Thüringen und Nordrhein-Westfalen fördern Photovoltaikanlagen und Speicher

Umweltministerin Barbara Hendricks hat ihren Entwurf für einen Klimaschutzplan bis zum Jahr 2050 fertig gestellt. Heute sollte er vom Bundeskabinett beschlossen werden. Aber daraus wird nichts: Die Ministerin wird ohne neue Ziele zur Klimakonferenz nach Marrakesch fahren. Um die Energiewende voranzutreiben, haben nun Nordrhein-Westfalen und Thüringen Förderprogramme aufgesetzt. Für die Anschaffung von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern gibt es Zuschüsse.

Die Nennleistung der Module bestimmt, ob eine Solaranlage fernsteuerbar sein muss oder nicht. Foto: Smileus/Fotolia

Der Photovoltaikausbau befindet sich in Deutschland weit unter den politischen Zielen. Thüringen und Nordrhein-Westfalen fördern nun die Installation von Solaranlagen und Speichern mit eigenen Programmen. Foto: Smileus/Fotolia

Am Montag hat die Weltklimakonferenz in Marrakesch begonnen. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wollte mit einem neuen Ziel nach Marokko reisen: Bis 2030 soll der Kohlendioxidausstoß in Deutschland gegenüber dem Jahr 1990 um 45 Prozent verringert werden. So steht es in dem von ihrem Ministerium ausgearbeiteten Klimaschutzplan. Er sollte heute Thema im Bundeskabinett sein. Aber die Regierung von Angela Merkel (CDU) wird das Papier nicht beschließen. Medienberichten zufolge intervenierte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Hendricks Plan sieht unter anderem einen beschleunigten Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen vor. So soll der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor bis 2030 auf mehr als 70 Prozent steigen. Das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber dem heutigen Stand und übertrifft das im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgeschriebene Ziel von 55 bis 60 Prozent bis 2035. Dabei wird der Zubau neuer Photovoltaikanlagen in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge nicht das politische Ausbauziel von 2.500 Megawatt pro Jahr erreichen. Auf diese Entwicklung hat das für Energiepolitik zuständige Bundeswirtschaftsministerium bislang in keiner Weise reagiert.

Zwei Bundesländer starten Förderprogramm für Investitionen in Photovoltaik

Zwei Bundesländer haben nun eigene Förderprogramme verabschiedet, um die Energiewende voranzutreiben. Nordrhein-Westfalen will unter anderem die Markteinführung regenerativer Energien unterstützen, „um somit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Reduktion von CO2-Emissionen zu leisten“. Programm für rationelle Energieverwendung, regenerative Energien und Energiesparen, kurz progres.nrw, heißt das Konzept. Thüringen hat die Installation von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern und Wärmespeichern ins Auge gefasst. „Die Förderung zielt insbesondere darauf ab, den Eigenverbrauch von Strom aus Photovoltaik zu erhöhen und die Einführung von Mieterstrommodellen voranzutreiben“, heißt es in der Richtlinie zur Förderung des Eigenstromverbrauchs „Solar Invest“. Bislang ist auf Mieterstrom die volle EEG-Umlage zu zahlen, obwohl der Strom direkt verbraucht wird. Die Bundesregierung hat bekundet, dies ändern zu wollen. Dazu muss das Wirtschaftsministerium aber erst noch eine Verordnung verfassen.

Thüringen: Eigenversorgung, Mieterstrom und Bürgerenergiegesellschaften stärken

Das Förderprogramm in Thüringen läuft bis Ende 2019 und splittet sich in drei Bereiche: Investitionen in Photovoltaikanlagen und Energiespeicher, die Beratung und Realisierung von Mietstrommodellen und Unterstützung von Bürgerenergiegenossenschaften bei der Teilnahme an Ausschreibungen für Photovoltaikanlagen. Voraussetzung für eine Zuwendung ist stets, dass die Projekte in Thüringen umgesetzt werden und dass ihre Finanzierung auch ohne Förderprogramm abgesichert ist. Die Anlagen sollen technischen Mindestanforderungen entsprechen und marktfähig sein. Letzteres bedeutet, dass keine Prototypen, gebrauchte Anlagen oder Selbstgebautes gefördert werden. Die Investitionen sollen neu erfolgen. Lediglich bei thermischen Energiespeichern können bestehende Systeme ersetzt oder erweitert werden.

Für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher gibt es dann Zuschüsse, wenn der Strom der Eigenversorgung dient. Erzeugter Solarstrom soll weder in ein Netz gespeist noch an Dritte in der Nähe geliefert werden. Mit einem Batteriespeicher soll die Eigenversorgungsquote mindestens 60 Prozent betragen. Zudem ist ein Nachweis vorzulegen, dass der Händler oder Hersteller acht Jahre für die Batterie garantiert. Ein thermischer Energiespeicher soll dafür sorgen, dass Solarenergie zu mindestens 60 Prozent den Wärmebedarf des jeweiligen Gebäudes deckt – unabhängig davon, ob die Energie durch Solarkollektoren oder Photovoltaikmodule generiert wurde. Die Installation ist von einer Fachkraft durchzuführen und über einen Anlagenpass respektive Speicherpass zu belegen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, muss nur noch ein letztes Kriterium erfüllt sein: Die Zuschüsse können Kommunen und kommunale Betriebe, kleine und mittelgroße Unternehmen, Genossenschaften, gemeinnützige Gesellschaften und Bürger empfangen.

