Ab Juli können Netzbetreiber EEG-Umlage auf Eigenverbrauch eintreiben

Die Abrechnung der EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom ist bislang ausgesetzt. Das ändert sich zum 1. Juli: Dann sind die Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber erstmals berechtigt, Abschläge in Rechnung zu stellen. Dies ist jedoch nur bei umlagepflichtigen Photovoltaikanlagen vorgesehen, deren Generator mehr als 30 Kilowatt Leistung aufweist.

Seit August fällt die EEG-Umlage auf selbst genutzten Solarstrom an. Erste Abschlägszahlungen können Netzbetreiber nun ab Juli fordern. Foto: Marco2811/Fotolia

Seit August fällt die EEG-Umlage auf selbst genutzten Solarstrom an. Erste Abschlagszahlungen können Netzbetreiber nun ab Juli fordern. Foto: Marco2811/Fotolia

Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetztes (EEG) im vergangenen Jahr, wurde eine neue Zahlungsverpflichtung für Betreiber von Photovoltaikanlagen eingeführt. Verbrauchen die Stromerzeuger einen Teil ihrer Energie selbst, müssen sie auf die selbst genutzte Strommenge EEG-Umlage zahlen. In die Pflicht nimmt der Gesetzgeber dabei jedoch nur Betreiber von Anlagen, die mehr als zehn Kilowatt Leistung haben und entweder ab August 2014 in Betrieb genommen oder nach Juli 2014 eigenverbrauchsfähig gemacht wurden.

Gewöhnlich sind die Übertragungsnetzbetreiber mit der Erhebung der EEG-Umlage auf jede verbrauchte Kilowattstunde beschäftigt. Für die neue Zahlungspflicht auf selbst genutzten Solarstrom erbaten sich die vier Unternehmen jedoch eine neue Lösung und setzten die Abrechnung der ersten Beträge auf unbestimmte Zeit aus. Das Bundeswirtschaftsministerium legte daraufhin im Dezember 2014 einen Referentenentwurf vor, der das Abrechnungsmodell für die EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom regeln sollte. Im Februar 2015 manifestierte sich der Vorschlag als „Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus nach dem EEG“. Aber erst zum 30. Juni endet nun die abrechnungsfreie Zeit für die betroffenen Anlagenbetreiber.

Ab Juli dürfen Abschläge der vergangenen zehn Monate gefordert werden

Denn zum 1. Juli sind die zuständigen Netzbetreiber erstmals berechtigt, für den zwischen August 2014 und Mai 2015 selbstverbrauchten Strom eine Abschlagszahlung zu fordern. Voraussetzung ist dabei, dass das umlagepflichtige System mehr als 30 Kilowatt Leistung hat. Nur dann hält der Gesetzgeber das Erheben von Abschlagszahlungen für angemessen. Die Forderung stellen die Übertragungsnetzbetreiber den Eigenverbrauchern, deren Photovoltaikanlage an ihr Übertragungsnetz geschlossen ist. Jeder Verteilnetzbetreiber ist für das Eintreiben der EEG-Umlage bei den Systemen am eigenen Verteilnetz verantwortlich.

Ob die Netzbetreiber bereits zum 1. Juli von dem Recht Gebrauch machen, Abschlagsrechnungen an die Eigenverbraucher zu stellen, bleibt ihnen überlassen. Die Übertragungsnetzbetreiber wollen dies ab Juli bei allen Anlagen machen, für die sie zuständig sind, heißt es von TransnetBW. Bei den Verteilnetzbetreibern liegt keine einheitliche Entscheidung über das Vorgehen vor. Zum 1. Juli können die Unternehmen Abschläge fordern, aber sie müssen es nicht. Zwar geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass ein Großteil der Netzbetreiber von dem Recht Gebrauch machen wird. Da aber jedes Unternehmen selbst verantwortet, ab wann und wie die EEG-Umlage von Eigenverbrauchern eingefordert wird, bringt nur eine Nachfrage bei dem Verteilnetzbetreiber Klarheit, an dessen Netz eine Photovoltaikanlage geschlossen ist.

