Intelligente Messsysteme für Photovoltaikanlagen größer sieben Kilowatt

VonInes Rutschmann

Intelligente Messsysteme für Photovoltaikanlagen größer sieben Kilowatt

Das geplante Gesetz für den verpflichtenden Einbau intelligenter Messsysteme nimmt Formen an. Ab 2017 sollen Betreiber von Photovoltaikanlagen größer sieben Kilowatt Leistung einen digitalen Stromzähler erhalten, der in ein Kommunikationsnetz eingebunden ist. Maximale Kosten: 100 bis 200 Euro pro Jahr – je nach Größe der Anlage. Die Messstellenbetreiber haben acht Jahre Zeit, den Einbau vorzunehmen. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium nun in dem Referentenentwurf „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ manifestiert.

Seit August fällt die EEG-Umlage auf selbst genutzten Solarstrom an. Erste Abschlägszahlungen können Netzbetreiber nun ab Juli fordern. Foto: Marco2811/Fotolia

Geht es nach dem Bundeswirtschaftsministerium, werden mechanische Stromzähler zur Messung der Solarstromeinspeisung bei vielen Betreibern bald ausrangiert. Intelligente Messsysteme sollen statt dessen installiert werden. Foto: Marco2811/Fotolia

Im Februar dieses Jahres hatte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) ein Eckpunktepapier vorgelegt, wie der Einbau intelligenter Messsysteme in Deutschland aussehen soll. Nach einer längeren Konsultation mit der Energiewirtschaft und den Herstellern der Geräte hat das Ministerium nun einen Referentenentwurf für das neue Gesetz vorgelegt. „Digitalisierung der Energiewende“ soll es heißen und offenbar schnell verabschiedet werden. Spätestens 2016 muss das Gesetz vom Bundestag beschlossen werden, da der Einbau der neuen Stromzähler bereits 2017 bei bestimmten Netznutzern beginnen soll.

Zur Gruppe der ersten Netznutzer gehören Betreiber von Photovoltaikanlagen, deren System mehr als sieben Kilowatt und maximal 100 Kilowatt Leistung hat – egal, wann die Anlage in Betrieb gegangen ist. Systeme größer 100 Kilowatt haben noch bis 2020 Schonfrist. Dann sollen auch sie innerhalb von acht Jahren ein intelligentes Messsystem anstelle eines heute üblichen Stromzählers gesetzt bekommen. Das Messsystem ist in ein Kommunikationsnetz eingebunden und zählt nicht nur den fortlaufenden Stromverbrauch beziehungsweise die Stromeinspeisung, sondern liefert diese Daten zeitsynchron. Aufgrund der kommunikativen Ankopplung besteht die Möglichkeit, Signale zu empfangen. „Mit intelligenten Messsystemen soll die sichere und standardisierte Kommunikation in den Energienetzen der Zukunft ermöglicht werden“, begründet das Ministerium den vorgesehenen, verpflichtenden Einbau. Wer von diesem nicht betroffen ist, kann auch auf Wunsch ein intelligentes Messsystem erhalten.

Messstellenbetreiber darf 100 bis 200 Euro im Jahr vom Photovoltaikanlagenbetreiber verlangen

Zuständig für die Installation der Geräte ist der sogenannte „grundzuständige Messstellenbetreiber“. Um als solcher zu arbeiten, ist zuvor die Zulassung durch eine Landesbehörde erforderlich. Liegt diese vor, hat der entsprechende Messstellenbetreiber den Anspruch, den Netznutzern ein intelligentes Messsystem einzubauen und jährlich Entgelte für den Betrieb zu erheben. Häufig handelt es sich bisher beim Messstellenbetreiber um den Netzbetreiber, an dessen Netz ein Nutzer angeschlossen ist. Es ist anzunehmen, dass die für den Einbau intelligenter Messsysteme zugelassenen Unternehmen die Energieunternehmen sein werden, die auch heute schon das Geschäft mit der Installation und dem Betrieb von Stromzählern machen. Dem Anlagenbetreiber steht es dabei frei, selbst ein Unternehmen zu beauftragen, das intelligente Messsystem im Haus zu betreiben. Dem bisherigen Messstellenbetreiber ist dann der Abschluss eines Messstellenvertrags mit einem anderen, qualifizierten Anbieter schriftlich mitzuteilen. Das neue Unternehmen ist genauso verpflichtet, die digitalen Geräte einzubauen.

