Beliebtes Diebesgut

Über den Diebstahl von Solaranlagen wird viel diskutiert. Unbekannt ist dabei, wie viele Fälle sich in Deutschland ereignen. Das Magazin des PV-Forums hat daher die Landeskriminalämter befragt. Ergebnis: Rund 600 Delikte führten die Behörden 2012 und 2011. Der Schaden geht in die Millionen.

Solaranlagen sind immer noch teure Waren, für die es zudem einen Gebrauchtmarkt gibt. So muss es nicht wundern, dass Module und Wechselrichter ein beliebtes Zielobjekt von Dieben sind, die zum Teil sehr professionell vorgehen. Bis zu 150 Module bauen sie innerhalb einer halben Stunde ab, entwenden auf einen Schlag 60 Stringwechselrichter oder kiloweise Kabel – gestohlen wird alles, was sich zu Geld machen lässt. Zumeist haben es die Täter aber auf Module abgesehen. Sie verschwinden von Firmendächern, Ställen und Schulen, aus Freiflächenanlagen, von Eigenheimen.

Freiflächenanlage. Foto: Fronius/IBC Solar

Je abgelegener, desto größer die Gefahr, dass Diebe eine Anlage aufsuchen. Foto: Fronius/IBC Solar

„Bei Dachanlagen gilt: Je weiter von der Zivilisation weg, desto größer das Risiko“, sagt Rainer Kohlenberg von der Mannheimer Versicherung, die seit 2006 eine etwa gleich hohe Zahl von gemeldeten Diebstählen ihrer Kunden verzeichnet. Absolute Zahlen nennt die Versicherung nicht. Kohlenberg empfindet den Raub von Komponenten aber als ernstes Problem. Vor allem gebe es kein Bewusstsein unter den Anlagenbetreibern, die Systeme zu schützen. Je höher die Diebstahlquoten ausfallen, desto teurer gestalten die Versicherungen die Vertragsbedingungen. Befinden sich Anlagen in Industriegebieten oder auf dem Land, zahlen die Betreiber mehr als in einem dicht besiedelten Wohngebiet. Für Freiflächenanlagen ist bei der Mannheimer Versicherung ohnehin ein Sicherungskonzept auszuarbeiten.

1.800 Diebstähle zwischen 2009 und 2012

Solarparks sind denn auch am häufigsten das Ziel von Dieben. Das hat eine Umfrage unter den Landeskriminalämtern ergeben. Da die drei Stadtstaaten sowie Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz Daten zu Solardiebstählen nicht gesondert ermitteln, liegen aus diesen Bundesländern keine Daten vor. Niedersachsen beziffert die jährlichen Delikte mit weniger als zehn, ohne exakte Zahlen zu nennen. Alle anderen Bundesländern erfassen seit mindestens zwei Jahren die Fälle numerisch. Der Polizei gemeldet wurden demnach zwischen 2009 und 2012 mehr als 1.800 Diebstähle von Modulen, Wechselrichtern und Kabeln (siehe Tabelle am Textende). Allein 2012 verzeichneten die Behörden fast 600 Fälle bundesweit. Vier Bundesländer zählen dabei zwar auch die Entwendung von Solarlampen und Komponenten von Inselsystemen mit. Es ist dennoch eher davon auszugehen, dass die Dunkelziffern höher liegen, da wohl nicht jede Tat angezeigt wird und Daten aus einigen Bundesländern fehlen.

In Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ereigneten sich die meisten Fälle bislang in Zusammenhang mit Solarparks. Zwischen 2007 und 2012 verzeichneten bayerische Polizisten mehr als 200 Einbrüche in Freiflächenanlagen und den Diebstahl von Modulen und Wechselrichtern. Seit 2011 sinken die Zahlen – insgesamt aber auch hinsichtlich der Solarparks, heißt es vom Landeskriminalamt aus München. Ähnlich verhält es sich in Baden-Württemberg, wo bis 2011 mit Abstand die meisten Diebstähle bundesweit angezeigt wurden. Dort wird allerdings auch das Entwenden von Solarlampen und Modulen aus Inselsystemen, beispielsweise auf Gartenhäusern installiert, mitgezählt.

