Regelleistungsmodell von gridX: Offen für gängige Speichersysteme

Teil 3 der Serie über Regelleistung: Das Startup-Unternehmen gridX hat eine Schwarmtechnologie für Speichersysteme entwickelt, die Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander vernetzen kann. Wird Regelleistung aus den Hausbatteriespeichern verkauft, will die Firma die Erlöse an die Betreiber weiterreichen. Die notwendigen Steuerboxen können bereits bestellt werden. Noch wartet das Unternehmen aber auf die Präqualifizierung durch die Übertragungsnetzbetreiber.

Die Steuerbox von gridX verknüpft Speicher unterschiedlicher Marken zu einem virtuellen Großspeicher. Foto: gridX

Die Steuerbox von gridX verknüpft Speicher unterschiedlicher Marken zu einem virtuellen Großspeicher. Foto: gridX

Unter den Anbietern von Regelleistungskonzepten für Batteriespeicher fällt die gridX GmbH auf: Das Unternehmen stellt weder Speichersysteme her, noch vertreibt es diese. Bei dem Startup handelt es sich um eine Ausgründung aus der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Dort haben die Mitstreiter eine Software und eine Steuerbox zur Vernetzung von Batteriespeichern entwickelt. „gridBox“ heißt die Steuerbox. gridX stellt sie in Kooperation mit verschiedenen Zulieferern in Deutschland selbst her. Das Gerät sorgt dafür, dass Batteriespeicher virtuell miteinander vernetzt werden und am Regelleistungsmarkt teilnehmen können. Unerheblich ist dabei, ob die Speichergeräte von einem oder unterschiedlichen Herstellern stammen: Das Managementsystem funktioniert mit „allen gängigen Speichersystemen“, erklärt Geschäftsführer David Balensiefen.

Speichersysteme können bis zu 500 Euro pro Jahr erwirtschaften

Die „gridBox“ fungiert dabei einmal als Energiemanager im Haus und zeigt über eine App und ein Internetportal die Energieflüsse an. Darüber hinaus übermittelt sie verschiedene Parameter der Batterie an ein Rechenzentrum. Die Software sorgt für die Bewirtschaftung des Speichers, so dass er jederzeit Regelleistung bereitstellen kann. Wird die Systemdienstleistung im Stromversorgungssystem gebraucht, erfolgt die Vermarktung automatisch. Die Erlöse aus dem Verkauf von Primärregelleistung will gridX an die Speicherbetreiber ausschütten. Bis zu 500 Euro pro Jahr könnte jeder Einzelne verdienen, wirbt die Firma.

Wie viel Geld ein Speicherbetreiber erwirtschaftet, hängt natürlich von der Größe seines Speichers, aber auch teilweise von ihm selbst ab. Denn er kann vorgeben, wie viel Speicherleistung er freigeben will. Die Vermarktung wird in zwei Modi gefahren: Entweder strebt der Betreiber so viel Eigenversorgung mit seinem Solarstrom wie möglich an und gibt nur Leistung frei, derer er selbst nicht bedarf. Oder er versucht, so viel Erlös wie möglich über die Regelleistung zu erzielen. Das kann dann bedeuten, dass er auf eine stärkere Versorgung aus dem Stromnetz angewiesen ist.

Bis Ende Oktober gibt’s die Steuerbox zum Vorzugspreis

Um an diesem Modell teilnehmen zu können, muss der Speicherbetreiber eine „gridBox“ kaufen. 449 Euro kostet sie regulär. Bis Ende Oktober können Interessierte ein Gerät vorbestellen zum Preis von 299 Euro. Die Auslieferung läuft gerade an, aber noch in kleinen Stückzahlen. Zum Jahreswechsel sollen viele Geräte verfügbar sein. Die Zahlung von 299 Euro ist nach Bestellung zu leisten. Wer jedoch von seiner Bestellung zurücktritt, erhält sein Geld zurück. Dazu hat der Kunde bis zu zwei Wochen nach Erhalt der Steuerbox Zeit.

Die Installation des Geräts kann der Kunde selbst vornehmen. Er kann die Box an der Wand befestigen und verbindet sie per Ethernetkabel mit dem Batteriewechselrichter und per Netzstecker mit einer Steckdose. Wer die Steuerbox installiert hat, wird automatisch Teil eines Pools. Überschussstrom aus der Batterie wird direkt vermarktet, ohne dass die Marktprämie in Anspruch genommen wird. Durch den Verzicht auf die Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist die Installation eines zusätzlichen Stromzählers überflüssig, sagt Balensiefen. Es genüge, alle Stromflüsse über einen Zweirichtungszähler zu erfassen. Die Erträge aus der Direktvermarktung werden mit den Kosten für die Lieferung von Reststrom verrechnet. Wer als Energieversorger und Vermarkter in dem Modell agiert, wird nicht verraten. Zeitnah wolle gridX alle Dienstleistungen selbst übernehmen, einschließlich des Anbietens von Regelleistung, fügt Balensiefen hinzu.

Bis Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres rechnet er damit, dass die Zulassung der Schwarmtechnologie für den Regelleistungsmarkt vorliegen wird. Dann soll die Vermarktung von Regelleistung beginnen.

    Autor: Ines Rutschmann » 06.10.2016, 09:33
    Veröffentlicht in: Produkte



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