Forschungsinitiative soll große Fragen der Energiewende lösen

VonInes Rutschmann

Forschungsinitiative soll große Fragen der Energiewende lösen

Mit den Kopernikus-Projekten startet eine Forschungsinitiative zur Energiewende, die Lösungen zu den entscheidenden Fragen bei der Transformation des Energiesystems liefern. Zugleich beinhaltet der Forschungsauftrag die Entwicklung von Maschinen und Konzepten, die direkt in der Praxis umgesetzt werden können. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) stellte die vier ausgewählten Konsortien gestern in Berlin vor. Beteiligt sind an diesen 230 Institutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Robert Schlögl und Johanna Wanka bei der Vorstellung der Kopernikus-Projekte in Berlin. Foto: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Wissenschaftler Robert Schlögl und Bildungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der Kopernikus-Projekte in Berlin. Foto: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Nach dem Astronomen Nikolaus Kopernikus ist die umfangreichste Forschungsinitiative der Bundesregierung zur Energiewende benannt. Als groß lassen sich die Kopernikus-Projekte aus mehreren Gründen bezeichnen: Ihre Laufzeit beträgt bis zu zehn Jahre. 230 Institutionen haben sich zu insgesamt vier Konsortien zusammengefunden, die sich mit relativ breit gefassten Fragestellungen befassen. Und die Forschungsprojekte spannen einen weiten Bogen – von der Grundlagenforschung bis zur großtechnischen Anwendung in der Praxis sollen sie Lösungen hervorbringen.

Das große Thema ist die Energiewende. Wie grüner Strom kostengünstig erzeugt wird, hat Deutschland vorgemacht. Die Kopernikus-Projekte sollen nun aufzeigen, wie eine Vollversorgung aus fluktuierenden Energiequellen gelingt, wie dazu die Infrastruktur zu verändern ist, was sich in der Industrie verändern sollte und wie der bislang stark von fossilen Energien abhängige Wärme- und Mobilitätssektor sowie die chemische Industrie von elektrischer Energie profitieren können. Insgesamt 400 Millionen Euro will das Bundesforschungsministerium für die Initiative ausgeben.

Definition der Forschungsthemen ist Teil des Problems“

Beworben hatten sich im vergangenen Jahr fast 1.000 wissenschaftliche Einrichtungen, Unternehmen, Organisationen und Körperschaften, die sich zu 41 Konsortien zusammengefunden hatten. Allerdings wurden nicht einzelne Arbeitspakete von einem unabhängigen Beirat ausgewählt, sondern „eine Gruppe von Kollegen auf die Reise geschickt, eine Reihe von Problemen zu lösen, von denen wir nicht wissen, wohin es geht“, sagte Robert Schlögl, Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft und Kopf des Beirats bei der Vorstellung der Kopernikus-Projekte in Berlin.

Im Unterschied zur häufigen Praxis bei der Forschungsförderung, bei der das Thema eines Projekts genau definiert wird, sind die Kopernikus-Projekte thematisch relativ offen. „Die Definition der Forschungsthemen ist Teil des Problems. Jedes Konsortium muss erst einmal herausfinden, was die Probleme sind und welche Lösungsansätze die richtigen sind“, fuhr Schlögl fort. Festgelegt sind lediglich „Themenkorridore“ für jedes Konsortium.

Projekte beschäftigen sich mit Stromnetzen und Industrieprozessen

Ensure“ heißt ein Projekt. Dabei soll es um neue Netzstrukturen gehen, um so die Kosten für den Netzumbau zu verringern, der erforderlich wäre, wenn der fluktuierend anfallende Wind- und Sonnenstrom einfach in die Stromnetze eingespeist würde. Beschäftigen will sich das Konsortium dagegen beispielsweise mit der Verknüpfung der Netze für Strom, Wärme und Gas und auch mit Inselnetzen – ganze Regionen könnten vom Verbundnetz abgekoppelt werden und sich selbst versorgen.

Power-to-X“ widmet sich Verfahren, um Stromüberschüsse aus Erneuerbaren Energien in Treibstoffe, Basisstoffe für die chemische Industrie und Gase zu wandeln. Im Rahmen von „SynErgie“ sollen Industrieverfahren entwickelt und verändert werden, die mit einer schwankenden Energieversorgung zurecht kommen. Gerade energieintensive Prozesse sollen dabei im Fokus stehen und zwar branchenübergreifend. Während sich die drei genannten Projekte eher mit technischen Fragen beschäftigen, trägt das vierte namens „ENavi“ sozialen und wirtschaftlichen Charakter. Es geht dabei darum „das hochkomplexe Energiesystem besser zu verstehen und aus diesem Verständnis heraus Lösungsoptionen für eine gesicherte, sozial akzeptable und verträgliche Energieversorgung zu erarbeiten“, sagte Projektleiter Ortwin Renn vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS). Die beteiligten Forscher wollen vor allem ein Instrument entwickeln, mit dem sich die Wirkungen von wirtschaftlichen oder politischen Maßnahmen im Voraus abschätzen lassen.

Kommunen, Naturschutzverbände, Verbraucherzentralen beteiligt

Alle vier Projekte haben gemein, dass nicht nur wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen zusammen forschen, sondern auch Vertreter der Zivilgesellschaft in die Forschung eingebunden sind. So sollen die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste der Gesellschaft von Anfang an Berücksichtigung finden. Es handelt sich dabei um Kommunen, Naturschutzverbänden oder Verbraucherzentralen.

Bis 2025 laufen die Projekte. In drei Phasen plant das Bundesforschungsministerium, sie zu fördern. Bis Ende 2018 sollen von den veranschlagten 400 Millionen Euro schon 120 Millionen ausgeschüttet werden. Die Fördersumme werde ergänzt durch andere Töpfe, sagte Ministerin Johanna Wanka.

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Ines Rutschmann editor