Regelleistung: Hintergrund zu neuen Geschäftsmodellen für Speicher

Werden kleine Hausbatteriespeicher virtuell miteinander verknüpft, können sie zeitgleich Leistung ins Netz abgeben. Mit dieser Regelenergie können sie zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Derzeit werden verschiedene Konzepte beworben, wie Betreiber von Speichern durch die Vermarktung von Regelleistung einen Mehrwert erwirtschaften können. Wir stellen die Konzepte einzeln vor, beginnen aber mit einem Hintergrundtext.

Solarenergie kann das Stromnetz stabilisieren - wenn die Energie in Batteriespeichern gesammelt wird. Viele kleine Speicher müssen dann aber miteinander vernetzt werden, um am Regelleistungsmarkt teilnzunehmen. Entsprechende Geschäftsmodelle entstehen gerade. Foto: Gina Sanders/Fotolia

Solarenergie kann das Stromnetz stabilisieren – wenn die Energie in Batteriespeichern gesammelt wird. Viele kleine Speicher müssen dann aber miteinander vernetzt werden, um am Regelleistungsmarkt teilnzunehmen. Entsprechende Geschäftsmodelle entstehen gerade. Foto: Gina Sanders/Fotolia

Ein Batteriespeicher speichert Solarstrom, den der Erzeuger gerade nicht braucht, aber später am Tag oder einem anderen Tag noch verbrauchen kann. So muss er weniger Strom aus der Steckdose beziehen und kann einen größeren Anteil seiner eigenen Energie nutzen. Bei bis zu 70 Prozent liegt dieser, besagen Studien. Allerdings ist die Anschaffung eines kleinen Batteriespeichers häufig teurer, als sein finanzieller Nutzen. Das Förderprogramm über die KfW-Bank bezuschusst den Kauf von Speichern. Die Solarbranche will sich aber nicht dauerhaft auf staatliche Unterstützung verlassen, zumal bis Jahresende gerade die staatlichen Mittel ausgeschöpft sind. Unternehmen arbeiten daher daran, dass sich Batteriespeicher von selbst bezahlt machen – und zwar bevor die Preise so gefallen sind, dass die sogenannte „Speicher-Parität“ erreicht ist, der Zeitpunkt, wenn das Speichern einer Kilowattstunde Solarstrom genauso viel kostet wie der Bezug einer Kilowattstunde aus dem Stromnetz.

Was derzeit am stärksten ins Auge gefasst wird, um den Betrieb von Batteriespeichern rentabel zu machen, läuft unter dem Schlagwort „Regelleistung“. Die Übertragungsnetzbetreiber benötigen Regelleistung, um das Stromnetz stabil zu halten und zahlen dafür. Drei Varianten können sie abrufen: Primärregelleistung, Sekundärregelleistung und die Minutenreserveleistung. Die Dienstleistungen unterscheiden sich hinsichtlich der Schnelligkeit, mit der sie bereitstehen müssen und der Dauer, die sie in Anspruch genommen werden können. Primärregelleistung wird innerhalb von 30 Sekunden abgerufen und bis zu 15 Minuten lang bezogen. Sekundärregelleistung soll nach fünf Minuten vollständig verfügbar sein und bis zu 30 Minuten genutzt werden können. Die Minutenreserve soll nach 15 Minuten bereitstehen, für bis zu eine Stunde.

Unterschiede gibt es zudem in der Art, wie die Bereitstellung der Leistung ausgelöst wird. Da primäre Regelleistung sehr schnell geliefert werden muss, wird die Netzfrequenz am Standort jedes Speichers gemessen. Ändert sich der Wert zu stark, nimmt der Speicher Strom auf oder speist Energie ins Netz. Bei Sekundärregelleistung sendet der Übertragungsnetzbetreiber dem Anbieter ein Signal, dass positive oder negative Regelleistung bereitzustellen ist. Wie dieser es umsetzt, bleibt ihm überlassen – hier kann der Vermarkter die Geräte auswählen, die beispielsweise von negativer Regelleistung profitieren.

Geschäftsmodelle für Regelleistung aus Speichern untereinander schwer vergleichbar

Batteriespeicher können sehr schnell Leistung ins Stromnetz abgeben, aber auch schnell Leistung aus dem Netz aufnehmen. Sie sind damit geeignet, positive wie negative Regelleistung bereitzustellen. Ein System allein reicht jedoch nicht aus. Denn ein Unternehmen muss Mindestmengen anbieten: Bei Primärregelleistung ein Megawatt, bei Sekundärregelleistung fünf Megawatt. Dazu braucht es eine bestimmte Anzahl von Hausbatteriesystemen, die miteinander vernetzt werden. Die Verknüpfung von vielen kleinen Speichern zu einem virtuellen Großspeicher geschieht über Steuerboxen, die am Speicher installiert werden und in Kontakt zu einer zentralen Plattform stehen. Die Software dahinter übernimmt die Verwaltung aller Speicher des Schwarms. So können auch kleine Batteriesysteme am Regelenergiemarkt teilnehmen.

