen und haben damals schon eine sehr große Resonanz gespürt. Es sind darunter viele Verbraucher, die eine Photovoltaikanlage haben und diese in die Direktvermarktung bringen wollen. Wir glauben, dass zumindest jeder Kunde, der bei uns einen Speicher gekauft hat, auch Community-Mitglied wird. Das heißt, wir rechnen damit, Ende des Jahres im fünfstelligen Bereich zu liegen.

Magazin: Die Laufzeit der Mitgliedschaft ist unbegrenzt?

Schröder: Es sind zwei Jahre – das ist die Mindestlaufzeit. Danach kann der Kunde kündigen. Grundsätzlich kann er aber so lange in der Community bleiben, wie er möchte.

Magazin: Und die Kündigungsfrist für den Kunden nach Ablauf der ersten zwei Jahre ist mit Monatsfrist?

Schröder: Ja.

Magazin: Wie viele von den angemeldeten Mitgliedern betreiben eine Photovoltaikanlage oder eine andere Erneuerbare-Energien-Anlage?

Schröder: Die meisten sind Photovoltaikanlagenbetreiber. Das Konzept richtet sich auch an PV-Kleinanlagen. Natürlich gibt es das ein oder andere System, das wir technisch nicht integrieren können. Beispielsweise eine Zwei-Kilowattpeak-Anlage auf Rügen, die pro Jahr zwei Kilowattstunden nicht zum Eigenverbrauch bereitstellt. Wir behalten uns eine technische Prüfung immer vor. Aber ausgelegt ist das Konzept ganz klar auf Kleinanlagen, die wir in die Direktvermarktung bringen wollen. Wir haben zur Sicherstellung der Grundlast auch Biogasanlagen. Die sind vor allem für die Wintermonate wichtig, wenn wenig Solarstrom erzeugt wird. Im Notfall werden wir an die Börse gehen, aber der Anspruch ist, dass wir aus regionalen Erzeugungsanlagen den Verbrauchspool komplett decken können.

Magazin: Sie haben eine technische Prüfung im Zuge der Direktvermarktung von Ökostrom angesprochen. Ist schon jemand abgelehnt worden?

Schröder: Nein, noch nicht. Aber natürlich müssen wir uns das vorbehalten – weil es eine Kostenfrage ist. Wir übernehmen die Kosten für die Installation des intelligenten Zählers. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf die Direktvermarktung von Strom.

„Wir sind der einzige Anbieter, der momentan Kleinanlagen in die Direktvermarktung bringen kann“

Magazin: Ursprünglich kommt Sonnen aus der Herstellung von Batteriespeichersystemen. Nun haben Sie sich neue Geschäftsfelder erarbeitet: Als Direktvermarkter von Ökostrom, Stromversorger und Messstellenbetreiber.

Schröder: Was uns wichtig ist: Wir haben für die Direktvermarktung einen Dienstleister. Das heißt, wir arbeiten mit einem Unternehmen zusammen, das die Direktvermarktung gemeinsam mit uns macht. Es gibt schon einige Direktvermarkter. Aber wir sind der einzige Anbieter, der momentan Kleinanlagen in die Direktvermarktung bringen kann und der damit Verbraucher in die Lage versetzt, Strom aus direkt vermarkteten Kleinanlagen zu nutzen. Wir tun das ohne Marge, weil wir uns aus dem Verkauf der Stromspeicher und eben aus den Mitgliedsbeiträgen für die Community refinanzieren.

Magazin: Die Mitglieder der Community können sich aussuchen, welche Dienstleistungen sie nutzen möchten: Sie können, wenn sie Erzeuger sind, den Strom durch Sie direkt vermarkten lassen. Sie können aber auch nur Strom beziehen. Muss ich, wenn ich die Direktvermarktung in Anspruch nehmen will, mich auch mit Strom beliefern lassen?

Schröder: Nein. Es ist alles optional. Bei den Anlagen, die in die Direktvermarktung kommen, behalten wir uns eine technische Prüfung vor. Theoretisch können Sie sagen: Ich will nur in die Direktvermarktung oder ich möchte nur den Speicher und Speicherrabatt, den wir anbieten. Sie bekommen als Community-Mitglied die Hardware von Sonnen um 30 bis 40 Prozent günstiger. Aber das können Sie isoliert tun.

Magazin: Sie bauen einen Smart Meter ein, damit dieser erkennt, wann jemand Überschussstrom hat, der direkt vermarktet werden kann. Wie erkennen Sie dabei den Strombedarf der Community-Mitglieder, sommers wie winters?

Schröder: Wir werden alle Kunden, die im Pool Strom abnehmen, weiterhin nach einer Standardlastkurve berechnen. Wir haben keine Daten und brauchen die Informationen auch nicht, sondern stellen ihnen nach Standardlastgang Strom zur Verfügung. Auf der anderen Seite haben sie einen Zähler für den Überschuss der PV-Anlage und der ist dazu da, dass wir einen Bilanzkreis ziehen können. Aber der Smart Meter hat nur Relevanz für den Ankauf – wir müssen ja sicherstellen können, woher die Menge gerade kommt und das wird dort bilanziert. Die Versorgungsseite ist wesentlich einfacher. Wir haben auf der Einkaufsseite die Signale von dem Überschussstrom, der in Deutschland gerade zur Verfügung steht. Wir haben Prognosen, wir haben Biogasanlagen und im Notfall die Börse. Im Sommer werden wir eine hohe Abdeckung haben und im Winter wird es Tage oder gerade auch Nächte geben, wo vielleicht die Grundlast nicht gehalten werden kann und dann werden wir an die Börse gehen.

Magazin: Auf der Internetplattform werden die Erzeuger vorgestellt. Kann ich mir als Stromkunde aussuchen, von wem ich den Strom erhalte oder erfahre ich es hinterher?

Schröder: Das geht leider nicht. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir es auch hinterher nicht sagen. Es gibt Kunden, die kein Problem damit haben, sich zu zeigen. Das ist aber ein abstraktes Zeigen im Sinne von: Ich mach‘ mit. Das ist mein System und von mir bekommt ihr auch Überschussstrom. Wir können natürlich nicht sicherstellen, ob Sie bei Peter Müller oder Otto Huber eingekauft haben, weil die Herren dazu ihr Einverständnis geben müssten. Technisch möglich wäre das, aber wir machen das derzeit nicht. Sie sehen bei uns eine Karte, auf der Sie Speicher- oder Erzeugungsanlagen sehen. Wir wollen, dass die Mitglieder erkennen, wie viele wir mittlerweile sind. Das ist aber abstrakt: Sie können nicht in die Anlage hineinzoomen und Sie können auch keinen Namen zuordnen.

Stromlieferung zu einheitlichen Konditionen deutschlandweit 

Magazin: Wie funktioniert das mit der Abrechnung – wenn ich über Sie direkt vermarkten lasse und auch Strom beziehe, kommt das auf einer Rechnung zusammen oder erhalte ich unterschiedliche Abrechnungen?

Schröder: Es sind zwei unterschiedliche. Das eine ist die Beauftragung für die Direktvermarktung, das andere ist die Stromrechnung. Sie bekommen von uns einmal die Abrechnung aus der Direktvermarktung und zum anderen die Stromkosten, aber sie werden von ein und derselben Gesellschaft ausgeteilt.

Magazin: Sie könnten das intern miteinander verrechnen …

Schröder: Das könnten wir tun, aber wir sind froh, wenn erst einmal alles sauber läuft. Das ist ja auch für uns als Unternehmen neu. Wir haben bis jetzt 100 Rechnungsvorgänge im Monat gehabt und jetzt wird es so sein, dass wir monatliche Einzelabrechnungen haben, dauerhafte Schuldverhältnisse und Rechnungsstellungen. Für uns als Unternehmen ist das allein IT-technisch eine Herausforderung.

Magazin: Sie hatten im November gesagt, dass der Bezugsstrom für 23 Cent die Kilowattstunde (brutto) angeboten wird. Wie schaffen Sie es, diesen Preis zu garantieren?

