Qualitätsprobleme bei der Nachrüstung

Die Nachrüstung von Photovoltaikanlagen, die vom 50,2-Hertz-Problem betroffen sind, dauert länger als geplant. Das Programm wird nicht zum Jahresende abgeschlossen, sondern wohl erst im Sommer 2015. Als Gründe werden Verzögerungen bei der Erfassung der Anlagen sowie Qualitätsprobleme angegeben. Anlagenbetreiber werden weiterhin um ihre Unterstützung gebeten.

Vermutlich bis Sommer 2015 hält die Umrüstung älterer Solaranlagen an, die vom 50,2-Hertz-Problem betroffen sind. Foto: SMA Solar Technology AG

Bis Sommer 2015 hält die Umrüstung von Solaranlagen an, die vom 50,2-Hertz-Problem betroffen sind. Foto: Agentur für Erneuerbare Energien

Seit rund anderthalb Jahren werden ältere Photovoltaikanlagen aufgrund des 50,2-Hertz-Problems nachgerüstet. Ziel ist, dass sich die Systeme im Fehlerfall nicht alle gleichzeitig bei Erreichen des Schwellwerts von 50,2 Hertz vom Stromnetz trennen, sondern entsprechend den heute gültigen technischen Richtlinien stufenweise bei unterschiedlichen Frequenzen. Als die Anlagen errichtet wurden, galten jedoch noch andere Bestimmungen, die im Nachhinein als gefährlich für die Stromversorgung von ganz Europa eingestuft wurden: Denn durch den starken Zubau ab 2006 summierte sich die installierte Leistung bis Ende 2008 auf mehr als sechs Gigawatt. In den drei Folgejahren gingen nochmals fast 19 Gigawatt ans Netz, wobei alle Anlagen am Mittelspannungsnetz dann schon neuen technischen Bestimmungen unterlagen. Hätte sich dennoch der Großteil der installierten Solaranlagen bei einer Frequenz von 50,2 Hertz vom Stromnetz getrennt, wäre ein Blackout in halb Europa die Folge gewesen. Die betroffenen Systeme mussten umgerüstet werden.

Die Nachrüstung sollte bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Anlagen mit einer Leistung 30 bis 100 Kilowatt hätten bis Ende Mai nachgerüstet sein sollen und alle kleineren Systeme sollten bis zum Jahreswechsel folgen. Aber noch immer hält die Arbeit an den mittelgroßen Anlagen und an ein paar wenigen Großen mit mehr als 100 Kilowatt Leistung an. Der angestrebte Abschluss des Programms zum Jahresende, wenn die Frist für die kleineren Systeme abläuft, wird nicht gehalten werden. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, dass die Nachrüstung „voraussichtlich erst 2015 abgeschlossen“ werden könne.

Mängel nach Umrüstungen festgestellt 

Zwei Gründe werden vom Ministerium als Ursache genannt: Die Erfassung der mehr als 300.000 nachzurüstenden Anlagen habe mehr Zeit in Anspruch genommen als vorgesehen. Und es sind Qualitätsprobleme bei der Ausführung der Arbeiten aufgetreten. Die Firma Adler Solar Services GmbH wurde im September 2013 von mehreren Verteilnetzbetreibern mit stichprobenartigen Kontrollen beauftragt. Die Unternehmen wollten sichergehen, dass die Gefahr für die Stabilität des Stromnetzes tatsächlich aus der Welt geräumt ist. Die ersten Prüfungen brachten niederschmetternde Ergebnisse: Ein großer Teil der umgerüsteten Anlagen wies hinterher Mängel auf.

Dies überrascht auch deshalb, da die im Programm beteiligten Installateure Schulungen durchlaufen mussten, die die Wechselrichterhersteller selbst und die Berufsverbände ausrichteten. Hierbei ist allerdings auch bekannt, dass die mehrere 100 Euro teuren Schulungen beispielsweise von nur einem Mitarbeiter einer Firma besucht und dieser dann in firmeninternen Vorträgen die Kollegen über das richtige Vorgehen unterrichtete. Zu den von Adler Solar häufig festgestellten Mängeln gehören, dass notwendige Updates der Firmware der Wechselrichter nicht durchgeführt, die untere Abschaltfrequenz nicht auf 47,5 Hertz angepasst oder die Vorgaben der Hersteller zur Bereitstellung von Blindleistung nicht beachtet worden waren. In einigen Fällen war sogar die Umrüstung gar nicht ausgeführt, aber sehr wohl in Rechnung gestellt worden.

„Aktuell liegt die Quote unter zehn Prozent“ 

Nach den ersten Kontrollen und dem ein oder anderen Gespräch mit den beteiligten Installateuren ist die Zahl mangelhafter Umrüstungen im Laufe der vergangenen zwölf Monate von rund 20 auf weniger als zehn Prozent gesunken, erklärt die Netze BW GmbH aus Baden-Württemberg. Das Unternehmen liegt damit im Mittel: „Aktuell liegt die Quote bei unter zehn Prozent“, schreibt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zur Gesamtsituation. Für seine Mitglieder hat der Verband im Juli eine Anwendungshilfe zur Absicherung der Qualität der Umrüstungen erstellt. Der BDEW empfiehlt darin Stichproben durchzuführen, die einer repräsentativen Menge der von einem Installationsunternehmen bearbeiteten Anlagen im Netzgebiet entsprechen – „damit eventuell Nachbesserungsforderungen gegen Montagedienstleister begründet werden können“, heißt es in dem Papier.

Eine ganze Reihe von Installateuren hat in den zurückliegenden Monaten ihre Arbeit nachbessern müssen. Inwieweit die Kontrollen als auch die Mängelbeseitigung die Kosten des gesamten Programms erhöht haben, kann derzeit nicht beziffert werden. Die Aufwendungen für die Qualitätsabsicherung können die Verteilnetzbetreiber gegenüber der Bundesnetzagentur komplett geltend machen. Die Kosten des Programm werden jeweils zur Hälfte auf die Netzentgelte und die EEG-Umlage umgelegt. Veranschlagt waren ursprünglich Ausgaben in Höhe von 170 Millionen Euro. Wie viel davon bislang aufgebraucht ist und wie viele Anlagen noch umzurüsten sind, wollen die vier Übertragungsnetzbetreiber Anfang Oktober öffentlich machen.

Anlagenbetreiber können Wunschinstallateur nennen

So lange das Programm anhält, werden Anlagenbetreiber betroffener und noch nicht nachgerüsteter Anlagen weiterhin um ihre Unterstützung gebeten. Umzurüsten sind oder waren alle Photovoltaikanlagen am Niederspannungsnetz mit mehr als zehn Kilowatt Leistung, die zwischen Oktober 2005 und Dezember 2011 ans Netz gingen. Hinzu kommen Anlagen größer 30 Kilowatt Leistung am Mittelspannungsnetz, die zwischen Mai 2001 und Dezember 2008 fertiggestellt wurden sowie große Systeme mit mehr als 100 Kilowatt Leistung, die zwischen Mai 2001 und Dezember 2011 errichtet wurden. Die entsprechenden Betreiber müssten inzwischen alle schon einmal angeschrieben und über die Umrüstung informiert worden sein. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Auskunft zum installierten Wechselrichter zu geben und den ausführenden Installateuren Zugang zur Anlage zu gewähren. Sie können dabei auch ihren Wunschinstallateur benennen.

    Autor: Ines Rutschmann » 16.09.2014, 11:51
    Veröffentlicht in: Praxis



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