Regelleistungsmodell von Fenecon: Ohne EEG, mit Freistrom

Teil 2 der Serie über Regelleistungsmodelle: Der bayerische Speicherhersteller Fenecon hat sich für ein Konzept mit drei weiteren Unternehmen zusammengetan. Die Betreiber einer Solarstromanlage mitsamt Speicher gehen dabei aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz heraus und erhalten somit keine Erlöse aus der Stromeinspeisung ins Stromnetz mehr. Dafür bekommen sie mindestens fünf Jahre 1.000 Kilowattstunden Freistrom. Noch dieses Jahr soll die Vermarktung von Primärregelleistung starten. 

Dreiphasige Speicher von Fenecon sollen bald am Regelleistungsmarkt teilnehmen können. Dafür erhalten die Betreiber 1.000 Kilowattstunden Strom im Jahr umsonst. Foto: Fenecon GmbH & Co. KG

Dreiphasige Speicher von Fenecon sollen bald am Regelleistungsmarkt teilnehmen können. Dafür erhalten die Betreiber 1.000 Kilowattstunden Strom im Jahr umsonst. Fotos (2): Fenecon GmbH & Co. KG

Um Regelleistung aus Batteriespeichern in Deutschland anzubieten, haben sich der Energieversorger Jurastrom GmbH, der Speicherhersteller Fenecon GmbH & Co. KG und das IT-Unternehmen Ampard AG aus der Schweiz zusammengeschlossen. Ampard hat die Schwarmtechologie entwickelt. Zur Vernetzung der Batteriespeicher baut Fenecon das Managementsystem direkt in die Geräte ein. Die Software von Ampard bewirtschaftet die Speicher dann so, dass sie für den Einsatz am Regelleistungsmarkt jederzeit gewappnet sind. Primärregelleistung muss innerhalb von 30 Sekunden für das Netz bereitstehen. Entsprechend sind die Speicher zu pflegen: Sie werden auch mal entladen, wenn sie zu voll mit Solarstrom sind, und geladen, wenn sie nicht mehr genügend Strom gespeichert haben. Jurastrom übernimmt die Bilanzierung und Lieferung der Energiemengen. Am Regelleistungsmarkt selbst tritt ein viertes Unternehmen auf, das auf das Anbieten von Systemdienstleistungen spezialisiert ist. Sein Name soll nicht genannt werden.

1.000 Kilowattstunden Freistrom pro Jahr

Der Speicherbetreiber hat auf all diese Abläufe keinen Einfluss. Sie laufen automatisch im Hintergrund und stehen der direkten Nutzung seines Solarstroms nicht im Wege. Entscheidet er sich für das Modell, verlangt ihm das zunächst drei Unterschriften ab: Er schließt einen Vertrag mit Jurastrom zur Vermarktung von Systemdienstleistungen ab, einen weiteren Vertrag mit Jurastrom zur Vermarktung seines Solarstroms. Wenn der Speicher gerade entladen werden muss, um für den Regelleistungsmarkt zur Verfügung zu stehen, veräußert das Unternehmen die Energie am Strommarkt. Ein dritter Vertrag mit Jurastrom regelt den Bezug von Strom aus dem Netz – zum Laden des Speichers aber auch zur Versorgung des Kunden. Diese Energie liefert das Unternehmen aus Wasserkraftwerken. Mittelfristig sollen die drei Verträge in einen einzigen überführt werden.

Und was hat der Kunde davon? Fenecon garantiert 1.000 Kilowattstunden Freistrom pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren. „Wir wollen dem Kunden gern 20 Jahre lange 1.000 Kilowattstunden Strom kostenlos liefern, aber fünf Jahre sind das, was wir überschauen können“, sagt Geschäftsführer Franz-Josef Feilmeier. Die Mindestlaufzeit der Verträge beträgt zwölf Monate. Danach steht es dem Kunden frei, zum Ende eines Monats zu kündigen. Bleibt er hingegen dabei, gilt die Fünf-Jahres-Garantie.

ampard

Die Steuerbox von Ampard: Das Gerät wird direkt in den Batteriespeicher eingebaut, wenn Regelleistung bereit gestellt werden soll.

Anlagenbetreiber beziehen keine EEG-Vergütung mehr

Um am Regelleistungsmodell mitwirken zu können, ist der Einbau der Managementbox notwendig. Das kostet rund 500 Euro. Ein zusätzlicher Stromzähler ist nicht erforderlich, sagt Feilmeier. Über einen Zweirichtungszähler könnten alle Stromflüsse erfasst werden. Dass ein Zähler reicht, liegt daran, dass die Solarstromerzeuger und Speicherbetreiber aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gehen. Für den eingespeisten Strom wird keine Marktprämie in Anspruch genommen, aber auch keine Einspeisevergütung.

Aus dem EEG herauszugehen, strebt Fenecon an, um eine unbürokratische Lösung anzubieten, die dem Kunden dennoch einen Mehrwert bietet. Erzielt der Kunde keine Erlöse durch den Strom, den er selbst produziert, ist er kein Unternehmer. Dann entfällt zum einen die Einkommensteuererklärung auf die Einnahmen. Zum anderen braucht der Betreiber keine Umsatzsteuererklärung auf selbst verbrauchten als auch verkauften Strom zu erstellen, wenn er nicht ohnehin davon befreit war, weil er die Kleinunternehmerregel nutzte. Nur die Mitteilungen im Rahmen der Zahlungspflicht der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch müssten Solarstromerzeuger noch leisten – sofern ihre Photovoltaikanlage nicht unter die Bagatellgrenze von zehn Kilowatt Leistung fällt. „Für uns sind zwei Themen wichtig“, sagt Feilmeier: „Die Kunden haben deutliche Einsparungen durch den Freistrom über fünf Jahre. Und das Ganze gibt’s bürokratiefrei, denn wir machen alles.“ Das neue EEG 2017 verbietet ohnehin den Bezug der Einspeisevergütung, wenn die gleiche Anlage auch Regelleistung bereitstellt.

Betreiber dreiphasiger Fenecon-Speicher können sich beteiligen

Noch diesen Herbst will Fenecon mit dem Vertrieb des Regelleistungskonzepts starten. Ampard und Fenecon geben an, in den nächsten Wochen mit der Präqualifizierung des Modells zu rechnen. 50 Schwarmstromsysteme sind bereits installiert, die sofort Primärregelleistung bereitstellen können, wenn die Übertragungsnetzbetreiber den Prüfprozess abgeschlossen haben. Bei 450 weiteren Speicherbetreibern könnte die Ampard-Technologie nachgerüstet werden, wenn die Kunden am Regelleistungskonzept teilnehmen wollen. Grundsätzlich können sich Betreiber von dreiphasigen Fenecon-Speichern, die seit 2013 in Betrieb sind, am Modell beteiligen.

Fenecon nutzt die Schwarmspeichertechnologie von Ampard nicht exklusiv. Ampard ist offen für Kooperationen mit Partnern in ganz Europa. Die Technologie ist so beschaffen, dass sie sich mit Speichern verschiedener Hersteller koppeln lässt. In den Niederlanden etwa arbeitet das Unternehmen mit Tesla, Solaredge und dem Energieunternehmen Eneco zusammen. Hier wird gerade ein Pool aufgebaut, um in den nächsten Monaten 400 Speicherbatterien miteinander zu vernetzen.

    Autor: Ines Rutschmann » 05.10.2016, 09:24
    Veröffentlicht in: Produkte



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