Schröder: Wir garantieren ihn auf eigenes Risiko, weil wir in unterschiedlichen Gebieten verschiedene Netzentgelte haben. Dadurch gibt es ohnehin eine Heterogenität im Preis. Die Pyramide geht ja so: Wir nehmen Strom von der PV-Anlage und bringen ihn in die Direktvermarktung. Wenn wir ihn wieder abkaufen, wird er eingepreist nach dem niedrigsten Börsendurchschnitt, das heißt bei 3 bis 4 Cent. Auf diese 3 oder 4 Cent kommen alle Abgaben obendrauf und wir landen irgendwo zwischen 22 und 23 Cent. In manchen Fällen auch bei 24 Cent, nämlich dann, wenn in einer Region die Netzentgelte besonders hoch sind. Wir haben das bundesweit homogenisiert: Wir möchten, dass es der Kunde leicht hat. Wir möchten nicht sagen: Ab 23 Cent, aber in deiner Region leider 28. Das heißt, in manchen Regionen hat es noch mehr Sinn, unseren Tarif zu nutzen.

Magazin: Und Sie hatten gesagt, dass Sie den Erzeugern in der Direktvermarktung mehr zahlen können.

Schröder: Die Kunden, die jetzt auf Sonnen umsteigen, bekommen das Geld, das sie auch bisher bekommen haben – zuzüglich der Marktprämie, die wir mit 0,25 Cent pro Kilowattstunde weitergeben.

Magazin: Zum Messstellenbetrieb: Welche Firma unter dem Dach Sonnen ist dafür zuständig?

Schröder: Das ist alles die Sonnen eServices GmbH. Wir bündeln das Vertragsverhältnis des Kunden bei der eServices, weil es wichtig ist, dass der Kunde einen Ansprechpartner hat und wir hoffen und glauben, dass der Kunde nur eines wissen will: Ich will Direktvermarktung und Strom, gebt mir einen Vertrag und kommt mir nicht mit zehn unterschiedlichen Firmen. So ist es auch aufgebaut. Natürlich hängen darunter einzelne komplexere Leistungen.

Smart Meter für Stromerzeuger in der Direktvermarktung und Betreiber einer „Sonnenbatterie“

Magazin: Den Smart Meter bekomme ich jetzt, wenn ich Erzeuger bin?

Schröder: Wenn Sie in die Direktvermarktung mit Ihrem Strom gehen, bekommen Sie den Smart Meter. Wir prüfen das aber technisch noch einmal, da im Einzelfall hohe Sonderkosten entstehen können Es gibt keinen Rechtsanspruch. Und wenn Sie eine Sonnenbatterie besitzen, können Sie ebenfalls einen Smart Meter erhalten. Wenn ich nur Strom haben möchte, muss ich nicht in die Direktvermarktung. Wenn ich nicht in der Direktvermarktung bin, habe ich auch keinen Smart Meter.

Magazin: Die Abmeldung beim bisherigen Messstellenbetreiber übernehmen Sie?

Schröder: Genau.

Magazin: Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende sieht den Einbau von intelligenten Messsystemen bei Anlagen größer sieben Kilowatt vor. Die Photovoltaikanlagenbetreiber, die unter die Bestimmungen des noch nicht beschlossenen Gesetzes fielen und sich einen Smart Meter installieren lassen müssten, die hätten durch Sie …

Schröder: … das gleich mit abgedeckt. Wir antizipieren, dass sich die Regulierung ändert. Gleichzeitig begrüßen wir das, weil wir glauben, dass jede PV-Anlage intelligent gesteuert sein muss, um in einem 100-Prozent-erneuerbaren-Modell zu funktionieren. Wir denken sogar, dass diese Grenzen weiter abgesenkt werden und wollen uns so vorbereiten, dass unsere Kunden eine Lösung bekommen, mit der sie gleich integriert sind.

Magazin: Verraten Sie, welchen Typ Smart Meter Sie verwenden oder nennen Sie den Hersteller?

Schröder: Das sagen wir nicht. Wir glauben, dass in dem Zählerbereich noch viele Kostenoptimierungspotenziale stecken. Im Moment sind sie noch preisintensiv. Aber wir sehen durchaus die ersten Anzeichen für wesentlich geringere Preise in dem Bereich. Deswegen legen wir uns auch nicht auf einen Hersteller fest.

Magazin: Die Messstellenbetriebsgebühren sind auf der Rechnung …

Schröder: … durch den Mitgliedsbeitrag in der Community bereits abgedeckt, …

Magazin: … tauchen aber noch einmal auf der Stromrechnung auf, weil das nach Energiewirtschaftsgesetz so sein muss?

