Ende der Degression der Fördertarife ab Juli immer wahrscheinlicher

VonInes Rutschmann

Ende der Degression der Fördertarife ab Juli immer wahrscheinlicher

Der Zubau an neuen Photovoltaikanlagen betrug nach Angaben der Bundesnetzagentur im April 2015 rund 98 Megawatt. Die neu installierte Leistung ist damit im dritten Monat infolge auf ähnlichem Niveau und scheint sich dort eingependelt zu haben. Sind die Zubauzahlen auch im Mai und Juni so gering, stoppt die Degression der Fördertarife ab Juli.

Zubau 12 Monate 30.4

Zwischen Mai 2014 und April 2015 wurden Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von weniger als 1.700 Megawatt neu installiert. Diese Summe ergibt sich aus den monatlichen Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur. Im Februar, März und April kamen gerade noch 97 bis 99 Megawatt Leistung pro Monat hinzu. Setzt sich dieser Trend weiter fort, fällt die Zahl der neu installierten Leistung der vergangenen zwölf Monate zu Ende Juni unter 1.500 Megawatt. Das ist die Grenze, ab der die monatliche Verringerung der Fördertarife für eingespeiste solare Kilowattstunden aussetzt. Ab Juli ist es damit inzwischen durchaus wahrscheinlich, dass die Degression der Fördertarife erst einmal aufhört.

Derzeit sinken die Tarife Monat für Monat um 0,25 Prozent. Auch das ist bereits ein Zugeständnis des Gesetzgebers an den geringen Ausbau der Photovoltaik in Deutschland. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz beinhaltet die Regelung der Absenkung der Degression auf Null, damit sich der weitere Ausbau der Photovoltaik nicht weiter verringert, sondern wieder so anzieht, dass die gesetzlichen Ziele erreicht werden. Der Bundesverband Solarwirtschaft kritisiert diesen Mechanismus jedoch schon seit Monaten und fordert eine Reform des Degressionsmechanismus. Denn dieser wirke zu langsam. Eingebrochen ist der Photovoltaikmarkt in Deutschland bereits 2013. Wenn nun im Juli der Rettungsanker des EEG in Kraft treten sollte, besteht die Krise bereits seit zwei Jahren.

Umstritten ist dabei zudem weiterhin, ob die von der Bundesnetzagentur gemeldeten Zahlen für jeden Monat exakt sind. Offensichtlich bestehen die Unterschiede in den Jahresmeldungen zwischen der Behörde und den Übertragungsnetzbetreibern seit längerem und auch die Bundesnetzagentur weiß darum. Die Behörde führt eine Anlage dann in der monatlichen Statistik auf, wenn sie angemeldet wurde – unabhängig davon, wann sie tatsächlich errichtet wurde. Für die Übertragungsnetzbetreiber zählt ein Photovoltaiksystem, wenn es ans Stromnetz geschlossen und damit vergütungspflichtigen Strom einspeisen kann. Über einen längeren Zeitraum sollten sich die Ungleichgewichte in den Datenmeldungen daher aufheben, argumentiert die Bundesnetzagentur. Dieser Effekt kommt jedoch eher weniger zum Tragen bei monatlichen Betrachtungen, die am Ende sogar den Ausschlag für die Höhe der Absenkung der Fördertarife darstellen.

Insgesamt sind laut Bundesnetzagentur nunmehr 38,65 Gigawatt Solarstromleistung am Netz installiert. Zum Jahresende 2013 waren es bereits knapp 36 Gigawatt. In beinahe anderthalb Jahren wurden in Deutschland damit so viele neue Systeme errichtet wie in den Boomzeiten zwischen 2009 und 2012 in ein bis vier Monaten.

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Ines Rutschmann editor