Jede dritte Kilowattstunde war 2015 grün

Nach vorläufigen Zahlen der AG Energiebilanzen hatten die erneuerbaren Energien 2015 einen Anteil von 32,5 Prozent am Stromverbrauch in Deutschland. Das ist ein Zuwachs um fünf Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Die Solarstromerzeugung erhöhte sich leicht. Vornehmlich geht der Zuwachs auf das Konto der Windenergieanlagen an Land.

Alle Daten sind noch vorläufig. Quelle: AG Energiebilanzen

Alle Daten sind noch vorläufig. Quelle: AG Energiebilanzen

Bereits Ende vorigen Jahres vermeldeten der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und das Bundeswirtschaftsministerium die Zahlen: Der Anteil grünen Stroms am Verbrauch in Deutschland war 2015 wieder höher als im Jahr zuvor. Noch nie verlief der Zuwachs aber so rasant: Von 27,4 erhöhte sich der Ökostromanteil auf 32,5 Prozent. Fast jede dritte in Deutschland genutzte Kilowattstunde stammte damit aus erneuerbaren Energien. „2015 kann damit als Jahr in die Geschichte eingehen, in dem erneuerbare Energien als mit Abstand wichtigste Energiequelle erstmals das Stromsystem dominierten“, hat die Denkwerkstatt Agora Energiewende Anfang Januar formuliert.

Verantwortlich für den Zuwachs unter den Erneuerbaren Energien ist vor allem die Windkraft. Zwölf Prozent beträgt der Anteil von Windmühlen an Land, noch einmal ein Prozent der Systeme im Meer. Biomasseanlagen steuerten 6,8 Prozent bei und Photovoltaikanlagen kamen auf einen Anteil von 5,9 Prozent. Für Solarstrom ist das ein Spitzenwert.

Alle Daten sind vorläufig. Quelle: AG Energiebilanzen

Alle Daten sind vorläufig. Im Hausmüll ist nur der biogene Anteil enthalten. Quelle: AG Energiebilanzen

Etwas geringer fällt der Anteil der Erneuerbaren aus, wird die Bruttostromerzeugung in Deutschland betrachtet. Alle Ökostromanlagen zusammen genommen erzeugten knapp 200 Terawattstunden Strom. Das entspricht genau 30 Prozent der in Deutschland produzierten elektrischen Energie. Die Photovoltaikanlagen haben dazu 38,5 Terawattstunden brutto beigetragen, rund zwei Terawattstunden mehr als 2014. Dem gegenüber erhöhte sich die Produktion aller Windkraftanlagen (onshore und offshore) von 57 auf 86 Terawattstunden.

Unter den konventionellen Energien ist Braunkohle der mit Abstand bedeutendste Energieträger. Die Bruttostromerzeugung lag 2015 vermutlich fast genauso hoch wie 2014, bei 155 Terawattstunden. Seit dem Jahr 2000 liegt die Erzeugung aus Braunkohle auf diesem Niveau. Aus Atomkraftwerken stammten 2015 noch 91,5 Terawattstunden. Das ist der niedrigste Wert seit 1990. Steinkohlekraftwerke steuerten unverändert 118 Terawattstunden bei.

Der Verbrauch in Deutschland kletterte leicht nach oben, ist aber weit von den Spitzenwerten von vor zehn Jahren entfernt, bevor die Wirtschaftskrise die Industrie lähmte. Da die Stromproduktion aus konventionellen Energien nicht gleichmäßig mit dem Zuwachs bei erneuerbaren Energien sinkt, hat Deutschland im vergangenen Jahr wieder mehr Strom exportiert – insgesamt 50 Terawattstunden, so viel wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Aus diesem Grund wurden die Rufe nach einem Kohleausstieg wieder lauter. Wirtschaftsminister Gabriel will nun in diesem Jahr mit der Energiewirtschaft einen Konsens finden.

Die Zahlen der AG Energiebilanzen basieren auf Daten des Statistischen Bundesamts, des Wirtschaftsministeriums, des BDEW, des Vereins Statistik der Kohlewirtschaft und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW). Die Stromkennzahlen für das Gesamtjahr 2015 wurden bereits Anfang Dezember ermittelt. Im Frühling werden gewöhnlich die endgültigen Zahlen veröffentlicht. Zuletzt fielen die Stromproduktionsdaten erneuerbarer Energien am Ende noch einmal leicht höher aus als in der vorläufigen Statistik angenommen.

    Autor: Ines Rutschmann » 20.01.2016, 15:00
    Veröffentlicht in: Praxis, Wirtschaft



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