Weitere Mehrkosten durch Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende

Der Einbau eines intelligenten Messsystems soll auch Betreibern von Solarstromanlagen größer einem Kilowatt Leistung vorgeschrieben werden können. Der Bundestag hat den Gesetzentwurf zur Digitalisierung der Energiewende mit der entsprechenden Änderung beschlossen. Zudem findet sich im Text eine Änderung, die für höhere Kosten bei Verbrauchern führen kann: Müssen neue Halterungen und Gehäuse aufgrund des Zählereinbaus montiert werden, zahlt dafür wahrscheinlich am Ende der Kunde.

Ab 2017 sollen intelligente Messsysteme reihenweise installiert werden. Auf Elektriker kommt wahrscheinlich eine Auftragswelle zu. Foto: Kadmy/Fotolia

Ab 2017 sollen intelligente Messsysteme reihenweise installiert werden. Auf Elektriker kommt wahrscheinlich eine Auftragswelle zu. Foto: Kadmy/Fotolia

Der Bundestag hat das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beschlossen. Damit es in Kraft treten kann, muss es noch den Bundesrat passieren und vom Bundespräsidenten unterschrieben werden. Ist beides erfolgt, müssen sich Betreiber von Photovoltaikanlagen größer sieben Kilowatt Leistung intelligente Messsysteme einbauen lassen – gegen weit höhere Entgelte, als heute üblicherweise für den Betrieb eines Einspeisezählers berechnet wird.

 

 

 

 

Einbaupflicht für Anlagen größer sieben Kilowatt Leistung

Die Einbauverpflichtung ist zum einen für netzgekoppelte Erneuerbare-Energien-Anlagen vorgesehen aber auch für Haushalte und Unternehmen, die mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr beziehen. Unterschiede gibt es lediglich bei den zeitlichen Vorgaben und den Preisobergrenzen. Bei Ökostromerzeugern sollen folgende jährlichen Entgelte nicht überschritten werden:

  • für Anlagen größer 7 bis 15 Kilowatt Leistung 100 Euro brutto
  • für Anlagen größer 15 bis 30 Kilowatt Leistung 130 Euro brutto
  • für Anlagen größer 30 bis 100 Kilowatt Leistung 200 Euro brutto

Bei noch größeren Systemen nennt der Gesetzentwurf keinen festen Preis als Obergrenze. Ein „angemessenes Entgelt“ solle in Rechnung gestellt werden, heißt es. Im Gegensatz zu den Anlagen bis 100 Kilowatt Leistung, die bereits ab 2017 zum Einbau eines intelligenten Messsystems verpflichtet werden können, ist dies bei den größeren Kraftwerken erst ab 2020 möglich. Bis dahin, so spekulieren die Politiker, haben sich die Preise für die Messsysteme infolge des massenhaften Ausbringens von Geräten verringert.

Umgedreht ist die Systematik bei Strombeziehern: Bei kleinen Verbrauchern – also jene mit kleinerem Strombezug – greift die Pflicht zum Einbau später als bei den Großverbrauchern. Spätestens ab 2020 erhalten Haushalte und Gewerbebetriebe mit mehr als 6.000 und bis maximal 10.000 Kilowattstunden im Jahr ein intelligentes Messsystem. Wer mehr als 10.000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, kann auch ab 2017 einen Smart Meter eingebaut bekommen. Die jährlichen maximalen Entgelte für den Messstellenbetrieb sollen bei Stromverbrauchern ebenfalls zwischen 100 und 200 Euro beziehungsweise einem „angemessenen Entgelt“ bei einem Strombezug über 100.000 Kilowattstunden liegen.

 

Einbauoption für Neuanlagen größer einem Kilowatt Leistung ab 2018

 

Für neu errichtete Solaranlagen mit mehr als einem und bis zu sieben Kilowatt Leistung kann der grundzuständige Messstellenbetreiber festlegen, dass diese ebenso ein intelligentes Messsystem bekommen sollen. Der durch die Regierungsparteien kurzfristig vor der Abstimmung noch eingebrachte Änderungsvorschlag wurde vom Parlament angenommen. Die Preisobergrenze beträgt hier 60 Euro brutto im Jahr. Optional können Messstellenbetreiber auch entscheiden, dass Haushalte zwischen 2.000 und 6.000 Kilowattstunden Stromverbrauch ein intelligentes Messsystem eingebaut bekommen. Die Preisobergrenze liegt hier aber deutlich niedriger als bei den ganz kleinen Ökostromanlagen: 30 Euro pro Jahr bei 2.000 bis 3.000 Kilowattstunden Strombezug, 40 Euro bei bis zu 4.000 Kilowattstunden, 60 Euro bei bis zu 6.000 Kilowattstunden.

Im nun vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf findet sich zudem eine weitere womöglich einschneidende Veränderung für alle Anlagenbetreiber und auch Haushalte: Die Definition, was eine Messstelle ist, wurde geändert. Im Referentenentwurf der Bundesregierung hieß es: „Die Gesamtheit aller Mess-, Steuerungs- und Kommunikationseinrichtungen zur sicheren Erhebung, Verarbeitung und Übermittlung von Messdaten und zur sicheren Anbindung von Erzeugungsanlagen und steuerbaren Lasten an Zählpunkten eines Anschlussnutzers einschließlich der Installationsvorrichtungen“. Die letzten drei Worte dieses Satzes wurden gestrichen. Die Installationsvorrichtungen für Messsysteme gehören nun nicht mehr zu Messstelle.

 

Installationsvorrichtung gehört nicht mehr zur Messstelle

 

Damit sind die Zählerkästen gemeint und auch die Schienen, an denen Zähler montiert sind. Wenn diese nicht zur Messstelle gehören, ist der Messstellenbetreiber auch nicht für sie verantwortlich. Denn dieser hat laut Gesetzentwurf für „Einbau, Betrieb und Wartung der Messstelle und ihrer Messeinrichtungen und Messsysteme“ zu sorgen. Ist aufgrund des Einbaus eines intelligenten Messsystems ein neuer Kasten oder eine neue Montagevorrichtung nötig, übernimmt der Messstellenbetreiber vermutlich die Installation von diesen – aber zu zusätzlichen Kosten. Denn die oben genannten Preisobergrenzen gelten für die „Ausstattung von Messstellen mit intelligenten Messsystemen“.




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