Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch geregelt

Das Bundesfinanzministerium hat die Abrechnung der Umsatzsteuer auf selbst verbrauchten Solarstrom geregelt. Demnach sollen steuerpflichtige Eigenverbraucher zur Wertermittlung ihres Stroms den Preis ihres Lieferanten nutzen. Zur Erfassung der selbst genutzten Energiemenge dürfen die vom Wechselrichter angezeigten Produktionsmengen verwendet werden.

Foto: Bosch Power Tec GmbH

Vom Wechselrichter angezeigte Werte können bei der Steuerermittlung auf Eigenverbrauch genutzt werden. Foto: Bosch Power Tec GmbH

Wer seine Photovoltaikanlage unternehmerisch betreibt, muss auf seine Erträge Umsatzsteuer abführen. Dies gilt sowohl für den ins Netz eingespeisten, den direkt verkauften und auch den selbst verbrauchten Solarstrom. Unklar war dabei bislang, wie der Eigenverbrauch abzurechnen ist. Denn seit der PV-Novelle zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von Frühling 2012 erhalten Anlagenbetreiber keine Vergütung für selbst verbrauchten Strom mehr und mussten ab diesem Zeitpunkt auch keinen Zähler zur Erfassung dieser Energiemenge einrichten. Eine Messung ist erst seit August 2014 wieder Vorschrift, allerdings nicht, um auf Basis der ermittelten Werte eine Vergütung zu zahlen, sondern die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch zu berechnen.

Wer muss Umsatzsteuer abführen?

Daran, wer umsatzsteuerpflichtig ist, hat sich mit dem nun neu herausgegebenen Anwendungserlass des Bundesfinanzministeriums nichts geändert. Das Steuerrecht unterscheidet zunächst Unternehmer und Kleinunternehmer. Anlagenbetreiber, die von der Kleinunternehmerregel Gebrauch machen – das ist bis zu jährlichen Stromerlösen von 17.500 Euro im Jahr möglich -, verzichten damit auf den Vorsteuerabzug. Das heißt, sie können die bei Anschaffung der Anlage anfallende Umsatzsteuer nicht vom Finanzamt zurückfordern. In diesem Fall müssen die Betreiber aber auch keine Umsatzsteuer auf den produzierten Strom abführen – weder auf verkauften, über das EEG vergüteten noch den selbst verbrauchten.

Gewöhnlich machen Anlagenbetreiber aber nicht von der Kleinunternehmerregel Gebrauch, sondern ordnen die Anlage ihrer unternehmerischen Tätigkeit zu – um so den vollen Vorsteuerabzug aus den Baukosten auszuschöpfen. Plant nun der Anlagenbetreiber, seinen Strom teilweise auch selbst zu verbrauchen, kommt eine Einschränkung hinzu: Er gilt nur dann als Unternehmer, wenn er seine Anlage zu mindestens zehn Prozent unternehmerisch nutzt, also Einnahmen aus der Stromproduktion erzielt. Verbraucht er dagegen mehr als 90 Prozent seiner Energie selbst, würde er von den Behörden nicht mehr als Unternehmer betrachtet und damit müsste er keine Umsatzsteuer zahlen, könnte aber auch seine Mehrwertsteuer nicht zurückfordern.

Private oder nichtwirtschaftliche Nutzung von Strom?

Dient die Anlage zu mindestens zehn Prozent dem Erzielen von Umsatz, kann der Betreiber sie seinem Unternehmen vollständig zuordnen. Bezüglich seines Eigenverbrauchs unterscheidet der Gesetzgeber nun, ob dieser zu privaten Zwecken erfolgt oder dem Unternehmen nutzt.

In letzterem Fall handelte es sich um eine nichtunternehmerische und  nichtwirtschaftliche Nutzung des Stroms. Dies kommt sicherlich sehr selten vor. Sie ist beispielsweise gegeben, wenn eine Anlage auf einem Gewerbebetrieb installiert ist und ein Teil des Stroms einem gemeinnützigen Zweck zufließt, beispielsweise in die Versorgung einer nahegelegenen Schule. Da die Stromspende dazu beiträgt, das Ansehen des Unternehmens zu erhöhen, aber keinen ersichtlichen wirtschaftlichen Effekt hat, muss für diese Energiemenge keine Umsatzsteuer abgeführt werden. Allerdings darf der Anlagenbetreiber dann auch nicht die volle Mehrwertsteuer aus der Anschaffung der Anlage vom Finanzamt zurückfordern, sondern lediglich anteilig für die wirtschaftliche Nutzung des Systems. Das bedeutet auch, dass die beiden unterschiedlich genutzten Strommengen zu erfassen sind.