Daten zur Jahresabrechnung sind bis Ende Februar 2016 vorzulegen

Die MDN Main-Donau Netzgesellschaft mbH Nürnberg (vormals N-Ergie Netz GmbH) beispielsweise will für den selbstverbrauchten Strom aus Anlagen größer 30 Kilowatt Leistung der Jahre 2014 und 2015 noch keine Abschläge bis zum Jahresende fordern. „Der Aufwand wäre zu hoch“, erklärt die stellvertretende Pressesprecherin. Erst ab 2016 plant das Unternehmen, monatliche Abschlagszahlungen zu erheben. Bei N-Ergie beziehungsweise nunmehr MDN handelt es sich dabei um keinen kleinen Verteilnetzbetreiber, sondern den zweitgrößten in Bayern und auch einen der größten bundesweit. Die Wemag Netz GmbH aus Schwerin tendiert ebenfalls dazu, 2015 noch keine Abschläge zu erheben. „Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben derzeit noch keine verbindliche Aussagen dazu getroffen, wie und in welchem Umfang die Weiterleitung der von den Verteilnetzbetreibern vereinnahmten EEG-Umlage vorgenommen werden soll“, teilt das Unternehmen mit.

Natürlich können die Netzbetreiber das Eintreiben der Gelder nicht unbegrenzt hinausschieben. Bis 31. Mai 2016 müssen sie für die in den Jahren 2014 und 2015 angefallene EEG-Umlage eine Endabrechnung vorlegen. Die solaren Eigenverbraucher wiederum müssen bis Ende Februar 2016 dem zuständigen Netzbetreiber mitteilen, wie hoch die selbst genutzte Strommenge im Jahr 2014 (ab August) und 2015 war und welche Abschlagszahlungen sie gegebenenfalls schon auf diesen Eigenverbrauch geleistet haben. Die Mitteilungsfrist bis Ende Februar obliegt laut Gesetz dabei allen umlagepflichtigen Eigenverbrauchern, also auch denen, deren System mehr als zehn und höchstens 30 Kilowatt groß ist, so dass im Vorfeld keine Abschlagszahlungen gefordert werden sollten. Für diese eher kleinen Systeme zahlen die Betreiber dann einmal jährlich die EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom – nämlich, wenn der Netzbetreiber die Endabrechnung erstellt hat.

Kontaktaufnahme mit Netzbetreiber kann Prozedere erleichtern

Doch auch diese Mitteilungspflicht können Netzbetreiber unterschiedlich stark einfordern. Die MDN mbH sagt auf Nachfrage des Magazins des Photovoltaikforums, sie benötigten keine Mitteilung über die selbst genutzte Strommenge. „In der Regel haben die Kunden auf unsere Empfehlung hin in die Anlagen Erzeugungszähler eingebaut“, heißt es aus der Pressestelle. Durch diese Zähler wisse das Unternehmen, wie hoch der Eigenverbrauch jeweils sei. Und wenn in einzelnen Anlagen keine Erzeugungszähler vorhanden sein sollten, werde MDN mit dem Solarbetreiber gemeinsam eine Schätzung vornehmen.