Delikte haben im Osten zugenommen

Umgekehrt verhält sich die Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern: Seit 2011 haben die Delikte und auch die Schadenszahlen zugenommen, insbesondere bei Freiflächenanlagen. Die größten Schäden verzeichnet Mecklenburg-Vorpommern: Bei 61 Diebstählen im Jahr 2012 wurden Waren im Wert von rund einer Million Euro entwendet. Für 2009 bis 2012 beziffert das Landeskriminalamt das Diebesgut auf 3,3 Millionen Euro. Die meisten Übergriffe ereigneten sich 2012 aber in Brandenburg, nämlich 149.

Verantwortlich ist dafür unter anderem eine Bande, auf deren Konto etwa 60 Einbrüche in Solarparks gegangen sein sollen. „Die Täter gingen meist nach gleichem Muster vor“, erläutert Mario Heinemann vom Polizeipräsidium Brandenburg. Sie fuhren zumeist mit einem oder mehreren Transportern nachts an den Park heran. Zäune schnitten sie auf und bauten die Module innerhalb kürzester Zeit ab. Verkauft worden sein sollen sie in Polen über das Internet. Zur Ermittlung der Täter richtete die Polizei im Juli 2012 die Sonderkommission (Soko) „Sonne“ mit zehn Kriminalisten ein. Nachdem einige Bandenmitglieder bereits festgenommen worden waren, gingen der Anführer und sein Kompagnon Anfang Mai 2013 den Ermittlern ins Netz. Im Herbst mussten sich die beiden aus Stettin stammenden Männer vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) wegen schwerem Bandendiebstahls verantworten. Da sie gestanden, erhielten sie milde Haftstrafen von fünf Jahren und drei Jahren und drei Monaten. Das Strafgesetzbuch sieht bei dieser Straftat bis zu zehn Jahre vor. „Mit Ergreifung der Täter waren auch die Diebstähle von Solaranlagen in Brandenburg nicht nur rückläufig, sondern blieben ganz aus“, sagt Heinemann. 2013 verzeichnete das Bundesland noch 14 Delikte, begangen bis zur Ergreifung der Männer.

Aufklärungsquote zwischen sieben und 30 Prozent

Hinweise an Anlagen auf Sicherheitssysteme sollen Diebe abschrecken. Foto: Second Sol

Hinweise auf Sicherheitssysteme sollen Diebe abschrecken. Foto: Second Sol

Die Soko „Sonne“ wurde mit diesem Erfolg wieder aufgelöst. Die Aufklärung verläuft aber eher selten so gut. In Bayern gelingt es immerhin, in 30 Prozent der Fälle die Täter zu stellen. In Sachsen wurden 2012 von 66 Fällen zehn aufgeklärt und im vergangenen Jahr von 54 Fällen drei. Hessen verzeichnet eine durchschnittliche Quote von sieben Prozent. Ebenso sieht es in Thüringen aus: Von insgesamt 69 Fällen wurden fünf geklärt. Aus anderen Bundesländern liegen keine Informationen vor.

Abgesehen von der Bande in Brandenburg mit polnischem Anführer handelt es sich bei der Mehrheit der ermittelten Diebe (nach Angaben aus Bayern, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern) um Deutsche. Wie in Brandenburg verzeichnet auch die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern wiederholt die gleichen Verdächtigen. Es seien vor allem um regional ansässige, zum Teil einschlägig vorbestrafte deutsche Männer, heißt es. Bei den aufgeklärten Fällen konnte häufig das Diebesgut ganz oder teilweise sichergestellt werden. Es hat schon Fälle gegeben, dass Module weiterverkauft und als Hehlerware identifiziert wurden. Dank der Seriennummern der Komponenten kann dies leicht gelingen, vorausgesetzt der Eigentümer kennt die Seriennummern seiner Module oder Wechselrichter. Schlechter sieht es aus, wenn die Ware im Ausland auf den Markt gebracht wird. Im Falle der von der Soko „Sonne“ ermittelten Täter ließ sich das Diebesgut oder auch der Erlös aus dem Verkauf der gestohlenen Module nicht vollständig wiederbeschaffen.