In der Praxis viel häufiger gegeben ist eine private Nutzung des Stroms. Dies liegt vor, wenn jemand auf seinem Eigenheim eine Photovoltaikanlage betreibt und den Strom selbst verbraucht und die Überschüsse ins Netz einspeist. Da er dafür eine Vergütung nach EEG erhält, gilt der Betreiber als Unternehmer, so lange er die Zehn-Prozent-Regel erfüllt. Er kann seinen Vorsteuerabzug voll geltend machen, aber er muss dann auch auf den selbst verbrauchten Strom Umsatzsteuer zahlen. Wie bei der Abrechnung vorzugehen ist, hat das Bundesfinanzministerium nun in einem Anwendungserlass erläutert.

Erfassung des Eigenverbrauchs

Am einfachsten wäre es natürlich, wenn der Eigenverbrauch (oder auch die nicht wirtschaftliche Nutzung des Stroms) über einen eigenen Zähler gemessen wird. Für neu errichtete Photovoltaikanlagen größer zehn Kilowatt Leistung muss der Eigenverbrauch laut Erneuerbare-Energien-Gesetz über eine geeichte Messeinrichtung ermittelt werden. Für kleinere Systeme und für Eigenverbrauchsanlagen, die zwischen April 2012 und Juli 2014 ans Netz gingen, besteht aber keine entsprechende Vorschrift.

Das Bundesfinanzministerium sieht daher das folgende Vorgehen vor: Die Betreiber ermitteln die gesamte Produktionsmenge der Anlage und ziehen den ins Stromnetz eingespeisten oder direkt verkauften Teil ab. Bei der Erfassung der Gesamtmenge ist es zulässig, den Wert am Wechselrichter abzulesen. Alternativ können Betreiber ihre Produktion auch abschätzen. Dabei ist die Leistung des Systems mit 1.000 zu multiplizieren, stellvertretend für eine in Deutschland mögliche Erzeugungsmenge von 1.000 Kilowattstunden pro installiertes Kilowattpeak im Jahr.

Wertermittlung einer Kilowattstunde

Um die Umsatzsteuer nun zu berechnen, ist noch ein zweiter Faktor nötig: Welchen Wert soll eine selbst verbrauchte Kilowattstunde denn haben? Hier sieht das Ministerium vor, den Strompreis des Energieversorgers zu Grunde zu legen, von dem man zusätzlich Strom bezieht. Sollte der Anlagenbetreiber komplett autark leben, ist der Strompreis des Grundversorgers in der Region anzulegen.

Regelungen für Stromspeicher

Der Anwendungserlass gibt auch Hinweise zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Stromspeichern. Knackpunkt ist hier die Frage, ob die Batterie für sich allein steht oder als mit der Photovoltaikanlage verknüpft gilt. Speist der Speicher elektrische Energie ins Stromnetz und wird vergütet, kann er dem Unternehmen „Solaranlagenbetrieb“ zugeordnet werden. Dann kann sich der Betreiber auch die bei der Anschaffung entrichtete Umsatzsteuer zurückholen. Für den vergüteten Speicherstrom muss wiederum Umsatzsteuer gezahlt werden.

Macht der verkaufte Strom weniger als ein Zehntel an der insgesamt gespeicherten Energiemenge aus, greift wieder die 10-Prozent-Grenze: Der Speicher dient dann nicht mehr unternehmerischen Zwecken und kann auch dem Unternehmen nicht mehr zugeordnet werden. Ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich. Bei Anschaffung der Anlage ist Mehrwertsteuer zu zahlen.

Alle Regelungen entsprechen sehr stark der Lösung, die der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) in der Vergangenheit unterstützt hat. Rückwirkend, also für bereits abgegebene Steuererklärungen müssen die neuen Regelungen nicht angewandt werden – aber für alle, die künftig bei den Finanzbehörden eingereicht werden.

    Autor: Ines Rutschmann » 01.10.2014, 14:30
    Veröffentlicht in: Steuern



Zurück zur Übersicht

Suche nach: