Regelleistungsmodell von Caterva: „Für jedes Kilowatt Regelleistung 150 bis 160 Euro im Jahr“

Teil 4 der Serie über Regelleistung: Die Caterva GmbH ist das einzige Unternehmen, das bereits Heimbatteriespeicher in Deutschland miteinander vernetzt und aus ihnen Regelleistung bereitstellt. Die Kunden werden an den Erträgen aus der Vermarktung beteiligt und bekommen eine bestimmte Menge Freistrom. Inbegriffen ist die Wartung von Photovoltaikanlage und Speichersystem über 20 Jahre. Dafür sind die Anschaffungskosten für eine „Caterva-Sonne“ hoch. Wie alles im Einzelnen funktioniert und welche Erfahrungen die Firma bislang am Regelleistungsmarkt gemacht hat, berichtet Geschäftsführer Markus Brehler im Interview.

Markus Brehler ist Geschäftsfüher von Caterva. Die Firma hat eine eigene Schwarmtechnologie entwickelt und bietet auch Batteriespeicher an. Foto: Caterva GmbH

Markus Brehler ist Geschäftsfüher von Caterva. Die Firma hat eine eigene Schwarmtechnologie entwickelt und bietet auch Batteriespeicher an. Foto: Caterva GmbH

Magazin des Photovoltaikforums: Caterva wurde 2013 gegründet, um dezentrale Energiespeicher herzustellen und zu betreiben. So steht es im Handelsregister. Das klingt, als hätten Sie von Anfang an geplant, Speicher nicht nur zu verkaufen, sondern auch miteinander zu vernetzen und als virtuellen Großspeicher zu vermarkten. War das von Anfang an die Idee?

Markus Brehler: Ja, das war definitiv von Anfang an die Idee. Der Verkauf von Speichern ist dabei ein notwendiges Mittel. Die Speichergeräte, die Sie üblicherweise im Markt finden, haben typischerweise nur zwei bis dreieinhalb Kilowatt Leistung. Damit kann man keine Regelleistung anbieten. Darum haben wir selbst einen Speicher entwickelt – die Caterva-Sonne. Sie kann bis zu 20 Kilowatt Leistung bringen. Von diesen 20 können bis zu 16 Kilowatt für Regelleistung verwendet werden.

Magazin: Was hat ein Betreiber einer Caterva-Sonne von der Regelleistungsvermarktung?

Brehler: Der Kunde hat erstens Freistrom in Höhe seiner Erzeugungsarbeit in einem Kalenderjahr. Wenn er eine Photovoltaikanlage mit beispielsweise neun Kilowattpeak Leistung hat, kann er an einem Standort in Süddeutschland rund 9.000 Kilowattstunden Strom ernten. Diese 9.000 Kilowattstunden stellen wir ihm zeit- und kostenunabhängig zur Verfügung. Es gibt dabei keine Mitgliedsbeiträge oder ähnliche versteckte Kosten. Wenn er das Gerät erworben hat, gibt es keine weiteren Kosten für ihn. Neben dieser Strom-Flatrate hat er keinen Wirkungsgradverlust durch das Wandeln des Stroms beim Aus- und Einspeichern. Wir gleichen das durch unser Energiemanagement aus. Vorteil 2: Er hat kein technisches Risiko. Im Vertragspaket ist ein Wartungsvertrag enthalten, über den wir die technische Betriebsbereitschaft der Caterva-Sonne über 20 Jahre managen. Bei Fernwartung wissen wir sehr schnell, wenn etwas sein sollte. Dadurch, dass unser Geschäftsmodell das Betreiben von Speichern ist und nicht das Reparieren oder Verkaufen von Speichern, setzen wir ausschließlich hochwertige Industriekomponenten ein. Wenn Sie unseren Speicherschrank aufmachen, sehen Sie sehr viele Teile aus der Industriesparte von Siemens, die für hohe Standzeiten und hohe Lebensdauer entwickelt sind. Vorteil 3: Wir beteiligen den Kunden an den Erträgen der Bewirtschaftung. Diese Beteiligung ist mit 1.000 Euro im Jahr festgeschrieben. Die Schwankungen, die es gibt, managen wir.