40 bis 50 Prozent der Kosten für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher werden bezuschusst

Dazu ist ein Antrag bei der Thüringer Aufbaubank zu stellen. Voraussichtlich ab 14. November nimmt die Bank Anträge an. Zwischen zehn und 40 Prozent der Projektkosten kann der Investor erhalten. Wer einen Solaranlage und einen Speicher zusammen anschafft, bekommt bis zu 50 Prozent seiner Kosten erstattet. Die Höhe der Zuschüsse ist dabei auf maximal 100.000 Euro begrenzt. Projekte, die weniger als 1.000 Euro kosten, sind vom Förderprogramm ausgeschlossen. Liegt ein Zuwendungsbescheid vor, kann der Antragsteller den Liefervertrag schließen. Nachdem er alle Rechnungen bezahlt hat, legt er diese der Aufbaubank vor und ruft die Zuwendung ab.

Bei Projekten zur Versorgung von Mietern im eigenen Haus mit Solarstrom sind die Fördersätze höher. Das Minimum liegt wieder bei zehn Prozent der Kosten. Maximal können aber Investoren bis zu 80 Prozent der Kosten zur Planung und Umsetzung von Konzepten erhalten. Dabei wird nicht die Anschaffung einer Photovoltaikanlage gefördert, sondern der Kauf und die Installation von Steuer-, Mess- und Abrechnungssystemen. Bedingung für eine Förderung von Mieterstromprojekten ist, dass die elektrische Energie günstiger ist als die des Grundversorgers der Region. Kommunale Unternehmen, kleine und mittelgroße Betriebe, Genossenschaften, Stiftungen und gemeinnützige Gesellschaften können die Zuschüsse beantragen. Bürgerenergiegesellschaften können zudem Fördermittel für Beratungsleistungen, Gutachten, Studien und Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Rahmen von Photovoltaik-Ausschreibungen in Anspruch nehmen.

Nordrhein-Westfalen: Speicher und innovative Technologien fördern

Das Programm „progres.nrw“ umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, um Kohlendioxidemissionen zu mindern. Unter anderem werden solarthermische Anlagen, Photovoltaiksysteme und Batteriespeicher bezuschusst. Privatleute, Freiberufler und kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Gemeinden können einen Antrag stellen, wenn sie ein Projekt in Nordrhein-Westfalen planen. Erst nach Bewilligung eines Zuschusses darf dieses umgesetzt werden.

Photovoltaikanlagen werden bis zu einer Leistung von zehn Kilowatt gefördert und nur, wenn sie auf bestimmten Gebäuden oder in bestimmter Weise auf Gebäuden angebracht werden: Etwa auf Passivhäusern und bestimmten öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, als Fassadenanlage oder wenn es sich um eine innovative Technologie handelt. An einer Fassade soll der Stromertrag dabei bei mindestens 400 Kilowattstunden pro Kilowatt installierter Leistung liegen, bei Dachanlagen mindestens 800 Kilowattstunden und bei innovativen Technologien bei mindestens 1.000 Kilowattstunden. Dann fördert Nordrhein-Westfalen ein Projekt pro Antragsteller im Jahr mit 500 Euro für jedes Kilowatt Leistung, das installiert werden soll.

Hälfte der Kosten für einen Batteriespeicher – bis 75.000 Euro

Stationäre Batteriespeicher werden in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage bezuschusst, wenn diese mehr als 30 Kilowatt Leistung aufweist. Die Photovoltaikanlage kann gemeinsam mit dem Batteriespeicher angeschafft werden oder der Batteriespeicher kann zu einer bestehenden Anlage gefügt werden. Bedingung ist dann, dass die Photovoltaikanlage nicht vor 2013 errichtet wurde. Der Speicher selbst soll dafür sorgen, dass nur noch maximal die Hälfte der installierten Solarstromleistung im Netz landet. Auch wenn der Speicher wieder außer Betrieb geht, bleibt diese Einschränkung. Für den Speicher muss zudem eine Garantie vom Hersteller über einen Zeitraum von zehn Jahren vorliegen.

Sind die Bedingungen erfüllt, reicht das Bundesland 50 Prozent der Kosten für die Anschaffung eines Speichers aus – bis maximal 75.000 Euro. Zu beantragen ist die Förderung bei der Bezirksregierung Arnsberg. Formulare sind dort auf der Internetseite eingestellt. In diesem Jahr können noch bis 1. Dezember Anträge eingereicht werden. Im neuen Jahr wieder ab 4. Februar. Ende 2017 läuft das Programm aus.

Ergänzung vom 14. November:

Die Bundesregierung hat sich am 14. November auf einen Klimaschutzplan geeinigt, nachdem am Entwurfspapier noch einmal Veränderungen vorgenommen worden waren. Ziel ist, bis 2030 die Treibhausemissionen auf maximal 562 Millionen Tonnen zu begrenzen. Das sind rund 38 Prozent weniger gegenüber dem heutigen Stand und 55 Prozent weniger gegenüber 1990. Erstmals hat eine Bundesregierung konkrete Ziele für die einzelnen Sektoren festgelegt. Der Energieversorgung werden dabei noch die meisten Emissionen zugestanden: 175 bis 183 Millionen Tonnen Kohlendioxid dürfen 2030 noch aus Kraftwerken stammen. Das entspricht einem Anteil von rund 32 Prozent am Gesamtausstoß. Neue Ausbauziele für erneuerbare Energien im Stromsektor enthält der Plan nicht, sondern es werden die im Erneuerbare-Energien-Gesetz formulierten Ausbauziele bekräftigt. Am 14. November ist Umweltministerin Barbara Hendricks in Marrakesch eingetroffen und hat vor der Weltklimakonferenz gesprochen.

    Autor: Ines Rutschmann » 09.11.2016, 12:34
    Veröffentlicht in: Politik, Praxis


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