Auktionen lösen Krise am Photovoltaikmarkt nicht

Seit drei Jahren befindet sich der Photovoltaikmarkt in Deutschland in einem Tief. In den vergangenen zwölf Monaten wurden rund 1.100 Megawatt neu installiert. Das erklärte Ziel der Politik ist, dass in einem Kalenderjahr 2.500 Megawatt gebaut werden. Die neu errichtete Leistung fiele höher aus, wären alle Projekte aus den ersten Auktionen für Freiflächenanlagen umgesetzt. Doch auch dann würden die Ziele der Energiewende mit Abstand nicht erreicht.

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Im Oktober dieses Jahres wurden der Bundesnetzagentur Photovoltaikanlagen mit insgesamt rund 109 Megawatt Leistung gemeldet. Das ist der zweithöchste Wert in diesem Jahr. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zubau in den vergangenen zwölf Monaten gerade einmal bei 44 Prozent des Ziels für ein Kalenderjahr liegt.

Der Staatssekretär für Energie, Rainer Baake, hatte Anfang November zum Forum Neue Energiewelt erklärt, er hoffe, dass die Zubauzahlen von Photovoltaikanlagen wieder steigen, wenn im nächsten Jahr die Förderung von Anlagen größer 750 Kilowatt nur noch über Ausschreibungen erfolge. Große Kraftwerke mit insgesamt 600 Megawatt Leistung sollen so pro Jahr errichtet werden. Die Realisierung der bisher in Ausschreibungen erfolgreichen Projekte ist jedoch niedrig: 23 von 144 Solarkraftwerke wurden bis heute in Betrieb genommen, hat die Bundesnetzagentur mitgeteilt. Die Informationen lassen sich auch dem Anlagenregister entnehmen.

Realisierungsquote für Projekte aus ersten Auktionen unter 50 Prozent

Fünf Ausschreibungsrunden hat es bislang gegeben. Die Projekte, für die dabei ein Anspruch auf Förderung gesichert wurde, haben eine Leistung von insgesamt 766 Megawatt. Um den in der Auktion zugesprochenen Fördertarif aber zu erhalten, müssen die Projekte innerhalb von zwei Jahren verwirklicht sein. Die Realisierungsquote liegt erwartungsgemäß für die ersten beiden Auktionen am höchsten – aber dennoch nur bei rund 28 Prozent. 58 Freiflächenanlagen wurden bezuschlagt. Umgesetzt sind davon bis heute 16. Die Quote fällt höher aus, wenn die realisierte Anlagenleistung betrachtet wird: Die Projekte in beiden Auktionen sind mit insgesamt 316 Megawatt Leistung geplant. Die davon errichteten 16 Kraftwerke haben 133 Megawatt Leistung. Das entspricht rund 42 Prozent.

Aus der dritten Runde 2015 sind von 43 Projekten bislang vier in Betrieb gegangen. Hinzu kommen drei Freiflächenparks aus der ersten Ausschreibung dieses Jahres, die realisiert wurden. Insgesamt setzten sich in der Auktion allerdings 21 Projekte durch. In der jüngsten Runde im August erhielten 22 Projekte einen Zuschlag, von denen noch keines laut Anlagenregister in Betrieb genommen wurde. Wird die Frist zur Realisierung nicht eingehalten, werden Strafzahlungen fällig. Für die Projekte aus der allerersten Runde läuft die Frist im April 2017 ab. 18 Freiflächenanlagen sind hier noch zu errichten.

Hohe Realisierungsquote von Projekten bringt Photovoltaikmarkt nicht aus seinem Tief

Angenommen, alle bezuschlagten Freiflächenanlagen würden noch realisiert, bedeutete das einen Zubau von rund 600 Megawatt. Würden erst einmal nur die Projekte aus den ersten beiden Auktionen 2015 noch umgesetzt, erhöhte sich die installierte Photovoltaikleistung in Deutschland um 183 Megawatt. Aber das änderte nichts daran, dass der Zubau dramatisch unter den politischen Zielen liegt – egal, ob die Realisierungsquote für die Freiflächenanlagen bei 100 Prozent liegt oder weniger. Wenn ab nächstem Jahr 600 Megawatt über Auktionen gefördert werden, können die Installationszahlen auch nicht auf 2.500 Megawatt klettern, wenn zugleich der Markt für kleine und mittelgroße Gebäudeanlagen weiterhin weniger als 1.000 Megawatt im Jahr beträgt.

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    Autor: Ines Rutschmann » 01.12.2016, 11:38
    Veröffentlicht in: Politik, Praxis



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