Magazin: Die 1.000 Euro sind fix? Der Betreiber erhält sie in jedem Fall?

Brehler: In weiten Grenzen fix. Ganz fix, also garantiert, ist es nicht möglich, sonst wäre er kein Betreiber mehr. Der Betreiber definiert sich als derjenige, der auch wirtschaftliche Risiken hat. Aber der Betrag ist in Grenzen fix, die seit 2001 nicht gerissen wurden – seitdem verfolgen wir Regelleistungspreise.

 

„Gedanklich ist der Speicher bei uns in zwei Speicher aufgeteilt“

 

Magazin: Sie bewirtschaften die Speicher, also entladen und laden sie. Auf welchen Märkten sind Sie dazu aktiv?

Brehler: Wir haben keine Direktvermarktung von erzeugtem Photovoltaikstrom. Sollte der Betreiber mehr Strom ins Netz einspeisen, als er speichern und sofort verbrauchen kann, erhält der Kunde dafür weiter seine Einspeisevergütung. Wir sind aktiv am Markt für Primärregelleistung und am Epex-Spot-Markt. Wir können voll automatisiert Handelsgeschäfte am Epex-Spot-Markt tätigen, also Viertelstundenkontrakte.

Magazin: Sie sind damit Regelleistungsvermarkter, Anbieter von Batteriespeichern und Schwarmtechnologie, Bewirtschafter der Schwarmbatterien und Energieversorger?

Brehler: Energieversorger sind wir nicht.

Magazin: Woher kommt die Energie für die Reststromversorgung und das Laden des Speichers?

Brehler: Das sind zwei Dinge: Gedanklich ist der Speicher bei uns in zwei Speicher aufgeteilt. Es gibt den Eigenstromspeicher oder Haushaltsspeicher. In diesen geht nur Strom von der Photovoltaikanlage. Und aus dem Speicher geht er ins Hausnetz für den Eigenverbrauch. Dann gibt es den zweiten Speicher, der am Regelleistungsmarkt und am Epex-Spot-Markt ist. Der wird getrennt gemessen in einem eigenen Bilanzkreis. Da liefern wir Strom über die Epex-Spot-Börse in den virtuellen Großspeicher hinein. Dazu muss man aber kein Energieversorger sein.

Magazin: Wie ist die Aufspaltung in zwei Speicher genau zu verstehen?

Brehler: Das ist eine administrative Teilung, die sich widerspiegelt in einer Leistungsaufteilung. Wir stellen immer eine Leistung fix für den Haushalt bereit. Das ist auch eine der Eigenschaften, wenn man am Regelleistungsmarkt tätig sein möchte mit einem Haushaltsspeicher: Es muss sichergestellt sein, dass die Regelleistung nicht aus der Photovoltaikanlage des Hauses erbracht wird. Das muss sauber getrennt sein in zwei Kammern. So wird das System gefahren und so erfolgen auch die Leistungsnachweise gegenüber den Übertragungsnetzbetreibern.

Magazin: In die eine Kammer geht der Solarstrom und dient der Eigenversorgung und in die andere Kammer fließt Strom aus dem Stromnetz oder wird Strom ins Stromnetz abgegeben, je nachdem in welchem Ladezustand die Batterie gehalten werden muss?

Brehler: Genau.

 

„Die Übertragungsnetzbetreiber als gute und strenge Sparringspartner erlebt“

 

Magazin: Caterva ist das bislang einzige Unternehmen, dass von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern zur Vermarktung von Regelleistung aus Hausbatteriespeichern zugelassen wurde. Wie war der gesamte Prozess zur Präqualifizierung?