Öffentlich gemacht haben Unternehmen bislang fünf Modelle, die das Magazin des Photovoltaikforums kurz vorstellen wird. Sie sind untereinander schwer vergleichbar: Die einzelnen Konzepte sind entweder beschränkt auf Speichergeräte eines bestimmten Herstellers oder offen für diverse Marken. Sie sind sowohl auf Primärregelleistung, als auch Sekundärregelleistung ausgerichtet. Die Kosten für die Anschaffung einer Managementbox für die Batterie variieren stark. Bei manchen ist die Installation eines weiteren Stromzählers erforderlich, bei anderen nicht. Als Mehrwert winken den Speicherbetreibern entweder kostenloser Strom oder zusätzliche Erlöse oder auch beides. Variabel ist, ob für den Bezug von Reststrom noch etwas gezahlt werden muss und zu welchen Konditionen.

Präqualifizierungsverfahren durch Übertragungsnetzbetreiber gilt als komplex

Offen ist in mehreren Fällen noch, wann die Vermarktung der Regelleistung beginnt. Eine Firma verkauft bislang Regelleistung aus in Deutschland installierten Batteriespeichern. Alle anderen warten noch auf eine Genehmigung ihrer Schwarmtechnologie. Die Übertragungsnetzbetreiber prüfen, ob ein virtueller Großspeicher die Voraussetzungen erfüllt, am Regelleistungsmarkt teilzunehmen. Es gilt, sicherzustellen, dass die Speicher auf jeden Fall die Systemdienstleistung bereitstellen können, wenn sie gebraucht wird. Das entsprechende Präqualifizierungsverfahren gilt als komplex.

Neben den technischen Voraussetzungen müssen administrative Bedingungen erfüllt sein. Damit der Ladezustand der Batterie jederzeit ausreicht, um Leistung ins Netz abzugeben oder aufzunehmen, sind die Batterien bei Bedarf mit Strom aus dem Netz zu laden und in dieses zu entladen. Für die Lieferung und den Verkauf der Energie muss ein Energieversorgungsunternehmen verantwortlich zeichnen, in dessen Bilanzkreis auch die Regelenergie aufgenommen wird. Einher geht die Vermarktung von Regelleistung für den Speicherbetreiber daher immer mit dem Abschluss eines Liefer- und Vermarktungsvertrags mit dem entsprechenden Energieversorger. Der Energieversorger kann dabei auch der Anbieter am Regelleistungsmarkt sein, aber das muss nicht sein. Möglich ist auch, dass eine Gruppe von Unternehmen ein Regelleistungskonzept gemeinsam verantwortet: Der Hersteller der Batteriespeicher, der Hersteller des Managementsystems, der Energieversorger und der Regelleistungsvermarkter.

Bieter erhalten Preise entsprechend ihrer Gebote

Die Auktionen für Primär- und Sekundärregelleistung erfolgen einmal die Woche. Dabei umfasst das Anbieten von Primärregelleistung sowohl negative wie positive Regelleistung. Wer Sekundärregelleistung vermarkten will, kann an zwei Auktionen teilnehmen – für positive und für negative Regelleistung. Das bedeutet aber auch, dass sich der Vermarkter festlegen muss, ob er Leistung aus dem Netz aufnehmen oder ins Netz abgeben will. Der Ablauf der Auktionen ist jedoch gleichartig: Die Bieter binden sich an die Bereitstellung der Systemdienstleistung an jedem Tag der entsprechenden Woche. Die Gebote werden nach ihrem Preis sortiert. Entsprechend der so entstehenden Reihenfolge erhalten die Bieter einen Zuschlag zu dem Preis, den sie im Gebot angegeben haben, bis keine Leistung mehr benötigt wird.

Hinweis: Der Text wurde kurz nach Veröffentlichung noch um zwei Absätze zum Ablauf der Auktionen und der Regelleistungsabgabe ergänzt.

Weitere Teile der Serie:

Teil 2: Regelleistungsmodell von Fenecon

Teil 3: Regelleistungsmodell von gridX

Teil 4: Regelleistungsmodell von Caterva

Teil 5: Regelleistungsmodell von Sonnen

Teil 6: Regelleistungsmodell von Deutsche Energieversorgung

 

    Autor: Ines Rutschmann » 04.10.2016, 13:29
    Veröffentlicht in: Praxis, Produkte



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