Auch bezüglich der Meldung des umlagepflichtigen Eigenverbrauchs des Jahres 2014 kann es sinnvoll sein, sich in den kommenden Wochen mit dem zuständigen Netzbetreiber abzustimmen und den ermittelten Datenwert für die Jahresabrechnung schon vor dem 28. Februar 2016 mitzuteilen. Schließlich definiert die Gesetzesverordnung kein Prozedere, wie die Höhe der Abschlagszahlungen, die vor der Jahresabrechnung gestellt werden können, zu bestimmen ist. In der Verordnung ist lediglich von Abschlägen „in angemessenem Umfang“ die Rede. Da der Eigenverbrauch einer Photovoltaikanlage jedoch durchaus zwischen 20 und 70 Prozent der vom System erzeugten Elektrizität liegen kann, stellt sich die Frage, für welche Annahme sich ein Netzbetreiber entscheidet, wenn er ab Juli Abschläge fordern will, aber bislang auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Die Wemag Netz GmbH beabsichtigt auch aus diesem Grund, in diesem Jahr noch keine Abschläge zu erheben. Dem Unternehmen fehlen Erfahrungswerte, die es erst bei der Endabrechnung für das Jahr 2015 zu erhalten erwartet. „Bezüglich der Jahresabrechnung kann man den Anlagenbetreibern nur empfehlen, frühzeitig den zuständigen Netzbetreiber zu kontaktieren und anzufragen, wann die 2014er Daten vorgelegt werden sollten“, rät Stephan Kirchenbaur vom Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW.

Für Eigenverbrauch ab Juni sind monatliche Abschläge gestattet

Für den ab Montag – also ab 1. Juni – erfolgten Eigenverbrauch können die Netzbetreiber ebenfalls einen Abschlag auf die zu zahlende EEG-Umlage erheben (, sofern natürlich die Photovoltaikanlage mehr als zehn Kilowatt Leistung aufweist und erst innerhalb der vergangenen zehn Monate in Betrieb ging oder der Eigenverbrauch startete). Die Abschläge für alle zukünftigen Monate sind jeweils zum 15. Kalendertag des Folgemonats zu stellen und dann nicht gesammelt, wie es für die Abschläge des zwischen August 2014 und Mai 2015 genutzten Eigenstroms übergangsweise gemacht werden darf, sondern stets Monat für Monat. Über die fällige EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch im Juli könnte demnach zu Mitte August eine Abschlagsforderung gestellt werden, für den Eigenverbrauch von August zu Mitte September und so weiter. Wie erwähnt: Ob der zuständige Netzbetreiber von dem Recht auf Erhebung von Abschlägen Gebrauch macht, bleibt ihm überlassen. Das Gesetz hält dieses Vorgehen nur für vertretbar, wenn die umlagepflichtige Photovoltaikanlage mehr als 30 Kilowatt Leistung aufweist. Solare Eigenverbraucher, die EEG-umlagepflichtig sind und deren System den Schwellwert für das Erheben von Abschlägen überschreitet, sollten sich daher darauf einstellen, dass das Eintreiben der Gelder nun bald beginnt.

Sollte ein Anlagenbetreiber bereits für seinen Eigenverbrauch EEG-Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber entrichtet haben, so gelten diese als rechtmäßig geleistet, auch wenn der zuständige Netzbetreiber ein anderes Unternehmen sein sollte. In welcher Höhe Zahlungen geleistet wurden, können die Übertragungsnetzbetreiber indes nicht sagen, da sie noch nicht zwischen den EEG-Zahlungen differenzieren. Ob es sich bei erfolgten Zahlungen also um das Entrichten der „normalen“ EEG-Umlage auf Strom aus der Steckdose handelte oder um die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch, unterscheiden sie bislang noch nicht. Wer daher bereits auf seine selbst genutzte Strommenge Zahlungen geleistet haben sollte, dem sei wiederum die Kontaktaufnahme mit seinem Netzbetreiber nahegelegt, damit dieser nicht noch eine möglicherweise zu hohe Abschlagsforderung stellt.

Hinweis: Der Artikel wurde am 4. Juni um die Aussage der Wemag Netz GmbH ergänzt, da die Antwort des Unternehmens erst nach Erstveröffentlichung des Artikels die Redaktion erreichte. Wir haben uns entschieden, den Artikel zu ergänzen, weil wir die Antwort für sehr interessant halten.

 




Zurück zur Übersicht

Suche nach: