Regelleistungsmodell von Sonnen: Flatrate auf Strom für Mitglieder

Teil 5 der Serie über Regelleistung: Der Batteriehersteller Sonnen will im ersten Quartal 2017 Strom aus dezentralen Speichersystemen in Deutschland an den Regelleistungsmarkt bringen. Interessierte können sich seit Mitte September bei der Firma registrieren und erhalten nach Vertragsabschluss eine Flatrate auf ihren Strombezug.

Die Flatbox verknüpft Batteriespeicher von Sonnen zu einem virtuellen Großspeicher. Foto: Sonnen GmbH

Betreiber einer Sonnenbatterie können ihren Speicher in einen virtuellen Großspeicher einbringen. Die ersten 2.000 Kunden erhalten die notwendige Technik dazu umsonst. Foto: Sonnen GmbH

Anfang dieses Jahres startete die SonnenCommunity. So bezeichnet der Batteriehersteller Sonnen GmbH die Gemeinschaft aus Stromerzeugern und Stromverbrauchern, die virtuell miteinander vernetzt werden. Strom, den ein Erzeuger selbst nicht nutzt, gibt er in die Gemeinschaft. Über die Gemeinschaft erhalten die Verbraucher wiederum Energie, wenn sie sie benötigen. Die Sonnen Services GmbH steuert dabei die Vorgänge. Die Firma fungiert als Messstellenbetreiber und Energieversorger und beliefert die Kunden mit Reststrom. Über einen Kooperationspartner wird überschüssiger Solarstrom an der Börse unter Nutzung der Marktprämie vermarktet.

Wer Mitglied der Gemeinschaft ist, Solarstrom erzeugt und einen Batteriespeicher von Sonnen besitzt, kann seit Mitte September auf ein neues Angebot der Firma zugreifen: SonnenFlat heißt es. Die Batteriespeicher werden über moderne Kommunikationstechnik zu einem Großspeicher zusammengefasst. Aus diesem soll Primärregelleistung am Markt angeboten werden. Die Vermarktung werde im ersten Quartal 2017 starten, heißt es von Sonnen. Ein namentlich nicht genanntes Unternehmen soll die Systemdienstleistung am Regelleistungsmarkt anbieten. An den Erlösen werden die Batteriebetreiber nicht beteiligt, sondern sie erhalten eine Flatrate auf ihren Strombezug. Da Photovoltaikanlagenbetreiber einen großen Teil ihres Strombedarf durch eigene Energie decken können, sollten sie für den Bezug von Reststrom nichts mehr zahlen müssen.

Flatrate für neue Speichersysteme sofort verfügbar

Interessierte können sich seit Mitte September für die Dienstleistung registrieren. Die ersten 2.000 Kunden der SonnenFlat erhalten die notwendige Kommunikationsbox und einen Zähler umsonst. Die Flatrate wird wirksam, wenn der Speicher in den Schwarm integriert ist. Wie schnell das geht, hängt davon ab, ob der Speicher bereits vorhanden ist oder neu erworben wird. Wer mit der Registrierung für die Flatrate einen Speicher mit sechs oder acht Kilowattstunden Speicherkapazität kauft, erhält sofort Box und Zähler und kann auch sofort Freistrom in Anspruch nehmen. Pro Jahr können Kunden dann 4.250 Kilowattstunden (bei einer Batterie mit sechs Kilowattstunden Speicherkapazität) oder 5.500 Kilowattstunden (bei acht Kilowattstunden Speicherkapazität) elektrische Energie umsonst aus dem Netz nutzen.

Bereits in Betrieb befindliche Speichersysteme von Sonnen sollen ab 2017 in das System integriert werden. Möglich ist dies für die größeren Batteriespeicher der Firma mit drei und 3,3 Kilowatt Wechselrichterleistung. Eine Registrierung für die SonnenFlat ist auch für diese Kunden schon möglich. Bis Jahresende 2016 sichern sie sich eine kostenlose Kommunikationsbox und einen kostenlosen Zähler. In Kraft tritt die Versorgung mit Freistrom aber erst, wenn die Geräte ausgeliefert und installiert sind, also wenn die Batterie Teil des Schwarms geworden ist.

Kein Einfluss auf Direktvermarktung von Überschussstrom

Wer sich nach dem Jahreswechsel für die SonnenFlat entscheidet, zahlt für Kommunikationsbox und Zähler samt Installationsaufwand 930 Euro. Auch das seit Anfang des Jahres geltende Angebot für einen Rabatt auf den Kauf eines neuen Batteriespeichers läuft zum Jahresende aus. Die Kosten, die ein Interessent so oder so zu tragen hat, sind indes die Mitgliedsbeiträge für die Community von 19,99 Euro im Monat.

Auf die Direktvermarktung von Überschussstrom innerhalb der SonnenCommunity hat die Teilnahme am Regelleistungskonzept keinen Einfluss. Die Vermarktung läuft weiter. Und die Stromerzeuger erhalten den Strom zu einem Preis vergütet, der 0,25 Cent pro Kilowattstunde über der Einspeisevergütung liegt. Die einzige Folge, wenn ein Kunde an der Direktvermarktung und am Regelleistungskonzept teilnimmt, ist, dass er zwei Stromzähler installiert bekommt – einen, der die Direktvermarktungsmengen erfasst, und einen für die Regelleistungsvermarktung. Die Batterien werden dabei für das Anbieten von Regelleistung durch ein intelligentes Management nur minimal beansprucht, teilt Sonnen mit. Drei Prozent der Speicherkapazität einer Batterie würden für die Bereitstellung von Regelleistung genutzt. „Die drei Prozent entsprechen einem Durchschnittswert, den wir in Tests gewonnen haben“, heißt es weiter.

Schwarmtechnologie in der Schweiz bereits im Einsatz

Noch ist die Schwarmtechnologie, die Sonnen nutzt, nicht durch die deutschen Übertragungsnetzbetreiber präqualifiziert worden. Entwickelt wurde sie von der Swisscom Energy Solutions AG. Die Firma wurde damit vom Schweizer Übertragungsnetzbetreiber für den Regelleistungsmarkt zugelassen. In der Schweiz vernetzt Swisscom Batterien von Sonnen und elektrische Heizungen zu einem virtuellen Kraftwerk, um Systemdienstleistungen für das Stromnetz bereitzustellen.

 

Nachtrag vom 30. Januar:

Sonnen bietet seit Ende Januar 2017 die Flatrate auf Strom auch für Kunden, die keine Photovoltaikanlage betreiben. Wer sich eine Sonnenbatterie kauft und Mitglied der Community wird, erhält 2.200 Kilowattstunden pro Jahr umsonst und zwar zehn Jahre lang. Das Angebot richtet Sonnen insbesondere an Mieter in Mehrfamilienhäusern. Noch hat die Vermarktung von Regelleistung aus den dezentralen Batteriespeichern in Deutschland allerdings nicht begonnen. Sonnen rechnet nicht mehr im ersten Quartal mit einer Zulassung zum Regelleistungsmarkt durch die deutschen Übertragungsnetzbetreiber sondern Mitte 2017.

    Autor: Ines Rutschmann » 18.10.2016, 18:43
    Veröffentlicht in: Praxis


Ähnliche Beiträge


Zurück zur Übersicht

Suche nach:

Newsletter