Schröder: Korrekt. Aber wenn der Kunde bei uns in der Community ist, deckt er mit den 19,99 Euro alles ab, was er an Grundleistung erhält. Das wird immer spannender, je mehr Optionen er hat und auch nutzt.

„Wir wollen, dass Speicher noch einem anderen Nutzen zugeführt werden, als den Eigenverbrauch zu decken“

Magazin: Der nächste Punkte sind die Batteriespeicher, die eine wichtige Rolle in der Community spielen. Wenn ich einen Batteriespeicher zu Hause habe, der nicht von Sonnenbatterie stammt – lässt der sich in die Sonnen-Community integrieren?

Schröder: Nein, der Speicher nicht. Eine Erzeugungsanlage können Sie trotzdem in die Direktvermarktung bringen.

Magazin: Woran liegt das, dass ein Speicher anderer Hersteller nicht integriert werden kann?

Schröder: Wir müssten das gewährleisten und das können wir nicht. Die Software so anzupassen, dass alle Speicher aufgenommen werden können, wäre zudem zu aufwendig. Wer Community-Mitglied werden möchte und nur Strom beziehen will, kann das tun, egal mit welchem Speicher. Wenn man in die Direktvermarktung möchte, geht das auch. Aber die speicherspezifischen Elemente, die wir haben, sind ausgerichtet auf die Sonnenbatterie.

Magazin: Sie hatten im Herbst angekündigt, dass die Mitglieder der Community die Möglichkeit haben, am Regelenergiemarkt teilzunehmen. Ich nehme an, das bezieht sich auf die Mitglieder, die einen Speicher besitzen, und es geht um negative Regelleistung?

Schröder: Genau. Wir werden das für bestimmte Speicherkategorien anbieten: Die Kunden erhalten ein Angebot von uns – wir zahlen eine Miete, um die Speicher in die Regelenergiekonzepte zu integrieren, die wir momentan testen. Wir wollen, dass die Community neben der Direktvermarktung und Stromversorgung dazu führt, dass ein Speicher noch einem anderen Nutzen zugeführt werden kann, als den Eigenverbrauch zu decken. Ein Speicher, der beispielsweise im Februar gar nicht für die Eigenversorgung gebraucht wird, kann zusätzlich für Regelenergiekonzepte genutzt werden. Das ist ganz wichtig: Nur der netzdienliche Speicher hat eine Zukunft.

Magazin: In ökonomischer Hinsicht?

Schröder: In ökonomischer, in volkswirtschaftlicher Hinsicht. Wir glauben, dass das größte Risiko für alle Speicherhersteller ist, wenn ihre Geräte langfristig nicht netzdienlich sind. Denn irgendwann muss die Regulierung kommen. Das einfachste Beispiel ist: Wenn man nicht netzdienlich die PV-Spitzen abpuffert, verschärft man die Mittagsspitze im Netz. Der Speicher lädt sich morgens voll und knallt die Mittagsspitze voll ins Netz. Das führt zu einer Verschärfung der Situation in den Niederspannungsnetzen. Ein netzdienlicher Speicher wie unserer kennt die Wetterdaten, puffert die Mittagsspitze zuverlässig ab und senkt die Netzbelastung. Ersterer Speicher werden langfristig nicht unreguliert bleiben, ist unsere Auffassung. Letzterer Speicher ist eine riesige Chance.

Magazin: Wenn ich Mitglied der Community bin, einen Speicher habe und Interesse am Regelleistungsmarkt, dann teile ich Ihnen das mit oder gehen Sie auf die Leute zu?

Schröder: Wir werden Kontingente freigeben: Sie bekommen in der Community eine E-Mail, in der wir sagen: Wir machen jetzt Regelenergie. Haben Sie Lust mitzumachen – ja/nein. Wenn Sie mitmachen, bekommen Sie die Miete. Das ist auch aus steuerlicher Sicht interessant, weil Sie den Speicher dann gewerblich nutzen. Damit werden wir nun im März beginnen und es wird sich an die Mitglieder der Community richten. Die Community ist der zentrale Bestandteil unserer Firmenstrategie für die Zukunft.

„Wir hoffen, dass wir in ein bis zwei Jahren zeigen können, dass 100 Prozent Erneuerbare Energien funktionieren“

Magazin: Das Ziel der Sonnen-Community ist, dass sich die Community selbst mit Strom ihrer Mitglieder versorgen kann. Haben Sie Berechnungen durchgeführt, ab welcher Leistung der Erzeugungsanlagen und Speicher das möglich sein wird?