Der Messstellenbetreiber kann den Einbau ab 2017 vornehmen, wenn dies „technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar“ ist. Als technisch möglich stuft das BMWi den Einbau ein, wenn es mindestens drei voneinander unabhängige Anbieter eines intelligenten Messsystems am deutschen Markt gibt, die alle Anforderungen zur technischen Sicherheit und der Schutzprofile des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erfüllen. Wirtschaftlich vertretbar ist der Einbau, wenn der Messstellenbetreiber die im Referentenentwurf genannten Obergrenzen für die Berechnung des Messstellenbetriebs einhält. Diese liegen für Betreiber einer Anlage mit mehr als sieben und weniger als 15 Kilowatt Leistung bei 100 Euro im Jahr und für Anlagen zwischen 15 und 30 Kilowatt bei 130 Euro im Jahr. Für Systeme zwischen 30 und 50 Kilowatt können die Messstellenbetreiber bis zu 170 Euro im Jahr verlangen und für Systeme zwischen 50 und 100 Kilowatt Leistung bis zu 200 Euro. Diese Kosten hält das BMWi als „eine die Renditeerwartungen der Anlagen berücksichtigende Preisobergrenze“. Für Anlagen größer 100 Kilowatt ist kein Maximalpreis für den Messstellenbetrieb genannt. Es heißt lediglich, jährlich soll ein „angemessenes Entgelt“ in Rechnung gestellt werden.

Eigenverbrauchsanlagen sind von Regelungen nicht betroffen

Der Einbau eines intelligenten Messsystems ersetzt nicht nur den bisherigen Stromzähler. Auch die Geräte werden überflüssig, die zwecks Einspeisemanagement installiert wurden wie Rundsteuerempfänger. Denn das intelligente Messsystem soll bei Photovoltaikanlagen gleich mehrere Zwecke erfüllen: die Ist-Einspeisung abrufbar machen, die Netzzustandsdaten messen und zeitnah übertragen und die Administration und Fernsteuerbarkeit der Systeme gewährleisten. Zudem sollen die gemessenen Werte gespeichert und an verschiedene Unternehmen übertragen werden. Der Netzbetreiber kann sie zur Berechnung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch verwenden. Der Übertragungsnetzbetreiber darf sie nutzen, um sich ein Bild über die aktuelle Solarstromeinspeisung zu machen und so zum Beispiel den Strom besser vermarkten zu können. Die Stromversorgungsunternehmen dürfen die Daten genauso abrufen, um beispielsweise nachzuvollziehen, in welcher Höhe sie EEG-Umlage abzuführen haben.

Der Referentenentwurf des BMWi enthält im Großen und Ganzen, was im Eckpunktepapier im Winter bereits niedergeschrieben war. Die Kostenobergrenze für Photovoltaikanlagen sollte ursprünglich einheitlich bei 100 Euro im Jahr liegen. Nun darf es bei mittelgroßen und großen Systemen auch ein bisschen mehr sein. Dafür ist die Überlegung entfallen, alle Photovoltaikanlagen mit Eigenverbrauch mit intelligenten Messsystemen auszustatten. Zum Stichwort „Eigenverbrauch“ gibt es bis auf die Datenübermittlung zum Zwecke der Berechnung der EEG-Umlage keine weitere Bemerkung im Gesetzesentwurf. Dass alle Erzeugungsanlagen größer sieben Kilowatt Leistung mit einem intelligenten Messsystem ausgerüstet werden sollen, ist bereits im Energiewirtschaftsgesetz so vorgesehen, dort allerdings lediglich, um die Stromeinspeisung zeitlich exakt anzuzeigen. Dass über die neuen Zähler auch die Funktion des Einspeisemanagements erfüllt werden soll, ist eine Überlegung einer Beratungsagentur, die das Ministerium aufgegriffen hat. Eine neue Analyse ergab nach Angaben des BMWi dabei, dass der Nutzen für das Energieversorgungssystem groß ist, wenn alle Anlagen größer sieben Kilowatt Leistung in die Digitalisierung des Stromnetzes einbezogen werden.

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