Brehler: Das hat schon eine Zeit gedauert. Es war aus Sicht aller Beteiligten ein neues System. Wir haben die Übertragungsnetzbetreibern als gute und strenge Sparringspartner erlebt. Zweifellos ist in den Dokumenten, die veröffentlicht sind, nicht alles beschrieben, was man brauchte. Wir haben 2013 das Diskutieren angefangen. Einiges von dem, was man heute auf der Seite regelleistung.net findet, ist aus der Zusammenarbeit mit uns entstanden. Dinge wie diese zwei Kammern sind aus der gemeinsamen Diskussion hervorgegangen. Nachdem wir das alles sauber abgearbeitet und nachgewiesen hatten, wurden wir präqualifiziert.

Magazin: Sie sind jetzt seit einem Jahr aktiv. Wie ist es bisher am Regelleistungsmarkt gelaufen?

Brehler: Wir haben jede Woche am Regelleistungsmarkt aktiv teilgenommen. Wir haben einen Bietalgorithmus, der in der Lage ist, die Preise vorherzusagen. Die Gebote am Regelleistungsmarkt sind anders als an der Energiebörse – wissen Sie das?

Magazin: Die Anbieter machen Gebote zu einem bestimmten Preis und den erhalten sie, wenn sie den Zuschlag bekommen.

Brehler: Genau, pay as you bid. Das heißt, ich muss möglichst gut versuchen, den mittleren oder maximalen Preis vorherzusehen. Wir haben uns im ersten Jahr den mittleren Preis vorgenommen und sind hier erfolgreich. Wir schaffen es, mehr als 98 Prozent des mittleren Preises zu erzielen.

Magazin: Sie waren jede Woche erfolgreich?

Brehler: Eine Woche haben wir etwas anderes ausprobiert und nicht teilgenommen. Sonst waren wir jede Woche erfolgreich.

Magazin: Verraten Sie, was Sie erwirtschaftet haben?

Brehler: Der mittlere Preis ist im Internet veröffentlicht und ich sagte, wir haben ihn größer 98 Prozent erreicht (im Zeitraum August 2015 bis September 2016 lag der mittlere Preis pro Woche zwischen rund 2.000 und rund 5.000 Euro pro Megawatt Leistung/Anm. d. Red.).

Magazin: Ich weiß noch nicht, wie viel Regelleistung Sie bereitstellen …

Brehler: Ein Megawatt. Wir sind mit einem Megawatt präqualifiziert worden.

Magazin: Das ist auch bislang nicht erhöht worden?

Brehler: Wir bauen weiter auf. Aber wir haben noch kein weiteres Megawatt in die Präqualifikation gebracht, weil wir noch andere Verfahren austesten.

 

„Primärregelleistung eignet sich besonders gut für Speicher“

 

Magazin: Was kostet den Kunden die Anschaffung und Installation der Steuerbox als auch des zusätzlichen Zählers?

Brehler: Im Moment gibt es nur ein Angebot Caterva-Sonne plus Zähler plus Steuerbox. Der Preis ist inklusive Installation 27.500 Euro.

Magazin: Warum bieten Sie Primärregelleistung an und nicht Sekundärregelleistung?

Brehler: Primärregelleistung eignet sich besonders gut für Speicher, weil sie positiv und negativ ist. Bei Sekundärregelleistung muss ich das einzeln anbieten. Bei Sekundärregelleistung brauche ich mindestens fünf Megawatt und kann nicht nur ein Megawatt anbieten. Und ich habe andere Herausforderungen bei der Kommunikation: Bei Primärregelleistung misst jedes einzelne Gerät die Netzfrequenz und steuert die Leistung, die es in das Netz speist oder herausnimmt aus der Abweichung der Netzfrequenz selbst. Dazu braucht es keinerlei Kommunikation mit einer Leitwarte. Sekundärregelleistung wird immer zentral vom Netzbetreiber abgerufen. Das ist ein anderes Kommunikationsverfahren. Wir sind der Meinung, dass Primärregelleistung am günstigsten ist für den Start. Wir sind aber auch für Sekundärregelleistung vorbereitet und können das machen, wenn wir es attraktiv finden.

Magazin: Es gibt mehrere Firmen, die ebenfalls Regelleistung aus Hausbatteriespeichern anbieten wollen. Was erwarten Sie, wie sich der Markt entwickelt, sollten sie alle präqualifiziert werden?

Brehler: Nicht nur Heimspeicher sondern auch neue Großspeicher sind in Vorbereitung – wie das Second-Life-Thema, das Vattenfall eröffnet hat, oder die Investitionen der Steag. Da kommen sichtbare Mengen von Regelleistung in den Markt. Wie weit sie das Gefüge beeinflussen, ist schwer zu sagen, weil gleichzeitig thermische Kraftwerke aus dem Markt rausgehen. Im Moment wird die meiste Regelleistung von Braunkohle- und Atomkraftwerken erbracht. Es gibt hier gegenläufige Effekte. Wann diese Effekte stärker wirken, scheint mir im Moment sehr schwierig. Ich kann nur aus der Vergangenheit heraus sagen: Es gab immer Schwankungen in einem Band von etwa 122.000 Euro pro Megawatt und Jahr – also wenn man ein Megawatt durchgängig ein Jahr bereitgestellt hat – und 202.000 Euro. Die Preise haben sich immer innerhalb dieser Bandbreite entwickelt und das erwarten wir auch für die Zukunft. Nach unten wird es Grenzen geben, weil Primärregelleistung nicht trivial zu erbringen ist. Wir haben zum Beispiel zwei redundante Rechenzentren. Innerhalb der Rechenzentren ist alles auf unterschiedlichen Servern verteilt, die automatisch laufen. Alles wird wechselseitig überwacht. Das sind aufwändige Sachen – das macht man nicht für ein Zehntel des Preises.

 

„Man braucht einen relativ großen Speicher, damit man die Fixkosten deckt“

 

Magazin: Es gibt Stimmen in der Solarbranche, die bezweifeln, dass sich das Geschäft mit Heimspeichern lohnt.

Brehler: Sie können natürlich nicht einen Heimspeicher in den Markt bringen, der drei Kilowatt Maximalleistung hat. Es ist nach unserem Wissen nicht zulässig, die Leistung komplett als Regelleistung zu vermarkten. Sie müssen etwas fürs Haus übrig lassen. Dann können Sie vielleicht noch ein Kilowatt als Regelleistung vermarkten, müssen dort aber eine Softwaresteuerung, eine Kommunikation und einen Zähler einbauen. Das heißt: Sie haben Kosten, die deutlich größer als 1.000 Euro sind – dann wird es schwierig. Das lohnt sich heute nicht und hat sich noch nie gelohnt. Das lohnt sich grundsätzlich nicht. Das ist der Grund, weshalb wir sagen: Man braucht einen relativ großen Speicher, damit man diese Fixkosten deckt. Diese werden auch nicht weniger: Sie müssen über Mobilfunk kommunizieren. Das heißt, in jedem Gerät gibt es eine SIM-Karte – das kostet Geld. Wenn das Gerät in einem Keller steht, der wirklich unter der Erde liegt, müssen Sie eine Außenantenne montieren. Sie brauchen die Steuerbox. Sie müssen in jedem Speicher die Netzfrequenz messen auf zehn Millihertz genau. Das kann der normale Wechselrichter nicht. Sie müssen die Leitwarte betreiben mit zwei redundanten Rechenzentren, die Präqualifizierungsarbeit machen und so weiter. Deswegen ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Wenn Sie große Speicher betreiben, sind wir überzeugt, dass es sich rechnet. Wenn Sie kleine Speicher haben, wird sich das nicht rechnen.

Magazin: Und wo ist leistungsmäßig in etwa die Grenze?

Brehler: Wir schätzen, dass es ab zehn Kilowatt Leistung aufwärts ein vernünftiges Verhältnis zwischen Initialkosten und laufenden Einnahmen gibt. Im Mittel gibt es für jedes Kilowatt Regelleistung 150 bis 160 Euro im Jahr.

Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ines Rutschmann.

    Autor: Ines Rutschmann » 10.10.2016, 08:47
    Veröffentlicht in: Praxis, Wirtschaft



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