Schröder: Wir werden jetzt schon eine sehr hohe Selbstversorgung erreichen. Momentan haben wir eine Grundlast in der Direktvermarktung, die mehr abdeckt, als unsere Mitglieder bislang benötigen. Das heißt, ich könnte medial wirksam sagen: Wir sind schon abgedeckt. Sie nehmen einfach zwei, drei Biogaskraftwerke mit in die Community und zack haben Sie mehr Leistung, als Sie brauchen. Wir haben aber nicht nur Produktionsanlagen, die saisonal verschoben sind, sondern wir haben auch Kunden, deren Speicher wir anfahren können, die wir optimieren können und dadurch haben wir per se eine größere Flexibilität, was die Integration von Erneuerbaren angeht. Wir hoffen, dass wir in ein bis zwei Jahren zeigen können, dass 100 Prozent Erneuerbare Energien in diesem Konzept funktionieren – kosteneffektiv und unter komplettem Wegfall der Energiekonzerne, wie wir sie kennen. Weil wir sie durch Digitalisierung und Dezentralität nicht mehr brauchen.

Magazin: Gibt es auch schon Erzeuger von Wind- und Wasserstrom in der Community?

Schröder: Wasserstrom nicht. Wind ist dabei. Wir gehen auch auf Kommunen zu und ermutigen die, ihre eigenen Kapazitäten einzubringen, um dann den Bürgern unseren Community-Strom anzubieten. Das ist ein Modell, das wir jetzt langsam beginnen umzusetzen. Aber attraktiv ist unser Modell für kleinere Anlagen, egal ob der Strom aus Windkraft, Wasser oder Sonnenlicht gewonnen wird.

Magazin: Wie stark ist die Unternehmensgruppe durch die neuen Geschäftsfelder gewachsen?

Schröder: Was wir jetzt tun, ist, dass wir Eigenschaften, die wir längst hatten, sinnvoll zusammenführen. Es ist nicht so, dass wir bis jetzt Batterieblöcke zusammengeschweißt und verkauft haben und ansonsten kein Know-how aufgebaut haben. Seien es die Wetterdaten, die Software, die selbstlernend ist – viele Kapazitäten hatten wir bereits. Wir mussten diese Fähigkeiten ohnehin entwickeln. Wir taten das kostenlos und ohne es in eine Gesamtstrategie zu schütten, und haben jetzt diese einzelnen Punkte für uns erkannt und zusammengeführt. Trotzdem investiert die Sonnenbatterie im Jahr 2016 Millionen in dem Bereich und wir stellen auch ein. Wir werden auch weiter wachsen. Ich denke, wir werden Ende des Jahres mindestens bei 200 oder mehr Mitarbeitern sein.

Magazin: Das wäre eine Wachstum von über 30 Prozent auf Personalseite.

Schröder: Ja, klar. Wir sind im Umsatz in den letzten vier Jahren im Schnitt um 174 Prozent gewachsen. Das heißt, wir haben da auch die Auszeichnung von Deloitte und Focus als eines der wachstumsstärksten Unternehmen überhaupt in Deutschland bekommen.

Magazin: Sie haben nun Geschäftsräume in Berlin. Was hat das mit dem Standort auf sich?

Schröder: Das ist eine ganz pragmatische Entscheidung gewesen. Berlin hilft, uns besser in der Politik zu positionieren. Es hilft uns auch im Marketing und in der Pressearbeit sehr. Und wir haben hier ganz pragmatisch ein Call-Center aufgebaut, weil Kunden so viele Fragen haben. Das Geschäftsmodell ist so neu. Immer, wenn etwas neu ist, wird genau nachgefragt, wie das geht. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass der Strom aus der Steckdose kommt und jetzt kommt einer daher und sagt: Wir brauchen das alles nicht mehr, wir machen den Strom selber und vernetzen uns miteinander – dann sind die Fragen sehr spezifisch. Aber am Ende ist es ganz einfach: Wir geben dem Kunden Hardware, um Strom selbst zu machen. Und wir geben ihm die Möglichkeit, seinen Strom mit anderen zu teilen.

Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ines Rutschmann.




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