Wie sind Anlagen zu schützen?

Am sichersten, so schätzt die Polizei in Sachsen-Anhalt, seien Anlagen, wenn sie ein Wachschutz im Auge behält. Das sind aber Kosten, die wohl kaum ein Betreiber auf sich nehmen kann. Ausschließen lässt sich ein Diebstahl daher nie vollständig. Zäune und Alarmanlagen verkürzen Dieben aber die Zeit, entdeckt zu werden. Daher raten alle Landeskriminalämter, die Anlagen mit Sicherheitssystemen aufzurüsten. „Durch den Einsatz von Überwachungstechniken, sicherheitsbewusstes Verhalten sowie personal und organisatorische Maßnahmen, können Diebstähle grundsätzlich nicht verhindert, aber wesentlich erschwert werden“, heißt es von der hessischen Behörde. Die Landeskriminalämter in Mecklenburg-Vorpommern und in Bayern haben zur Prävention Faltblätter erstellt. Geraten wird, Einfahrten zu Solarparks mit Barrieren wie Schranken, Gräben oder Bäumen zu versehen und Beleuchtungsanlagen mit Bewegungsmeldern und Kameras zu installieren. Über ein Unterbrechungssignal im Modulstring können Alarmanlagen ausgelöst werden. Da ein Sicherungssystem für jede Anlage nur individuell erstellt werden kann, bieten die Behörden in den Bundesländern eine kostenlose Beratung an – zur Eigenvorsorge. Welche Stelle jeweils zuständig ist, erfahren Interessierte bei der örtlichen Polizeiinspektion oder auf deren Internetseite.

Die Module und Wechselrichter sollten zudem vom Eigentümer individuell gekennzeichnet sein, worauf ein Schild potenzielle Diebe nochmals hinweisen sollte. Die Polizei bietet dazu Eigentümer-Identifizierungs-Nummern (EIN), die von den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen zu erfahren sind. Die Firma Second Sol verkauft Etiketten, die auf die Fabrikate geklebt werden können. In Bremen wurde die sogenannte „künstliche DNA“ entwickelt, welche auch die Polizei in Brandenburg empfiehlt. Dabei werden die Komponenten mit einer synthetische Substanz markiert.

Alle drei Systeme dienen der Abschreckung von Dieben und sollen das Wiederauffinden der Beute erleichtern. Stellt die Polizei einen Transport markierter Module, kann sie leicht erkennen, dass es sich um gestohlene Ware handelt – selbst wenn der Diebstahl noch nicht entdeckt, geschweige denn zur Anzeige gebracht wurde. Angehalten werden Betreiber zudem, gestohlene Module in Diebstahldatenbanken einzutragen. So können Kaufinteressenten der Hehlerware erkennen, was ihnen tatsächlich angeboten wird und den Eigentümer benachrichtigen. Second Sol betreibt eine solche Datenbank, daneben der Solarförderverein in Aachen und die Zeitschrift Photon. Schließlich appellieren die Polizeibehörden an die Anlagenbetreiber, die Seriennummern von Modulen und Wechselrichter gut aufzubewahren. In vielen Fällen konnten gestohlene Waren nicht zur Fahndung ausgeschrieben werden, weil sie schlicht und einfach nicht bekannt waren.
Diskussion/Kommentare

Diebstähle

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    Autor: Ines Rutschmann » 17.01.2014, 12:57
    Veröffentlicht in: Praxis



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