Technische Regeln für Steckdosenmodule sollen 2017 kommen

VonInes Rutschmann

Technische Regeln für Steckdosenmodule sollen 2017 kommen

Seit mehreren Jahren werden Steckdosenmodule angeboten. Mieter und Stromkunden können so Mini-Photovoltaikanlagen auf dem Balkon anbringen und über eine Steckdose anschließen. Dagegen wurden bereits Sicherheitsbedenken geäußert. Nun hat der VDE eine erste Norm im Entwurf vorgelegt. Eine zweite soll folgen. Kritiker fordern eine Bagatellgrenze für Kleinstsysteme. Denn die mit den Normen verbundenen Anforderungen an die Anlagen erhöhen ihre Kosten beträchtlich. 

solarstrom

Kleine Photovoltaiksysteme werden teilweise einfach an die Steckdose geschlossen. Dagegen hat sich der VDE schon vor drei Jahren ausgesprochen. Zwei Normen sollen einen sicheren Anschluss bald schwarz auf weiß festschreiben. Foto: by-studio/Fotolia

Vor drei Jahren hat der Verband für Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) vor Steckdosenmodulen gewarnt. Würden Photovoltaikmodule einfach über die normale Steckdose in der Wohnung ans Stromnetz geschlossen, könnte dies gefährlich werden. Nämlich denn, wenn Solarstrom nicht direkt verbraucht, sondern rückgespeist wird und den Stromkreis möglicherweise überlaste.

Seit 2013 befasste sich daher eine Arbeitsgruppe bei der vom VDE getragenen Organisation DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) mit dem Thema. Was sich die Mitglieder überlegt haben, lässt sich seit Kurzem im Entwurf der überarbeiteten Norm für den „Anschluss von Stromerzeugungseinrichtungen für den Parallelbetrieb mit anderen Stromquellen einschließlich einem öffentlichen Versorgungsnetz“ nachlesen (DIN VDE 0100-551-1). Auf eine halbe Seite passen die neuen Anforderungen für die Plug-in-Module. Dennoch hat das Papier seit seiner Veröffentlichung für Wirbel gesorgt.

Steckdosenmodule sind an einen separat abgesicherten Stromkreis zu schließen

Im Kern geht es darum, dass Steckdosenmodule ihre elektrische Energie in einen separat abgesicherten Stromkreis speisen sollen. Dieser wird dann mit dem Versorgungsnetz gekoppelt. Verbrauchsgeräte dürfen an diesen Einspeisestromkreis nicht geschlossen werden. Batteriespeicher zur Stromentnahme hingegen schon. Begrenzt ist der Anschluss von Photovoltaiksystemen und anderen Anlagen zur Stromerzeugung auf 4,6 Kilowatt Leistung wechselstromseitig. Vorhandene Wechselrichter müssen den gängigen Normen entsprechen. Und die Anlage ist beim Netzbetreiber anzumelden, heißt es im Norm-Entwurf.

Angebunden werden Plug-in-Module dann über eine spezielle Steckdose am Einspeisestromkreis und nicht mehr über eine gewöhnliche Schuko-Steckdose am Verbraucherstromkreis, wie dies heute zumeist gehandhabt wird. Wie diese neue Steckdose beschaffen sein muss, soll eine weitere Norm festlegen. Diese ist allerdings noch nicht im Entwurf öffentlich. „Aktuell gibt es am Markt eine Steckvorrichtung, die voraussichtlich die meisten Anforderungen dieser kommenden Vornorm erfüllt“, sagt dazu Jens Gayko, Leiter der Fachbereiche 2 und 9 bei der Normungsorganisation DKE. Er erwartet, dass nach Veröffentlichung des Entwurfs weitere Produkte auf den Markt kommen werden.

Photovoltaikbranche fordert Bagatellgrenze für Kleinstsysteme

Bei der angesprochenen Steckdose handelt es sich um ein Fabrikat der Wieland Electric GmbH. Angeboten und eingesetzt wird sie seit mehreren Jahren von der Firma Solar-Info-Zentrum SIZ GmbH, die Plug-in-Systeme entwickelt. Mit der berührungssicheren Steckdose wollte das Unternehmen die Bedenken des VDE gegenüber Plug-in-Modulen ausräumen. Die Dose ist genormt und trennt die Anlage bei kritischen Zuständen über ein Relais vom Stromkreis.

Dass sich das Konzept nun zum Teil im Normentwurf wiederfindet, stimmt SIZ-Geschäftsführer Wolfgang Müller aber nur bedingt zufrieden. Plug-In-Systeme bis zu einer Leistung von 500 oder 600 Watt sollten von den Vorschriften ausgenommen werden, sagt er. Für die Energiewende sei es wichtig, dass jedermann die Möglichkeit habe, eigenen Strom auf einfachem Wege zu erzeugen. Sicherheitsbedenken hat er nicht, wenn solche Kleinstsysteme an eine normale Steckdose geschlossen werden. „Wenn man einen normkonformen Wechselrichter hat, geht von einer so kleinen Anlage keine Gefahr aus“, sagt Müller. Spannung und Frequenz überwacht das Gerät. Überlastungen sollten so nicht auftreten. Er verweist auf Normen in der Schweiz und in Österreich, wo Plug-In-Module bis 600 Watt Leistung von vielen Vorschriften für den Netzbetrieb ausgenommen bleiben.

Seine Argumente hat Müller alle im Normungsgremium vorgetragen, dessen Mitglied er ist – ohne Erfolg. Bleibt es in Deutschland dabei, dass jedes noch so kleine netzparallel installierte System einen eigenen Einspeisestromkreis braucht, sieht Müller eine erhöhte Gefahr für Schwarzinstallationen. „Bei hohen Kosten ist die Hemmschwelle groß, sich an Normen zu halten“, fügt er hinzu.

Prozentual hohe Elektrikerkosten für normgerechte Ausführung

Die berührungssichere Steckdose ist mit 18 Euro nicht teuer. Was die Umsetzung der Norm aufwändig macht, ist die Arbeit, die ein Elektriker möglicherweise hat. In vielen Wohnhäusern müsste eine Leitung für den Einspeisestromkreis erst gezogen und dann die Steckdose gesetzt werden. Kosten in dreistelliger Höhe können so entstehen – gemessen am Anschaffungspreis eines Systems von 500 bis 1.000 Euro erhöhen sich die Ausgaben stark. Einfacher stellt sich die Lage bei Neubauten dar: Die Balkonsteckdose wird oftmals als eigener Stromkreis installiert, da Steckdosen im Außenbereich über einen Fehlerstromschutzschalter (FI- oder RCD-Schalter) abgesichert werden muss. In einem solchen Falle wäre dann höchstens die Steckdose selbst auszutauschen – je nachdem, wie die Norm für die Einsteckvorrichtung genau aussehen wird.

Dass es für Kleinstanlagen mit einem oder zwei Photovoltaikmodulen keine Ausnahmeregelung gibt, hat in der Photovoltaikbranche beinahe einhellig Kritik ausgelöst. Bis Dezember können Stellungnahmen zum Normentwurf DIN VDE 0100-551-1 eingereicht werden, die im Januar im DKE-Arbeitskreis zur Diskussion stehen. Daraufhin soll der Standard endgültig beschlossen werden. Jener zur Beschaffenheit der Steckdose für den Einspeisestromkreis soll ebenfalls 2017 besiegelt werden. Die Anwendung einer Norm ist grundsätzlich freiwillig. Allerdings kann die Einhaltung von Normen Grundlage für Versicherungs- und auch Stromlieferverträge sein. In Schadensfällen wird geprüft, ob die Regeln der Technik eingehalten wurden, um die Haftungsfrage zu klären.

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Ines Rutschmann editor