Etiketten, die Diebe schrecken

Photovoltaikanlagen sind seit einigen Jahren das Ziel von Dieben. Alarmanlagen, Kameras und Hördrähte halten diese nicht immer auf. Da das Wiederbeschaffen einmal entwendeter Komponenten schwierig ist, hat die Firma Secondsol ein Diebstahlregister und ein Sicherungssystem geschaffen, das vor Langfingern schützen und beim Finden geraubter Ware helfen soll.

Photovoltaikmodule sind offenbar beliebte Hehlerware. Auch wenn die Preise für die Komponenten gesunken sind, lohnt es sich offenbar noch immer, nachts Wechselrichter und Module auf Dächern und in Freilandparks abzuschrauben. Bundesweit verzeichnen die Landeskriminalämter mehrere 100 Fälle pro Jahr, in einigen Bundesländern gibt es eine Tendenz nach oben.

Zwar besitzt jede Komponente eine Seriennummer. Das Wiederfinden der Ware ist für die Polizei jedoch schwer. Diebstahldatenbanken haben verschiedene Institutionen eingerichtet, so der Solarförderverein und die Zeitschrift Photon. Dort ist in den vergangenen Jahren aber nur ein Bruchteil dessen eingetragen worden, was der Polizei an Anzeigen vorliegt. Die Photon-Datenbank führt seit 2006 insgesamt 39 Fälle. Ebenfalls 2006 ins Leben gerufen hat die Übersicht des Solarfördervereins bislang 27 Einträge, der letzte stammt von 2011.

Die Etiketten können bei Installation oder auch nachträglich aufgeklebt werden. Quelle: Hatob/Rasch

Die Etiketten können bei Installation oder auch nachträglich aufgeklebt werden. Foto: Hatob/Rasch

Internationale Diebstahldatenbank im Aufbau

Nachdem über die Onlineplattform der Handelsfirma SecondSol GmbH mehrfach nach Ersatz für gestohlene Module gesucht wurde, beschlossen die Inhaber, eine neue Datenbank mit internationaler Ausrichtung aufzubauen. Seit Juni gibt es pv-diebstahl.de. 47 Einträge – auch aus weiter zurückliegenden Jahren – verzeichnet das Register bislang. Der Eintrag ist kostenlos, die Suche ebenso. Wer gebrauchte Module oder Wechselrichter angeboten bekommt, kann in der Datenbank (wie auch in den anderen genannten Übersichten) Hersteller und Seriennummer eingeben und prüfen, ob es sich um Diebesgut handelt und dann den tatsächlichen Eigentümer kontaktieren. Das setzt natürlich voraus, dass ein Großteil gestohlener Komponenten gelistet wird. SecondSol hat das Ziel, die eigene Datenbank zur größten in Europa auszubauen. Gerade wird sie ins Englische übersetzt.

Als weiteren Baustein hat die Firma ein Diebstahlsicherungskonzept erarbeitet. Seit August 2013 verkauft SecondSol Sicherheitsettiketten, mit denen Module, Wechselrichter und andere Produkte beklebt werden können. Die Etiketten besitzen einen QR-Code (quick response – schnelle Antwort), der über Mobiltelefone ausgelesen werden kann und dem Fragenden sagt, in welche Anlage die entsprechende Komponente und welchem Eigentümer sie gehört. Dies soll vor allem auch der Polizei helfen, Diebesgut schnell zu erkennen. Es ist natürlich möglich, dass Diebe die Etiketten entfernen. Einmal aufgeklebt, können die Schildchen allerdings nur schwer wieder gelöst werden. Wer sie abreißt, legt eine zweite Schicht mit einem Schachbrettmuster frei, das nur mit scharfem Werkzeug weggekratzt oder unter Einsatz von aggressiven Reinigungsmitteln zu entfernen ist. Beschädigungen an Modul oder Wechselrichter sind nicht ausgeschlossen. Die Diebe handeln sich vor allem aber vor Ort oder im Anschluss einen Aufwand ein, der zusätzlich Zeit verschlingt.

Etiketten ab 30 Cent pro Stück

Die Etiketten tragen zudem laufende Nummern, die wiederum mitsamt der Seriennummer der Komponente in ein Register auf pv-diebstahl.de einzutragen sind. Werden Komponenten mit QR-Etikett gestohlen, kann der Eigentümer die registrierten Komponenten mit einem Klick in der Diebstahldatenbank sichtbar schalten. SecondSol plant, dass demnächst auch registrierte aber noch nicht als gestohlen gemeldete Produkte angezeigt werden, so dass Ungereimtheiten bei Angeboten gebrauchter Waren für interessierte Kunden offensichtlich werden.

Das Etikett besteht aus zwei Schichten, von denen die untere nur schwer zu entfernen ist. Foto: SecondSol GmbH

Das Etikett besteht aus zwei Schichten, von denen die untere schwer zu entfernen ist. Foto: SecondSol GmbH

Bislang hat SecondSol rund 40 Photovoltaikanlagen mit den Sicherheitsetiketten ausgerüstet. Darunter befinden sich große Freiflächenanlagen wie auch Systeme auf landwirtschaftlichen Betrieben. Rund 90.000 Schildchen wurden bislang verkauft. Bis zu einer Menge von 50 Stück kostet ein Etikett 30 Cent. Bei größeren Mengen fällt der Preis bis unter 10 Cent pro Aufkleber. Praktische Erfahrungen, wie Diebe mit derartig registrierter Ware umgehen, gibt es noch nicht. Die Mannheimer Versicherung betrachtet das Konzept aber als einen Baustein, „um Anlagen sicher zu machen“, wie Produktmanager Rainer Kohlenberg formuliert. Das Unternehmen versichert Freiflächenanlagen nur noch, wenn es einen Diebstahlschutz gibt. „Das Konzept von SecondSol hat abschreckenden Charakter“, fügt er hinzu. Seien die Etiketten bekannt, gingen Diebe wohl eher an eine Anlage, die nicht gesichert ist. „Es gibt natürlich keine 100-prozentige Lösung, aber das Produkt passt gut mit anderen Sicherheitsmaßnahmen zusammen“, sagt Tobias Behrenwaldt, der die Etiketten anwendet. Bernhard Kuknat hat seine Wechselrichter beklebt und zusätzlich am nahegelegenen Schaltschrank einen Hinweis auf das Sicherungssystem angebracht – damit Diebe gleich wissen, woran sie sind und es sich anders überlegen.

 

Diskussion

    Autor: Ines Rutschmann » 19.12.2013, 11:27
    Veröffentlicht in: Praxis, Produkte



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